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Die Schlacht von Cannae

Title: Die Schlacht von Cannae

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johannes Mauritius Schäfer (Author)

World History - Early and Ancient History
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Im Juli des Jahres 216 v. Chr. fand unweit der kleinen italischen Stadt Cannae in Apulien eine Schlacht zwischen den über die Alpen gezogenen karthagischen Truppen unter Hannibal und den zusammengezogenen Legionen der römischen Republik statt, die gleichzeitig zum Höhepunkt einer Reihe von Siegen gegen die Römer werden sollte, wie auch zum letzten großen Sieg Hannibals auf italischem Boden. Cannae gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Schlachten der Weltgeschichte und übt bis heute vor allem auf Berufsmilitärs eine große Faszination aus. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts widmete ihr ein preußischer Generalstabschef eine eigene Studie um seine Strategie zu legitimieren und am Ende des 20. Jahrhunderts nannte der amerikanische General Schwarzkopf Cannae als Vorbild für seine Planungen im zweiten Golfkrieg .
Dabei ist es sicherlich nicht zu verwegen zu behaupten, Cannae sei aber auch die „most quoted and least understood battle“ , was sich zwar im Zuge der angloamerikanischen Militärhistoriographie als Geschichte von „battles and campaigns“ etwas relativiert hat, aufgrund der schwierigen Quellenlage aber trotzdem noch eine gewisse Richtigkeit behält.
Trotz aller Cannae zugeschriebener Bedeutung bleibt aber auf der einen Seite die Konstatierung einer nur „limited relevance of single `decisive battles´“ für den zweiten punischen Krieg, auf der anderen Seite aber auch eine erneuerte Schlachtenhistorie, die sich zum einen durch einen Perspektivenwechsel hinweg vom Feldherrenhügel und hin zum einfachen Soldaten und zum anderen durch ein Aufbrechen tradierter Codierungen in der Beschreibung von Gewalt auszeichnet und auch die gesellschaftlichen Hintergründe stärker in den Vordergrund rückt, um so neue Erkenntnisse generieren zu können. Bei der Rekonstruierung eines antiken Schlachtgeschehens steht vor allen anderen Problematiken die Schwierigkeit der Quellen, die nur als „quite exceptionally difficult“ zu charakterisieren ist. Die mit weitem Abstand wichtigsten antiken Historiker, die über Cannae berichten, sind Polybius und Livius, auf deren Aussagen sich auch diese Schrift weitestgehend stützen muss. Die Dominanz der beiden Historiker geht sogar so weit, dass Philip Sabin meint, dass „modern authors can do little beyond paraphrase and exegesis of these two“ und so alles gewissermaßen spätere nur als Fußnoten zu Polybius und Livius begreift. Archäologische Quellen zum zweiten punischen Krieg sind rar gesät, so dass Markus Junkelmann hinsichtlich der gesamten republikanischen Zeit nur schreiben kann, dass es „nicht mehr als einige wenige Helme und Speerspitzen als archäologische Zeugen“ gäbe. Als weitere Quellen müssen daher auch die Gesellschaften betrachtet werden, aus denen heraus die beiden Armeen entstanden sind.
Im Folgenden werden die höchsten Offizier und ihre Rolle in der Schlacht als am besten fassbare Exponenten der jeweiligen Oberschicht untersucht und danach die Schlacht der verschiedenen Soldaten auf den unterschiedlichen Teilen des Schlachtfeldes untersucht, um so die Ursachen für den Schlachtausgang zu erforschen

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hannibal und seine höchsten Offiziere

3. C. Terentius Varro, L. Aemilius Paullus und ihre höchsten Offiziere

4. Die Rolle der Befehlshaber in der Schlacht

5. Vorbedingungen der Schlacht

6. Realitäten des Kampfgeschehens

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) unter Berücksichtigung der komplexen Quellenlage und der Rolle der Befehlshaber. Ziel ist es, durch eine Analyse der militärischen Führungsstrukturen und der soziokulturellen Hintergründe beider Armeen ein differenzierteres Verständnis für die Abläufe und den Ausgang des historischen Konflikts zu gewinnen.

  • Analyse der römischen und karthagischen militärischen Führungsstruktur.
  • Untersuchung des Einflusses antiker Historiker (Polybius, Livius) auf die Schlachtrekonstruktion.
  • Evaluierung der Rolle von Offizieren und Soldaten auf dem Schlachtfeld.
  • Diskussion der soziokulturellen Faktoren (z.B. virtus, militärische Identität) für die Kampfmoral.
  • Reflektion über die Möglichkeiten und Grenzen historischer Schlachtrekonstruktionen.

Auszug aus dem Buch

6. Realitäten des Kampfgeschehens

Die übliche Eröffnung der Schlacht geschah durch die primär mit Fernkampfwaffen ausgestatteten Plänklerlinien beider Armeen, die Polybius als ausgeglichen beschreibt, während bei Livius ein Kommentar über die Auswirkungen dieses Kampfes völlig fehlt. Durch den baldigen Übergang zur Beschreibung der Kämpfe anderer Truppenarten bei den Autoren kann somit auf ein Gleichgewicht der leichten Truppen bei Cannae geschlossen werden und Daley kann treffend resümieren, dass der Hauptzweck der leichten Truppen darin bestand „to absorb the attack of the other skirmishers“.

