Die folgende Arbeit untersucht zwei verschiedene literarische Annäherungen an Ostdeutschland, die von zwei westdeutschen Autorinnen geschrieben wurden. Die Bücher „Aufgewacht. Mauer weg“ von Susanne Leinemann und „NeuLand“ von Luise Endlich beschreiben auf je eigene Weise persönliche Erfahrungen mit dem Osten Deutschlands vor und nach der Wende.
Zunächst möchten wir die politischen Hintergründe für die beiden autobiografischen Bücher näher betrachten. Wir werden kurz die allgemeine politische Lage Ost- und Westdeutschlands ab 1970 beschreiben und anschließend wiedergeben, welche Sicht Susanne Leinemann auf die Ereignisse rund um den Mauerfall hat.
Im nächsten Abschnitt werden wir das Buch „NeuLand – Ganz einfache Geschichten“ von Gabriele Mendling (Pseudonym Luise Endlich) analysieren, das im Transit-Verlag erschienen ist. Dabei werden wir vor allem auf die stark unterschiedlichen Reaktionen eingehen, die das Buch hervorgerufen hat. Auch das zweite Buch der Autorin „OstWind – Nicht ganz einfache Geschichten“ wird kurz Beachtung finden.
Den Hauptteil dieser Arbeit wird die Analyse des Buches „Aufgewacht. Mauer weg“ von Susanne Leinemann einnehmen. Der Schwerpunkt soll hier sowohl auf der Untersuchung des Generationenbegriffs im Allgemeinen als auch auf der ‚Generation 89’ im Besonderen liegen. Außerdem werden wir uns mit dem politischen Anspruch auseinandersetzen, den Susanne Leinemann in Bezug auf ihre Generation formuliert.
Abschließend werden wir die verschiedenen Herangehensweisen und Deutungsebenen Leinemanns und Mendlings miteinander vergleichen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeiner politischer Hintergrund seit 1970
2.1 Susanne Leinemanns politische Wahrnehmung
2.2 Die Konstruktion der Ostdeutschen in den Medien
2.3 Elitenaustausch
3. Luise Endlich: „NeuLand – Ganz einfache Geschichten“
3.1 Kurze inhaltliche Zusammenfassung
3.2 Paratexte: Verwunschene Alleen im „NeuLand“
3.3 Sprachliche Mittel
3.4 Unsicherheit im Umgang mit Ostdeutschen
3.5 Enttäuschte Erwartungen
3.6 Rezensionen
3.7 Unterschiedliche Konfliktebenen
3.8 „OstWind – Nicht ganz einfache Geschichten“
3.9 Fazit
4. Susanne Leinemann: „Aufgewacht. Mauer weg“
4.1 Paratexte
4.2 Inhaltliche Zusammenfassung
4.3 Interesse für die DDR
4.4 Geschichtsbewusstsein als Konstruktion
4.5 Westdeutsche Prägungen
4.6 Die Generation 89
4.7 Das „Wir-Gefühl“ der Generation 89
4.8 Selbstironie
4.9 Warten auf die politische Initiation
5. Abschließender Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht zwei autobiografische literarische Annäherungen westdeutscher Autorinnen an Ostdeutschland vor und nach der Wende, um die jeweiligen Sichtweisen auf den Transformationsprozess und das daraus resultierende Spannungsfeld zwischen Ost- und Westdeutschen zu beleuchten.
- Literarische Verarbeitung der Wendeerfahrungen
- Konstruktion von Ost-West-Identitäten in Medien und Literatur
- Analyse des Generationenbegriffs (Generation 89)
- Vergleich der autobiografischen Herangehensweisen
Auszug aus dem Buch
4.4 Geschichtsbewusstsein als Konstruktion
Susanne Leinemann drückt an mehreren Stellen von „Aufgewacht. Mauer weg“ ihren Wunsch aus, unmittelbar an der Weltgeschichte teilzunehmen. „Echte Geschichte zu erleben hatte ich mir wie einen Sog vorgestellt, in den man hineingezogen wird, der einen vollkommen durcheinander wirbelt und nach kaum messbarer Zeit verwirrt und entkräftet wieder ausspuckt.“ (ebd., S. 183)
Heute bedauert sie, im Sommer 1990, als sie eine Tour durch Ostdeutschland machte, nicht mehr Begebenheiten und Eindrücke aufgeschrieben und festgehalten zu haben. „Es war eine so einzigartige Ausnahmezeit – und trotzdem dauerte es Jahre, es zu begreifen. Damals dachten wir nicht so historisch.“ (ebd., S.220)
Susanne Leinemann scheint bestimmte Erwartungen an das Erleben von Geschichte zu haben, die sich jedoch nicht erfüllen. Dank ihres ausgeprägten politischen Bewusstseins ist sie sich zwar darüber im Klaren, dass sie in der Zeit um 1989 historisch wichtige Ereignisse miterlebt hat, doch im Augenblick des Geschehens fühlte sie sich dennoch ‚ganz normal’.
