Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 3

Stationen und Situationen mit Bildern aus einem langen Berufsleben – 1997 bis 2004 und die Zeit danach


Ausarbeitung, 2009

204 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Jahr 1997: im Zeichen der „Drogenbekämpfung“
Das „Beschleunigte Verfahren“
Osnabrücker „Drogenhistorie“ und das „Osnabrücker
Anti-Drogen-Modell“ als Erfolgsmodell
Erstes Buchprojekt: „VEREINT GEGEN KRIMINALITÄT“
Drogenszene um die Großdiskothek „Hydepark“ und die
„Autoattacke“ gegen Hunsicker
Die Osnabrücker Drogenpolitik
Kriegsausbruch in Osnabrück? Nein: Nur SEK-Einsatz!
Auch wieder so ein Highlight:
Teilnehmer an einem „Osnabrücker Friedensgespräch“
Schießerei unter „Drogengangstern“
Vorwurf in „gebetsmühlenartiger“ Form: Stadt Osnabrück
vertreibt die Drogenszene in den Landkreis Osnabrück
Auszeichnung der Osnabrücker Präventionsarbeit:
Verhinderung von „Ladendiebstahl“
Regionale Arbeitstagung im Bereich des Landgerichts Osnabrück
über „Schutz und Hilfen für Kinder im Verfahren wegen
sexuellen Mißbrauchs“ am 09.09.1997 in Osnabrück –
Kritik an Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger
Junge Spätaussiedler: großes Problem für die Stadt Osnabrück
„Brechmitteleinsatz“ und „Knasthopping“
Königin Silvia von Schweden zu Besuch in Osnabrück
Und noch einmal: Osnabrück im Mittelpunkt („Kampf gegen
die Kriminalität“) aus der Sicht der Boulevardpresse
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (1997)

Jahr 1998: gekrönte Häupter in Osnabrück
Tötungsdelikt zum Nachteil der Prostituierten Anna Hauser:
DNA-Analyse überführt Täter
Dalai-Lama am 5. und 6. Juni 1998 in Osnabrück
Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 1996/97 ()
„Wegelagerer“ an deutschen Autobahnen
Besondere „Hilfsangebote“: Kuschelbären und Notruf-Handys
Das Großereignis überhaupt: 350 Jahre Westfälischer Friede
Ein immer wieder auftauchendes Ärgernis: Wohnungsprostitution
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (1998)

Jahr 1999: Entspannung vor der Jahrtausendwende
Dennoch turbulenter Jahresanfang: Sohn schießt und bedroht
Mutter sowie Polizisten mit scharfer Schusswaffe
Ein neues Fachbuch entsteht
Mal wieder eine Umfrage: Elf Fragen an
Polizeiliche Unterstützung des Strafverteidiger-Notdienstes:
Kuraufenthalt in Bad Tölz
Eine besondere Silvesternacht: Dienst zum „Jahrtausendwechsel“
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (1999)

Jahr 2000: „Osnabrücker Allerlei“
Einladung zu einem „Testtrinken“:
Wieder Beurteilungsstress in eigener Sache
Ein größerer „Drogen-Fang“
Illegale Autorennen mit jährlich wiederkehrenden
Höhepunkten am „CarFreitag“
„Kühl bis ans Herz“: Mord aus Habgier
Illegales Glücksspiel im „Club Harmonie“
Ein Beispiel dafür, dass die Polizei nicht nur repressiv und
präventiv agiert, sondern sich auch für soziale Belange einsetzt:
Immer mal wieder Presseanfragen zur Prostitutionsausübung:
Ergebnisse der 3. Fortschreibung (Strukturdaten) der
Kriminologischen Regionalanalyse Osnabrück (KRA OS)
Der Herr Regierungspräsident „gibt sich die Ehre“:
Was zunächst den Verdacht einer fremdenfeindlichen
Straftat aufkommen lies, stellte sich recht schnell als ein Fall
von Selbstjustiz heraus:
Projekt: Weniger Gewalt an Schulen –
Entwicklung von Schulprojekten
Und schon wieder ein neues Projekt:
Kundenorientierung/-befragung
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (2001)
Jahr 2001: das Jahr der „Heilsbringer“
Veranstaltungsreihe „Netzwerk Innere Sicherheit“
Und noch einmal: Prostitutionsausübung in Osnabrück
Atterfeld: vermeintlicher „Drogensumpf“
DNA-Spuren: Tolle Sache
Terroranschläge am 11. September 2001
Doppelmord aus Eifersucht und verletztem
Ehrgefühl in einer Arztpraxis in Melle
Marvins Geburt: Enkelsohn und „Kumpel(chen)“
Ein besonderes Erlebnis: Vortrag in
Igualada (Spanien) und Schneechaos
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (2001)

Jahr 2002: 40 Jahre bei der Polizei
Immer wieder kritisch hinterfragt: Die Zahl der Drogentoten
Tod von Waldemar Burghard am 27. Januar
Alle Jahre wieder: Erklärungen zur Polizeilichen
Kriminalstatistik (PKS)
Wieder mal so ein Unrecht: Bekleidungszuschuss gestrichen
1. April 2002: 40jähriges Dienstjubiläum
Zum 2. Mal: Kriminologische Regionalanalyse
Osnabrück 2002/03 (KRA OS 02/03)
Rauschgiftfälle und Drogentote: erfreuliche Entwicklung
Teilnahme am „Lombroso-Test“:
Ein Jubiläum: 50. Sitzung der „Ressortübergreifenden
Präventionskommission Osnabrück“ (RePrOS)
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (2002)

Jahr 2003: die Pensionierung „droht“
Intensivierung der Korruptionsbekämpfung
Die Osnabrücker Kriminalstatistik für das Jahr 2002:
Alexandra („Alex“) Rietz: „Ich könnte
Schauspielerin werden!“
„Polizeiladen“ und „OS Team“ unter einem Dach
Internetkriminalität
Polizei zerschlägt Bankräuber-Bande:
SEK-Einsatz mit „Blitz und Donner“
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (2003)

Jahr 2004: die letzten aktiven Wochen
Eine schöne Abschiedsfeier
„Kriminalist bleibt aber Kriminalist“,
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen sowie
eigene Veröffentlichungen (Januar/Februar 2004)

