Der Internationale Karlspreis der Stadt Aachen gilt mittlerweile als eine der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Die 1949 von Aachener Bürgern ins Leben gerufene Auszeichnung wurde 1950 erstmals verliehen und war damit der erste politische Preis im Nachkriegs-Deutschland. Der Karlspreis, der mittlerweile 46mal für Verdienste um die „abendländische […] Einigung in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung“ vergeben wurde, ist mit einem Betrag von 5000 Euro dotiert und enthält zusätzlich eine Urkunde und eine Medaille.
In dieser Hausarbeit soll in einem ersten Schritt die Geschichte des Karlspreises skizziert werden (Kapitel 2.1), wobei auch kurz auf seinen Begründer (Kap. 2.2) und seine bisherigen Preisträger (Kap. 2.2) eingegangen wird. Daraufhin soll das Karlsbild der Stifter des Karlspreises bzw. des Vereines für die Vergabe des Karlspreises dargestellt werden (Kap. 3) und die Rolle Karls des Großen in den Reden der einzelnen Karlspreisträger untersucht werden (Kap. 4). Im Kapitel ‚Karl der Große und Europa’ (Kap. 5) werden diese Karlsbilder dann zunächst historisch überprüft (Kap. 5.1). Abschließend soll die Frage geklärt werden, ob und inwiefern sich Karl der Große überhaupt als historische Symbolfigur für die europäische Einigung eignet bzw. eignen kann (Kap. 5.2).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Karlspreises
2.1 Der Karlspreis
2.2 Dr. Kurt Pfeiffer
2.3 Die Karlspreisträger
3. Das Karlsbild der Karlspreisgesellschaft
4. Karl der Große in den Reden der Karlspreisträger
5. Karl der Große und Europa
5.1 Historische Überprüfung der dargelegten Karlsbilder
5.2 Karl der Große als europäische Symbolfigur?
6. Fazit und Ausblick
7. Literatur und Quellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle Karls des Großen als politische Symbolfigur für die europäische Einigung im Kontext des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Dabei wird analysiert, inwieweit das in den Reden der Preisträger und von der Karlspreisgesellschaft vermittelte Bild des mittelalterlichen Herrschers mit den Erkenntnissen der modernen Geschichtswissenschaft korrespondiert.
- Entstehung und Geschichte des Internationalen Karlspreises zu Aachen
- Analyse des Karlsbildes in den offiziellen Dokumenten der Karlspreisgesellschaft
- Untersuchung der Rezeption Karls des Großen in den Reden der Preisträger
- Historische Dekonstruktion der Verbindung zwischen dem karolingischen Reich und der modernen europäischen Einigung
- Kritische Reflexion über die Instrumentalisierung historischer Mythen für aktuelle politische Zwecke
Auszug aus dem Buch
5.1 Historische Überprüfung der dargelegten Karlsbilder
Versucht man nun, das oben dargelegte Karlsbild der Karlspreisgesellschaft bzw. der (meisten) Karlspreisträger historisch zu überprüfen, wird schnell offensichtlich, dass dieses weitgehend nicht mit der historischen Person Karls des Großen in Einklang zu bringen ist. So zeichnet die neuere Historiographie ein gänzlich anderes Bild der Karl’schen Außenpolitik, mit der nach Ansicht der Karlspreisgesellschaft und der Karlspreisträger programmatisch die Vereinigung Europas angestrebt wurde. Karl der Große habe nämlich in Wahrheit nur für sich und sein Volk gekämpft. Dieses Volk wiederum war, und hierin ist sich die Mediävistik spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs einig, das Volk der Franken. Karl war demnach genauso wenig ein „deutsch-französischer Kaiser“ wie ein „europäischer Kaiser“, sondern in erster Linie ein fränkischer. Zwar kam in der Zeit Karls des Großen erstmals die Idee eines vereinigten Europas auf, diese blieb jedoch „auf einen kleinen Kreis von Intellektuellen beschränkt […].“ Das karolingische Reich war also nicht mehr als ein „Großreich […] unter fränkischer Führung, dem einfach großzügig der geographische Name Europa beigelegt wurde, ohne daß die Realisierung einer auch inhaltlich gefüllten Europa-Idee angestrebt oder auch nur als Ziel erkannt worden wäre.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie eine Hinführung zum Thema des Karlspreises und der bisherigen Literaturlage.
2. Die Geschichte des Karlspreises: Abriss der Entstehung des Preises, der Rolle des Begründers Dr. Kurt Pfeiffer und der Entwicklung der Auswahlkriterien für Preisträger.
3. Das Karlsbild der Karlspreisgesellschaft: Untersuchung, wie die Karlspreisgesellschaft den historischen Herrscher als Legitimation und Leitbild für die europäische Einigung nutzt.
4. Karl der Große in den Reden der Karlspreisträger: Analyse, wie die Preisträger den Namenspatron des Preises in ihren Ansprachen kontextualisieren und idealisieren.
5. Karl der Große und Europa: Kritische Gegenüberstellung des instrumentalisierten Karlsbildes mit den historisch-wissenschaftlichen Tatsachen und eine Bewertung seiner Eignung als Symbolfigur.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung, dass der Karlskult als politisches Instrument der Imagepflege Aachens dient und historisch einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.
7. Literatur und Quellen: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Internationaler Karlspreis, Aachen, europäische Einigung, Geschichtsrezeption, Karolingisches Reich, Politische Instrumentalisierung, Karlskult, Vertrag von Verdun, Historische Forschung, Europa-Idee, Mittelalter, Europäische Union, Idealisierung, Geschichtspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle, die Karl der Große als Symbolfigur für den europäischen Einigungsprozess im Kontext des Internationalen Karlspreises zu Aachen einnimmt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Geschichte des Karlspreises, die Dekonstruktion des positiven Karlsbildes durch die moderne Geschichtswissenschaft und die Analyse der politischen Instrumentalisierung von Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem idealisierten Bild des „europäischen Kaisers“ Karl des Großen und dem tatsächlichen historischen Befund aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung der Preis-Proklamation, der Reden der Preisträger sowie der aktuellen mediävistischen Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Preishistorie, die Untersuchung des Karlsbildes seitens der Gesellschaft und der Preisträger sowie die historisch-kritische Überprüfung dieser Narrative.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Schlüsselwörter sind unter anderem Karl der Große, Karlspreis, europäische Einigung, Geschichtsrezeption, Instrumentalisierung und Karlskult.
Inwiefern beeinflusste der Vertrag von Verdun die Argumentation der Preisträger?
Viele Preisträger bewerten den Vertrag von Verdun als das historische Unglück, welches das vereinte Erbe Karls des Großen zerrissen habe, und fordern symbolisch die Korrektur dieser historischen Spaltung.
Warum wird Karl der Große aus Sicht der heutigen Mediävistik kritisch betrachtet?
Die moderne Forschung betont, dass sein Handeln, geprägt von Waffengewalt, Deportationen und dem Fehlen sozialer Gerechtigkeit, nicht als demokratisches oder christlich-vorbildhaftes Handeln im modernen Sinne gewertet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Florian Greiner (Autor:in), 2004, Der Internationale Karlspreis zu Aachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121305