Der Internationale Karlspreis zu Aachen

Karl der Große in der neuzeitlichen Rezeption


Hausarbeit, 2004
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Karlspreises
2.1 Der Karlspreis
2.2 Dr. Kurt Pfeiffer
2.3 Die Karlspreisträger

3. Das Karlsbild der Karlspreisgesellschaft

4. Karl der Große in den Reden der Karlspreisträger

5. Karl der Große und Europa
5.1 Historische Überprüfung der dargelegten Karlsbilder
5.2 Karl der Große als europäische Symbolfigur?

6. Fazit und Ausblick

7. Literatur und Quellen

1. Einleitung

Der Internationale Karlspreis der Stadt Aachen gilt mittlerweile als eine der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Die 1949 von Aachener Bürgern[1] ins Leben gerufene Auszeichnung wurde 1950 erstmals verliehen[2] und war damit der erste politische Preis im Nachkriegs-Deutschland.[3] Der Karlspreis, der mittlerweile 46mal für Verdienste um die „abendländische […] Einigung in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung“[4] vergeben wurde[5], ist mit einem Betrag von 5000 Euro dotiert[6] und enthält zusätzlich eine Urkunde und eine Medaille.[7]

In dieser Hausarbeit soll nun in einem ersten Schritt die Geschichte des Karlspreises skizziert werden (Kapitel 2.1), wobei auch kurz auf seinen Begründer (Kap. 2.2) und seine bisherigen Preisträger (Kap. 2.2) eingegangen wird. Daraufhin soll das Karlsbild der Stifter des Karlspreises bzw. des Vereines für die Vergabe des Karlspreises dargestellt werden (Kap. 3) und die Rolle Karls des Großen in den Reden der einzelnen Karlspreisträger untersucht werden (Kap. 4). Im Kapitel ‚Karl der Große und Europa’ (Kap. 5) werden diese Karlsbilder dann zunächst historisch überprüft (Kap. 5.1). Abschließend soll die Frage geklärt werden, ob und inwiefern sich Karl der Große überhaupt als historische Symbolfigur für die europäische Einigung eignet bzw. eignen kann (Kap. 5.2).

Zum Karlspreis existiert mittlerweile eine Fülle von Sekundärliteratur. Diese wurde jedoch hauptsächlich im Rahmen von allgemeinen Untersuchungen zur neuzeitlichen Karlsrezeption verfasst. Eine umfangreiche (wissenschaftliche) Einzeluntersuchung zum Karlspreis und seinen historischen Bezügen fehlt noch. Die gesammelten Reden der Karlspreisträger erschienen erstmals 1982.[8] Ebenso wie in zwei späteren Ausgaben[9] sind die Reden hier jedoch nur gekürzt abgedruckt.[10] Seit geraumer Zeit erscheinen zu den einzelnen Karlspreisträgern spezielle Bücher, die sich hauptsächlich mit der jeweiligen Person, dem Land des Preisträgers sowie seinen europäischen Bezügen in Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen.[11]

2. Die Geschichte des Karlspreises

2.1 Der Karlspreis

In einer Rede vor dem Aachener Literaturkreis „Corona Legentium Aquensis“ äußerte sich der Begründer des Karlspreises, Dr. Kurt Pfeiffer am 19. Dezember 1949 erstmals öffentlich zur Idee eines internationalen Preises für Verdienste um die (west-)europäische Einigung.[12] Hierin betonte er die besondere zeitgeschichtliche Verantwortung, in der sich die westliche Welt befinde. Aufgabe sei es, durch verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit die strategische Position Westeuropas im Vergleich zu den „menschenüberfüllten […] südasiatischen Randgebieten“[13] zu verbessern. Unter Berufung auf den englischen Historiker Toynbee gilt nach Pfeiffer, dass die Geschichte nicht als unabänderlich und vom Schicksal bestimmt angesehen werden dürfe. Besonders in Aachen, ehemals „geistiges und politisches Zentrum des ganzen westeuropäischen Raumes […]“[14] sei es vielmehr wichtig, die Öffentlichkeit auf ihre historische Verantwortung aufmerksam zu machen. Dies könne am besten durch einen öffentlich verliehenen, internationalen Preis erreicht werden. Denn nach Ansicht Pfeiffers könnten „[d]ie von einer solchen öffentlichen Ehrung ausgehenden Wirkungen […] kaum in ihrer ethischen und praktischen Bedeutung überschätzt werden.“[15]