Zeit danach
Mitarbeit im Kriminalpräventionsrat Osnabrück
Präventive Gewinnabschöpfung (PräGe)
Tod des Leitenden Polizeidirektors Georg Sasse
Ringvorlesung Kriminalistik“ an der Universität Osnabrück
Jubiläumsveranstaltung: 10 Jahre „Osnabrücker Modell“
der Drogenbekämpfung
Jubiläum: 10 Jahre „Präventionsverein Osnabrück e.V.“
„Fliegende Schulpartner“
Noch ein Jubiläum: 40 Jahre Bund Deutscher
Kriminalbeamter (BDK) in Osnabrück
3. Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2007/
(KRA OS 07/08)
Vorträge/Referate o.Ä., Teilnahme an Veranstaltungen
sowie eigene Veröffentlichungen (ab März 2004)

Personenregister (polizeiintern)

Personenregister (polizeiextern)

Ortsregister

(Fach-)Bücher
von Ernst Hunsicker
mit Ernst Hunsicker

Jahr 1997: im Zeichen der „Drogenbekämpfung“

Das „Beschleunigte Verfahren“[1]

Diese Verfahrenserledigung, für die man die tollsten Bezeichnungen und Umschreibungen er-/gefunden hat (Strafe folgt auf dem Fuße, Kurzer Prozess, Blitz-Verfahren, Turbo-Verfahren, Schnell-Verfahren, Ruckzuck-Verfahren, morgens geklaut – nachmittags Gerichtsverhandlung) war in einem besonderen Maße politisch gewollt. Zum „Beschleunigten Verfahren“, das wir in Osnabrück zusammen mit der Staatsanwaltschaft und dem Amtsgericht konsequent angegangen sind, war ich wiederholt gefordert – ein Beispiel:

„Diebe werden abgeschreckt“

Händler begrüßen Schnellverfahren

Auf einhelliges Lob bei Osnabrücker Einzelhändlern stößt die Bereitschaft von Staatsanwaltschaft und Polizei, künftig von der neugeschaffenen Möglichkeit Gebrauch zu machen, Ladendiebe innerhalb eines Tages aburteilen zu lassen.

Während der gestrigen Mitgliederversammlung beim Unternehmerverband Einzelhandel skizzierten der Leitende Oberstaatsanwalt Wulf-Eberhard Hennings und Kriminaldirektor Ernst Hunsicker das sogenannte „Beschleunigte Verfahren“ und gaben den Kaufleuten praktische Tips für dessen Umsetzung.

So sei es unbedingt notwendig, die Polizei sofort zu rufen, wenn ein Ladendieb erwischt worden sei. Der Wert der gestohlenen Ware spiele dabei nicht die größte Rolle. […]

Ernst Hunsicker hob die seit Jahren bestehende besonders gute Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz bei der Eindämmung von Beschaffungskriminalität und Ladendiebstählen hervor. Ausgesprochen hilfreich sei dabei auch die gute Kooperation mit der von den Einzelhändlern ins Leben gerufene „City-Streife“[2]. […]

Hunsicker warnte gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen: Erfahrungen mit dem neuen Verfahren im doppelt so großen Bochum hätten zur schnellen Verurteilung von rund 20 Ladendieben geführt.

Ebenso wie Hennings unterstrich der Kriminaldirektor zugleich aber den hohen Abschreckungswert des beschleunigten Verfahrens. Für den gastgebenden Verband meinte Geschäftsführer Peter Konermann in diesem Zusammenhang, im Gegensatz zu Bochum hätten Polizei und Staatsanwaltschaft in Osnabrück volles Verständnis für die Sorgen der Einzelhändler, und sie fühlten sich wirksam unterstützt. Unter Beifall dankte Dieter Rauschen als Präsident des Verbandes Osnabrück-Emsland Hennings und Hunsicker für die versprochene Umsetzung. (fr)

Quelle: Neue Osnabrück Zeitung vom 19.01.1997.

Osnabrücker „Drogenhistorie“ und das

„Osnabrücker Anti-Drogen-Modell“ als Erfolgsmodell

Als ich 1967 meinen Dienst bei der Osnabrücker Kriminalpolizei begann, gab es so gut wie keine „Drogenverstöße“. In Ausnahmefällen waren Strafanzeigen gegen Ärzte/innen oder Apotheker/innen zu bearbeiten, weil sich diese aus ihren „Giftschränken“ illegal bedient hatten.

Die ersten illegalen (Weich-)Drogen brachten Ende der 60er Jahre ganz offensichtlich – auch bekannte – Bands aus den Niederlanden und England nach Osnabrück, die im „Schweizerhaus“ an der Rheiner Landstraße „aufspielten“: Sie hatten nicht nur Groupies im Gefolge, sondern auch Cannabisprodukte im Gepäck. Hier liegen die Anfänge der sich danach entwickelnden Osnabrücker Drogenszene, die dann später ausuferte und in der Konsequenz zum „Osnabrücker-Anti-Drogen-Modell“ führte.

Dieses „Anti-Drogen-Modell“ hat die Stadt Osnabrück immer wieder ins Gespräch gebracht. Wiederholt erschienen Journalisten oder gar Fernsehteams, die danach über das Erfolgsmodell berichtet haben. Auch auswärtige Polizeidienststellen zeigten sich interessiert. Ein Beispiel:

Polizeipräsidium Mönchengladbach – Der Polizeipräsident (Auszug)

Mönchengladbach, 13.08.1997

Sehr geehrter Herr Hunsicker,

über Ihre schnelle und umfangreiche Reaktion auf meine Anfrage habe ich mich sehr gefreut und ich darf Ihnen ganz besonders herzlich für die Übersendung des Schriftgutes zum „Osnabrücker Modell“ danken.

Obwohl ich mich natürlich noch nicht in alle Einzelheiten habe vertiefen können, bin ich jedoch von der Komplexität Ihres Maßnahmenkatalogs beeindruckt. Die Kunde von Ihren Aktivitäten ist nicht nur in das angrenzende Westfalen, sondern auch in die „Rheinschiene“ geschwappt und hilft bei der Vorbereitung auf fachliche Diskussionen. Ich darf mich auch insbesondere dafür bedanken, daß Sie mir einen Pressespiegel mitgeschickt haben, der mir den Stand der Diskussion kurzfristig nahe bringt.

