In der historischen Fachliteratur findet sich in zahlreichen Arbeiten, die Spanien und den Spanischen Bürgerkrieg zum Thema haben, die Feststellung, dass es in Spanien seit langer Zeit zwei Lager gibt, die sich unversöhnlich gegenüber stehen. Im spanischen Konflikt standen sich mit den Anhängern Francos und den Republikanern zwei Parteien gegenüber, welche die ideologische Trennungslinie eines zerrissenen Landes symbolisierten. Im Folgenden möchte ich die Ursprünge dieser Zerrissenheit aufdecken und die Entwicklung einer Spaltung nachvollziehen, die schließlich im Spanischen Bürgerkrieg ihren traurigen Höhepunkt fand und auch danach weiter andauerte.
Inhaltsverzeichnis
1.Erläuterung des Begriffs „Zwei Spanien“ und der historischen Situation Spaniens nach dem Bürgerkrieg von 1936-1939
1.1 Erläuterung des Begriffs „Zwei Spanien“
1.2 Spanien nach dem Bürgerkrieg
2. Die Spanische Gesellschaft nach dem Bürgerkrieg im Buch und im Film
2.1 Zeitbezüge in Buch und Film
2.2 Buch und Film als Abbild der spanischen Gesellschaft nach dem Bürgerkrieg
2.2.1 Die Familie als Mikrokosmos
2.2.1.1 Die Familie Gonzalez
2.2.1.2 Die Familie Moises
2.2.2 Das Cafe und das Bordell als Mikrokosmen
2.2.3 Los anos del hambre
2.2.4 Desillusionierung
2.2.5 Die Darstellung des Franco-Staates
3. Repräsentation des zerrissenen Spanien durch die Figurenzeichnung und die Figurenkonstellation im Roman und im Film
3.1 Martin Marco
3.2 Doña Rosa
3.3 Roberto und Filo
3.4 Visitacion und Roque
3.5 Leonardo Melendez und Segundo Segura
3.6 Mario de la Vega und Eloy Rubio Antofagasta
3.7 Victorita
3.8 Zusammenfassung: Die Figurencharakterisierung im Roman und im Film
4. Zusammenfassung: Die Darstellung der „Zwei Spanien“ der Nachkriegszeit in Roman und Film
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der gesellschaftlichen Zerrissenheit Spaniens in der Nachkriegszeit, analysiert durch einen literaturwissenschaftlichen und filmischen Vergleich von Camilo Jose Celas Roman „La Colmena“ und dessen Verfilmung durch Mario Camus. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie die ideologische Spaltung des Landes („Zwei Spanien“) in den beiden Werken durch Figurenkonstellationen, sozioökonomische Lebensumstände und die Darstellung des autoritären Regimes reflektiert wird.
- Historische Aufarbeitung des Begriffs „Zwei Spanien“ und der Nachkriegssituation.
- Analyse der Alltagswirklichkeit und der sozioökonomischen Bedingungen (Hungerjahre).
- Untersuchung der Machtstrukturen und des Einflusses des Franco-Regimes auf das Individuum.
- Vergleichende Figurencharakterisierung als Spiegel der gesellschaftlichen Polarisierung.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Entstehungskontexte von Roman (1951) und Film (1982).
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Das Cafe und das Bordell als Mikrokosmen
Das Cafe „La Delicia“ wird von der diktatorischen Besitzerin Doña Rosa geführt. Sie ist die Herrin dieses Mikrokosmos, in dem sich die Mittelklasse der Madrider Gesellschaft trifft. Manche der Gäste sind wohlhabend, doch viele sind veramt und wahren nur den Schein des gut gestellten Bürgers. Im Film wird dies vor allem an der Dichterrunde deutlich, bei der Gäste, die einen Milchkaffee ausgeben immer gern gesehen sind, ja sogar sehnsüchtig erwartet werden. Bereits am Anfang des Buches wird durch das Verhalten Mario de la Vegas eine Kluft zwischen Arm und Reich offenbar. Ebenso lässt sich eine Trennung an der Uhrzeit festmachen, zu der die Gäste das Cafe besuchen. Es gibt eine Gruppe, die mittags und eine, die am Abend kommt. „Los dos grupos, individualmente o como organismo, son incompatibles“(Cela:1989, S.178). Die Gäste stehen sich also unversöhnlich gegenüber und symbolisieren so eine Trennung der Gesellschaft.
