Foucaults Analyse der Biomacht - Politik im Namen des Lebens

Eine Genealogie


Studienarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Souveränitätsgesellschaft

2. Die Disziplinargesellschaft

3. Die Bio-Macht
3.1. Historischer Rahmen das Konzept der Bevölkerung
3.2. Die Theorie der Staatsräson - eine neue Rationalität
3.3. Die Verwaltung des Lebens
3.3.1. Funktion der Polizei
3.3.2. Das Element der Norm
3.3.3. Funktion der Medizin
3.4. Tod
3.5. Töten im Namen des Lebens
3.5.1. Sexualität
3.5.2. Staatsrassismus

4. Resümee

Anhang

Verzeichnis der verwendeten Kürzel

Literaturverzeichnis

Einleitung:

„Mir scheint, dass eines der grundlegenden Phänomene des 19.Jahrhunderts in dem bestand und noch besteht, was man die Vereinnahmung des Lebens durch die Macht nennen könnte: wenn sie so wollen, eine Machtergreifung auf den Menschen als Lebewesen, eine Art Verstaatlichung des Biologischen oder zumindest eine gewisse Tendenz hin zu dem, was man die Verstaatlichung des Biologischen nennen könnte.“ Michel Foucault, „In Verteidigung der Gesellschaft“

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Analyse der Bio-Macht des französischen Philosophen Michel Foucault (15.10.1926 – 25.06.1984).

Die Arbeit erhebt dabei jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Foucaults Auseinandersetzung mit den Techniken einer Macht, die er selbst als Bio-Macht bezeichnete, ist weitreichend und hat nicht nur Niederschlag in seinen Büchern gefunden. So beschäftigte er sich vor allem während seiner Zeit am College de France, wo er von 1971 bis zu seinem Tod 1984 den Lehrstuhl für die „Geschichte der Denksysteme“ innehatte, ausgiebig mit Konzepten und Wirkweisen der Macht, die er in seinen Vorlesungen ausführlich darzulegen versuchte.

Auf die in jüngerer Zeit erschienenen Ausgaben seiner Vorlesungen am College de France, namentlich genannt seien hier vor allem die beiden Bände zur „Geschichte der Gouvernementalität I II“, will die vorliegende Arbeit dabei nicht eingehen. Sie behält sich lediglich vor einige wenige Zitate aus Band II „Die Geburt der Biopolitik“ zu verwenden. Diese dienen jedoch nur dem besseren Verständnis des Sachverhaltes und formulieren nicht die Absicht das durchaus weit gespannte Feld der, mitunter minutiösen, Machtanalysen des Liberalismus, wie sie Foucault darin vornimmt, auszubreiten.

Es geht hier vielmehr darum, sich Foucaults genealogischer Darstellung des Entstehens einer neuen Macht, der Bio-Macht, anzunähern. Es geht um den Versuch sein Vorhaben darzustellen, das darauf abzielt die verschiedenen biopolitischen Praktiken zu identifizieren und zu analysieren, sowie die damit verbundene Rationalität.[1]Foucaults Interesse galt dabei vor allem der Ebene der Machttechnologien und den Modifikationen, welche sie durchlaufen. (Vgl. VdG S.285)

Als Grundlage dieser Arbeit, dienen dabei unterschiedliche Werke Foucaults. Neben „Überwachen und Strafen“ und „Die Geburt der Klinik“ ist dies vor allem „ Der Wille zum Wissen“, sowie die zusammengefassten Vorlesungen in „In Verteidigung der Gesellschaft“. Daneben bezieht sie sich aber auch auf Sekundärliteratur. Dies sind im Einzelnen: „Zur Genealogie der Biomacht“ von Mauro Bertani und „Michel Foucault – Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik“ von Hubert L. Dreyfus und Paul Rabinow. Die einzelnen Abhandlungen erfahren hier jedoch keine dezidierte und stringente Bearbeitung. Vielmehr wurde der Versuch unternommen, mit Hilfe von Aspekten der unterschiedlichen Publikationen aufzuzeigen, in welcher Art und Weise „das Abendland seit dem klassischen Zeitalter“ (17. und 18. Jahrhundert) „eine tief greifende Transformation“ der „Machtmechanismen erlebt“ (WzW S.132) hat und wie es zu einer „Vereinnahmung des Lebens durch die Macht“ (VdG S.283) kommen konnte.

Die ersten beiden Kapitel befassen sich in kurzen Darstellungen mit der klassischen Theorie der Souveränität, sowie den Neuerungen der Disziplinargesellschaft, von denen ausgehend Foucault versucht, die besagten Transformationen der Machttechnologien verständlich zu machen. Im Folgenden findet schließlich die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Bio- Macht statt. Nach einer kurzen historischen Einordnung innerhalb derer auf das Auftauchen eines neuen „Körpers“ hingewiesen wird, es handelt sich hierbei um das Konzept der Bevölkerung als zentralen Kern der biopolitischen Aktivitäten, befasst sich der nächste Abschnitt mit der Theorie der Staatsräson. Diese, verstanden als Form einer neuen Rationalität, ist eng verknüpft mit dem Aufkommen der Bio-Macht und trägt dazu bei, den Staat in seiner Zweckgebundenheit neu zu definieren. Da der Staat, nun verstanden als Selbstzweck, auf das gesunde Wachstum der Bevölkerung zu Gunsten seiner eigenen Stärkung angewiesen ist, soll es in den darauf folgenden Abschnitten um die Verwaltung des Lebens gehen. Neben der Rolle, welche die Polizei als Verwaltungs- und Kontrollinstanz innerhalb des Staates dabei spielt und der Bedeutung der Norm deren Funktion die Organisation des Lebenden in einem Bereich von Wert und Nutzen ermöglicht, ist es gerade die Medizin, die dem Staat nicht nur das erforderliche Wissen zur Ausübung seiner Macht zur Verfügung stellt, sondern darüber hinaus selbst zu einem entscheidendem Kontroll- und Verwaltungsorgan wird.