Mit den besten Wünschen für einen Erfolg Ihrer Arbeit verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. Walter Büchsel

Im Mittelpunkt des Interesses stand der eigentlich idyllische Schlossgarten hinter dem Hauptgebäude (Schloss) der Universität Osnabrück. Diese Örtlichkeit, die besonders die Studierenden und viele Osnabrücker/innen als Naherholungsort nutzen, war Anfang der 90er Jahre zu einem „Drogenterritorium“ verkommen. Deshalb gab es nicht nur fortlaufend von unmittelbaren Anliegern Beschwerden. Um den Druck auf die Polizei und die Stadt (Verwaltung, Politik) zu erhöhen, wurde immer wieder die örtliche Presse eingeschaltet.

In meinen „Authentischen Polizei- und Kriminalgeschichten …“ (Teil 2) habe ich die Drogenszenerie geschildert (Seiten 118 ff.).

Polizei und Stadt haben mit dem „Osnabrücker Modell“ (Repression, Prävention und Hilfen) reagiert, das bundesweit Furore machte. Jetzt hatten wir eine positive Presse – sogar über Osnabrück hinaus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Drogenpolitik in NRW bald liberaler,

aber Osnabrück zeigt: Härter ist besser

Von PETER LAMPRECHT

Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen steht in der Drogenpolitik vor einer Richtungsentscheidung. Liberalisierungs-Schritte nach dem Vorbild Hessens, Schleswig-Holsteins oder der Niederlande streben Politiker der regierenden Koalitionsparteien an. Sie finden zunehmend Unterstützung unter den politischen Beamten an der Spitze von Justiz- und Polizeibehörden. Die Opposition und Teile der SPD setzen dagegen auf eine Verbesserung der geltenden Politik, die Strafandrohungen und Hilfsangebote kombiniert. Ein diese Woche bekanntgewordenes Beispiel aus Niedersachsen setzt neue Akzente.

[…]

Ein Blick wenige Kilometer hinter die Grenze des SPD-regierten Bundeslandes Niedersachsen zeigt, daß es zu einer resigniert zurückweichenden Drogenpolitik eine erprobte Alternative gibt. In der April-Ausgabe des Fachblattes „Kriminalistik“ berichtet der Osnabrücker Kriminaldirektor Ernst Hunsicker über „Das Osnabrücker Anti-Drogen-Paket“. Wichtigstes Ergebnis: Die Kriminalität in der Stadt und ihrem Umland ist überdurchschnittlich gesunken. […]

„Verfolgungsdruck“, so Osnabrücks Kriminaldirektor, habe auch dazu beigetragen, daß „Junkies“ Hilfsangebote verstärkt annehmen. […]

Maßnahmen-Beispiele aus Osnabrück:

- Wie sonst überall nur bei Banküberfällen üblich, wird in Osnabrück auch bei Tankstellen-, Spielhallen oder Imbissbudenraub – oft Spezialfällen der Beschaffungskriminalität Drogenabhängiger – eine „Tatortbereichfandung“ ausgelöst: Im weiteren Umfeld des Tatort beginnt die Suche nach möglichen Tätern, oft mit Erfolg.
- Osnabrücks Polizei richtete eine „Arbeitsgruppe Beschaffung“ aus Schutz- und Kriminalpolizisten ein, die mit einer „AG Raub“ und einer „AG Rauschgift“ im gleichen Kommissariat zusammenarbeitet: 1996 kam es zu einem Rückgang der registrierten Beschaffungsdelikte um über 39 Prozent!
- Unter Einbeziehung der elektronischen Datenverarbeitung nimmt Osnabrücks Polizei sogenannte „Anhaltemeldungen“ von routinemäßigen Personen- und Fahrzeugüberprüfungen insbesondere auch in den Schwerpunkten zu den Akten: So werden bestimmte Bewegungen der Drogenszene dokumentiert, bevor es zu kriminellen Aktivitäten kommt. Der Zugriff danach wird erleichtert.
- Seit 1989 arbeitet eine ressortübergreifende „Präventionskommission“ in Osnabrück: 27 Ämter, Hilfsorganisationen, Kirchen etc. beraten und beschließen gemeinsam mit der Polizei Maßnahmen von der Aufstellung eines Spritzenautomaten bis zur Ausweisung oder Abschiebung ausländischer Dealer. […]

Quelle: WELTamSONNTAG (NRW AM SONNTAG) vom 29.04.1997, Seite 127.

Erstes Buchprojekt: „VEREINT GEGEN KRIMINALITÄT…“[3]

Meine Veröffentlichungen zum Thema „Kommunale Kriminalprävention“ haben die Osnabrücker Bemühungen und auch mich bekannt gemacht. Eines Tages rief mich Edwin Kube, Abteilungspräsident im Bundeskriminalamt Wiesbaden, an und fragte, ob ich an der Mitwirkung eines Buches zu dieser Thematik interessiert sei. Ich habe sofort zugesagt.

Später haben Osnabrücker Zeitungen über das Ergebnis berichtet (Folgeseiten).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: INSIDER Osnabrück, Ausgabe April 1997.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Osnabrücker Nachrichten am Mittwoch vom 05.03.1997

(„Werners Cocktail“).

Drogenszene um die Großdiskothek „Hydepark“ …

und die „Autoattacke“ gegen Hunsicker

Nachdem wir die Osnabrücker (halb-)offene Drogenszene (Händler/Dealer, Konsumenten/Junkies) einigermaßen im Griff hatten, tat sich einer neuer „Drogensumpf“ um den „Hydepark“ (kurz: „Park“), der damals noch zwischen dem Fürstenauer Weg und dem Stichkanal angesiedelt war, auf.

Der für die Drogen- und Beschaffungsdelikte zuständige Kommissariatsleiter berichtete mir von den Ergebnissen einer längeren Observation des Geländes um den „Park“. Demzufolge fuhren ab dem späten Nachmittag bis zu 100 Kraftfahrzeuge täglich aus Richtung Fürstenauer Weg in den Wendehammer neben dem „Hydepark“, obwohl dieser erst in den Abendstunden öffnete. Alle Fahrzeuginsassen, die aus Regionen bis zu einer Entfernung von 100 km rund um Osnabrück kamen, hatten nur ein Bestreben: Kauf von Weichdrogen und Kokain.