Das Fehlen weiterer Beschreibungen dieser Kampfesart durch antike Historiker weist, neben Belegen aus der experimentellen Archäologie, auf geringe Verluste hin. Andererseits konnte vielleicht eine „enthusiastic performance by the skirmishers [...] inspired the main forces to fight harder“, wobei eine solche Deutung von einer Sichtbarkeit des Schlachtfeldgeschehens ausgeht, die sehr unwahrscheinlich ist.

Wenn Philip Sabin den Kampf der leichten Truppen gemeinsam mit dem Reiterkampf an den Flügeln von Heeren des zweiten punischen Kriegs als “very much a hit-and-run affair, with great fluidity and mobility but few casualities” charakterisiert, so treffen alle drei Merkmale für den Kampf der römischen Kavallerie gegen die keltisch-iberischen Reiter nicht zu. Polybius nutzt drastische Worte, wenn er den Zusammenstoß der beiden Reitereien als „einen ernsten, nach Barbarenart geführten Kampf“ beschreibt und bei Livius wird auch deutlich, warum der Kampf ernster war als das von Sabin beschriebene typische Bild eines Reiterkampfes. „Denn sie mußten Front gegen Front aufeinanderprallen, weil es auf beiden Seiten keinen Raum zum Ausschwärmen gab“ schreibt Livius und zeigt damit die Enge des Raumes als Grund dafür an, dass diesem Reiterkampf die typische Fluidität fehlte und es stattdessen zu einem blutigen Handgemenge wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die Bedeutung von Cannae als historische Schlacht und beleuchtet die Problematik der Quellenlage sowie moderne Perspektiven auf die antike Militärgeschichte.

2. Hannibal und seine höchsten Offiziere: Dieses Kapitel untersucht die ethnische Herkunft und die soziale Struktur der karthagischen Führungselite und setzt diese in Bezug zur karthagischen Staatsordnung.

3. C. Terentius Varro, L. Aemilius Paullus und ihre höchsten Offiziere: Der Fokus liegt hier auf dem römischen Offizierskorps, dem cursus honorum und der spezifischen militärischen Kultur der römischen Republik.

4. Die Rolle der Befehlshaber in der Schlacht: Dieses Kapitel analysiert das Aufgabenspektrum von Feldherren und wie diese durch Führung und Motivation aktiv in das Schlachtgeschehen eingriffen.

5. Vorbedingungen der Schlacht: Hier werden die geografischen Faktoren, das Schlachtfeld und die taktische Aufstellung beider Parteien unter Berücksichtigung antiker Quellen diskutiert.

6. Realitäten des Kampfgeschehens: Dieses Kapitel befasst sich mit dem tatsächlichen Verlauf des Gefechts, von den Plänklern über den Reiterkampf bis hin zum entscheidenden Einsatz der schweren Infanterie.

7. Schluss: Die Zusammenfassung reflektiert die Erkenntnisse zur Bedeutung der Führungsstrukturen und unterstreicht die methodische Skepsis bei der Rekonstruktion antiker Schlachten.

Schlüsselwörter

Cannae, Hannibal, Römische Republik, Zweiter Punischer Krieg, Militärgeschichte, Antike, Schlachtrekonstruktion, Polybius, Livius, Befehlshaber, Infanterie, Reiterei, Quellenkritik, Taktik, Militärtradition

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation analysiert die Schlacht von Cannae aus dem Jahr 216 v. Chr. und untersucht dabei insbesondere die militärischen Führungsstrukturen sowie die Einflüsse von Gesellschaft und Quellenlage auf das Kampfgeschehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die Rollen der karthagischen und römischen Befehlshaber, die Zusammensetzung der Heere, die Bedeutung soziokultureller Werte wie der römischen "virtus" sowie die Schwierigkeiten bei der wissenschaftlichen Rekonstruktion antiker Schlachten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, über die bloße Wiedergabe der Ereignisse hinauszugehen und durch eine tiefgehende Analyse der Führungsrollen und soziokulturellen Hintergründe ein fundiertes Verständnis für die Dynamik der Schlacht und ihren historischen Ausgang zu erlangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf der kritischen Auseinandersetzung mit antiken Quellen wie Polybius und Livius, ergänzt durch moderne militärhistorische Analysen und Erkenntnisse der Forschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Führungseliten beider Seiten, die Analyse der Vorbedingungen (Topografie/Aufstellung) sowie eine detaillierte Betrachtung der unterschiedlichen Kampfphasen (Reiter- und Infanteriegefechte).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Cannae, Hannibal, Punischer Krieg, militärische Führung, Quellenkritik und antike Schlachtführung charakterisiert.

Welche Bedeutung hatten die "Libyer" im Gefecht von Cannae?

Die Libyer bildeten die Kerntruppe des karthagischen Heeres; ihre Rolle bei der Flankenumfassung der römischen Legionen war entscheidend für den taktischen Sieg Hannibals.

Warum stellt die Rekonstruktion der Schlacht eine methodische Herausforderung dar?

Da antike Historiker wie Polybius und Livius oft aus einer spezifischen, teilweise tendenziösen römischen Perspektive schrieben und archäologische Belege rar sind, ist eine objektive Rekonstruktion der taktischen Details bis heute äußerst schwierig.

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Details

Title
Die Schlacht von Cannae
College
University of Vienna  (Seminar für Alte Geschichte)
Course
Große Gegner Roms
Grade
1,0
Author
Johannes Mauritius Schäfer (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V121242
ISBN (eBook)
9783640255771
Language
German
Tags
Schlacht Cannae Große Gegner Roms
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Mauritius Schäfer (Author), 2008, Die Schlacht von Cannae, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121242
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