Enthält eine Zusammenfassung des Films "Terra em Transe" von Glauber Rocha, zeigt die politischen Hintergründe der Zeit auf und erörtert die künstlerischen und technischen Eigenheiten des Films und der Zeit des Cinema Novo. Die Filme der 50er Jahre fielen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich aus. So waren in den USA die MGM-Musicals erfolgreich, während in Frankreich Truffaut und in Italien Fellini schöpferisch tätig waren.
Brasilianische Filme finden in Deutschland wenig Anklang, abgesehen von dem Erfolgsfilm „Cidade de Deus“, bei dem viele jedoch nicht einmal wußten das er brasilianisch war. Teils weil ihre Problematik wie Hunger, Armut oder der Kampf gegen die Vorherrschaft fremder Kulturen heute nicht mehr aktuell sind und teils weil diese Filme einfach nicht verbreitet ge-nug sind, als daß man einfachen Zugang zu ihnen hätte.
Allein die Schwierigkeiten den Film überhaupt zu beschaffen spricht für den geringen Be-kanntheitsgrad des Films. Um so interessanter ist es sich einmal mit einem „neuen“ Film zu beschäftigen, aus einer Zeit in der Regisseure aktiv waren, die bei uns bekannter sind, wie Fellini oder Truffaut. Obwohl die Filme Brasiliens in einem völlig anderen Umfeld entstan-den können manche Motive gefunden werden mit denen sich auch der europäische Film die-ser Zeit beschäftigte. Andere Motive scheinen uns überzogen oder sehr fremd, vor allem die afrikanischen Elemente oder die, bei denen die „Rückständigkeit“ deutlich wird wirken aus heutiger Sicht etwas befremdlich.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Politik
III Cinema Novo
1. Die Anfänge
2. Cultura popolar
3. Suplementos literários
4. Chancadas
5. Kritiker des Cinema Novo
6. Die Filmclubs
7. „Rio, 40 graus“
8. Das Programm des Cinema Novo
9. Probleme der Filmemacher
10. Ziele des Cinema Novo
IV Terra em Transe
V Glauber Rocha
1. Glauber Rocha als Kritiker
2. Glauber Rocha als Regisseur
VI Schluß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die brasilianische Filmbewegung "Cinema Novo" im historischen Kontext der 1950er und 1960er Jahre, analysiert deren ästhetische sowie gesellschaftspolitische Ziele und beleuchtet das Wirken von Schlüsselpersonen wie Glauber Rocha sowie dessen wegweisendem Film "Terra em Transe".
- Historischer Kontext und politische Einflussfaktoren in Brasilien zwischen 1954 und 1964
- Die Entwicklung und Programmatik des Cinema Novo als gesellschaftskritisches Kino
- Die ästhetische Rolle des Films bei der Darstellung sozialer Unterentwicklung und Armut
- Glauber Rochas Beitrag als Kritiker und Regisseur zur Bewegung
- Analyse des Films "Terra em Transe" als allegorische Auseinandersetzung mit lateinamerikanischer Machtpolitik
Auszug aus dem Buch
III 1. Die Anfänge
Mehrere Ereignisse trugen zum historischen Kontext des Cinema Novo bei. Nach Ende des zweiten Weltkrieges begann ein wirtschaftlicher Aufschwung ähnlich dem deutschen Wirtschaftswunder. Vor allem der Aufbau einer brasilianischen Autoindustrie und die als stabil bezeichnete demokratische Ordnung der Gesellschaft trugen zu einem allgemeinen Optimismus bei (Cinema Novo S. 182).