Die Händler gingen arbeitsteilig vor („Anbahner“, „Depotwächter“, „Geldhalter“). Mehrere Erddepots („Bunker“) befanden sich ganz offensichtlich in einem kleinen Birkenbestand hinter dem „Park“. Da die „Obser“ (Observationskräfte) dieses Kuschelgelände[4] nur schlecht einsehen konnten, wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Sträucher und Birken gekappt, sodass die „Bunker“ besser ausgemacht werden konnten. Sogar uniformierten Kollegen des Einsatz- und Streifendienstes gelang es so, selbst nicht geringe Mengen Kokain samt Händler sicher- bzw. festzustellen.

Die „Besondere Aufbauorganisation Rauschgift“ (BAO RG) musste wieder schwer arbeiten. Fast täglich waren Polizeikräfte stundenlang um den „Park“ aber auch im „Park“ selbst aktiv, weil sich dort zeitweise die „Geldhalter“ aufhielten. Alle Register an präventiven und repressiven Maßnahmen wurden gezogen: Identitätsfeststellungen, Ingewahrsamnahmen/Vorläufige Festnahmen, Sicherstellungen/Beschlagnahmen, Aufenthaltsverbote, Platzverweisungen, Festsetzung von Zwangsgeldern usw.

Ich selbst war auch häufiger am „Hydepark“ und habe mich an den Kontrollen beteiligt. So auch an einem heißen Sonntagnachmittag (nicht nur klimatisch beurteilt) im Sommer 1997.

Kollegen/innen waren mit der Durchsuchung eines Kfz beschäftigt, das unmittelbar vor dem Eingang zum „Park“ stand. Ich hielt mich in dem besagten Wendehammer auf, um auf ankommende Kfz zu warten. Bei hochsommerlichen Temperaturen trug ich meine Dienstwaffe gut sichtbar in einem Schulterholster über einem Polohemd. Zu den anderen Kollegen vorm „Park“ hatte ich vorübergehend keinen Sichtkontakt. Da kam aus Richtung Kanal über einen Schotterweg – was ungewöhnlich war – ein Opel Ascona, älteres Modell. Der Pkw wurde in Richtung Wendehammer gesteuert. Im Wendehammer gab ich der Fahrerin ein Haltzeichen, das diese auch zu beachten schien. Als ich auf den Wagen zuging, gab sie plötzlich Vollgas und fuhr direkt auch mich zu. Ich machte einen Satz zur Seite und kam dabei irgendwie – bewusst(?) oder als Affekthandlung (?) – mit dem Fuß gegen den Kotflügel vorn rechts. Der Pkw wurde daraufhin abrupt abgebremst, zwei junge Männer sprangen aus dem Auto und wollten „mir an die Gurgel“. Als sie die hinzueilenden Kollegen/innen bemerkten, trat Entspannung ein.

Erst einmal wurde festgestellt, dass sich im Kotflügel des 12 Jahre alten Asconas eine kaum sichtbare Delle befand. Auf Grund der Personalienfeststellung handelte es sich bei den drei Personen um Geschwister (Sinti), über die (einschlägige) kriminalpolizeiliche Erkenntnisse vorlagen. Die beiden jungen Männer machten ein Riesenspektakel wegen der kaum sichtbaren Delle, sodass der „Unfall“ vom Verkehrsunfalldienst aufgenommen und gegen mich eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung geschrieben wurde. Ich selbst habe auch Strafanzeige erstattet (Widerstand gegen die Staatsgewalt, Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr). Kfz-Halterin war die Mutter der drei Geschwister.

Und jetzt kommt der Hammer:

Man hat ja nicht nur Freunde in der Polizei. Mir kam nämlich zu Ohren, dass „Kollegen“ der sachbearbeitenden Dienststelle mit Nachdruck versucht haben sollen, von der Mutter als Kfz-Halterin einen Strafantrag zu erwirken, was aber nicht gelungen ist. Diese „Kollegen“ konnten sich keinen Reim darauf machen, warum diese Sintizza partout keinen Strafantrag stellen wollte.

Deshalb hier und heute die späte Auflösung:

Es handelte sich bei der Mutter nämlich genau um die Sintizza, der ich rund 20 Jahre früher einmal geholfen hatte (siehe Teil 1, S. 57: Eine suizidgefährdete Sintofrau[5] ). Ich glaube nicht, dass sie sich noch an meinen Namen erinnern konnte; vielleicht hat(te) die Polizei allgemein bei ihr einen Pluspunkt wegen der einmal entgegengebrachten Hilfe.

Die Strafanzeige gegen mich wegen Sachbeschädigung wurde von der Staatsanwaltschaft mangels Strafantrag eingestellt. Was aus den Verfahren gegen die Sinti geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Im Ergebnis haben die umfangreichen Kontrollen und die Anschlussmaßnahmen am „Hydepark“ zu einer anhaltenden Szeneentspannung geführt.

Die Osnabrücker Drogenpolitik

Als Leiter des Zentralen Kriminaldienstes war ich immer wieder gefordert, um die „polizeiliche Drogenpolitik“ zu vertreten. Dabei herrschte, was Osnabrück betrifft, polizeiintern Konsens in folgenden Punkten:

- Einrichtung eines Drogenkonsumraums („Druckraum“, „Fixerstube“): nein,
- Ärztlich kontrollierte Drogenabgabe an Schwerstabhängige: ja,
- Liberalisierung von „weichen Drogen“: nein.

In einer Podiumsdiskussion habe ich mich zum Thema „Neue Wege in der Drogenpolitik“ mit Heide Moser, der damaligen Sozialministerin aus Schleswig-Holstein, „gefetzt“, weil sich diese Politikerin für eine Liberalisierung von Weichendrogen einsetzte.

Totalverbot für Cannabis ist nicht mehr erklärbar“

Podiumsdiskussion über neue Wege in der Drogenpolitik

„Mehr Mut und mehr Ehrlichkeit“ in der Drogenpolitik forderte Heide Moser, Sozialministerin in Schleswig-Holstein, in ihrem Referat über die vom Bundesgesundheitsministerium abgelehnten Liberalisierungspläne ihres Bundeslandes. Der Förderkreis Drogenhilfe Osnabrück veranstaltete in der Volkshochschule eine Podiumsdiskussion zum Thema: Neue Wege in der Drogenpolitik.

