Die Propagandasprache weist einige typische Merkmale auf und bedient sich bestimmter Techniken, die zur einheitlichen Ausrichtung des Volkes in allen politischen Fragen eingesetzt werden können. Zu verstehen darunter sind z. B. hohe Emotionalität der Sprache, Überredung, Täuschung, Tabuisierung bestimmter Themen, Fatalisierung, pathetische Aussagen, Überhöhungen, starke Vereinfachungen, Wortneuschöpfungen, Erzeugung von Vorurteilen, negative Darstellung der Gegner, formalisierte Sprache (vgl. Straßner 1987, S. 43; vgl. Wojtasik 1973, S. 156ff.).
Wenn von Propagandaverbreitung die Rede ist, soll parallel auch Medienmanipulation genannt werden, die ein bestehendes Phänomen ist. Den Medien, die zu den größten Manipulationsfeldern der neuesten Geschichte gehören, wird berechtigt eine umfassende, bestimmende Rolle im politischen Entscheidungsprozess zugeschrieben (vgl. Mackensen 1973, S. 7). Die modernen technischen Errungenschaften ließen die Welt immer mehr zu einem einheitlichen Nachrichtenraum werden. Durch die modernen Massenmedien (damit sind vor allem Zeitungen, Rundfunk und Film gemeint) kann die Propaganda schnell verbreitet werden. Mit Hilfe der Massenkommunikationsmittel können Millionen von Menschen ohne zeitlichen Verzug und nahezu an beliebigen Orten die gleiche Nachricht empfangen. Die größeren technischen Möglichkeiten stellen zugleich die Grundlage größerer politischer Wirkungsmöglichkeiten dar, sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne. Über den Inhalt und die Richtung der Mediennutzung entscheidet generell das jeweils herrschende System. In der jüngsten Vergangenheit entwickelten sie sich stürmisch und haben heutzutage eine außerordentlich große Bedeutung bei der ideologischen und politischen Beeinflussung der Massen (vgl. Klaus 1972, S. 19).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen der Propaganda
2.1 Begriffsbestimmung und historische Einordnung
2.2 Manipulationsmechanismen in totalitären Systemen
3. Nationalsozialistische Propaganda und das Dritte Reich
3.1 Instrumente der Machterhaltung und Indoktrination
3.2 Die Rolle der Sprache als Waffe
3.3 Kontrolle des Pressewesens und Gleichschaltung
4. Die NS-Besatzungspresse im Generalgouvernement
4.1 Organisation der Verwaltung und Propaganda
4.2 Entpolonisierung und deutsche Pressepolitik
4.3 Die Krakauer Zeitung als zentrales Propagandainstrument
4.3.1 Zielgruppen und publizistische Aufgaben
4.3.2 Inhaltliche Schwerpunkte und Darstellungstechniken
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der nationalsozialistischen Besatzungspresse im Generalgouvernement zwischen 1939 und 1945. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Sprache als Instrument zur systematischen Manipulation der Bevölkerung, zur Legitimierung der Besatzungsherrschaft und zur kulturellen sowie politischen Umgestaltung der besetzten Gebiete eingesetzt wurde.
- Grundlagen der Propaganda und Medienmanipulation im 20. Jahrhundert.
- Die nationalsozialistische Propagandamaschine und ihre Methoden.
- Die gezielte "Entpolonisierung" durch mediale Steuerung im Generalgouvernement.
- Analyse der "Krakauer Zeitung" als führendes deutschsprachiges Besatzungsorgan.
- Strategien zur sprachlichen Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins.