Nach einer kurzen Betrachtung des Todes wird schließlich der Frage nachgegangen, wie eine Macht, deren vordergründiges Ziel es zu sein scheint, Leben zu erhalten und zu pflegen, sich eine Legitimation verschaffen kann, die sie befähigt zu Töten. Zu diesem Zweck nimmt sich die Arbeit der Problematik der Sexualität an, von der ausgehend der Versuch unternommen wird eine neue Form des Rassismus zu verstehen. Ein Rassismus, der dem Staat ein Tötungsrecht verschafft, welches auf das äußerste verwoben ist mit den Modalitäten der Bio-Macht.

1. Die Souveränitätsgesellschaft

Um zu verstehen, wie es zu den „tiefgreifenden Transformationen“ (WzW S.132) auf der Ebene der Machttechnologien kommen konnte, die „das Abendland seit dem klassischen Zeitalter“ (ebd.) erlebt und um daran aufzuzeigen, wie die „neue Macht“, die Bio- Macht, operiert, wie sie das Leben vereinnahmt, wie sie also „die Verwaltung des Lebens übernommen“ hat, unternimmt Foucault einen Rückgriff auf die Theorie der Souveränität.

Laut der Theorie der Souveränität, im Sinne Hobbes, kommt es zu einem Zusammenschluss der Individuen auf der „Ebene des Gesellschaftsvertrages, um einem Souverän die absolute Macht über sich zu übertragen. Sie tun es um ihr Leben zu schützen, da sie aufgrund von Gefahr oder Mangel dazu gezwungen sind.[2]

Die Macht der Souveränität ist in der gelegentlichen Ausübung der Praktiken der Abschöpfung und der prunkvollen Zurschaustellung nur lückenhaft, nur spärlich organisiert und punktuell wirksam. [3] Sie ist um das Gesetz herum zentriert. Gesetzesübertretungen werden bestraft, die Existenz der Individuen aber, in unbestimmten Bedingungen mit unkontrollierten Räumen der Freiheit überlassen.[4]

Diese „Macht war vor allem Zugriffsrecht auf die Dinge, die Zeiten, die Körper und schließlich das Leben; sie gipfelte in dem Vorrecht, sich des Lebens zu bemächtigen, um es auszulöschen“. (WzW S.132)

„Eines der Hauptelemente der klassischen Theorie der Souveränität“ ist demnach „das Recht über Leben und Tod“, (VdG S.283) welches sich in der Ausübung des Rechts des Souveräns

„sterben zu machen oder leben zu lassen“ (VdG S.284) verdichtet.

2. Die Disziplinargesellschaft

Im ausgehenden 17. und im Laufe des 18. Jahrhunderts entstehen Foucault zufolge neue Techniken der Macht, welche im Wesentlichen auf den individuellen Körper gerichtet sind. Mittels dieser neuen, disziplinären Techniken erfolgt die totale Besetzung des Körpers, der bezüglich seiner Nutzkraft und Verwertbarkeit optimiert werden soll.

Die Aufmerksamkeit gilt nunmehr dem Körper, „den man manipuliert, formiert und dressiert, der gehorcht, antwortet, gewandt wird und dessen Kräfte sich mehren.“ (ÜuS S.174) Ganz im Sinne einer Gesellschaft, welche gemäß den großen Räumen des Einsperrens und Aussperrens (Schule, Kaserne, Fabrik, Gefängnis, etc.) organisiert ist, auf der Basis des Ideals der Konzentration der Kräfte, der Verteilung im Raum und der Ordnung in der Zeit. Eine Gesellschaft, deren Ökonomie der Macht, mit ihren Techniken der ständigen Überwachung und normalisierenden Sanktionen der Verhaltensweisen der Individuen auf die Durchdringung des gesamten „sozialen Körpers“ abzielt, um jene „gelehrigen Körper“ zu erzeugen, welche in den kapitalistischen Produktionsmechanismen funktionieren sollen und werden.[5] (Vgl. ÜuS S.171-292)

[...]


[1] Vgl. Dreyfus/Rabinow: Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik S.169

[2] Vgl. Kersting: Thomas Hobbes zur Einführung.

[3] Vgl. Bertani: Zur Genealogie der Biomacht S.234

[4] ebd. S.233

[5] Vgl. Bertani S.233ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Foucaults Analyse der Biomacht - Politik im Namen des Lebens
Untertitel
Eine Genealogie
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Foucaults Analyse der Biopolitik II Rasse – Klasse – Geschlecht (Seminar)
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V121158
ISBN (eBook)
9783640252084
ISBN (Buch)
9783640252138
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucaults, Analyse, Biomacht, Politik, Namen, Lebens, Biopolitik, Rasse, Klasse, Geschlecht
Arbeit zitieren
Matthias Klinge (Autor), 2007, Foucaults Analyse der Biomacht - Politik im Namen des Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121158

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