„Wir müssen die Prävention auf eine ehrliche Basis stellen“, sagte Heide Moser, „und auf eine Doppelmoral verzichten“. Einerseits werde für Alkohol und Zigaretten eine glitzernde Werbung betrieben, andererseits aber Cannabis als Teufelszeug bezeichnet: […]

„Wenn Jugendliche früher Verantwortung übernehmen, sind sie weniger gefährdet“, sagte Reinhold Mokrosch, Professor für evangelische Theologie an der Uni Osnabrück. Orientierungslosigkeit und innere Wertkrisen seien häufig die Ursache für eine Drogenlaufbahn. […]

„Wir vermitteln Lebensperspektiven“, sagte Conrad Tönsing, Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Nettetal, über seine Arbeit. […] „Ich bin mir sicher, daß eine Liberalisierung zu mehr Abhängigen führen wird.“

„In den Hinterhöfen der Coffee-Shops in den Niederlanden herrscht organisiertes Rauschgiftverbrechen“, sagte Staatsanwalt Rolf Marquard. Die Beschaffung dort sei illegal und nicht geregelt. […] Eine Cannabis-Liberalisierung würde ihm jedoch keine Probleme machen: „Sie darf aber nicht alle Drogen betreffen. Es gibt Substanzen, deren Einnahme verhindert werden muß.“

„In Osnabrück ist die Drogensituation entspannt“, sagte Ernst Hunsicker von der Polizei. […]

Im Falle von weichen Drogen habe es aber kaum Verhaftungen gegeben. „Wir müssen Drogen mehr ächten“ sagte Hunsicker, und an Heide Moser gerichtet: „Ich halte nicht viel davon, was sie in Schleswig-Holstein vorgehabt hätten.“(jwe)

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 26.05.1997, Seite 11.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Grund des Namenkürzels „ Bu. “ stammt dieser Beitrag von Waldemar Burghard, dem Kriminalistik-Chefredakteur.

Kriegsausbruch in Osnabrück? Nein: Nur SEK-Einsatz!

Zunächst zum Sachverhalt (aus der Presseveröffentlichung):

Stadt Osnabrück

Schuß im Drogenmilieu brachte die richtige Spur

Überfallserie aufgeklärt – 29jähriger Abhängiger geständig

Die Serie der Überfälle auf drei Lebensmittelläden und eine Sparkasse (wir berichteten) ist aufgeklärt. Die Polizei nahm einen 29jährigen Drogenabhängigen fest, der erst im März aus der Justizvollzugsanstalt Celle entlassen worden war, wo der wegen räuberischer Erpressung eingesessen hatte. Er hat die Taten gestanden, berichtete gestern die Polizei in einer Pressekonferenz.

Die Pistole mit dem ungewöhnlich großen Kaliber („ein echter Ballermann“) brachte die Polizei nach Auskunft von Kriminaldirektor Ernst Hunsicker auf die Spur des Mannes. Fündig wurden die Beamten jedoch erst durch eine andere Straftat, die bisher geheimgehalten wurde.

Dabei war am 3. Juni um 1.30 Uhr ein 39jähriger in seiner Wohnung im Stadtteil mit einer großkalibrigen Waffe angeschossen worden: Die Kugel drang in den Oberschenkel ein und am Unterschenkel wieder heraus. „Da wurde offensichtlich eine Rechnung im Drogenmilieu beglichen“, erläuterte Hunsicker. Der Angeschossene habe dem Abhängigen Traubenzucker anstatt Drogen verkauft. „Es ging um 120 Mark.“ Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auf einen 31jährigen, eine 30jährige Frau und den 29jährigen Haupttäter. […]

Da der Mann bei dem Überfall am 2. Juni mit seiner Waffe geschossen hatte, mußte die Polizei bei der Verhaftung mit gewaltsamer Gegenwehr rechnen, erklärte Hunsicker. Deshalb sei ein Sonder-Einsatzkommando aus Hannover angefordert worden, […]

Doch genau zu diesem Zeitpunkt trat der 29jährige in Begleitung der 30jährigen Frau aus dem Haus und konnte dingfest gemacht werden. […]

Angesichts seiner Vorstrafe müsse der 29jährige mit langjährigem Freiheitsentzug rechnen, meinte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Norbert Mayer. […] (S.)

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 07.06.1997, Seite 15.

Das „Anschleichen“ der armierten SEK-Kräfte (dunkel gekleidet, Stahlhelme als Kopfschutz, Maschinenpistolen im Anschlag) entlang von Hausfassaden über rund hundert Meter auf der zur Nachtzeit noch ziemlich belebten Iburger Straße hat vorbeikommende Kfz-Führer in leichte Panik versetzt. Einige „stiegen voll in die Bremsen“, weil sie das Gesehene wohl nicht so richtig realisierten. Auch für mich als abgesetzt Beobachtender der Szenerie konnte durchaus der Eindruck entstehen, dass sich die Bundeswehr zur Nachtzeit im Häuserkampf übt.

Auch wieder so ein Highlight:

Teilnehmer an einem „Osnabrücker Friedensgespräch“

Die Einladung zur Podiumsdiskussion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Presseveröffentlichung dazu:

Prostitution: Aus Opfern werden Täterinnen

Engagiertes Friedensgespräch

„Komplizenschaft zwischen Männern ermöglicht Zwangsprostitution von ausländischen Frauen in Deutschland und macht Opfer zu Täterinnen – Organisatoren, Kunden und alle, die zur Zwangsprostitution schweigen, machen sich mitschuldig.“ So werteten Teilnehmer des Osnabrücker Friedensgesprächs die Situation des Menschenhandels und die Folgen für ausländische Frauen in der Bundesrepublik.

Über das oft totgeschwiegene Problem „Zur Prostitution gezwungen – in Deutschland“ diskutierten Schwester Dr. Lea Ackermann von der Frauenschutzorganisation SOLWODI (…), die CDU-Landtagsabgeordnete Rita Pawelski und der Osnabrücker Kriminaldirektor Ernst Hunsicker. Prof. Dr. Ilse Lenz von der Ruhr-Universität Bochum leitete das Gespräch.

