Im Bewusstsein dessen, dass die Kolonie Nowawes zu Potsdam eine aufwendige Entstehungsgeschichte prägt, scheint es angesichts einer mangelnden Überlieferungsgeschichte angemessen zu sein, der industriellen Entwicklung des Dorfes einigermaßen Klarheit zu verschaffen. In Hinblick auf die älteste verfasste „Geschichte der Weber-Colonie Nowawes bei Potsdam, und Darstellung der von der Regierung zur Aufhilfe ihrer verarmten Bewohner ergriffenen Maßregeln“, die vom Kommissarius August Wichgraf verfasst wurde und aus dem Jahre 1862 stammt, erstreckt sich dem Titel nach eine typische Dorfgeschichte, die aus der Entstehungszeit der Kolonie bishin zur Ära Wichgrafs berichtet. Die Intention, die mit der anschließenden Ausführung verfolgt wird, stellt den Anspruch, eine transparente Sichtweise vorzulegen, die es ermöglicht, die stilistische Ausprägung der Erzählweise von August Wichgraf am Beispiel seiner Überlieferungsgeschichte zur Kolonie Nowawes wahrzunehmen und eine mögliche Zuordnung der vorliegenden Edition als solche, zur Kategorie Dorfgeschichten realisierbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Forschungsstand
Quellenlage zu Nowawes und zum Aufbau der wichgrafschen Edition
Gattung: „Dorfgeschichten“
Überlieferungsgeschichte
Gesellschaftliche, geografische und soziale Lage des Dorfes Nowawes
Analyse der Dorfgeschichte im diskursiven Zusammenhang
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Quellenedition „Geschichte der Weber-Colonie Nowawes bei Potsdam, und Darstellung der von der Regierung zur Aufhilfe ihrer verarmten Bewohner ergriffenen Maßregeln“ von August Wichgraf aus dem Jahr 1862. Ziel ist es, die Gattung „Dorfgeschichte“ zu definieren und zu analysieren, ob und inwieweit Wichgrafs Werk dieser Kategorie zugeordnet werden kann, wobei insbesondere die diskursive Einbettung und die rhetorische Gestaltung des Textes im Vordergrund stehen.
- Analyse der Gattung „Dorfgeschichte“ im Vergleich zur „Dorfchronik“.
- Untersuchung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Kolonie Nowawes.
- Reflexion über die Intention und das Selbstbild des Autors August Wichgraf.
- Bewertung des Gebrauchs von Archivalien und statistischen Daten im Text.
- Diskussion über die Relevanz des Siedlungsgrundrisses und der religiösen Symbolik.
Auszug aus dem Buch
Gesellschaftliche, geografische und soziale Lage des Dorfes Nowawes
Die Kolonie Nowawes wurde im Jahre 1750 ursprünglich auf Befehl des Königs Friedrich II. (auch bekannt als Friedrich der Große) als friderizianische Kolonie für böhmische Einwanderer errichtet. Sie liegt etwa östlich des heutigen Potsdams und kann als Stadtteil mit dem Namen „Weberviertel“ im Gebiet des heutigen Babelsberg verortet werden. Zu Beginn findet man ein Straßendorf vor, was sich im Laufe der Zeit weiter ausdehnt. Die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße und Benzstraße bilden die Anfangspunkte der Errichtung. Nowawes entstand 1751 nördlich von Neuendorf zwischen zwei königlichen Landstraßen, dem Königsweg nach Berlin und der Allee nach Glienicke, die in einem 45° Winkel zusammenlaufen. Der Name „Nowawes“, welcher irreführender Weise auch im lateinischen Sinne interpretiert werden kann, verdankt seinen Namen denn böhmischen Webern (böhmische Übersetzung von neues Dorf). Die ersten zahlreichen kleinen Weberhäuser entstanden in der Form eines Straßendorfs beiderseits der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße und Benzstraße. Die Weberhäuser waren meist fünfachsig gebaut und wurden von zwei Familien bewohnt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte der Kolonie Nowawes und skizziert die Intention der Analyse, Wichgrafs Werk als Dorfgeschichte einzuordnen.
Forschungsstand: Dieses Kapitel erörtert die vorhandene Quellenlage zu Nowawes sowie die Komplexität der Gattungszuordnung von Dorfgeschichten und -chroniken.
Überlieferungsgeschichte: Dieser Abschnitt beschreibt die soziale und geografische Entwicklung des Dorfes und analysiert die Rolle der Siedlungsplanung sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse unter den Webern.
Analyse der Dorfgeschichte im diskursiven Zusammenhang: Das Kapitel untersucht die rhetorische Gestaltung und die narrativen Strukturen in Wichgrafs Werk im Kontext zeitgenössischer Anforderungen an die Gattung.
Fazit: Die abschließende Betrachtung bewertet Wichgrafs Werk als eine spezifische Gedenkschrift, die zwar formale Elemente einer Dorfgeschichte nutzt, jedoch eine eigene stilistische Variation darstellt.
Schlüsselwörter
Nowawes, Weber-Colonie, August Wichgraf, Dorfgeschichte, Dorfchronik, Koloniegründung, Pauperismus, preußischer Merkantilismus, Friedrich II., böhmische Einwanderer, Sozialgeschichte, Siedlungsstruktur, Archivrecherche, Gedenkschrift, Wirtschaftsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die 1862 veröffentlichte Schrift von August Wichgraf über die Weber-Kolonie Nowawes und prüft deren Einordnung in die literarische Gattung der „Dorfgeschichte“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen Dorfgeschichte und Dorfchronik, die sozialwirtschaftliche Situation der böhmischen Siedler sowie die Rhetorik und Intention des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine transparente Sichtweise auf Wichgrafs Narrativ zu gewinnen und zu hinterfragen, ob seine „Geschichte der Weber-Colonie“ als Dorfgeschichte fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer literatur- und geschichtswissenschaftlichen Analyse, die den Quellentext diskursiv kontextualisiert und mit anderen zeithistorischen Schriften vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Quellenlage, der sozialen und geografischen Entwicklung von Nowawes sowie der detaillierten Analyse von Wichgrafs Erzählstil und seinem Umgang mit Fakten und Statistiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Nowawes, August Wichgraf, Dorfgeschichte, Pauperismus, böhmische Kolonisten und die preußische Manufakturgeschichte.
Inwiefern beeinflusste die Herkunft des Autors sein Werk?
Wichgraf war ein externer Verwalter (Kommissarius) mit juristischem Hintergrund; dies erklärt seinen Fokus auf staatlich gelenkte Wirtschafts- und Ordnungsmaßnahmen in der Kolonie.
Warum spielt der Siedlungsgrundriss eine Rolle in der Argumentation?
Der dreieckige Grundriss der Siedlung wird als mögliches Symbol religiöser Trias (nach Comenius) interpretiert, was auf die kulturelle Identität der böhmischen Glaubensflüchtlinge verweist.
Wie bewertet die Arbeit Wichgrafs Umgang mit dem „Elend“ im Dorf?
Wichgraf nutzt das Thema „Noth“ rhetorisch, um sein eigenes Wirken als ordnende und rettende Instanz im Kontrast zur vermeintlichen Sittenlosigkeit der Kolonisten aufzuwerten.
- Arbeit zitieren
- Kemal-Alp Sağkaya (Autor:in), 2022, Dorfgeschichten im diskursiven Zusammenhang mit der von August Wichgraf stilisierten Quellenedition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214851