„Das Schulwesen soll eine begabungsgerechte individuelle Förderung ermöglichen und eine gesicherte Unterrichtsversorgung bieten“ (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2007,
S.32). Mit dieser klaren Stellungnahme des Niedersächsischen Kultusministeriums werden die Schulen Niedersachsens verpflichtet die individuelle Lernförderung als ein akutes, immer währendes und wichtiges Thema zu sehen, welches als Teil des Schulalltags und dadurch nicht isoliert oder separat zu sehen ist. Dieser Auszug aus § 54. Absatz 1 des NSchG. schließt auch hochbegabte Schüler und Schülerinnen mit ein und erwähnt diese explizit. Dadurch werden die individuelle Lernentwicklung und die darin inbegriffenen Potentiale jedes Schülers und jeder Schülerin erfasst und gewürdigt. Nur so kann ein allgemeines Recht auf Bildung gewährleistet sein und auch in Zukunft geleistet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Person und Förderungsdaten
2. Anlass und Rahmenbedingungen der Förderung
2.1 Zuordnung bzw. Finden des Förderschülers
2.2 Kooperationsbeziehung zu den beteiligten pädagogischen Fachpersonen
2.3 Forschendes Lernen im Studium: Persönliche Erfahrungen und (ggf.) und Qualifizierung für Förderung
3. Wissenschaftlicher Hintergrund zum Förderanlass und spezifische Fragestellungen und Ziele zu Beginn der Förderung
3.1 Stand der Theoriebildung zu [wiss. Bezeichnung für ähnliche Förderanlässe]
3.2 Fragestellung für die diagnostische Erhebung
4. Informationen und Erhebungen zum Lern- und Entwicklungsstand: Förderbezogene Diagnostik
4.1 Vorgeschichte des Schülers
4.2 Lernbezogene Schwierigkeiten und Kompetenzen
4.2.1 Problembezogene Lernstände
4.2.2 Problembezogene individuelle Ressourcen und Risikofaktoren
4.3 Unterstützungs- und Gefährdungspotenziale des schulischen und außerschulischen Umfeldes
5. Integration der förderdiagnostischen Befunde und Einschätzung des Förderbedarfs
5.1 Problemstruktur und Förderdiagnose
5.2 Abschätzung des Förderbedarfs und Begründung für die Auswahl der Förderbereiche
6. Förderplanung
7. Verlauf und Ergebnisse der Förderung
8. Zusammenfassende Einschätzung des Fördererfolgs / Vorschläge zur Fortführung bzw. Modifikation der Förderung
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die individuelle Lernförderung eines Schülers mit Leseschwäche durch eine Fallanalyse kritisch zu reflektieren und den Einfluss motivationaler sowie emotionaler Faktoren auf den kognitiven Lernfortschritt zu untersuchen.
- Analyse der individuellen Lernausgangslage und familiärer Rahmenbedingungen
- Einsatz handlungsorientierter Didaktik zur Förderung der Lesekompetenz
- Reflexion des Einflusses von Lernmotivation und Selbstwirksamkeit
- Bewertung von förderdiagnostischen Prozessen und Methoden
Auszug aus dem Buch
3.1 Stand der Theoriebildung zu [wiss. Bezeichnung für ähnliche Förderanlässe]
Die Fähigkeit zu lesen wird in der Fachliteratur aus dreierlei Perspektiven betrachtet. Lesen kann daher sowohl als „Dekodierung von geschriebener Sprache“, als auch als „selektiver Prozess“ oder „interaktiver Prozess zwischen Leser und Text“ verstanden werden (vgl. Bos u.a. 2005, S. 2). Die häufigste Betrachtungsweise des Lesevorgangs wird allerdings durch die Dekodierung von geschriebener Sprache beschrieben. Beinke u.a. beschreiben das Lesen „als die Befähigung ‚visuelle Informationen aus grafischen Gebilden zu entnehmen und deren Bedeutung zu verstehen‘“ (vgl. Beinke u.a. 2006, S. 74). Durch dieses Zitat werden zwei Komponenten des Lesens, nämlich die Entnahme von Informationen und die ihnen Sinn gebende Bedeutungszuschreibung dargestellt und die Prozesshaftigkeit des Lesens verdeutlicht. Das Lesen jedoch nur als Informationsentnahme zu beschreiben, kann nicht ausreichen, um diesen komplexen Vorgang zu fassen.