Darauf aufbauend verkündeten die 12 Stifter und Gründungsmitglieder des Preises die Proklamation von (Weihnachten) 1949. Auch hier wurde die besondere Bedeutung Aachens in der europäischen Geschichte herausgehoben. Denn „immer gab es in Aachen geistig überlegene und weitschauende Männer, die gegen alle nationale Engstirnigkeit und vermeintliche Interessen versuchen, das Gemeinsame und Verbindende des abendländischen Raumes und abendländischer Kultur zu finden.“[16] Die Träger dieses Preises, der im Gedenken an den Begründer der abendländischen Kultur „Karlspreis der Stadt Aachen“ genannt werden solle, sollen als Vorbilder dienen, deren Ideen von der Öffentlichkeit aufgegriffen, nachgeahmt und verwirklicht werden. Zur Erledigung der organisatorischen Aufgaben rund um die Karlspreisverleihung wurde noch im selben Jahr die „Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen“ gegründet. Das Direktorium dieser Karlspreisgesellschaft wählt zudem den Träger des Karlspreises. Es bestand ursprünglich aus den 12 Stiftern des Preises sowie ausgewählten Aachener Persönlichkeiten wie dem Oberbürgermeister oder dem Rektor der Technischen Hochschule.[17] Seit 1974 haben zudem die im Stadtrat vertretenen Fraktionen Anspruch auf einen Vertreter im Direktorium. Zu Problemen führte dies im Jahr 1987, als die Vertreter von SPD und Grünen aus Protest gegen die Wahl des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger zum neuen Preisträger das Karlspreisdirektorium verließen.[18] Infolgedessen kam es zu einer Diskussion um die Form der Preisvergabe, da SPD und Grüne die Legitimation des Karlspreisdirektoriums, einen Preis im Namen der Stadt zu vergeben, anzweifelten. Nicht zuletzt deshalb wurde die Karlspreisgesellschaft auch noch im selben Jahr in „Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e.V.“ umbenannt und ins Vereinsregister eingetragen.[19] Parallel dazu wurde der Karlspreis in „Internationaler Karlspreis zu Aachen“ umbenannt, um so seinen bürgerlichen Charakter in den Vordergrund zu stellen.[20] Diese Entwicklungen, aber auch der Zusammenbruch der Sowjetunion, die einsetzende Demokratisierung in Osteuropa und die Wiedervereinigung Deutschlands kurze Zeit später machten zudem eine Ergänzung der Proklamation von 1949 erforderlich.[21] In einer Erklärung vom 14. November 1990[22] wurden deshalb die osteuropäischen Staaten explizit in die Forderung nach europäischer Völkerverständigung miteinbezogen und damit die Grundlage für spätere Karlspreisverleihungen an Osteuropäer gelegt. Um die Bürger künftig stärker bei der Karlspreisverleihung mit einzubeziehen, wurde ferner ein breites Rahmenprogramm beschlossen.[23] Zu dessen Finanzierung und Gestaltung wurde schließlich im Dezember 1997 eine Karlspreisstiftung mit Namen „Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen“ geschaffen.[24]

2.2 Dr. Kurt Pfeiffer

Dr. Kurt Pfeiffer, der Begründer des Aachener Karlspreises, wurde am 3. Juni 1893 in Aachen geboren.[25] Nach einer Lehre in der väterlichen Tuchfabrik holte Pfeiffer das Abitur nach und studierte in Bonn Philosophie, Nationalökonomie, Natur- und Agrarwissenschaften. Durch den Tod seines Vaters war er im Anschluss an seine Promotion gezwungen, dessen Tuchfabrik zu übernehmen. Fortan wurde sein Leben durch eine erfolgreiche kaufmännische Karriere und zahlreiche Auslandsreisen geprägt. Ab 1944 half Pfeiffer den Amerikanern bei der Übergangsverwaltung der stark beschädigten Stadt Aachen.[26] Nach der Aufnahme der regulären, deutschen Verwaltung im Mai 1945 begann er mit dem Wiederaufbau seines Geschäftes und zeichnete sich durch eine aktive Teilnahme am politischen und kulturellen Leben Aachens aus, deren Höhepunkt zweifelsfrei die Idee und Umsetzung des Karlspreises darstellt. Hierfür erhielt Pfeiffer 1968 auch den Ehrenbürgerbrief der Stadt Aachen. Am 30. Januar 1987 verstarb Kurt Pfeiffer dreiundneunzigjährig.

2.3 Die Karlspreisträger

Am 18. Mai 1950 wurde Richard Graf Coudenhove-Kalergi, dem Begründer der Paneuropa-Bewegung, der erste Karlspreis verliehen. Ausgewählt wurde er, wie auch alle ihm nachfolgenden Preisträger, durch das Direktorium der Karlspreisgesellschaft (vgl. Kapitel 2.1). Dieses wählt, zumeist aus einer Vielzahl von Kandidaten, einen geeigneten Preisträger aus und informiert diesen. Erst nach der Zustimmung des neuen Karlspreisträgers wird dieser offiziell der Öffentlichkeit bekannt gegeben.[27] Die Verleihung des Karlspreises wird in der Regel am Christi Himmelfahrtstag im Krönungssaal des Aachener Rathauses vom Aachener Oberbürgermeister vorgenommen.[28] Dieser eröffnet mit einer Ansprache auch den offiziellen Festakt der Preisverleihung. Der Ansprache des Oberbürgermeisters folgen eine zumeist durch einen früheren Preisträger gehaltene Laudatio sowie die Rede des neuen Karlspreisträgers.

