Phraseologismen begegnen uns regelmäßig in der Alltagssprache. „Die Flinte ins Korn werfen“, „den Mund halten“ oder auch Formulierungen wie „guten Tag“ können als Beispiele dieses überaus
großen Sprachbereichs gelten. Häufig dienen sie dabei der Erweiterung unseres Wortschatzes aber auch der Benennung und Verarbeitung der sprachlichen und vor allem der mentalen Welt. Auch in der Wissenschaft haben sie Aufmerksamkeit erhalten. Als Teildisziplin1 der Lexikologie oder auch als selbstständige linguistische Disziplin ist die Phraseologie seit den 70er Jahren in den Fokus der
Sprachwissenschaft gerückt.2 Insbesondere Analysen von Werbesprache setzten Phraseologismen als allgemeingültig und bekannt voraus. Diese Untersuchung soll überprüfen, ob die gängige Akzeptanz der Phraseologismen als tatsächlich gelten kann. Wie bekannt sind Phraseologismen? Wie oft werden sie verwendet, wie verstanden und
wie erlernt? Welche Rolle spielt der Kontext dabei? All diese Fragen sollen im Zentrum dieser Arbeit stehen. Ihnen vorausgehend wird sowohl eine notwendige, ausführliche und wissenschaftliche Begriffsbestimmung als auch eine Analyse der Funktionen der Phraseologismen erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Themenkomplex Phraseologie
2.1 Definition
2.1.1 Polylexikalität
2.1.2 Festigkeit
2.1.2.1 Psycholinguistische Festigkeit
2.1.2.2 Strukturelle Festigkeit
2.1.2.3 Pragmatische Festigkeit
2.1.3 Idiomatizität
2.2 Terminologie und ihre Probleme
2.3 Klassifikation und Abgrenzung
2.4 Funktionen von Phraseologismen
3. Die Untersuchung – eine Evaluation mittels Fragebogen
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Psycholinguistische und pragmatische Aspekte der Phraseologie
3.2.1 Psycholinguistische Aspekte
3.2.2 Spracherwerb von Phraseologismen
3.3 Durchführung der Untersuchung
3.3.1 Die Versuchspersonen und die Durchführung der Untersuchung
3.3.2 Aufbau und Inhalt des Fragebogens
3.4 Auswertung der Untersuchung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Bekanntheit und das Verständnis von Phraseologismen bei Schülern der 7. Jahrgangsstufe zu evaluieren sowie den Einfluss von Kontext auf die Interpretationsleistung zu untersuchen. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, inwieweit kontextgebundene versus kontextlose Angebote die Identifikation und das Verständnis dieser sprachlichen Einheiten beeinflussen.
- Grundlagen und Definition der Phraseologie (Polylexikalität, Festigkeit, Idiomatizität)
- Psycholinguistische und pragmatische Aspekte des Spracherwerbs
- Methodische Evaluation durch eine empirische Fragebogenstudie
- Analyse des Einflusses von Kontext und syntaktischer Funktion auf das Sprachverstehen
- Abgrenzung von aktivem und passivem Wortschatz bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
2.4 Funktionen von Phraseologismen
Da die Existenz von Phraseologismen [...] eine nicht zu leugnende Tatsache der Sprache mit dem Status einer Universalie ist, müssen sie also eine Existenzberechtigung haben, die sich in ihrem besonderen, noch näher zu nuancierenden Wert für die Kommunikation auf den verschiedenen Ebenen der Sprache ausdrückt, und die sich auch nicht auf eine bloße Schmuckfunktion reduzieren läßt. Es gilt daher die zusätzlichen Funktionen der Phraseologismen in diesem Abschnitt der Arbeit aufzuklären.
Allen voran ist diesbezüglich die stilistische Funktion der Phraseologismen zu nennen. Sie ergibt sich aus der überaus großen semantischen Vielfalt vieler phraseologischer Ausdrücke. Gerade idiomatische Wortverbindungen machen es möglich, die Sprache des Sprechers oder Schreibers durch eine Vielzahl an Ausdrucksvarianten so zu erweitern, dass das Gemeinte auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht werden kann. Für die Stilistik ist hierbei die stilistische oder konnotative Information interessant, die zur denotativen Information hinzutritt und zusammen mit dieser das semantische Spektrum des Phraseologismus ergibt. Insbesondere expressive Konnotationen sind charakteristisch für Phraseologismen.