Smith erklärt sogar, dass die essentiell wichtige Erschließung und Verarbeitung der Textbedeutung durch reine Informationsentnahme behindert würde (vgl. Bos u.a. 2005, S.3). Auch Top-down-Prozesse, also Prozesse, die konzeptgeleitet ablaufen und auf Vorwissen beruhen, sind gegenüber den datengeleiteten Bottom-up-Prozessen, die bei der Informationsentnahme eintreten, enorm wichtig und leisten einen großen Anteil der kognitiven Leistungen eines Lesers. Gut lesen zu können bedeutet also nicht nur Informationen verarbeiten, sondern auch, auf Merkmalswissen zurückgreifen und Erwartungen in Form von Hypothesen aufbauen zu können. Ein vernetztes Denken wird so geschaffen und die Wissensbasis wird nicht - wie so oft - flüchtig sondern nachhaltig erweitert. Neben diesen kognitiven Leistungen weist Bartnitzky auch motivationale, emotionale und kreative Aspekte als Merkmale und Dimensionen der Lesekompetenz aus (vgl. Bartnitzky 2006, S. 19). Lesemotivation soll dadurch erreicht werden, dass das Lesen als etwas Bedeutsames wahrgenommen und als Schlüssel zu Wissen begriffen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Person und Förderungsdaten: Einführung in die persönliche Situation des Schülers Daniel und Beschreibung der organisatorischen Rahmenbedingungen der Förderung.
2. Anlass und Rahmenbedingungen der Förderung: Erörterung der Gründe für die Förderung sowie Reflexion der Kooperationsbeziehungen zu Lehrkräften und der persönlichen Lernprozesse der Förderperson.
3. Wissenschaftlicher Hintergrund zum Förderanlass und spezifische Fragestellungen und Ziele zu Beginn der Förderung: Theoretische Herleitung von Lesekompetenz und Definition der Zielsetzungen für die diagnostische Erhebung.
4. Informationen und Erhebungen zum Lern- und Entwicklungsstand: Förderbezogene Diagnostik: Darstellung der Lernausgangslage des Schülers unter Einbeziehung seiner Vorgeschichte, kognitiver Schwierigkeiten und individueller Faktoren.
5. Integration der förderdiagnostischen Befunde und Einschätzung des Förderbedarfs: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einer diagnostischen Einschätzung, die besonders die psychische Belastung als Kernbereich identifiziert.
6. Förderplanung: Detaillierte tabellarische Planung der Förderbereiche sowie Erläuterung der gewählten methodischen Ansätze wie Spiele und Rätsel.
7. Verlauf und Ergebnisse der Förderung: Reflexion des Förderverlaufs, der erzielten Fortschritte bei der Motivation und der Hürden bei der kognitiven Leistungssteigerung.
8. Zusammenfassende Einschätzung des Fördererfolgs / Vorschläge zur Fortführung bzw. Modifikation der Förderung: Kritische Bilanz des Erfolgs mit Empfehlungen für eine Fortführung unter stärkerer Berücksichtigung psychischer Belastungsfaktoren.
9. Fazit: Abschließende Bewertung des Gesamterfolgs und Reflektion über den persönlichen Lerneffekt der Förderperson sowie die Bedeutung der universitären Lernförderung.
Schlüsselwörter
Individuelle Lernförderung, Leseschwäche, Lesekompetenz, Lesemotivation, Selbstwirksamkeit, Fallanalyse, Förderdiagnostik, Grundschule, Sprachförderung, Psychische Belastung, Lernstrategien, Handlungsorientierung, Schulleistungsschwäche, Erlernte Hilflosigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Durchführung und Analyse einer individuellen Lernförderung für einen zehnjährigen Schüler mit einer Leseschwäche, eingebettet in den Kontext eines universitären Seminars.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Förderung der Lesekompetenz, die Steigerung der Lesemotivation und die Analyse von hemmenden Faktoren wie psychischer Belastung durch die Trennung der Eltern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine Fallanalyse zu untersuchen, inwieweit eine individuelle Förderung – unter besonderer Berücksichtigung motivationaler Aspekte – bei einem Schüler mit Leseschwäche kognitive und emotionale Lernfortschritte bewirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die durch diagnostische Beobachtungen, Schülerfragebögen, Leistungsüberprüfungen und die Dokumentation der Förderstunden methodisch untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Bestandsaufnahme, die theoretische Fundierung, die detaillierte Förderplanung sowie die Auswertung des Förderverlaufs und der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind individuelle Lernförderung, Lesekompetenz, Selbstwirksamkeit, Lesemotivation, Förderdiagnostik und Fallanalyse.
Welche besondere Rolle spielt die psychische Situation für den Lernfortschritt?
Der Autor schlussfolgert, dass die durch eine Trennung der Eltern verursachte psychische Belastung ein zentrales Hindernis darstellt, welches den kognitiven Lernfortschritt blockiert und somit vorrangig adressiert werden muss.
Warum konnte das kognitive Hauptziel der Förderung nicht vollständig erreicht werden?
Die Lücken im Vorwissen waren zu weitreichend und der Zeitraum der Förderung zu kurz, zudem wirkten sich motivationale Schwankungen und die familiäre Situation negativ auf den Lernprozess aus.
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- Stefan Wehe (Author), 2008, Individuelle Lernförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121430