Der Text- und Bildautor Peter Grieder, Kurator des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon (Zürich) und Dozent am C.G. Jung-Institut in Küsnacht (Zürich) hat den Jahreswechsel 1999/2000 in einem Vietnamesischen Kloster in Bodhgaya verbracht, dem Ort der Erleuchtung Buddhas.
Eine ältere Reiseteilnehmerin, Dorothea, war erstmals in Indien. Sie war durch das Erlebte gleichermaßen begeistert und verwirrt: Ihr fest gefügtes abendländisches Weltbild begann zu wanken. So entwickelte sich zwischen ihr und Peter Grieder während zweier Jahre eine Art „Meister-Schüler-Briefwechsel“, von der er nachfolgend selbstredend nur seine Antworten wiedergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Weg des Autors
2.1 Werdegang und Motivation
2.2 Der Kulturbote zwischen Orient und Okzident
3. Der Briefwechsel: Meister und Schüler
3.1 Begegnung und erste Fragen
3.2 Die Philosophie des täglichen Lebens
3.3 Herausforderungen der modernen Welt
4. Erkenntnislehre im Alltag
4.1 Das ICH und das göttliche Sein
4.2 Polarität und Nicht-Zweiheit
4.3 Karma und Verantwortung
5. Engagement und humanitäre Hilfe
5.1 Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
5.2 ROKPA und die Praxis der Barmherzigkeit
6. Fazit: Das Erwachen im Grossen ICH
Zielsetzung & Themen
Dieses Werk dokumentiert einen intensiven, über mehrere Jahre geführten Briefwechsel zwischen Peter Grieder und einer Schülerin, der dazu dient, die komplexe Erkenntnislehre des Buddhismus aus dem akademischen Kontext in eine lebensnahe, westliche Alltagspraxis zu übersetzen und individuelle Lebenskrisen durch buddhistische Prinzipien zu bewältigen.
- Die Vermittlung von buddhistischen Weisheiten für den westlichen Alltag
- Die Überwindung von Dualismus durch die Praxis des "Gegenwärtig-Seins"
- Die Rolle der Nächstenliebe (Compassion) in der modernen Gesellschaft
- Die philosophische Auseinandersetzung mit Identität ("Wer bin ich?")
- Praktisches humanitäres Engagement als Ausdruck spiritueller Erkenntnis
Auszug aus dem Buch
Die Illusion der Polarität
Heil kommt doch von ganz, von ungetrennt, von Einssein. Einsein (oder die Nicht-Zweiheit, wie es die Hindus nennen), das ist Heiligkeit. Wir aber leben in der Zweiheit, im Zwiespalt, im Zweifel, im Zwist. Und verzweifeln dabei. Die geschöpfte Welt ist polar und deshalb immer unperfekt. Die hinter der Schöpfung liegende Urkraft nennen wir Gott, die Buddhisten dagegen scheuen sich, diesem göttlichen Urgrund allen Seins einen Namen zu geben, weil Benanntes schon wieder Form hat und das 'Gute' dem 'Bösen' gegenübersteht (und damit schon polar ist).
Als Beispiel kann das von dir zitierte OM MANI PADME HUM gelten (ich habe versucht, auf Seite 136 in meinem Buch eine Entschlüsselung dieses Mantrams zu geben). OM und HUM sind wie Amen und können nicht wörtlich übersetzt werden. MANI = JUWEL = MÄNNLICH = HEILSWEG = BARMEHRZIGE LIEBE (COMPASSION). PADME = LOTOS = WEIBLICH = HEILSZIEL = HÖCHSTE WEISHEIT ("GOTT").
Der Weg ist LIEBE, das Ziel ist 'GOTT'. Weg und Ziel zusammen sind die ganze Wahrheit - und verschwinden somit im nicht polaren, eben heiligen Urgrund allen Seins. Nur: Das zu wissen ist nur der Anfang. Wirklichkeit jedoch wird es nur, wenn wir es versuchen zu leben. Im Alltag. In jedem Moment. Dann befinden wir uns vielleicht auf dem Weg, 'heilig' oder ganz zu werden. Dann erst sind wir geworden, was wir in Wirklichkeit sind (heute schon sind, nur wissen wir es nicht!)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Bildungsauftrag und die Begegnung der unterschiedlichen Weltanschauungen.