Des Weiteren wird wegen ihrer vorgeformten, festen Gestalt von einer höheren Überzeugungskraft gegenüber freien Verbindungen gesprochen. Diese Eigenschaft der Phraseologismen kann als argumentative Funktion gesehen werden. Die den Phraseologismen zugestandene expressive und intensivierende Qualität ergibt sich dadurch, dass sie Abstraktes oftmals in anschaulichen Bildern formulieren - ein Umstand, der den besonderen stilistischen Wert der Phraseologismen im Vergleich zu freien Verbindungen ausmacht. Der stilistische Effekt ergibt sich oft durch die Substitution einer Komponente des Phraseologismus, der Umkehrung einer Paarformel oder des Weglassens eines Elementes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Phraseologismen in der Alltagssprache dar und definiert das Ziel, durch eine Evaluation an einer Gesamtschule den Wissensstand von Schülern zu ermitteln.
2. Der Themenkomplex Phraseologie: Dieses Kapitel erläutert die linguistischen Grundlagen der Phraseologie, insbesondere die Kriterien Polylexikalität, Festigkeit und Idiomatizität.
3. Die Untersuchung – eine Evaluation mittels Fragebogen: Hier wird die empirische Studie beschrieben, die mittels eines Fragebogens die phraseologische Kompetenz von Schülern hinsichtlich Bekanntheit, Verständnis und Kontextabhängigkeit prüft.
4. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, insbesondere die Erkenntnis, dass der Kontext für das Verständnis zentral ist und der Phrasemschatz der Siebtklässler größtenteils passiv einzustufen ist.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phraseologismen, Idiomatizität, Festigkeit, Polylexikalität, Spracherwerb, Kontextabhängigkeit, Sprachverstehen, Evaluation, Fragebogenstudie, linguistische Kompetenz, semantische Struktur, syntaktische Funktion, passiver Wortschatz, Routineformeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von Phraseologismen im Bereich der deutschen Sprache und evaluiert deren Bekanntheit und Verständnis bei Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die theoretische Definition von Phraseologismen, ihre psycholinguistischen Eigenschaften sowie die empirische Untersuchung ihres Gebrauchs im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Wissensstand über Phraseologismen bei Schülern der 7. Klasse zu erheben und zu analysieren, wie kontextuelle Einbettungen das Verständnis beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung in Form einer Evaluation mittels Fragebögen durchgeführt, die sowohl quantitative als auch qualitative Daten umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und die detaillierte Durchführung sowie Auswertung einer Befragung an einer Gesamtschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Phraseologismen, Idiomatizität, Kontextabhängigkeit, Sprachverstehen und Evaluation.
Warum ist der Kontext für das Verständnis von Phraseologismen so wichtig?
Der Kontext liefert laut der Untersuchung notwendige Informationen, um die Bedeutung von Phraseologismen, insbesondere bei polysemen Fällen, präzise zu erschließen.
Welches Ergebnis zeigte sich bei den befragten Siebtklässlern hinsichtlich ihres Wissensstandes?
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Phrasemschatz der Schüler als größtenteils passiv einzustufen ist und sie bei der aktiven Identifikation und Synthese von Phraseologismen erhebliche Schwierigkeiten hatten.
Gibt es einen Unterschied zwischen den Fragebogenvarianten A und B?
Ja, Variante A bot einen Kontext durch Beispielsätze, während dieser in Variante B fehlte, was einen signifikanten Einfluss auf die Bekanntheitswerte der getesteten Phraseologismen hatte.
Was erschwert laut Autor die Identifikation von Phraseologismen in Texten?
Die Schüler tendierten dazu, die Peripherie um ein Phrasem herum zu weit oder zu ungenau zu markieren, was die korrekte Identifikation des phraseologischen Kerns erschwerte.
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- Stefan Wehe (Author), 2008, Phraseologie im Kontext - Ihre Bekanntheit und ihr Verständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121428