Auszug aus dem Buch
Die Krakauer Zeitung im Kontext der Besatzungspolitik
Die „Krakauer Zeitung“ hatte zweierlei Aufgaben zu erfüllen: „Einmal als Ausdruck der deutschen Macht und Führung im polnischen Volkstum, zum anderen in ihrem Wert als tägliches Sprachohr für alle Deutschen, die hier schaffen und wirken“. Mit anderen Worten: Dem nationalsozialistischen Regime ging es in erster Linie darum, deutsche Stärke, Totalität und Überlegenheit auch im Pressesektor zu demonstrieren und die deutsche Herrschaft zu legitimieren (vgl. Jockheck 2006, S. 110f.). Sie soll ein „steter und eindringlicher Mahner sein für jene, die einmal in die Gefahr geraten sollten, weich zu werden und über die Nöte eines zu beherrschenden Volkes die Lebensnotwendigkeiten der eigenen Nation zu vergessen.“ Ihre endgültige Aufgabe bestand darin, „ein Spiegelbild des Lebens zu liefern, das nun im Zeichen der deutschen Führung zum Vorschein kommt“ (Kołtunowski 1987, S. 43).
Es bleibt festzustellen, dass die deutschsprachige Presse des Generalgouvernements ein relativ vielfältiges publizistisches Angebot bereithielt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass sie letztlich aber ihrem Hauptzweck diente, in den besetzten Gebieten das fremdvölkische Element durch einen besonderen Sprachgebrauch wesentlich zu beeinflussen (vgl. Kołtunowski 1990, S. 15f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Propaganda im Generalgouvernement und die Rolle der NS-Besatzungspresse.
2. Theoretische Grundlagen der Propaganda: Untersuchung der Begriffsgeschichte und der psychologischen Wirkungsweise von Propaganda als Mittel politischer Steuerung.
3. Nationalsozialistische Propaganda und das Dritte Reich: Analyse der nationalsozialistischen Strukturen zur Medienkontrolle und der Instrumentalisierung der Sprache zur ideologischen Indoktrination.
4. Die NS-Besatzungspresse im Generalgouvernement: Detaillierte Betrachtung der Pressepolitik im besetzten Polen, insbesondere anhand der Krakauer Zeitung und ihrer Funktion für das NS-Regime.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit der NS-Propaganda als Kriegswaffe und Instrument der Unterdrückung.
Schlüsselwörter
Propaganda, Generalgouvernement, Nationalsozialismus, Pressepolitik, Krakauer Zeitung, Medienmanipulation, Sprachmanipulation, Besatzung, Indoktrination, Gleichschaltung, NS-Regime, Informationskrieg, Zweiter Weltkrieg, Polen, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Methoden und Funktionen der nationalsozialistischen Besatzungspresse im Generalgouvernement während des Zweiten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie der Propaganda, die mediale Gleichschaltung im Dritten Reich und die spezifische Ausgestaltung der deutschsprachigen Presse in den besetzten polnischen Gebieten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Sprache und Presse durch das NS-Regime als Waffe missbraucht wurden, um die öffentliche Meinung zu steuern und die deutsche Herrschaft zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und medienwissenschaftlichen Analyse, die Fachliteratur sowie historische Dokumente und Zeitungsanalysen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Strukturen der NS-Verwaltung zur Medienlenkung und untersucht konkret, wie die "Krakauer Zeitung" als Propagandainstrument fungierte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Propaganda, Generalgouvernement, Gleichschaltung, Sprachmanipulation und Krakauer Zeitung.
Welche Rolle spielte die Krakauer Zeitung für das NS-Regime?
Sie diente als tägliches "Sprachohr" der Besatzungsmacht, um deutsche Überlegenheit zu demonstrieren und die Bevölkerung im Sinne des Regimes ideologisch zu beeinflussen.
Was versteht man in diesem Kontext unter "Entpolonisierung"?
Damit ist die systematische Verdrängung der polnischen Sprache und Kultur aus der Öffentlichkeit gemeint, um das Territorium unter deutsche Vorherrschaft zu stellen.
- Quote paper
- Radoslaw Lis (Author), 2009, Propaganda im Generalgouvernement. Die NS-Besatzungspresse in Polen 1939-1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121476