2. Der Weg des Autors: Biografische Darstellung des Autors als Kurator und Kulturvermittler zwischen den Welten.
3. Der Briefwechsel: Meister und Schüler: Der Kernteil, der den Dialog über persönliche Krisen und spirituelle Entwicklung abbildet.
4. Erkenntnislehre im Alltag: Theoretische Vertiefung der buddhistischen Konzepte in Bezug auf das tägliche Handeln.
5. Engagement und humanitäre Hilfe: Schilderung der praktischen Arbeit mit bedürftigen Kindern als gelebte Spiritualität.
6. Fazit: Das Erwachen im Grossen ICH: Synthese der Erfahrungen in einem gemeinsamen spirituellen Verständnis.
Schlüsselwörter
Buddhismus, Erkenntnislehre, Vajrayana, Mentorenschaft, Spiritualität, Lebenshilfe, Karma, Erleuchtung, Meditation, Menschenliebe, Identität, Nicht-Zweiheit, Alltagsbewusstsein, Philosophie, Briefwechsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Briefwechsel grundsätzlich?
Es handelt sich um einen persönlichen Dialog über Jahre hinweg, in dem ein erfahrener Lehrer eine Schülerin durch ihre persönlichen Krisen begleitet und ihr dabei buddhistische Prinzipien vermittelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Korrespondenz?
Die Themen umfassen die Suche nach dem eigenen Selbst, die Bewältigung von familiären Schwierigkeiten, den Umgang mit Schmerz und Leid sowie die Anwendung spiritueller Erkenntnis im harten Alltag.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit diesen Briefen?
Das Ziel ist es, der Schülerin zu zeigen, dass spirituelle Wahrheit nicht durch abstraktes Wissen, sondern durch unmittelbares Erleben und das "Aufwachen" im Hier und Jetzt erreicht wird.
Welche wissenschaftliche oder philosophische Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die buddhistische Methode der Selbsterkenntnis und der achtsamen Beobachtung, wobei er stark auf die Philosophie der Nicht-Zweiheit (Advaita) und die Praxis von Weisheit und Mitgefühl setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Anwendung des "Inneren Meisters" bei der Lösung komplexer Lebenssituationen und der Entlarvung alltäglicher Illusionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Werk?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie "Gegenwart", "Karma", "Nicht-Zweiheit", "Liebe ohne Bedingung" und "Erwachen".
Warum betont der Autor immer wieder die Wichtigkeit der "Gegenwart"?
Für den Autor ist die Gegenwart die einzige existierende Realität, während Vergangenheit und Zukunft lediglich Spiegelungen des Geistes sind, die den Menschen in der Dualität gefangen halten.
Wie steht der Autor zur Frage der Wiedergeburt?
Der Autor ordnet die Wiedergeburt in das Gesetz von Ursache und Wirkung (Karma) ein, betont jedoch, dass das Ziel des Buddhismus gerade das Erwachen ist, das den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt beendet.
Welchen Stellenwert nimmt das humanitäre Engagement für den Autor ein?
Das Engagement (z.B. für Strassenkinder) ist für den Autor keine bloße Wohltätigkeit, sondern die notwendige Praxis, um die erlangte Weisheit in barmherzige Liebe umzusetzen.
Wie definiert der Autor das "wahre ICH"?
Das wahre ICH ist für ihn das unendliche, raum- und zeitlose Selbst, das hinter der vergänglichen Persona von Mann oder Frau, alt oder jung, steht.
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- Peter Grieder (Autor), 2009, "Liebe Dorothea..." - Ein Versuch, die Erkenntnislehre Buddhas einem in westlichem Denken verankerten Menschen nahe zu bringen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121181