Die Schüler: innen erörtern die Problemfrage, ob ein gesetzlicher Mindestlohn von 12 Euro umgesetzt werden sollte, aus angebots- und nachfrageorientierter Perspektive anhand von selbst entwickelten Kriterien der Effizienz, indem sie innerhalb einer strukturierten Kontroverse Impulsmaterial interessengeleitet interpretieren und anschließend durch selbstständige Entscheidungsurteile zur Problemfrage Stellung nehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Längerfristige Unterrichtszusammenhänge
1.1 Curriculare Legitimation der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.2 Lerngruppenanalyse
1.3 Übersicht über die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge (tabellarisch)
1.4 Didaktischer Kommentar zu den längerfristigen Unterrichtszusammenhängen
2 Ziele der Stunde
2.1 Hauptziel der Stunde
2.2 Weitere Lernziele
3 Entscheidungen zur Gestaltung der Stunde
3.1 Sachanalyse
3.2 Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen
4 Geplanter Unterrichtsverlauf
5 Quellenverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Lehrpläne, Curricula und Lehrbücher
5.3 Internetquellen
5.4 Bildquellen
5.5 Datengrundlage für Diskussionsmaterial
5.6 Abkürzungsverzeichnis für den geplanten Unterrichtsverlauf (s. Kap. 4)
6 Anhang
6.1 Erwartungshorizonte
6.2 Materialien
Zielsetzung & Themen
Diese schriftliche Arbeit analysiert und konzipiert eine Unterrichtsstunde für einen Grundkurs Sozialwissenschaften der gymnasialen Oberstufe. Das zentrale Ziel ist die Förderung der Urteils- und Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler durch die Erörterung der Problemfrage, ob ein gesetzlicher Mindestlohn von 12 Euro umgesetzt werden sollte, wobei angebots- und nachfrageorientierte Wirtschaftstheorien in einer rollengebundenen strukturierten Kontroverse angewendet werden.
- Analyse der wirtschaftspolitischen Konzeptionen zur Mindestlohnproblematik.
- Anwendung des Politikzyklus-Modells zur Einordnung der Debatte.
- Förderung der kriteriengestützten Urteilsbildung anhand von Effizienz- und Legitimitätskriterien.
- Einübung demokratischer Aushandlungsprozesse in einer simulativen Rollendiskussion.
- Didaktische Reduktion komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge für den Unterrichtsgebrauch.
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachanalyse
Seit 01.01.2015 gilt in Deutschland ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn für abhängig Beschäftigte. Als gesetzliche Grundlage besteht hierzu das Mindestlohngesetz (MiLoG), welches am 16.08.2014 in Kraft getreten ist (vgl. MLK 2020: S.21f). In diesem ist festgelegt, dass eine „ständige Mindestlohnkommission“ über die Anpassung der Höhe des Mindestlohns befindet (MiLoG, §4 Abs. 1). Diese Kommission besteht aus sechs stimmberechtigten ständigen Mitgliedern, zwei beratenden Mitgliedern aus der Wissenschaft und einer Vorsitzenden bzw. eines Vorsitzenden, die alle fünf Jahre durch die Bundesregierung neu berufen wird (ebd., §4 Abs. 2)2. Alle zwei Jahre hat die Mindestlohnkommission über Anpassungen der Höhe des Mindestlohns zu beschließen (ebd., §9 Abs. 1). Als Orientierung dient die Tarifentwicklung (ebd., §9 Abs. 2). Im Jahr 2021 liegt der Mindestlohn bei aktuell 9,60 Euro brutto im 2. Halbjahr (vgl. DGB1 2021). Von diesem Mindestlohn ausgenommen sind unter anderem Auszubildende, für die eine Mindestausbildungsvergütung verwendet wird (MiLoG, §22 Abs.3). (Polity)
Unabhängig der Vorschläge der Mindestlohnkommission existiert jedoch eine politische Debatte über eine recht deutliche Erhöhung des Mindestlohns: SPD, Grüne und der DGB fordern einen Mindestlohn von 12 Euro brutto (vgl. DGB2 2021). So legten im März 2021 Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (jeweils SPD) ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Mindestlohns vor. Hier heißt es, dass der Mindestlohn bereits im Jahr 2022 auf mindestens 12 Euro steigen soll (vgl. BMAS 2021: 1). Dies wird vordergründig über die Möglichkeit einer „gesellschaftlichen Teilhabe“ durch einen „Living Wage“ begründet, der einer Erwerbsarmut entgegenwirke (ebd.: 2). Aus dem Programmentwurf der Grünen entnimmt man als Begründung, dass „der Mindestlohn wirksam vor Armut schützen und mindestens der Entwicklung der Tariflöhne entsprechen muss“ (Weiß 2021). Die Linke sieht sogar einen Mindestlohn von 13 Euro brutto vor, da nur so die Existenz eines Alleinstehenden bei Vollzeitarbeit ohne staatliche Leistungen gesichert sei (vgl. Linke 2021).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Längerfristige Unterrichtszusammenhänge: Dieses Kapitel verankert das Unterrichtsvorhaben im Kernlehrplan und analysiert die Voraussetzungen der Lerngruppe sowie die methodischen Schwerpunkte.
