Darf man heutzutage in den Sterbeweg eines Leidenden eingreifen? Dies wird ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit um die Sterbehilfe und berufliche Haftungsrisiken bei Ärzten oder gar strafrechtliche Sanktionen sein. Eingangs wird auf die Formen der Sterbehilfe hingewiesen, um anschließend weiterhin das ärztliche Berufsrecht weitgehend zu erläutern. Darauf aufbauend wird die Sterbehilfe im strafrechtlichen Kontext reflektiert, um zuletzt zu den rechtlichen Konsequenzen, einem Ausblick und abschließendem Fazit zu gelangen.
Drei Viertel aller Deutschen möchten selbst bestimmen, wie sie sterben. Durch die strengen Regelungen in Deutschland ist das gar nicht so leicht, weshalb einige zum Sterben ins Ausland reisen, zum Beispiel in die Schweiz und sich dort an Sterbehilfeorganisationen wenden. Die Sterbehilfeorganisation Dignitas in der Schweiz hat seit ihrem Bestehen rund 900 Deutschen beim Sterben geholfen. Kann man das ein würdevolles Sterben nennen, wenn man für das Absterben ins Ausland fahren und dazu auch noch rund 10.500€ zahlen muss? Ein würdevolles Sterben sieht sicher anders aus.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in die Materie
B. Begriff der Sterbehilfe
I. Aktive Sterbehilfe
II. Indirekte Sterbehilfe
III. Passive Sterbehilfe
IV. Beihilfe
C. Ärztliches Berufsrecht
I. Der medizinische Standard
1. Ärztliche Perspektive
2. Ökonomischer Standard
3. Ethik
4. Zusammenfassung
II. Leitlinien
1. Grundlagen des Berufsrechts
2. Aufgaben des Arztes
III. Sterbehilfe in der MBO
IV. Regelungen im BGB
V. Zivilrechtliche Haftung
1. §§ 280, 630a BGB
2. § 823 I BGB
3. Rechtsfolgen
D. Die Sterbehilfe im strafrechtlichen Kontext
I. Passive Sterbehilfe
1. Lehre vom Energieaufwand
2. Normative Betrachtung
3. Lehre vom Behandlungsabbruch
II. Indirekte Sterbehilfe
1. Tatbestand des § 216 StGB
2. Strafbarkeit
III. Beihilfe zum Suizid, § 27 StGB
IV. Geschäftsmäßige Tötung, § 217 StGB
1. Rückblick
2. Tatbestand
3. Gründe
4. Reaktionen
V. Unterlassene Hilfeleistung
1. Gem. § 323c StGB
2. § 13 StGB
VI. Zusammenfassung
E. Rechtliche Konsequenzen
I. Berufsrechtliche Folgen
II. Medizinstrafrecht
F. Ausblick
I. Gesetzesentwurf
II. Palliativmedizin
III. Sterbehilfeorganisation
G. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe in Deutschland mit besonderem Fokus auf das ärztliche Berufsrecht und die strafrechtliche Verantwortlichkeit. Ziel ist es, die komplexen Haftungsrisiken für Ärzte im Kontext von Suizidbeihilfe und Sterbebegleitung zu analysieren und Möglichkeiten für ein würdevolles Sterben unter Berücksichtigung des Patientenwillens aufzuzeigen.
- Grundlagen und Formen der Sterbehilfe (aktiv, passiv, indirekt)
- Ärztliches Berufsrecht und medizinischer Standard
- Strafrechtliche Einordnung (Suizidbeihilfe, Tötung auf Verlangen, Unterlassene Hilfeleistung)
- Rechtliche Konsequenzen für Ärzte bei Sterbehilfeentscheidungen
- Zukünftige Perspektiven durch Palliativmedizin und potenzielle Gesetzesentwürfe
Auszug aus dem Buch
I. Aktive Sterbehilfe
Die aktive Sterbehilfe ist die unzulässige und strafbare Verkürzung eines Lebens durch aktive Einflussnahme auf den Sterbeprozess. Sie stellt eine gezielte Lebensbeendigung dar und ist gem. §§ 212, 216, 13 StGB strafbar, auch wenn sie auf Verlangen des Getöteten erfolgt. Die aktive Sterbehilfe zielt primär nicht auf die Linderung der Schmerzen ab, sondern erlöst den leidenden Patienten von seinen Schmerzen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in die Materie: Das Kapitel beleuchtet die zunehmende Relevanz der Sterbehilfe und stellt die Ausgangslage sowie das Ziel der Arbeit dar, das Spannungsfeld zwischen würdevollem Sterben und rechtlichen Risiken aufzuzeigen.