„Es ist ungeheuerlich, daß Frauen und Kinder durch Menschenhandel zu Zehntausenden aus ärmeren Ländern in ein reiches, freies Land wie die Bundesrepublik kommen und hier zur Prostitution gezwungen werden können“, meinte Ackermann. Die Zahlen von gehandelten Menschen seien nur Schätzungen, aber sicher sei, „daß Menschenhandel heute wesentlich lukrativer als der Handel mit Drogen oder Waffen ist“.

Auch in Niedersachsen sei der Menschenhandel ein Problem. Hunsicker bestätigte dies für die Stadt Osnabrück: „Die Hälfte aller Prostituierten in Osnabrück sind ausländische Frauen. Es gibt hier auch organisierte Zwangsprostitution, genaue Zahlen können aber nicht gemacht werden.“ Nur höchst selten wagten betroffene Frauen eine Anzeige oder machten eine Aussage. […]

Ähnliches beobachtet Hunsicker: „Bei den aufgegriffenen ausländischen Prostituierten kommt es meist zu Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht oder gegen Gesundheitsvorschriften, also gegen die Frauen. Nur selten kommt es zu Anzeigen oder Verurteilungen wegen Menschenhandels.“ […]

Als ersten Schritt werteten Ackermann und Hunsicker einen Runderlaß des niedersächsischen Innenministeriums im April, ausländischen Prostituierten bei entsprechenden Aussagen Duldung oder sogar Bleiberecht zu gewähren.

Ackermann schlug überdies einen Arbeitskreis in Osnabrück vor, an dem sich Nachbarn, Gemeinden, Vertreter aus Verwaltung und Politik und die Polizei beteiligen sollten, um die oft verdeckte Zwangsprostitution zu bekämpfen. (ego)

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 27.06.1997, Seite 12.

Zu einem solchen Arbeitskreis, wie von Lea Ackermann vorgeschlagen, ist es in Osnabrück nicht gekommen. Zu erwähnen ist jedoch die gute Zusammenarbeit mit Schwester Anna Mayrhofer von der SOLWODI-Beratungsstelle Osnabrück, die auch in der „Ressortübergreifenden Präventionskommission Osnabrück“ (RePrOS) gehört wurde, wenn es um das Thema „(Zwangs-)Prostitution“ ging.

Schießerei unter „Drogengangstern“

Obwohl wir die Osnabrücker Drogenszene einigermaßen unter Kontrolle hatten, kam es immer wieder zu Auswüchsen unter rivalisierenden Drogenhändlern/Dealern bis hin zum Schusswaffengebrauch.

Nach einer heftigen Schießerei unter zwei rivalisierenden Gruppen wurde u.a. ein Waffenexperte (Ballistiker) aus dem Landeskriminalamt Niedersachsen angefordert; zur Tatortaufnahme kam auch PHIDIAS[6] zum Einsatz.

Stadt Osnabrück

Drogen-Gangster greifen immer öfter zur Waffe

Zwei Verletzte bei Schießerei – „Denkzettel“ der Szene

Die Osnabrücker Drogen-Gangster bekämpfen sich gegenseitig immer brutaler. Jüngstes Beispiel: Die Schießerei vor der Dom-Realschule am Freitag abend gegen 22 Uhr (Neue OZ meldete), bei der zwei Kosovo-Albaner verletzt wurden. Kripochef Ernst Hunsicker: „Schlimmer kann’s kaum noch werden.“

Für die beiden aus dem Kosovo stammenden 19jährigen Opfer besteht keine Lebensgefahr. Ein Mann erhielt einen Steckschuß ins Gesäß, der andere einen Oberschenkeldurchschuß. Ein Verletzter wird seine Wunde in der Justizvollzugsanstalt Lingen auskurieren müssen. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor.

Nach den bisherigen Ermittlungen nimmt die Polizei an, daß es sich um vier Angreifer handelte, von denen zwei die Kosovo-Albaner vom Herrenteichswall aus unter Feuer nahmen. Mehrere Zeugen beobachteten die Schießerei, bei der schnell hintereinander mindestens 20 Pistolenschüsse abgefeuert wurden. […]

Einige Einschüsse beschädigten einen vor der Domrealschule geparkten Pkw, einige der 7,65-Millimeter- bzw. 9-Millimeter-Projektile schlugen in die Schulwand ein, eine Kugel landete in der Schule.

Die Täterbeschreibungen: […]

Der Kripochef wertete die Schießerei nicht als Einzeltat. Die Drogenszene rüste auf, die Waffen stammten meist aus dem ehemaligen Ostblock. 1996 verzeichnete die Polizei 102 Verstöße gegen Waffengesetze.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 07.07.1997, Seite 9.

Vorwurf in „gebetsmühlenartiger“ Form:

Stadt Osnabrück vertreibt die Drogenszene in den Landkreis Osnabrück

Bereits kurz nach Einleitung der Maßnahmen gegen und für die Osnabrücker Drogenszene (gegen Dealer/Händler, für Drogenabhängige aus der Stadt Osnabrück) kamen aus Richtung des Landkreises Osnabrück immer wieder Vorwürfe hoch, wir würden die Drogenszene in den Landkreis Osnabrück verdrängen. Irgendwann reichte es mir und ich sah mich veranlasst, diese Vorwürfe durch einen Leserbrief zu entkräften:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 27.08.1997 (Leserbriefe).

Im Übrigen auch eine Folge der 94er-Polizeireform, die den kriminalgeografischen Raum Osnabrück durch zwei Polizeiinspektionen [Osnabrück-Stadt (mit Zusatzaufgaben im Landkreis Osnabrück) und Osnabrück-Land] quasi aufgeteilt hat. Eine kaum zu überbietende Inkompetenz der dafür Verantwortlichen, zumal auch noch beide Leitungsbereiche dieser Polizeiinspektionen in einem Dienstgebäude in der Stadt Osnabrück untergebracht waren. Diesen – gelinde ausgedrückt – Unsinn haben die „Macher“ der 04er-Polizeireform erkannt: Stadt und Landkreis Osnabrück sind jetzt eine Polizeiinspektion Osnabrück.

