Die Elemente des romantischen Romans am Beispiel von Ludwig Tiecks „Franz Sternbalds Wanderungen“


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Die Aspekte des romantischen Romans
2.2 Die romantischen Elemente des Romans „Franz Sternbalds Wanderungen“
2.2.1 Natur und Landschaft
2.2.2 Zeit
2.2.3 Sehnsucht

3 Schlussbetrachtung

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Daß Franz Sternbalds Wanderungen ein romantischer Roman sei, darüber gibt es keinen Streit.“[1]

Ludwigs Tiecks Roman „Franz Sternbalds Wanderungen“ erschien 1798 in einer Zeit, die „[...] als ein goldenes Zeitalter der deutschen Literatur“[2] gesehen wird. Zusammen mit seinem langjährigen Freund Wilhelm Heinrich Wackenroder hat Tieck an diesem Werk gearbeitet, nachdem die beiden bereits 1796 „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ gemeinsam herausgebracht hatten. Aufgrund einer tödlichen Erkrankung Wackenroders musste Tieck jedoch „Franz Sternbalds Wanderungen“ 1798 allein vollenden.

Der Roman handelt von dem jungen Maler Franz Sternbald, der sich nach seiner Lehrzeit bei Albrecht Dürer in Nürnberg auf Wanderschaft begibt. Das Ziel seiner Reise ist Italien, um dort von den großen Künstlern zu lernen. Auf seinem Weg in den Süden macht er Station in verschiedenen Städten, unter anderem in Leyden und Amsterdam. Sternbalds Entwicklung zum Künstler und seine Ansichten über die Kunst sind ein zentrales Element des Romans. Mit seinen Bekanntschaften, die er auf der Reise macht, diskutiert er offen und ausführlich über die Kunst und deren Bedeutung. Jedoch beschränkt sich die Handlung nicht nur auf diese künstlerischen Aspekte. Die Suche nach seinen ihm unbekannten Eltern und einer unbekannten Geliebten, die Franz das letzte Mal im Alter von 6 Jahren gesehen hat, beschäftigen ihn auf seinem Weg.

Der Roman ist ein Fragment. Tieck hatte ursprünglich geplant, dass „Franz Sternbalds Wanderungen“ aus drei Teilen bestehen und mit Sternbalds Rückkehr nach Nürnberg enden sollte. Jedoch hat Tieck nur die ersten beiden Teile fertig gestellt, so dass der Roman in Rom mit dem Auffinden der unbekannten Geliebten endet. Der erste Teil ist straff und folgerichtig aufgebaut, der zweite ist durch viele eingestreute Geschichten und Lieder eher verwirrend.

Obwohl der Roman Ende des 18. Jahrhunderts erschien, spielt die Geschichte im Mittelalter, ca. 1521. Die Wahl dieser Epoche ist auf das Interesse und die Verherrlichung des Mittelalters durch die Romantiker zurückzuführen. Vor allem Wackenroder hatte hierauf einen großen Einfluss, weil er von dem mittelalterlichen Künstlerbild fasziniert war.[3] Franz Sternbald ist es so möglich, mit bedeutenden Künstlern des Mittelalters (fiktionale) Gespräche zu führen. Den Zeitpunkt der Handlung hatte Tieck auch aus vereinfachenden Gründen gewählt: Die gesellschaftlichen Strukturen waren noch nicht so komplex und gefestigt wie zu seiner Zeit. Außerdem war in dieser Zeit vor der Reformation eine Unterscheidung der religiösen Kunst nach verschiedenen Konfessionen nicht nötig.[4]

Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ von 1795 gilt als Initialwerk der romantischen Romantheorie und -praxis.[5] Tieck wird die Begründung des romantischen Romans als Gattung zugeschrieben, da er mit „Franz Sternbalds Wanderungen“ die Inspiration und Vorlage für viele romantische Romane seiner Zeit lieferte.[6] So unumstritten es ist, dass Tiecks Roman ein romantischer ist, so unklar ist es jedoch, was einen Roman überhaupt ausmachen muss, damit er zur romantischen Gattung zählen darf. Zu diesem Zweck sollen im ersten Teil dieser Arbeit die bestimmenden Elemente dargestellt und mit Tiecks Roman in Verbindung gebracht werden. Zugleich soll untersucht werden, ob „Franz Sternbalds Wanderungen“ der Kategorie Künstler- oder Bildungsroman zugeordnet werden kann oder ob der Roman nur den Selbstzweck einer romantischen Darstellung verfolgt.

