Im Folgenden möchte ich nun darauf eingehen, wie William Dieterle in seinem „Der Glöckner von Notre Dame“ (1939) diesen Mehrwert des Films ausgenutzt hat, um auf die Probleme seiner Zeit hinzudeuten. Zu diesem Zweck umreiße ich in Kapitel zwei zunächst den Inhalt des Films, um im dritten Teil auf die Bedeutung des Buchdrucks zu sprechen zu kommen. Dieser hat nicht nur im Film, sondern auch in der Geschichte einen hohen Stellenwert. Im vierten Kapitel, dem Hauptteil, interpretiere ich Dieterles Film auf die Problematik seiner Zeit hin, zum einen auf narrativer, zum anderen auf darstellerischer Ebene. Im Schlussteil fasse ich die Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe „Der Glöckner von Notre Dame“
3. Die historische Bedeutung des Buchdrucks
4. Interpretation der Verfilmung des „Glöckner von Notre Dame“
4.1 Interpretation der narrativen Ebene
4.2 Interpretation der darstellerischen Ebene
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, wie William Dieterle in seiner Verfilmung „Der Glöckner von Notre Dame“ aus dem Jahr 1939 die Möglichkeiten des filmischen Mediums nutzt, um zeitgenössische gesellschaftliche Probleme, insbesondere die Bedrohung durch das NS-Regime, zu thematisieren. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie der Regisseur durch die symbolische Gegenüberstellung von Buchdruck und Kathedrale eine Parabel auf den Kampf zwischen Aufklärung und totalitärer Unvernunft konstruiert.
- Analyse der narrativen Struktur des Films als Ausdruck zeitgenössischer Kritik.
- Untersuchung der filmästhetischen und darstellerischen Mittel zur Symbolisierung von Macht und Widerstand.
- Historische Einordnung des Buchdrucks als Meilenstein der Wissensvermittlung und Demokratisierung.
- Interpretation des filmischen Kontrasts zwischen der Kathedrale als Machtapparat und dem Buchdruck als Medium der Vernunft.
- Biographische Kontexte zu William Dieterle und dessen antifaschistisches Engagement.
Auszug aus dem Buch
4.2 Interpretation der darstellerischen Ebene
Es lassen sich aber nicht nur auf narrativer, sondern auch auf der darstellerischen Ebene Beweise dafür finden, dass „Der Glöckner von Notre Dame“ zu einem großen Teil einen Aufruf zur Vernunft beinhaltet, der sich, aus zeitgenössischer Sicht, nur auf die Problematik des Deutschlands unter Hitler beziehen kann. Zu diesem Zweck werden die Kathedrale Notre Dame und der Buchdruck, bzw. die Buchdruckerpresse in Kontrast gestellt. Dies geschieht speziell in der Eingangsszene des Films.
Der Hauptfilm beginnt mit einem fade-in und die Kathedrale ist zu sehen (Abb. 1). In diesem Screenshot ist gut zu erkennen, dass die Kirche unendlich zu sein scheint, als habe sie kein Ende. Dadurch wirkt sie übergroß und auch übermächtig. Begünstigt wird dieser Effekt durch die frontale Beleuchtung. Sie wird von einem Fenster umschlossen, was zur Folge hat, dass es wie ein Bilderrahmen, mit der Kathedrale als Bild darin, wirkt. Bereits hier kann man die Wirkungsabsicht Dieterles erkennen, nämlich das Notre Dame, das zu Überwindende darstellt, denn Bilder sind und können auch immer nur Aufnahmen der Vergangenheit sein. Weiterhin passt die Kirche nicht oder, vielmehr, nicht mehr in ihren Bilderrahmen hinein, da sich ein Umschwung abzeichnet. Gut zu sehen ist dies bei der nachfolgenden Kamerafahrt rückwärts in den Raum hinein,
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Filmvorlage von Victor Hugo und legt dar, wie William Dieterle den Film nutzte, um auf zeitgenössische Probleme der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hinzuweisen.
2. Inhaltsangabe „Der Glöckner von Notre Dame“: Dieses Kapitel bietet eine detaillierte Zusammenfassung der Filmhandlung, von der Ankunft Esmeraldas in Paris bis zum tragischen Kampf zwischen Quasimodo und Frollo.
3. Die historische Bedeutung des Buchdrucks: Hier wird die kulturhistorische Entwicklung des Buchdrucks beleuchtet, von den frühen asiatischen Verfahren bis hin zur Revolution des Wissens durch Johannes Gutenberg.
4. Interpretation der Verfilmung des „Glöckner von Notre Dame“: Der Hauptteil analysiert den Film auf zwei Ebenen und zeigt auf, wie Dieterle durch erzählerische und visuelle Kontraste eine Parabel auf den Faschismus und den Kampf für Freiheit und Vernunft schafft.
4.1 Interpretation der narrativen Ebene: Untersuchung der erzählerischen Struktur, insbesondere des Gegensatzes zwischen dem aufgeschlossenen König und der rückständigen Kirche, um eine Kritik an totalitären Systemen zu transportieren.
4.2 Interpretation der darstellerischen Ebene: Analyse der filmischen Gestaltungsmittel wie Beleuchtung, Kameraführung und Bildkomposition, die den symbolischen Kontrast zwischen der Kathedrale als Machtapparat und der Druckerpresse als Fortschrittswerkzeug unterstreichen.
5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die bestätigt, dass Dieterles Werk mehr ist als eine bloße Literaturverfilmung; es fungiert als kritischer Kommentar zur politischen Situation des Jahres 1939.
Schlüsselwörter
William Dieterle, Der Glöckner von Notre Dame, Buchdruck, Kathedrale, Filminterpretation, Nationalsozialismus, Aufklärung, Vernunft, Medienanalyse, Filmästhetik, Victor Hugo, Widerstand, Narrativ, Zeitgeschichte, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie William Dieterles Verfilmung des „Glöckners von Notre Dame“ von 1939 als politischer Kommentar gegen das NS-Regime verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Film- und Medientheorie, die historische Bedeutung des Buchdrucks und die Analyse von Film als politisches Instrument in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dieterle durch den gezielten Einsatz von filmischen Symbolen und Kontrasten eine Kritik an totalitärer Gewalt und eine Verteidigung der menschlichen Vernunft artikuliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Interpretation, die den Film auf narrativer sowie darstellerischer Ebene analysiert und in einen historischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine narrative Interpretation des Stoffes und eine detaillierte Analyse der visuellen Gestaltungsmittel, wie Kamerawinkel und Schnitttechnik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Filminterpretation, Buchdruck als Symbol, Totalitarismuskritik, Zeitgeschichte und filmische Ästhetik definiert.
Warum spielt der Buchdruck eine so prominente Rolle in der Interpretation?
Der Buchdruck symbolisiert im Film das Medium der Aufklärung, der Vernunft und des friedlichen Widerstands, das der bedrohlichen, gewaltvollen Macht der Kirche (als Symbol für das NS-System) gegenübergestellt wird.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle der Kathedrale?
Die Autorin schlussfolgert, dass die Kathedrale im Film nicht nur ein architektonisches Element ist, sondern als bedrohlicher Machtapparat inszeniert wird, der Gewalt und Unterdrückung legitimiert.
- Quote paper
- Linda Tolle (Author), 2008, Die Darstellung des Mediums Buchdruck und der Kathedrale Notre Dame in William Dieterles "Der Glöckner von Notre Dame", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121350