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Stadterneuerung Prenzlauer Berg

Bauliche Aufwertung vs. Soziale Erhaltung - Eine kritische Betrachtung des Sanierungsprozesses

Title: Stadterneuerung Prenzlauer Berg

Essay , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Schlebusch (Author)

Urban and Regional Planning
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Der Fall der Berliner Mauer und der Kollaps des sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems 1989/90 stellte das bedeutendste Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte dar. Besonders im Epizentrum dieses historischen Bruchs, in Berlin, wurde plötzlich auf lokaler Ebene sichtbar, wie unterschiedliche politische Vorgaben zu unterschiedlichen stadträumlichen Entwicklungen führten, die im Zuge der Wiedervereinigung zu enormen Problemen aber auch Chancen führten. Ganz im Sinne der sozialistischen Doktrin versuchte das SED-Regime auf allen Ebenen, das politische System als höchste Stufe zivilisatorischer Entwicklung zu glorifizieren, sowie den Menschen zu entindividualisieren und zu proletariatisieren. Diese Uniformierungstendenz der Bevölkerung fand insbesondere im Städtebau seinen Ausdruck, indem an den Stadträndern riesige Wohnsiedlungen in industrieller Fertigbauweise entstanden sind, die den Menschen standardisierte Annehmlichkeit boten und es außerdem der Staatsführung besser erlaubte, die Bevölkerung zu kontrollieren. Diese enorme Bautätigkeit ging zu Lasten der gründerzeitlichen Innenstadtgebiete, die aufgrund ihrer Entstehung während der Blütezeit des Industriekapitalismus als Ausdruck bourgeoiser Ausbeutung der Arbeiterbevölkerung standen, und dementsprechend nicht den Utopien der herrschenden Klasse in der DDR entsprachen. Der BRD wurde als Rechtsnachfolger der DDR quasi über Nacht die gewaltige Aufgabe zuteil, die ostdeutsche stadtstrukturelle Realität bezüglich der Wohnraumsituation und der urbanen Infrastrukturausstattung an den Gegebenheiten und Bedürfnissen der gesamtdeutschen Bevölkerung anzupassen, wobei ein besonderer Augenmerk auf die Entwicklung der verfallenen Innenstädte gelegt werden musste.
Deshalb widmet sich diese Arbeit im Folgenden den urbanen Transformationsprozessen in den städtischen Altbauquartieren nach der politischen Wende, mit besonderer Berücksichtigung des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg, der in der Literatur besonders häufig mit dem Attribut des „gentrifizierten Stadtteils“ bedacht wird. Zunächst werde ich einen kurzen Überblick über den Stand der Gentrification-Forschung geben, anschließend werde ich die ökonomischen und politischen Problemlagen zusammenfassen unter besonderer Berücksichtigung des Wandels der Stadterneuerungspolitik der 90er Jahre, um anschließend die Entwicklungen aus heutiger Sicht, 18 Jahre nach der Wiedervereinigung, kritisch zu betrachten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Gentrification als Phänomen postmoderner Stadttransformation

3. Die Ausgangslage in Berlin-Prenzlauer Berg 1990

4. Der Bezirk Prenzlauer Berg heute

5. Probleme der Stadterneuerung unter veränderten Rahmenbedingungen

6. Städtebauliches Instrumentarium

7. Die Sanierungspraxis

7.1 Die Eigentümer

7.2 Die Verwaltung

7.3 Der Sanierungsträger

8. Fazit

9. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die urbanen Transformationsprozesse im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg nach der politischen Wende, wobei der Fokus auf dem Konflikt zwischen baulicher Aufwertung und dem Erhalt der sozialen Bevölkerungsstruktur im Kontext der Gentrification liegt.

  • Wissenschaftliche theoretische Fundierung des Begriffs Gentrification.
  • Historische und städtebauliche Entwicklung des Prenzlauer Bergs.
  • Kritische Evaluation der Stadterneuerungspolitik und ihrer Instrumente in den 90er Jahren.
  • Analyse der Akteurskonstellationen und Interessenkonflikte bei der Sanierung.
  • Bewertung der langfristigen Auswirkungen postfordistischer Regulierungsansätze.

Auszug aus dem Buch

2. Gentrification als Phänomen postmoderner Stadttransformation

Der Begriff der Gentrification wurde erstmals von der britischen Soziologin Ruth Glass 1964 verwendet und beschreibt einen Prozess des Wandels der Sozialstruktur in innenstadtnahen Altbaugebieten. Theoretisch basiert dieser Prozess auf einem Invasions-Sukzessions-Zyklus, der aus den humanökologischen Stadtentwicklungsmodellen der Chicagoer Schule hervorgeht. Das Neue an diesem Zyklus im Gegensatz zu den traditionellen Modellen liegt in der Richtung der Sukzession. Während die klassischen Zyklen von einer Sukzession statushöherer Bevölkerungsgruppen innenstadtnaher Gebiete durch statusniedrigere Haushalte beschreiben, was die starken Sub- und Exurbanisierungstendenzen amerikanischer und europäischer Großstädte zur Folge hatte, beschreibt Gentrification eine Verdrängung statusniedrigerer Haushalte durch Bevölkerungsgruppen mit höherem Einkommen, höherem Bildungsstatus und höherem sozialen Status.