Die Gespräche der Kunden im Cafe reflektieren das, was die Menschen zu der Zeit beschäftigt, „was im Jahre 1942 in politischer und sozialgeschichtlicher Hinsicht relevant ist“(Roloff:1995, S.383) Roloff konstatiert, das anhand des Cafes im Kleinen dargestellt wird, wie ein faschistisches Regime arbeitet. Rosa nutzt ihre Kellner aus, sie beschimpft sie, sieht überall Verrat und absichtlichen Betrug. Ein neuer, außen stehender Gast ist über die Zustände im Cafe und über die Unterwürfigkeit gegenüber Dona Rosa schockiert, da er „no puede aguantar las injusticias“(Cela: 1989, S.96). Er wünscht sich einen Aufstand, doch dieser bleibt aus. Beispielhaft ist hier der Kellner Pepe, der Rosa im Stillen als „bruja“(Cela:1989, S. 33) beschimpft, aber ihr niemals seine Meinung ins Gesicht sagen würde, „le basta con decir por lo bajo una frasecita que no se hubiera atrvido jamás a decir en voz alta.“(Cela:1989, S.33) Im Cafe darf Rosa ihre Abneigungen gegen Andersdenkende wie die „Rojos“ laut zum Ausdruck bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Erläuterung des Begriffs „Zwei Spanien“ und der historischen Situation Spaniens nach dem Bürgerkrieg von 1936-1939: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der ideologischen Spaltung Spaniens in zwei unversöhnliche Lager und beleuchtet die schwierige sozioökonomische Lage nach 1939.
2. Die Spanische Gesellschaft nach dem Bürgerkrieg im Buch und im Film: Hier wird untersucht, wie Roman und Film die Nachkriegszeit als Epoche der politischen Gegensätze und sozialen Not darstellen, wobei die Mikrokosmen Cafe und Bordell zentrale Rollen einnehmen.
3. Repräsentation des zerrissenen Spanien durch die Figurenzeichnung und die Figurenkonstellation im Roman und im Film: Dieses Kapitel analysiert anhand ausgewählter Charaktere wie Martin Marco und Doña Rosa die sozialen Gräben und die Auswirkungen der Diktatur auf das individuelle Handeln.
4. Zusammenfassung: Die Darstellung der „Zwei Spanien“ der Nachkriegszeit in Roman und Film: Die Schlussbetrachtung reflektiert die Unterschiede in der Darstellung zwischen dem literarischen Werk von 1951 und der filmischen Adaption von 1982 vor dem Hintergrund des politischen Wandels.
Schlüsselwörter
Zwei Spanien, Spanischer Bürgerkrieg, La Colmena, Nachkriegsgesellschaft, Franco-Diktatur, soziale Ungerechtigkeit, ideologische Spaltung, Mikrokosmos, Desillusionierung, Machtstrukturen, Literaturverfilmung, Alltagswirklichkeit, politische Repression, Klassenkampf, Widerstreit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Zerrissenheit Spaniens in der Nachkriegszeit durch den Vergleich von Camilo Jose Celas Roman „La Colmena“ und der filmischen Adaption von Mario Camus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen des Bürgerkriegs, die sozialen Klassenunterschiede, die politische Unterdrückung durch das Franco-Regime und die alltägliche Desillusionierung der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das „zerrissene Spanien“ durch die Figurenzeichnung und soziale Milieus in beiden Medien gespiegelt wird und wie die unterschiedlichen Entstehungskontexte die Interpretation beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und filmvergleichende Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit einer inhaltlichen Untersuchung der Figurenkonstellation kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sozioökonomischen Bedingungen, die Darstellung der Familie und der Mikrokosmen (Cafe/Bordell) sowie eine detaillierte Charakteranalyse der Hauptfiguren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „Zwei Spanien“, Nachkriegsgesellschaft, Franco-Diktatur, ideologische Spaltung, soziale Ungerechtigkeit und Desillusionierung.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Doña Rosa in Buch und Film?
Während ihre diktatorische Macht und negative Zeichnung erhalten bleiben, wird ihre Vormachtstellung im Film gegen Ende symbolisch durch aufkommende Unruhen und das Scheitern ihrer Kontrolle erschüttert.
Welche Bedeutung haben die „Hungerjahre“ für die Figuren?
Die wirtschaftliche Not („Los anos del hambre“) zwingt die Figuren zu moralischen Kompromissen und verstärkt die Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern des Bürgerkriegs, wobei das Überleben oft zum einzigen Lebensinhalt wird.
- Quote paper
- Fabian Kühn-Schulze-Frieling (Author), 2008, Die „Zwei Spanien“ in Jose Camilo Celas „La Colmena“ und in dem gleichnamigen Literaturfilm von Mario Camus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121365