Ziel des Osnabrücker „Anti-Drogen-Modells“ war es auch, die (indirekte) Beschaffungskriminalität einzudämmen. Von der Quantität her gehört dazu der „Ladendiebstahl“, also der Diebstahl von Waren in Geschäften, Warenhäusern o.Ä. Unsere Bemühungen, den „Ladendiebstahl“ in der Stadt Osnabrück zu reduzieren, wurden mit dem niedersächsischen Präventionspreis zur Verhinderung von Ladendiebstahl mit 15.000 DM honoriert.

Auszeichnung der Osnabrücker Präventionsarbeit:

Verhinderung von „Ladendiebstahl“

In meiner Funktion als Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in der Stadt Osnabrück (mit Teil-Zuständigkeiten im Landkreis Osnabrück und auf den Bundesautobahnen in/um Osnabrück) war es immer mein Bestreben, nach neuen Wegen in der Kriminalitätsbekämpfung (-kontrolle) zu suchen.

Dazu gehörte es auch, den Ladendiebstahl weitgehend zu verhindern.

Als ich von der Ausschreibung dieses Präventionspreises hörte, habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht und umfangreiches Material, das zur Reduzierung des „Ladendiebstahls“ dienlich war, zusammengestellt.

In den Jahren 1995 und 1996 konnten die Straftaten insgesamt im Vergleich zum Jahr 1994 für den Bereich der Stadt Osnabrück von 24.595 (1994) auf 21.063 (1996) Taten gesenkt werden; beim Warenhausdiebstahl (einschl. „Ladendiebstahl“) war allein von 1995 (3.052 Taten) auf 1996 (2.564 Taten) ein Rückgang von 488 Taten (ca. - 16%) zu verzeichnen.

Also schon mal gute Statistik-Voraussetzungen für die Bewerbung um diesen deliktsspezifischen Präventionspreis.

Offenbar war die Jury von unseren Aktivitäten überzeugt und setzte die Stadt Osnabrück auf Platz 1 vor die Stadt Hannover.

Die (Fach-)Presse hat über diese Preisverleihung berichtet (Folgeseite).

Vorreiter bei Kriminalitätsbekämpfung

Stadt Osnabrück gewann den niedersächsischen Präventionspreis

Die Stadt und der Präventionsverein Osnabrück haben den niedersächsischen Präventionspreis zur Bekämpfung von Ladendiebstahl gewonnen. Die Preisverleihung wird Innenminister Gerhard Glogowski am Donnerstag, dem 4. September, in Hannover vornehmen.

Wie berichtet, hatte Ministerpräsident Schröder im vergangenen Jahr nach einem Gespräch mit dem Einzelhandel eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Möglichkeiten einer gemeinsamen Kampagne von Politik und Wirtschaft zur Bekämpfung des Ladendiebstahls prüfen sollte. Ein Ergebnis war die Ausschreibung eines mit insgesamt 30 000 DM dotierten Präventionspreises.

Unter Federführung von Ernst Hunsicker, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei, bewarb sich die Stadt Osnabrück. Beteiligt waren der Oberbürgermeister für die Stadt, Staatsanwaltschaft und Polizei, die „Ressortübergreifende Präventionskommission“ und der „Verein zur Förderung der kommunalen Kriminalprävention Osnabrück“. In der Bewerbung wurden die Ansätze (und Erfolge) zur Vorbeugung von Verbrechen (und auch Ladendiebstählen) in Osnabrück vorgestellt: Vom „Runden Tisch Eversburg“ über Arbeitsgruppen der Polizei, bis hin zum Drogenkonzept und zur „City-Streife“ des Einzelhandels.

An der Preisverleihung im Handelshaus Hannover am kommenden Donnerstag werden neben Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip auch Vorstandsmitglieder des Präventionsvereins teilnehmen. Die Landeshauptstadt Hannover belegte bei dem Wettbewerb übrigens Platz 2. (d.)

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 28.07.1997, Seite 7 (Stadt Osnabrück).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kriminalistik 10/97, Seite 657.

Ein ON-Interview zu „Ladendiebstählen“, zu Raubstraftaten, zum Unsicherheitsgefühl, zur Kriminalität von Spätaussiedlern und Ausländern, zur Verschärfung von Gesetzen und zur Polizeipräsenz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Osnabrücker Nachrichten am Sonntag vom 31.08.1997 (Titelseite).

Regionale Arbeitstagung im Bereich des Landgerichts Osnabrück über

„Schutz und Hilfen für Kinder im Verfahren wegen sexuellen Mißbrauchs“

am 09.09.1997 in Osnabrück –

Kritik an Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Arbeitstagung war ich durch ein Statement gefordert (Auszug daraus):

3. Täterschutz geht offenbar immer noch vor Opferschutz

Die Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder schützen mehr die Daten von (potentiellen) Tätern denn die von (potentiellen) Opfern gerade auch von sexuellem Mißbrauch.

Auch die Datenerhebung im Rahmen der Gefahrenabwehr, die sich also im Vorfeld der Strafverfolgung bewegt, ist gerade auch für die Polizei wegen der umfangreichen Formalien mehr als kompliziert. Allerdings soll dieser Bereich in Kürze anwenderfreundlicher gestaltet werden.

Die Krone setzt dem aber das Strafverfahrensänderungsgesetz vom 17.03.1997 mit dem Untertitel „DNA-Analyse („genetischer Fingerabdruck“)“ auf und ist ein weiterer Beitrag zu der unendlichen Geschichte „Schützt die Täter, vernachlässigt die – auch potentiellen – Opfer.“

Dieses Strafverfahrensänderungsgesetz (§§ 81e, 81f StPO) enthält Formvorschriften (Richtervorbehalt, Anonymisierung der Daten von Beschuldigten, Überwachung datenschutzrechtlicher Bestimmungen), die die Arbeit der Ermittlungsbehörden und der Gutachterstellen negativ beeinträchtigen, insbesondere aber, auch wenn ich mich wiederhole, die Täter schützen.

Um dies zu verdeutlichen:

Wenn ein Mann eines Einbruchs beschuldigt wird, werden von diesem Beschuldigten Lichtbilder gefertigt und Fingerabdrücke genommen. Ein Einbruch, also ein schwerer Diebstahl, ist ein Vergehen.