B. Begriff der Sterbehilfe: Hier werden die verschiedenen Kategorien der Sterbehilfe definiert und voneinander abgegrenzt, um eine gemeinsame begriffliche Grundlage für die rechtliche Analyse zu schaffen.
C. Ärztliches Berufsrecht: Dieses Kapitel analysiert, wie ärztliche Standards, Leitlinien und ethische Vorgaben wie der hippokratische Eid das Handeln bei der Sterbebegleitung beeinflussen.
D. Die Sterbehilfe im strafrechtlichen Kontext: Der Fokus liegt hier auf der strafrechtlichen Einordnung von Behandlungsabbruch, Suizidbeihilfe und der Tötung auf Verlangen unter Berücksichtigung aktueller BGH-Rechtsprechung.
E. Rechtliche Konsequenzen: Hier werden die potenziellen berufsrechtlichen Sanktionen, wie der Approbationsentzug, sowie die medizinstrafrechtlichen Risiken für Ärzte detailliert erörtert.
F. Ausblick: Dieses Kapitel diskutiert Ansätze zur zukünftigen Neuregelung der Sterbehilfe, einschließlich der Rolle der Palliativmedizin und notwendiger gesetzgeberischer Maßnahmen.
G. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Rechtslage und plädiert für eine einheitliche, gesetzlich geregelte Lösung, die den Patientenwillen in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Suizidbeihilfe, Behandlungsabbruch, ärztliches Berufsrecht, Palliativmedizin, Patientenverfügung, Strafrecht, § 216 StGB, § 217 StGB, informed consent, Selbstbestimmungsrecht, medizinischer Standard, Approbation, Sterbebegleitung, Euthanasie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtliche Situation der Sterbehilfe in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf das ärztliche Berufsrecht und die strafrechtlichen Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung der verschiedenen Sterbehilfeformen, das ärztliche Handeln im Kontext des Berufsrechts sowie die strafrechtliche Bewertung der Suizidassistenz und des Behandlungsabbruchs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Haftungsrisiken für Ärzte aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer klaren, einheitlichen gesetzlichen Regelung zu verdeutlichen, die das Selbstbestimmungsrecht des Patienten respektiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer rechtswissenschaftlichen Analysestrategie, die Gesetze, Berufsordnungen, aktuelle BGH-Rechtsprechung und Fachliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten juristischen Einordnung der Sterbehilfe im Zivil- und Strafrecht sowie den berufsrechtlichen Konsequenzen für die Ärzteschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Sterbehilfe, Suizidbeihilfe, ärztliches Berufsrecht, Patientenverfügung und Selbstbestimmungsrecht charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des § 217 StGB für die aktuelle Rechtslage?
Die Autorin betrachtet die Nichtigkeit des § 217 StGB als einen wichtigen Schritt zur Legalisierung der Sterbehilfe, kritisiert jedoch die damit einhergehende politische und ärztliche Unstimmigkeit.
Welche Bedeutung kommt der Palliativmedizin in diesem Kontext zu?
Die Palliativmedizin wird als wesentlicher Baustein gesehen, um das Leiden zu lindern und den Suizidwunsch durch eine würdevolle Sterbebegleitung zu minimieren.
- Arbeit zitieren
- Carolin Schulz (Autor:in), 2021, Sterbehilfe und Berufsrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214873