Einige Male wurde bisher bei Zeit und Ort von dieser Routine abgewichen: 1952 konnte der Karlspreis dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Alcide de Gasperi, der in Terminschwierigkeiten war, erst am 24. September überreicht werden.[29] Im Jahre 1988 erhielten François Mitterand und Helmut Kohl den Karlspreis anlässlich der Rückführung des Aachener Karlsschreins in den Aachener Dom erst am 1. November.[30] Aufgrund der schweren Erkrankung des ehemaligen US-Außenministers George C. Marshall wurde ihm der Karlspreis 1959 in Washington verliehen.[31] Schließlich wurde der – 2004 ohnehin erstmals verliehene – „Außerordentliche Aachener Karlspreis“ bereits am 24. März an Papst Johannes Paul II. im Vatikan übergeben.[32]

[...]


[1] Vgl. Matthias Pape: Der Karlskult an Wendepunkten der neueren deutschen Geschichte, in: Historisches Jahrbuch 120 (2000), S. 139-181, hier S. 175.

[2] N.N.: Der Preis / Die Preisverleihung. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/html/verleihung.html (13.04.2004).

[3] Sabine Schulz: Der Aachener Karlspreis. Aachen 1988, S. 13.

[4] Zitiert aus der Proklamation von 1949, nachzulesen in: Helmut Reuther (Hg.): Der internationale Karlspreis zu Aachen. Zeugnis europäischer Geschichte; Symbol europäischer Einigung; Eine Dokumentation 1950-1993. Bonn 1993, S. 20.

[5] Eine vollständige Liste aller bisherigen Karlspreisträger findet sich unter N.N.: Die Preisträger. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/html/preistraeger.html (13.04.2004). Es fehlen die beiden Preisträger des Jahres 2004, Papst Johannes Paul II. und Pat Cox.

[6] Vor der Euroumstellung waren es lediglich 5000 DM, vgl. Schulz, Karlspreis, S. 12.

[7] N.N., Preis.

[8] Harald Kästner (Hg.): Die Karlspreisträger und ihre europäischen Reden. Bonn 1982.

[9] Schulz, Karlspreis / Reuther, Karlspreis.

[10] Vgl. Matthias Pape: Karl der Große – Franke? Deutscher? oder Europäer? Karlsbild und Karlskult in der Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland, in: Jahrbuch für europäische Geschichte 4 (2003), S. 243-254, hier S. 251 (Fußnote 28).

[11] So z.B.: Manfred Sicking / Olaf Müller (Hg.): Die Säule am Rande des Kontinents. Die europäische Bedeutung spanischer Geschichte, Kultur und Politik - Felipe González Márquez - internationaler Karlspreis Aachen 1993. Aachen 1993.

[12] Alle Informationen zur Geschichte des Karlspreises entstammen, sofern nicht anders angegeben: Schulz, Karlspreis, S. 10ff. Die Rede Kurt Pfeiffers ist nachzulesen in N.N.: Vortrag von Dr. Kurt Pfeiffer. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/geschichte/pfeiffer.html (13.04.2004).

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Reuther, Karlspreis, S. 20.

[17] Vgl. N.N.: Karlspreisgesellschaft. Karlspreisdirektorium. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/ gesellschaft/gesellschaft.html (13.04.2004).

[18] Vgl. hierzu Schulz, Karlspreis, S. 181ff.

[19] Vgl. auch: N.N., Karlspreisgesellschaft.

[20] N.N.: Die Erklärung von 1990: Aktualisierung und Ergänzung der Proklamation von 1949. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/geschichte/geschichte2.html (13.04.2004).

[21] Ebd.

[22] Nachzulesen in N.N.: Erklärung des Rates der Stadt Aachen und der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e.V. im Jahre 1990. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/ geschichte/geschichte90.html (13.04.2004).

[23] Vgl. N.N., Erklärung von 1990.

[24] N.N.: Die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen. www-Dokument, http://www.karlspreis.de/ html/stiftung1.html (13.04.2004).

[25] Alle Informationen zum Leben Kurt Pfeiffers entstammen: Schulz, Karlspreis, S. 12f.

[26] Informationen zu Kurt Pfeiffers Leben während der NS-Zeit lassen sich nicht finden.

[27] Vgl. Schulz, Karlspreis, S. 14.

[28] Vgl. N.N., Preis.

[29] Schulz, Karlspreis, S. 33.

[30] Ebd., S. 191.

[31] Ebd., S. 72.

[32] Vgl. z.B. N.N.: Aachener überreicht Papst den Karlspreis. www-Dokument, http://www.wdr.de/themen/ kultur/1/karlspreis/papst_2004.jhtml (13.04.2004).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Internationale Karlspreis zu Aachen
Untertitel
Karl der Große in der neuzeitlichen Rezeption
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Karl der Große
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V121305
ISBN (eBook)
9783640257997
ISBN (Buch)
9783640259625
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karlspreis, Aachen, Karl der Große
Arbeit zitieren
Florian Greiner (Autor), 2004, Der Internationale Karlspreis zu Aachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121305

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