Die Frage ist, ob ‚Geschichte’ in der Gegenwart überhaupt unmittelbar erlebt werden kann – wie Susanne Leinemann es sich offenbar vorstellt. Unserer Meinung nach wird aus politischen und gesellschaftlichen Ereignissen erst im Rückblick ‚Geschichte’. Die Geschichtsschreibung ist ein Vorgang der Konstruktion, bei dem ausgewählten Ereignissen eine bestimmte Bedeutung zugemessen wird – oft auch mit einer ideologischen Absicht. Ein Positionieren des Individuums in der Geschichte ist daher nur im Rückblick möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, die Arbeit zu untersuchen, wie zwei westdeutsche Autorinnen literarisch die Wendezeit verarbeiten.
2. Allgemeiner politischer Hintergrund seit 1970: Dieses Kapitel skizziert die deutsch-deutschen politischen Beziehungen vor 1989 sowie die Wahrnehmung der DDR durch westdeutsche Medien und Politik.
3. Luise Endlich: „NeuLand – Ganz einfache Geschichten“: Hier wird das Werk der Autorin Gabriele Mendling analysiert, wobei besonders die Kritik an der mangelnden Selbstreflexion der Protagonistin hervorgehoben wird.
4. Susanne Leinemann: „Aufgewacht. Mauer weg“: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht Leinemanns Werk mit Fokus auf die „Generation 89“, ihr politisches Selbstverständnis und ihre Versuche, die Wendezeit einzuordnen.
5. Abschließender Vergleich: Hier werden die beiden unterschiedlichen Ansätze der Autorinnen gegenübergestellt und die Differenzen in ihren Bewusstseins- und Reflexionsebenen aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Ostdeutschland, Westdeutschland, Wende, Generation 89, Identität, Autobiografie, Literatur, Transformation, Elitenaustausch, Ostalgie, Medienkonstruktion, Generationengeschichte, Selbstreflexion, Mauerfall, Ost-West-Konflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert zwei autobiografische Bücher westdeutscher Autorinnen, die sich mit ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen des Lebens in Ost- und Westdeutschland vor und nach dem Mauerfall beschäftigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die literarische Aufarbeitung der Wende, die Konstruktion von Ost-West-Identitäten durch westdeutsche Augen sowie die soziologische Betrachtung der sogenannten „Generation 89“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Herangehensweisen und Deutungsebenen der beiden Autorinnen Susanne Leinemann und Gabriele Mendling zu vergleichen und aufzuzeigen, wie persönliche Erfahrungen mit politischen Narrativen verknüpft werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Herangehensweise, ergänzt durch die Einbeziehung soziologischer Begriffe, wie sie etwa von Heinz Bude oder Thomas Ahbe definiert wurden, um die Perspektiven der Autorinnen einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gabriele Mendlings „NeuLand“ hinsichtlich ihrer kritisierten einseitigen Sichtweise und eine tiefgehende Analyse von Susanne Leinemanns „Aufgewacht. Mauer weg“ bezüglich des Generationenbegriffs.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ost-West-Identität, Generation 89, Transformationsprozess, literarische Erinnerungskultur und der gesellschaftliche Diskurs über die neuen Bundesländer.
Warum wird Gabriele Mendlings Pseudonym „Luise Endlich“ in der Arbeit kritisch betrachtet?
Die Verfasserinnen der Arbeit lehnen die Verwendung des Pseudonyms ab, da die Begründung der Autorin, sie müsse „endlich“ als Westdeutsche den Mund aufmachen, den inhaltlichen Anspruch und die Qualität des Buches aus ihrer Sicht nicht rechtfertigt.
Welche zentrale These stellt Susanne Leinemann zur „Generation 89“ auf?
Leinemann behauptet, dass die „Generation 89“ in Ost- und Westdeutschland ähnliche Züge trägt, aber gleichzeitig die Chance verpasst habe, das politische Ereignis des Mauerfalls aktiv zur Mitgestaltung zu nutzen, und fordert daher ein stärkeres politisches Engagement.
Inwiefern unterscheiden sich die beiden Autorinnen in ihrer Herangehensweise?
Während Mendling bei ihren Alltagsschilderungen in der Gegenwart verweilt und ostdeutsche Mentalitäten beschreibt, reflektiert Leinemann stärker die eigene Positionierung in der Geschichte und setzt sich politisch mit ihrer Generation auseinander.
Welches Fazit ziehen die Autorinnen aus dem Vergleich?
Sie kommen zu dem Schluss, dass die Bücher auf völlig unterschiedlichen Reflexionsebenen angesiedelt sind und daher nur bedingt miteinander verglichen werden können, da sie unterschiedliche Aspekte des Transformationserlebens betonen.
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- Pamela Bastuck (Author), Isa Trube (Author), 2005, Westdeutsche Blicke auf Ostdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121099