Diese Fingerabdrücke werden ausgeformelt und in ein automatisiertes Fingeridentifizierungssystem eingegeben, um diese Fingerabdrücke später mit anderen Fingerabdrücken, die an Tatorten gesichert werden konnten, zu vergleichen.

Wenn dieser Mann ein Kind sexuell mißbraucht oder eine Frau vergewaltigt, werden ebenfalls Lichtbilder gefertigt und Fingerabdrücke genommen.

Allerdings: Ein „Einbrecher“ hinterläßt evtl. Fingerabdrücke, ein „Sittentäter“, also Triebtäter, hinterläßt an seinen Opfern und deren Bekleidung keine Fingerabdrücke, sondern „genetische Fingerabdrücke“ in Form von Sperma, Speichel, Haaren und sonstigen beweiserheblichen Körpersekreten. Vergleichsmaterial für einen „genetischen Fingerabdruck“ wird durch eine Speichelprobe (Speichelabstrich aus der Mundhöhle) gewonnen.

Weniger Aufwand als ein Fingerabdruckverfahren!

Ein „genetischer Fingerabdruck“ kann über die Blutgruppenbestimmung ebenso ausgeformelt werden wie ein gewöhnlicher Fingerabdruck. Ebenso könnte dieser „genetische Fingerabdruck“ in eine bundesweite „DNA-Datei“ aufgenommen werden, um dieses Material mit Spuren an Opfern zu Sexualdelikten zu vergleichen.

Das ist in anderen demokratischen Staaten überhaupt kein Problem (z.B. Großbritannien).

In Deutschland sind solche Vorstöße bisher auf Widerstand gestoßen, obwohl sexueller Mißbrauch an Kindern Verbrechens tatbestände erfüllt.

Deshalb: Vielen Dank an die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die den (potentiellen) Triebtätern ein „schönes“ Abschiedsgeschenk hinterlassen hat. So müssen es wohl die Triebtäter bewerten!

Die Kritik an der ehemaligen Bundesjustizministerin führte, was ich feststellen konnte, bei einigen Anwesenden zu einem Kopfschütteln. Aber schließlich war sie für dieses Strafverfahrensänderungsgesetz verantwortlich.

Allerdings scheint sie immer noch nicht dazugelernt zu haben; denn in der WDR-Sendung „Hart aber fair – Das Reizthema“ (19.01.2005) hat die u.a. als Gast anwesende Frau Leutheusser-Schnarrenberger, FDP, den Richtervorbehalt bei Tatortspuren verteidigt.[7]

Glücklicherweise hat sich in den Folgejahren Einiges an diesem Gesetz geändert, das nun mehr „anwender- und opferfreundlich“ und damit weniger „täterfreundlich“ ist. Selbst nach Jahrzehnten werden jetzt noch Kapitalverbrechen aufgeklärt.

Auf die großartigen Erfolge ist hier nicht näher einzugehen.[8] Auch Osnabrück hatte wiederholt ein „positives DNA-Erlebnis“ (z.B. Mord an der Prostituierten Anna Hauser, vgl. Seite 48).

Ein internationaler Verbund muss das Ziel sein!

[...]


[1] Ernst Hunsicker, Das „Beschleunigte Verfahren“ – Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit am Beispiel Osnabrück, in: Kriminalistik 12/00, S. 803 ff.

[2]1993 Gründung der Spezialabteilung „CSD City-Sicherheitsdienst (City-Streife in Osnabrück). Diese existiert heute noch immer ununterbrochen und ist damit die am längsten existierende City-Streife durch ein privates Sicherheitsunternehmen in Deutschland!“, unter: http://www.wso-sicherheit.de/firmenhistorie/index.html.

[3] Ernst Hunsicker, Das ressortübergreifende Präventionsmodell Osnabrück – Initiativfunktion von Seiten der Polizei am Beispiel Osnabrück (Seiten 189-210), in: VEREINT GEGEN KRIMINALITÄT – Wege der kommunalen Kriminalprävention in Deutschland – (Hrsg.: Edwin Kube, Hans Schneider, Jürgen Stock), Verlag SCHMIDT-RÖMHILD (1996).

[4] Bewuchs mit Sträuchern und kleinen Bäumen.

[5] Sinti – Wikipedia: „Die Selbstbezeichnung dieser Teilgruppe der Roma lautet Sinti (auch: Sinte; Singular m. Sinto, f. Sintizza, im französischen Sprachgebrauch …“.

[6] PHIDIAS ist ein digitales photogrammetrisches Auswertesystem, das durch die Integration in ein leistungsfähiges CAD-System die effektive Vermessung und dreidimensionale Auswertung komplexer Objekte wie z.B. Gebäuden und Anlagen ermöglicht. Digitalisierte Messbilder aus verschiedenen Quellen bilden die Grundlage für vielfältige Vermessungsaufgaben in Industrie, Architektur, Denkmalpflege, Archäologie oder Kriminalistik, unter: www.phocad.de/ - 12k - .

[7] Sendung „Nach dem Fall Moshammer – DNA-Test: Horrorvision oder Wunderwaffe?“

[8] Die DNA-Analysedatei (DAD) ist eine am 17. April 1998 eingerichtete Verbunddatei aller deutschen Länder und des Bundes, die vom Bundeskriminalamt (BKA) zentral betrieben wird. Hier werden sowohl die durch eine DNA-Analyse ermittelten genetischen Fingerabdrücke von bekannten Personen (so genannte Personendatensätze) als auch von Tatort-Spuren, die von unbekannten Personen stammen (so genannte Spurendatensätze), registriert und abgeglichen. Der DNA-Beweis ist heute das erfolgreichste kriminalistische Instrument bei der Identifizierung von Tätern und der Zuordnung von Tatspuren, unter: DNA-Analysedatei – Wikipedia.

Ende der Leseprobe aus 204 Seiten

Details

Titel
Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 3
Untertitel
Stationen und Situationen mit Bildern aus einem langen Berufsleben – 1997 bis 2004 und die Zeit danach
Autor
Jahr
2009
Seiten
204
Katalognummer
V121038
ISBN (eBook)
9783640255658
ISBN (Buch)
9783640256464
Dateigröße
26492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Authentische, Polizei-, Kriminalgeschichten
Arbeit zitieren
Ernst Hunsicker (Autor), 2009, Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 3, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121038

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 3



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden