Wie Elsass und Lothringen zu Frankreich kamen


Seminararbeit, 2008

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Elsass und Lothringen: Ein geschichtlicher Abriss
2.1 Erste französische Epoche
2.2 Zweite französische Epoche
2.3 Reichsland Elsass-Lothringen
2.4 1. Weltkrieg
2.5 Dritte französische Epoche, 2. Weltkrieg und die Zeit danach

3. Geschichte Lothringens im Detail
3.1. Lotharii Regnum
3.2 Herzogtum Lothringen

4. Sprachgeschichte der Regionen Elsass und Lothringen
4.1. Elsässische Dialekt
4.2. Lothringisch
4.3 Zwei Regionalsprachen, eine Geschichte

5. Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Arbeit zum Thema „Wie Elsass und Lothringen zu Frankreich kamen“ habe ich mich eingehend mit der geschichtlichen Entwicklung rund um die Regionen Elsass und Lothringen beschäftigt und dann deren Auswirkungen auf die Sprachenproblematik der beiden Gegenden betrachtet. Es soll den Versuch darstellen über die Geschichte einer Region auch die sprachlichen Gegebenheiten zu verstehen, was im Falle von diesen beiden Regionen äußerst interessant, aber auch schwierig ist, da es einen ständigen Wechsel gab und bis nach Ende des 2. Weltkrieges keine Ruhe und Beständigkeit einkehren konnte.

In diesem Sinne versuche ich zuallererst einen geschichtlichen Abriss von der Frühzeit bis nach dem zweiten Weltkrieg zu erstellen und die wichtigsten Entwicklungen zu erklären, wie zum Beispiel die verschiedenen Epochen unter französischer oder deutscher Herrschaft. Ein Extrapunkt gilt Teilen der lothringischen Geschichte, da diese sich zu bestimmten Zeiten nicht mit der des Elsass überschneidet, in anderen aber doch. Somit habe ich versucht, kleine Unterschiede hervorzuheben, da es sich ja nicht um eine geschlossene Region handelt.

Nach dem geschichtlichen Überblick wende ich mich der Sprachgeschichte der beiden Regionen zu und versuche hier auch wieder einen chronologischen Abriss der Entwichlungen zu erstellen, sowie auch kurz die beiden Dialektgruppen zu beschreiben. Meine Arbeit endet mit einem Ausblick in die Zukunft um alle drei Bereiche, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, abzudecken und somit einen panoramaartigen Überblick zu verschaffen.

Persönlich fand ich diese Arbeit sehr ansprechend, da ich erstens geschichtlich sehr interessiert bin und finde, dass die Geschichte uns zu dem macht, was wir heute sind. Zweitens finde ich, dass man um die Erhaltung regionaler Dialekte kämpfen sollte, da sie eines der wichtigsten Teile sind, die die regionale Kultur ausmacht. Wenn der Dialekt verloren geht, verliert man auch Aspekte seiner Herkunft und Identität. Gerade deshalb sollte man auch Regierungen, sowie die Europäische Union, zu einer aktiven Unterstützung bewegen, was sich leider als äußerst schwierig darstellt, da es sich um regionalbegrenzte Sprachen handelt und man behauptet, dass es davon so viele gibt, dass man sich von staatlicher Seite her nicht darum kümmern kann. Somit liegt es mehr oder weniger in unseren eigenen Händen, unseren Dialekt, welcher er auch immer sein mag, zu erhalten und sich nicht dafür zu schämen.

2. Elsass und Lothringen: Ein geschichtlicher Abriss

Das heutige Gebiet um Elsass und Lothringen ist seit jeher ein stark umkämpftes Gebiet. Im Laufe der Frühzeit fällt es abwechselnd an die Kelten, Römer und im Zuge der Völkerwanderung lassen sich dort um 500 die Alemannen nieder.

Um 610 taucht der Begriff Elsass als Alesaciones erstmals beim Chronisten Fredegar auf. Die Herkunft des Wortes Elsass ist nicht zweifelsfrei geklärt. Eine häufige Erklärung leitet den Namem von dem Flüsschen Ill ab, das sich fast durch das ganze Elsass zieht. Der Fluss soll zur Römerzeit den Namen Ello getragen haben. Jene Alemannen, die in der Gegend um den Fluss sesshaft wurden, bezeichneten sich selbst als Ill-Sassen bzw. Ello- Sassen, also die an der Ill Sesshaften, woraus der Landschaftsname Elsass entstanden sein könnte. Eine andere Erklärung bietet die Elsässische Tourismusagentur, die behauptet, dass sich der Name von dem keltischen Wort Alisaz ableitet, das soviel heißt wie das Land der Anderen, von Ali: Fremd und Sassen: sitzen; Ein Name, der auf das 3. Jahrhundert vor Christus zurückgeleitet wird.[1]

In den Straßburger Eiden wird die damalige Sprachgrenze, die dieses Gebiet betrifft, dokumentiert und im Vertrag von Verdun kommt es zu ersten Teilungen, die aber nicht lange standhalten. Um 870 wird im Vertrag von Meersen festgehalten, dass das Gebiet zum zum ostfränkischen Reich, dem späteren so genannten Heiligen Römischen Reich und Teil des Herzogtums Schwaben wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Europa nach dem Verträgen von Verdun und Meersen

Nach dem Einfall der Ungarn wird Friedrich Barbarossa, Herzog von Schwaben, um 1152 deutscher König und später auch römisch-deutscher Kaiser. Im Zuge dieser Entwicklung wird das Elsass zum Mittelpunkt des Reiches und Hagenau wird stauffische Pfalz.

Dadurch kommt es zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Blütezeit der Region bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Habsburger stellen zu dieser Zeit auch die Grafen im Sundgau. Später fällt die Verwaltung an Rudolf von Habsburg und 1299 soll das Elsass als Mitgift an die Schwester des französischen Königs Philipps des Schönen für die Heirat mit dem Sohn des deutschen Königs Albrechts I. von Habsburg gehen, aber die Heirat scheitert. Nach wiederholten Zusammenschlüssen von den zehn wichtigsten Reichsstädten in den Jahren 1342, 1346 und 1349 zur Wahrung ihrer Freiheiten und zur Durchsetzung einer landfriedensmäßigen[2] Ordnung, gründete Kaiser Karl IV. um 1354 auf deren Initiative hin den Zehnstädtebund. Nach dem Tod des Kaisers wurde dieser Bund aufgelöst, aber im Jahre 1379 wiedergegründet und konnte sich in den folgenden Jahrzehnten festigen und für seine Mitglieder eine Sicherung ihres reichsstädtischen Status gegenüber dem Kaiser erreichen. Als 1477 Karl der Kühne in der Schlacht bei Nancy stirbt, fällt Burgund seiner Tochter Maria als Erbe zu. Diese heiratet den Habsburger Kaiser Maximilian I.. Da aber Frankreich auch Anspruch auf das burgundische Erbe erhebt, beginnt der Gegensatz zwischen Habsburg und Frankreich, der sich bis 1753 hinzieht, sich aber vorläufig noch nicht auf das Elsass auswirkt.

Das frühe 16. Jahrhundert ist eine weitere Blütezeit der Region, in der Straßburg im Zuge der Reformation protestantisch wird und es zur Bildung der Universität Straßburg kommt, die bis zur Französischen Revolution besteht.

Nach dem Prager Fenstersturz 1618 kommt es zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und zu einer Schwächung der Reichsstädte, was später zu einer Einnahme durch die Franzosen führt.

2.1. Die erste Französische Epoche

1635, nach dem Frieden von Prag, schaltet sich Frankreich aktiv in den Dreißigjährigen Krieg ein. Es unterstützt dabei Bernhard von Weimar, der große Teile des Elsass erobert. Das Elsass fungiert als Aufmarschgebiet für französische Vorstöße nach Franken und Schwaben und wird dabei fürchterlich zerstört. Dazu kommt, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung der Region im Zuge des Krieges umkommt. Als 1648 der Krieg durch den Westfälischen Frieden beendet wird, fallen der früher habsburgische Sundgau und alle übrigen habsburgischen Territorien im Elsass, sowie die kaiserlichen Rechte an den 9 elsässischen Reichsstädten Weißenburg, Hagenau, Rosheim, Oberehnheim, Kaysersberg, Colmar, Türkheim und Münster, und an Landau, an Frankreich. Der größte Teil des Elsass verblieb beim Deutschen Reich.

1680 setzt König Ludwig XIV. so genannte Reunionskammern ein, die die Wiedervereinigung der französisch gewordenen Gebiete, nicht nur im Elsass, mit den noch nicht französischen Gebieten veranlassen sollten, was durch eine friedliche Eroberung der Rheingrenze durch Annexionen geschehen sollte. Diese Reunionen im Elsass wurden vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zunächst nicht anerkannt. Das Reich war aber auch durch die bestehende Türkengefahr, die 1683 bis nach Wien vorgestoßen waren, zu militärischem Widerstand gegen die französische Politik nicht in der Lage. Die Ausnutzung dieser Zwangslagedurch Frankreich zwecks Durchführung rechtlich zweifelhafter Annexionen war ein erster Grund für die vor allem zu einem späteren Zeitpunkt intensiver empfundene Feindschaft Deutschlands gegenüber Frankreich.