Laut Theorie findet diese Art der Verdrängung in Wohngebieten statt, die durch die Merkmale Nähe zum Stadtzentrum, Bausubstanz der Jahrhundertwende vom 19./20. Jahrhundert in schlechtem Zustand, niedrige Bodenpreise und Mieten und statusniedrige Bewohner gekennzeichnet sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der Wiedervereinigung und die daraus resultierende Notwendigkeit, den ostdeutschen Städtebau an gesamtdeutsche Anforderungen anzupassen.

2. Gentrification als Phänomen postmoderner Stadttransformation: Hier werden theoretische Grundlagen des Gentrification-Begriffs und die zugrunde liegenden Invasions-Sukzessions-Modelle erörtert.

3. Die Ausgangslage in Berlin-Prenzlauer Berg 1990: Das Kapitel beschreibt die bauliche Historie des Stadtteils vom 19. Jahrhundert bis zum Leerstand und Verfall während der DDR-Zeit.

4. Der Bezirk Prenzlauer Berg heute: Es folgt eine Analyse der aktuellen Situation, die durch eine starke symbolische und soziale Aufwertung sowie einen demografischen Wandel gekennzeichnet ist.

5. Probleme der Stadterneuerung unter veränderten Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt beleuchtet das Dilemma zwischen dem Erhalt sozialer Strukturen und dem Bedarf an privatem Kapital unter knappen öffentlichen Mitteln.

6. Städtebauliches Instrumentarium: Hier wird das rechtliche und planerische Instrumentarium wie Sanierungssatzungen und Modernisierungsvereinbarungen vorgestellt.

7. Die Sanierungspraxis: Die Analyse konzentriert sich auf das Zusammenspiel der Akteure (Eigentümer, Verwaltung, Sanierungsträger) und deren jeweiliges Handeln im Prozess.

8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Gentrification im postfordistischen Regulationsregime bei der aktuellen Machtverteilung nahezu unvermeidbar erscheint.

9. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke.

Schlüsselwörter

Gentrification, Stadterneuerung, Prenzlauer Berg, Stadttransformation, Sozialstruktur, Sanierungspraxis, Wohnungsmarkt, Modernisierung, Stadtplanung, Restitution, Mietpreissteigerung, postfordistisches Regime, soziale Erhaltung, Stadtentwicklung, Verdrängung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg von einem verfallenen Altbauviertel zu einem gentrifizierten "Szenekiez" im Kontext der deutschen Wiedervereinigung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Stadtsoziologie, Stadtentwicklungspolitik, den Mechanismen der Gentrification sowie den Auswirkungen der Sanierung auf die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Reflexion darüber, warum die politisch intendierten Ziele der behutsamen Stadterneuerung – insbesondere der Erhalt der ansässigen Bevölkerung – in der Praxis oft nicht erreicht werden konnten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse stadtsoziologischer Prozesse, ergänzt durch die Auswertung empirischer Studien zur Akteurslandschaft und zum Investitionsverhalten im Prenzlauer Berg.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Ausgangslage, die rechtlichen Instrumente der Sanierung sowie die spezifischen Rollen von Eigentümern, Verwaltung und Sanierungsträgern im Prozess der Stadtentwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind unter anderem Gentrification, Stadterneuerung, soziale Erhaltung, Eigentümerstruktur und postfordistische Stadtentwicklung.

Welche Rolle spielte der Sanierungsträger S.T.E.R.N. GmbH?

Der Sanierungsträger fungierte als mächtiger Akteur, der aufgrund seines Wissensvorsprungs und seiner Netzwerkstrukturen die Modernisierungsprozesse maßgeblich steuerte, wobei dies teils zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung führte.

Warum war die Verwaltung bei der Kontrolle der Sanierung so eingeschränkt?

Die Verwaltung litt unter Personalmangel und komplexen Rechtslagen; zudem handelte es sich bei vielen Modernisierungsvereinbarungen um privatrechtliche Verträge, auf die der Staat nur begrenzten direkten Einfluss nehmen konnte.

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Details

Title
Stadterneuerung Prenzlauer Berg
Subtitle
Bauliche Aufwertung vs. Soziale Erhaltung - Eine kritische Betrachtung des Sanierungsprozesses
College
University of Münster  (WWU Münster)
Course
Stadtplanung in Metropolregionen
Grade
1,3
Author
Sebastian Schlebusch (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V121486
ISBN (eBook)
9783640261574
ISBN (Book)
9783640261581
Language
German
Tags
Stadterneuerung Prenzlauer Berg Stadtplanung Metropolregionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Schlebusch (Author), 2008, Stadterneuerung Prenzlauer Berg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121486
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