Der zweite Teil der Arbeit soll sich den romantischen Elementen des Romans widmen. Es soll herausgefunden werden, welche romantischen Leitmotive „Franz Sternbalds Wanderungen“ durchziehen und diese anschließend einzeln erläutert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Tiecks Landschaftsdarstellung, die zum Teil auf Erfahrungen seiner Wanderungen mit Wackenroder durch Franken und das Bayreuthische basieren. Die Landschaft hat für den Roman eine große Bedeutung, da sie die Stimmungen der Romancharaktere unmittelbar beeinflusst. Zu diesem Zweck wird besonders auf zwei Schlüsselszenen eingegangen werden: Sternbalds Aufbruch aus Nürnberg und die Betrachtung einer nächtlichen Landschaft aus einem Schlossfenster. Auch die Zeit und deren Ablauf beeinflussen die Gefühls- und Gedankenwelt der Romanfiguren. An dieser Stelle der Arbeit soll erläutert werden, welche Zeiten unterschieden werden können und welche Stimmungen diese bei den Charakteren auslösen. Schließlich soll noch das romantische Element „Sehnsucht“ dargestellt werden. Dabei soll erörtert werden, wie die Sehnsucht ausgelöst wird und welche Arten der Sehnsucht in dem Roman vorkommen.

2 Hauptteil

2.1 Die Aspekte des romantischen Romans

Allgemein kann man die Romantik als Kunstlehre vom Roman definieren.[7] Nach Friedrich Schlegel, der im 18. Jahrhundert gemeinsam mit seinem Bruder die Zeitschrift „Athenäum“ publizierte, ist für den romantischen Roman besonders die Mischung verschiedener Gattungen, Stile und Arten von Bedeutung. So handelt es sich hierbei nicht um eine feststehende Gattung, sondern um eine Vermischung verschiedener Stile, die bis ins Unendliche ausgedehnt werden kann. Es gibt nicht „den“ romantischen Roman.[8]

Ein wichtiger Aspekt des romantischen Romans ist auch die Darstellung einer Lebensgeschichte, was Novalis bereits 1798 als elementaren Bestandteil eines jeden romantischen Romans definierte.[9]

Die beiden oben genannten Aspekte, die Vermischung der Stile und die Darstellung eines Lebens, lassen sich als Romantheorie der Romantik zusammenfassen. In einem romantischen Roman soll sowohl das Leben als auch die Literatur vermittelt werden. Dabei sind die subjektiven Erfahrungen der Romancharaktere, besonders des Hauptprotagonisten, von Bedeutung; sie müssen im Mittelpunkt des Romans stehen. Die Beobachter dieses im Roman dargestellten Lebens können als Romantiker bezeichnet werden. Laut Heinz Otto Burger legten Tieck und Wackenroder 1793 einen Grundstein für dieses romantische Denken. In ihren freundschaftlichen Briefwechseln schilderten sie ihre eigenen Erlebnisse, also ihre Lebensgeschichte, und reflektierten selbst darüber.[10]

Ebenfalls ein wichtiges Element des romantischen Romans ist die Liebe. Novalis fasste in seiner Enzyklopädie Notizen seiner Gedanken und Exzerpte zusammen. In diesem Aufzeichnungen findet man seine Definition von Romantik: „,Romantik. Alle Romane, wo wahre Liebe vorkommt, sind Märchen – magische Begebenheiten.‘“[11] Das Konzept der romantischen Liebe ist das einer individuellen Liebe, die ein Leben lang halten muss.