1681 kommt es zur Belagerung, Einnahme und Annexion von Straßburg durch Frankreich und im Jahre 1689 entschließt sich das Heilige Römische Reich zum Krieg gegen Frankreich, das nun auch in der Pfalz einmarschiert ist und es dadurch zum Pfälzischer Erbfolgekrieg kommt. Ein Kriegsziel ist unter anderem die Beseitigung der aus deutscher Sicht rechtswidrigen Re]unionen im Elsass. Im Frieden von Rijswijk erkennt das Heilige Römische Reich diese Reunionen an und die Region Elsass verbleibt bei Frankreich. Als der Spanische Erbfolgekriegs ausbricht versucht das durch die Türkenkriege mittlerweile zur Großmacht aufgestiegene Österreich nicht nur die Übernahme des spanischen Throns durch einen französischen Anjou zu verhindern, sondern auch das Elsass für Österreich bzw. damit für das Heilige Römische Reich zurückzugewinnen.

Graf Kaunitz-Rietberg, Regierungschef im Erzherzogtum Österreich, beendet 1753 die Feindschaft mit Frankreich und besiegelt damit das Ende der Habsburger Bemühungen um eine Rückgewinnung des Elsass. In dieser Zeit hat das Elsass in Stadt und Land noch einen vollständig deutschen Charakter. Die französische Krone hat aber kein Interesse an einer kulturellen Französisierung des Landes.

2.2. Zweite französische Epoche

Im Jahre 1789 kommt es zur Französischen Revolution, die auch auf Straßburg übergreift. Durch sie werden die noch verbliebenen mittelalterlichen Herrschaftsstrukturen abgeschafft und das Elsass in die Départements Ober- und Unterrhein (Haut-Rhin et Bas- Rhin) aufgeteilt. Im September 1791 wird eine Bürgerliche Verfassung für ganz Frankreich eingesetzt, die eine Starke Identifizierung der Elsässer mit der Revolution bewirkt und erstmals auch eine Identifikation mit Frankreich selbst, das nun nicht mehr ein beliebiges Königreich ist, sondern Gemeinwesen aller freien Franzosen. Im ersten Koalitionskrieg zwischen 1792 und 1797 versuchten die europäischen Mächte, die Französische Revolution und ihre Auswirkungen einzudämmen oder gar ganz rückgängig zu machen. Frankreich annektiert die lothringischen Grafschaften Salm und Saarwerden, die dem Département Bas Rhin zugeschlagen werden und belegt das zuvor mit der Eidgenossenschaft verbundene Mülhausen mit einer Handelsblockade, bis dieses seine Selbständigkeit aufgibt und somit das ganze Elsass französisch wird. 1814 vermeiden die Großmächte auf dem Wiener Kongress eine Demütigung Frankreichs nach der Niederlage Napoleons. Das Elsass bleibt trotz den Hoffnungen der erwachten deutschen Nationalbewegung französisches Gebiet. Nach der Schlacht von Waterloo verschiebt der Wiener Kongress die deutsch-französische Grenze im Bereich Landau und Weißenburg geringfügig zu Gunsten Deutschlands. Landau wird bayrisch, Weißenburg bleibt aber bei Frankreich.

Die Industrielle Revolution hält auch im Elsass Einzug und bringt einen großen Zuwachs in den Bereichen Schifffahrt, Eisenbahnbau und Maschinenbau. Leider kommt es bis 1846 auch einer Bevölkerungsexplosion, damit einhergehenden Hungersnöte und folglich Auswanderungswellen, z.B. nach Amerika.

[...]


[1] aus: http://www.grafenstein.net/pressroom/6/doc/14_Elsass_Faktenblatt.pdf

[2] war im mittelalterlichen Recht der vertragsmäßige Verzicht der Machtträger bestimmter Landschaften auf die Anwendung von (eigentlich legitimer) Gewalt zur Durchsetzung eigener Rechtsansprüche. Dies betraf vor allem das Recht der Fehdeführung. aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Landfrieden

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wie Elsass und Lothringen zu Frankreich kamen
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik Wien)
Veranstaltung
Sprachwissenschaftliches Seminar II
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V121233
ISBN (eBook)
9783640255740
Dateigröße
1731 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elsass, Lothringen, Frankreich, Sprachwissenschaftliches, Seminar
Arbeit zitieren
Sonja Maier (Autor), 2008, Wie Elsass und Lothringen zu Frankreich kamen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121233

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