2 Ziele der Stunde: Hier werden das Hauptziel der Erörterung der Mindestlohn-Problematik sowie flankierende Lernziele zur Kompetenzentwicklung definiert.
3 Entscheidungen zur Gestaltung der Stunde: Dieser Abschnitt bietet eine fundierte Sachanalyse der rechtlichen und politischen Mindestlohn-Debatte sowie die didaktisch-methodische Begründung der gewählten Strukturierte Kontroverse.
4 Geplanter Unterrichtsverlauf: Eine detaillierte tabellarische Übersicht der einzelnen Unterrichtsphasen inklusive der methodischen Lernorganisation.
5 Quellenverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Literatur, Lehrpläne sowie Internet- und Bildquellen.
6 Anhang: Enthält die antizipierten Erwartungshorizonte für die Arbeitsphasen sowie die spezifischen Unterrichtsmaterialien und Arbeitsaufträge.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Sozialwissenschaften, Politikzyklus, Strukturierte Kontroverse, Konjunktur, Wirtschaftspolitik, Effizienz, Legitimität, Kaufkrafttheorie, Effizienzlohntheorie, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Urteilsbildung, Handlungskompetenz, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit konzipiert eine Unterrichtseinheit für einen Grundkurs im Fach Sozialwissenschaften zur Frage der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 12 Euro.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind wirtschaftspolitische Konzeptionen, staatliche Eingriffe in marktwirtschaftliche Systeme, Tarifautonomie sowie die messbare Konjunkturentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsreihe?
Das Hauptziel ist die Förderung der Urteils- und Handlungskompetenz, indem Schülerinnen und Schüler lernen, komplexe wirtschaftspolitische Entscheidungen fundiert und perspektivgerecht zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode der „Strukturierten Kontroverse“ wird genutzt, um kontroverse Positionen (Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer) authentisch und kriteriengestützt zu verhandeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die lerngruppenbezogene Analyse, die didaktische Begründung der Stundenplanung, die Sachanalyse der Mindestlohn-Debatte und den geplanten Unterrichtsverlauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mindestlohn, strukturierte Kontroverse, Konjunktur, Politikzyklus und kriteriengeleitete Urteilsbildung.
Wie werden die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerpositionen in der Unterrichtsstunde verarbeitet?
Die Lernenden erhalten Rollenkarten und Impulsmaterial, um anhand von Effizienzkriterien und ökonomischen Theorien wie der Kaufkrafttheorie ihre jeweiligen Interessen zu vertreten.
Warum ist das Thema Mindestlohn für die Lerngruppe besonders relevant?
Die Thematik hat durch die öffentliche Debatte um das „Living Wage“-Konzept, die anstehende Bundestagswahl 2021 und die Betroffenheit von Millionen Geringverdienern einen hohen Aktualitätswert.
Welche Rolle spielt die Moderation in der geplanten Unterrichtsstunde?
Die Moderation sorgt für eine strukturierte Diskussion, achtet auf die Einhaltung der Argumentationsregeln und unterstützt den Lernprozess durch gezielte Rückfragen.
- Quote paper
- Christian Summerer (Author), 2021, Sollte die Bundesregierung einen Mindestlohn von 12 Euro umsetzen? Unterrichtsentwurf Sozialwissenschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1212632