Ziel dieser Arbeit ist einerseits die Darstellung eben dieser Verschiedenheit von Sprachen, andererseits soll versucht werden, Muster und Verallgemeinerungen aufzudecken und zu formulieren.
Gegenstand der Arbeit sind dabei die sprachlichen Mittel zur Darstellung von Raumrelationen in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Finnisch.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: In Kapitel 2.1 wird zunächst der Begriff der Lokalisierung erläutert. Kapitel 2.2 geht auf die Frage ein, welche Referenzsysteme sprachlichen Lokalisierungsausdrücken unterliegen können.
In Kapitel 3 werden anschließend anhand der Sprachen Deutsch, Englisch und Finnisch semantisch-typologische Aspekte der Raumlinguistik aufgezeigt, wobei in 3.1 zunächst auf die Raumgrammatik der einzelnen Sprachen eingegangen wird. Als Grundlage dienen dabei der Duden für die deutsche Sprache, verschiedene Lehrwerke und Grammatiken für die englische bzw. die finnische Sprache.
Abschließend soll in Kapitel 3.2 anhand der so genannten Topological Relations Picture Series von Melissa Bowerman untersucht werden, ob und wenn ja, welche Unterschiede sich im Bezug auf die Semantik aus den in 3.1 dargestellten grammatisch-lexikalischen Mitteln zur Beschreibung von Raumrelationen ergeben.
In Kapitel 4 werden dann die Ergebnisse zusammengefasst und gegebenenfalls Anregungen für die weitere Forschung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Zielsetzung
2. Lokalisierung – Begriffsbestimmung und theoretischer Hintergrund
2.1 Lokalisierung – Was ist das?
2.2 Intrinsische, relative und absolute Raumreferenz
3. Semantisch-typologischer Vergleich: Lokalisierung Deutsch – Englisch – Finnisch
3.1 Raum und Grammatik – Wie die Sprachen Finnisch, Englisch und Deutsch Raumrelationen grammatisch verarbeiten
3.1.1 Deutsch – Kasus, Präpositionen und Adverbien
3.1.2 Englisch – Präpositionen und Adverbien
3.1.3 Finnisch – Lokalkasus, Postpositionen und Adverbien
3.2 Semantische Analyse ausgewählter finnischer, deutscher und englischer Lokalmarker
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen semantisch-typologischen Vergleich der sprachlichen Mittel zur Darstellung von Raumrelationen im Deutschen, Englischen und Finnischen durchzuführen, um Muster und Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher formaler Strukturen aufzudecken.
- Kontrastive Analyse der Raumgrammatik in drei Sprachen
- Untersuchung von Lokalisierungsausdrücken (Lokalmarker)
- Theoretische Fundierung durch Referenzsysteme (intrinsisch, relativ, absolut)
- Empirische Einordnung mittels der Topological Relations Picture Series
- Semantische Kategorisierung von Kontakt- und Distanzverhältnissen
Auszug aus dem Buch
2.2 Intrinsische, relative und absolute Raumreferenz
Nachdem in 2.1 der Begriff der Lokalisierung erläutert und die wichtigsten Kategorien von Lokalmarkern eingeführt wurden, bleibt die Frage, was bei einer Raumrelation als Referenzpunkt dienen kann. Schließlich können LM wie über, hinter oder neben nur verstanden werden, wenn die Frage nach der Referenz geklärt ist. Levinson und Wilkins (2006: 19-23) schlagen diesbezüglich eine Dreiteilung in intrinsischen, relativen und absoluten Referenzrahmen vor, die im Folgenden zusammengefasst dargestellt wird.
Die Anwendung des intrinsischen Referenzrahmens hat nach Levinson und Wilkins (2006: 20) zur Folge, dass dem Ground Merkmale wie z.B. Vorder- und Rückseite zugeschrieben werden, anhand derer die Position der Figure beschrieben wird. Es findet also eine Art Identifizierung mit dem Ground statt, sodass Raumrelationen bei einer intrinsischen Beschreibung aus der Perspektive des Grounds beschrieben werden. Dabei ist nicht immer eindeutig, nach welchen Kriterien dem Ground Merkmale wie Vorder- oder Rückseite zugeordnet werden. So würde man z.B. bei Abb. 1 die Seite des Sessels als Vorderseite bezeichnen, auf die der/die Betrachter/in schaut, bei Abb. 2 ist die Vorderseite allerdings nicht eindeutig zu bestimmen, da man ebenso behaupten könnte, dass die Seite, auf die man schaut, die Rückseite des Sessels ist, da es sich um die Rückenlehne handelt. Man könnte also bei beiden Abbildungen die Situation mit die Pflanze steht vor dem Sessel beschreiben, bei Abb. 2 wäre es aber auch möglich, die Situation mit die Pflanze steht hinter dem Sessel zu beschreiben. Es kann also sogar innerhalb eines Referenzrahmens zu Missverständnissen kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Zielsetzung: Einführung in die sprachliche Verschiedenheit bei der Darstellung von Raumrelationen und Vorstellung des methodischen Aufbaus.
2. Lokalisierung – Begriffsbestimmung und theoretischer Hintergrund: Definition des Lokalisierungsbegriffs als Relation zwischen Figure und Ground sowie Erläuterung der Referenzsysteme.
3. Semantisch-typologischer Vergleich: Lokalisierung Deutsch – Englisch – Finnisch: Detaillierte Analyse der grammatischen Mittel und semantischen Strukturen in den drei Zielsprachen.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse und Feststellung, dass trotz formaler Unterschiede Gemeinsamkeiten in der semantischen Raumkonzeption existieren.
Schlüsselwörter
Raumgrammatik, Lokalisierung, Sprachvergleich, Figure, Ground, Lokalmarker, Raumrelation, Finnisch, Deutsch, Englisch, Semantik, Typologie, Topological Relations Picture Series, Lokalkasus, Präpositionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Sprachen Deutsch, Englisch und Finnisch Raumrelationen grammatisch und semantisch darstellen und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich dabei zeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Lokalmarkern (Adpositionen, Kasus, Adverbien) sowie die Anwendung verschiedener Referenzsysteme bei der Beschreibung von Raum.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Verschiedenheit der Sprachen aufzudecken und durch einen semantisch-typologischen Vergleich Muster zu formulieren, wie Raum im Geiste und in der Sprache strukturiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kontrastive Analyse unter Anwendung der Topological Relations Picture Series (TRPS) von Melissa Bowerman, um Sprachdaten semantisch zu vergleichen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung der Lokalisierung, die Analyse der spezifischen Raumgrammatik der drei Sprachen und die semantische Auswertung der TRPS-Bilder.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Lokalisierung, Raumrelation, kontrastive Sprachwissenschaft, Finnisch-Deutsch-Englisch-Vergleich und Lokalmarker zusammenfassen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Raum im Finnischen von der im Deutschen?
Während im Deutschen häufig Präpositionen und Kasus kombiniert werden, nutzt das Finnische ein komplexes System von sechs Lokalkasus, die den Aspekt der Verbindung zwischen Objekten (Inklusion vs. Kontakt) stärker hervorheben.
Warum spielt der Begriff "Figure und Ground" eine so wichtige Rolle?
Diese Begriffe definieren das Grundverhältnis der Lokalisierung: Das zu lokalisierende Objekt (Figure) wird relativ zu einem Bezugsobjekt (Ground) im Raum verortet.
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- Sandra Martina Bähr (Author), 2008, Typologie der Raumgrammatik. Lokalisierungsausdrücke der finnischen, englischen und deutschen Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121234