Das Cinema novo begann Ende der Fünfziger Jahre ein radikales, gesellschaftkritisches Kino in die Tat umzusetzen. Sein Ziel war die „Entkolonialisierung der Köpfe“. Die Regisseure des Cinema Novo fühlten sich als Avantgarde, parallel zu der französischen mit Truffaut und der italienischen mit Fellini, einer internationalen Bewegung, die eines Tages Filmemacher der ganzen Welt umfassen sollte (www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/404.html). Das Cinema Novo war eine international anerkannte Filmbewegung. Der programmatische Satz des Cinema Novo war „Eine Idee im Kopf und eine Kamera in der Hand“. Die Eckdaten des Cinema Novo bilden der erste Film „Rio, 40 graus“ von Nelson Pereira dos Santos im Jahr 1954 und der Militärputsch im Jahr 1964. Teilweise wird der Militärputsch von 1964 übergangen, da die künstlerische Linke auch während der Militärdiktatur noch weiterhin tätig sein konnte. Nach Aussage Glauber Rochas stellt dieses Jahr jedoch durchaus eine Zäsur dar: „Até abril de 64, queda de Goulart, a maioria dos intelectuais brasileiros acreditava na revolução pela palavra e também grande parte dos cineastas“ (Cinema Novo S. 12 - 26). Das politische Ziel des Cinema Novo war mit dem Militärputsch gescheitert.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den geringen Bekanntheitsgrad brasilianischer Filme in Deutschland und motiviert die Untersuchung des Cinema Novo als relevanten Gegenpart zum europäischen Film jener Zeit.
II Politik: Dieses Kapitel erörtert das politische Umfeld in Brasilien zwischen 1954 und 1964, geprägt durch Modernisierungsbestrebungen, "Nationbuilding" und das Spannungsfeld zwischen Demokratisierung und Zensur.
III Cinema Novo: Das umfangreiche Kapitel analysiert die Genese, die theoretischen Grundlagen, die Rolle der Filmkritik sowie die ästhetischen Ziele und Produktionsbedingungen der Bewegung.
IV Terra em Transe: Dieser Abschnitt widmet sich der detaillierten Filmanalyse des Dramas "Terra em Transe" und untersucht dessen allegorische Darstellung der lateinamerikanischen politischen Machtverhältnisse.
V Glauber Rocha: Das Kapitel porträtiert Glauber Rocha als zentralen Theoretiker der "Ästhetik des Hungers" sowie als einflussreichen Regisseur, der die Bewegung durch seine Kritiken und Filme maßgeblich prägte.
VI Schluß: Das Fazit resümiert das Scheitern des Cinema Novo an äußeren Umständen und dessen begrenzte Reichweite, würdigt die Bewegung jedoch als wichtigen Wegbereiter für spätere Generationen brasilianischer Künstler.
Schlüsselwörter
Cinema Novo, Brasilien, Glauber Rocha, Terra em Transe, Gesellschaftskritik, Ästhetik des Hungers, Politische Entwicklung, Filmgeschichte, Rio 40 graus, Kulturpolitik, Zensur, Lateinamerika, Identität, Soziale Realität, Avantgarde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der brasilianischen Filmbewegung „Cinema Novo“, ihrem historischen und politischen Entstehungskontext sowie ihrem Versuch, eine kritische, nationale Filmidentität abseits westlicher Imitationen zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die "Ästhetik des Hungers", der Einfluss politischer Umbrüche auf das Filmschaffen, die Rolle der Filmclubs und Intellektuellen sowie die kritische Auseinandersetzung mit sozialer Ungerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Cinema Novo versuchte, durch das Medium Film das soziale und politische Bewusstsein der brasilianischen Bevölkerung zu schärfen und eine neue, authentische brasilianische Filmsprache zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kultur- und filmwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Filmmanifesten und einer detaillierten Auseinandersetzung mit der Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Analyse der Zeit, die detaillierte Vorstellung der Programmatik des Cinema Novo, die Bedeutung der Filmkritik, die Analyse des Schlüsselwerks „Terra em Transe“ und das Wirken von Glauber Rocha.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Cinema Novo, Ästhetik des Hungers, gesellschaftspolitische Partizipation, brasilianische Identität und kulturelle Dekolonialisierung charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin die Wirkung des Cinema Novo auf die Bevölkerung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Cinema Novo trotz seines hohen künstlerischen Anspruchs den Kontakt zur breiten Masse oft verfehlte und letztlich an gesellschaftlichen sowie politischen Widerständen scheiterte.
Welche Rolle spielt Glauber Rocha in der Analyse?
Glauber Rocha wird sowohl als kämpferischer Filmkritiker und Theoretiker, der die "Ästhetik des Hungers" proklamierte, als auch als experimentierfreudiger Regisseur beleuchtet, dessen Werk „Terra em Transe“ als Höhepunkt der Bewegung interpretiert wird.
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- Diplom-Übersetzerin Greta Kessler (Author), 2006, Cinema Novo - Glauber Rocha "Terra em Transe", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121254