Auch war es Novalis der 1798 den Begriff Romantisieren prägte. Jedoch hatte Tieck bereits drei Jahre vorher eine ähnliche Definition gegeben. Beide verstehen unter dem Begriff des Romantisierens, dass man sich das Vertraute und Bekannte wieder fremd machen soll. Durch diesen Vorgang kann man sich an dem Naheliegenden wieder erfreuen und neue Aspekte darin entdecken.[12]

Untersucht man Tiecks „Franz Sternbalds Wanderungen“ auf die oben genannten Merkmale des romantischen Romans, so lassen sich hier viele Übereinstimmungen finden. Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Künstler, dessen Erlebnisse der Leser ca. anderthalb Jahre verfolgen darf. Es findet somit die Mimesis einer Lebensgeschichte statt. Der Rezipient ist dabei nicht nur Zeuge der äußeren Geschehnisse, sondern erhält auch Einblick in Sternbalds Gedanken. Der Charakter beobachtet und reflektiert sich selbst. Außerdem werden auch die Träume Sternbalds geschildert, durch die der Leser z. B. von der ersten Begegnung mit seiner unbekannten Geliebten Marie erfährt.

Die Unbekannte aus seiner Kindheit erfüllt auch den romantischen Aspekt der Liebe. Sternbalds Sehnsucht, seine Suche und schließlich die märchenhafte Erfüllung seiner Liebesträume haben eine starke romantische Prägung. An diesen Stellen enthält der Roman Grundzüge aus der Unterhaltungsliteratur der 1780er Jahre, aus der schließlich die romantischen Romane hervorgingen.[13] Allerdings widerspricht die Erfüllung der Liebe dem romantischen Sinn. Die Liebe darf nicht in Erfüllung gehen. Der Blick der Romantiker war stets klar auf die Zukunft ausgerichtet, bei einer Erfüllung der Wünsche fehlte dieser Aspekt. Aus diesem Grund waren z. B. auch die Ehe oder gar eigene Kinder von den Romantikern als Philistertum verpönt.[14] Wie aus Fragmenten für den dritten Teil hervorgeht, hatte Tieck deshalb auch eine Entführung der Geliebten eingeplant.[15]

Besonders der zweite Teil des Sternbald Romans erfüllt die Forderung nach einer Mischung verschiedener Genres und Stile. Noch häufiger als im ersten Teil ist die Handlung mit Gedichten und Liedern durchsetzt. Diese greifen Themen des Romans wie Einsamkeit und Sehnsucht nach der Geliebten auf. Auch Geschichten werden in die Handlung eingebunden. So erzählt z. B. Sternbalds Begleiter Rudolf Florestan auf der Schifffahrt nach Rotterdam eine Geschichte, die direkten Bezug auf Sternbalds Suche nach der unbekannten Geliebten Bezug nimmt.

[...]


[1] Ribbat, Ernst: Ludwig Tieck. Franz Sternbalds Wanderungen (1798). In: Lützeler, Paul Michael (Hg.): Romane und Erzählungen der deutschen Romantik. Neue Interpretationen. Stuttgart 1981, S. 58.

[2] Schulz, Gerhard: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. München 1983, S. 4.

[3] Matzner, Johanna: Die Landschaft in Ludwigs Tiecks Roman „Franz Sternbalds Wanderungen“. Diss. Heidelberg 1971, S. 31.

[4] Schulz, S. 394.

[5] Ribbat, S. 70.

[6] Angerer, Alfred: Nachwort. In: Angerer, Alfred (Hg.): Ludwig Tieck. Franz Sternbalds Wanderungen. Studienausgabe. Stuttgart 1994, S. 556.

[7] Schanze, Helmut: Romantheorie der Romantik. In: Lützeler, Paul Michael (Hg.): Romane und Erzählungen der deutschen Romantik. Neue Interpretationen. Stuttgart 1981, S. 11f.

[8] Ebd.

[9] Ebd., S. 14.

[10] Ebd., S. 16f.

[11] Ebd., S. 20.

[12] Schulz, S. 254.

[13] Ebd., S. 395.

[14] Ebd., S. 397.

[15] Angerer, S. 582.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Elemente des romantischen Romans am Beispiel von Ludwig Tiecks „Franz Sternbalds Wanderungen“
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V121378
ISBN (eBook)
9783640258093
ISBN (Buch)
9783640259694
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elemente, Romans, Beispiel, Ludwig, Tiecks, Sternbalds, Wanderungen“
Arbeit zitieren
Moritz Alexander Claassen (Autor), 2007, Die Elemente des romantischen Romans am Beispiel von Ludwig Tiecks „Franz Sternbalds Wanderungen“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121378

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