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Die Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich bis zum Versicherungsgesetz für Angestellte 1911

Probleme, Tendenzen und Orientierungen des Ethos der kaufmännischen Angestellten im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spektrum unter besonderer Berücksichtigung der Entfaltung der Gewerkschaften

Titel: Die Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich bis zum Versicherungsgesetz für Angestellte 1911

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 32 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Holger Skorupa (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Entwicklung der Angestelltenschaft in Deutschland ist seit jeher von großer Bedeutung und daher von erheblicher arbeitsrechtlicher Brisanz. Aufgrund der Komplexität der Entfaltung der unselbstständigen Erwerbstätigen seit der Frühphase des Zweiten Deutschen Kaiserreiches beschränkt sich ihre wissenschaftliche Aufarbeitung keineswegs auf einzelwissenschaftliche Veröffentlichungen, denn neben der soziologischen, nationalökonomischen Forschung findet die Entfaltung der unselbstständigen Erwerbstätigen auch in sozialhistorischer, arbeitsrechtlicher und sozialpolitischer Dimension, darüber hinaus in sozialreformerischen und politikwissenschaftlichen Studien wie auch der statistischen Auswertung Beachtung. Den hohen Stellenwert der Probleme, Tendenzen und Orientierungen von Beschäftigten mit angestellten Tätigkeitsbereichen beweist weiterhin die Heterogenität dieser Schicht in der keineswegs linear verlaufenden deutschen Geschichte seit den Anfängen der Angestelltenschaft im frühen 17. Jahrhundert.
Vor dem 19. Jahrhundert war eine umfassende Aufarbeitung der sozialen und betrieblichen Stellung sowie der historischen Entwicklung der Angestellten jedoch kaum möglich. In dieser Phase bestimmten vorrangig kommunale oder lokale Analysen die Ergebnisse wissenschaftlicher Publikationen. Noch für den Zeitraum der ersten Industrialisierungstendenzen bis zum Beginn der Hochphase der industriellen Verankerung in den 1860er und frühen 1870er Jahren sind kaum Forschungen vorhanden, sodass die historische, soziologische und auch eine arbeitsrechtliche Aufarbeitung der Angestelltengeschichte im vorindustriellen Zeitalter unzureichend blieb.
Die allgemeine Quellenlage verbesserte sich erst im späten 19. Jahrhundert. Die Gründe hierfür liegen in der Erstarkung der Verbände und Gewerkschaften sowie der qualitativen und quantitativen Steigerung betrieblicher Selbstzeugnisse und der Optimierung der dokumentarischen Archivierung , sodass der Zugang zu innerbetrieblichen Produktionsprozessen und Arbeitsabläufen zugunsten der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung erleichtert wurde. Dies mündete in einem Anstieg des Interesses der Einzelwissenschaften an der Erforschung des Status der Angestellten im Allgemeinen. Zu den ersten umfassenden sozialwissenschaftlichen Studien zählte die Forschungsarbeit von Bücher aus dem Jahre 1883 sowie im nationalökonomischen Spektrum die Veröffentlichung der Erkenntnisse Adlers anno 1891.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der wirtschaftliche und sozialstrukturelle Wandel seit der Reichsgründung als Einflussfaktor der Entwicklung der Angestelltenschaft

2.1 Deflation und erneuter Aufschwung

2.2 Die Metamorphose der Sozialstruktur – Die neue Dynamik der Gesellschaft

3. Die Charakteristika der kaufmännischen Angestelltenschaft

3.1 Vom Privatbeamten zum unselbstständigen Erwerbstätigen – Der Wandel der Tätigkeitsbereiche

3.2 Das Ethos und die Aufstiegschancen in den Betrieben vor dem Hintergrund der Ideologien der Angestellten

4. Die frühe Organisation der Angestelltenschaft

4.1 Die Entfaltung der ersten Verbände und Gewerkschaften

4.2 Das Versicherungsgesetz für Angestellte im Spektrum der Sozialgesetzgebung – Kompromiss und Sonderweg

5. Schlussteil – Ergebnisse der Betrachtungen und Ausblicke auf die künftige Forschungsarbeit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich bis zur Verabschiedung des Versicherungsgesetzes für Angestellte (AVG) im Jahr 1911. Ziel ist es, die sozioökonomischen Bedingungen, den Einfluss des industriellen Wandels und die Rolle der neu entstehenden gewerkschaftlichen Organisationen zu analysieren, um das spezifische Berufsethos und die politische Orientierung dieser Schicht im Spannungsfeld zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum zu verstehen.

  • Sozioökonomische Faktoren und Industrialisierung als Treiber der Angestelltenentwicklung.
  • Strukturwandel der Gesellschaft und die Entstehung neuer sozialer Gruppen im Mittelstand.
  • Rolle des Berufsethos und die Abgrenzung der Angestellten gegenüber der Arbeiterschaft.
  • Entwicklung gewerkschaftlicher Organisationen und deren Einfluss auf die Interessenvertretung.
  • Bedeutung und politische Intention des Versicherungsgesetzes für Angestellte (AVG) von 1911.

Auszug aus dem Buch

3.1 Vom Privatbeamten zum unselbstständigen Erwerbstätigen – Der Wandel der Tätigkeitsbereiche

Das Deutsche Kaiserreich stand noch bis zu seiner Gründung und darüber hinaus bis in die frühen 1890er Jahre in der Tradition eines Agrarstaates und lag bezüglich der Produktion industrieller Güter, dem Außenhandelsvolumen sowie der Ausprägung von kapitalkräftigen Unternehmen gegenüber in diesem Zeitraum weiter entwickelten Nationen – vor allem Großbritannien – in Rückstand. Aufgrund dieser Tatsache war die Zahl der unselbstständigen Erwerbstätigen eher gering. Mit der sich auch im Deutschen Kaiserreich durchsetzenden Industrialisierung wurden die unselbstständigen Erwerbstätigen zunächst aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen als Privatbeamte charakterisiert. In ideologischer Dimension fassten sich die Beschäftigten mit angestellten Tätigkeitsbereichen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Diener am Unternehmen auf und somit als betriebliches Pendant zu den Reichsbeamten als Diener des Staates.

Im Gegensatz zur Problematik der betrieblichen Stellung der unselbstständigen Erwerbstätigen existierte bereits vor der Entfaltung der Angestelltenschaft seit den 1870er Jahren eine vertikale Hierarchie innerhalb jener Berufe, die als angestellte Tätigkeiten galten. Danach waren die Complementarii, d.h. die Generalhandlungsbevollmächtigten bzw. Prokuristen, die Leitungselite der Angestellten. Ihnen standen die Factores als auswärtige Vertreter der Unternehmen sowie die Reisediener, deren Aufgabe die Aufrechterhaltung der Kommunikation mit Geschäftskunden und Handelspartnern darstellte, nach. Buchhalter und Kontoristen als Bilanzierungsorganisatoren folgten in der traditionellen Struktur, an deren Ende die Ladendiener als niedrigste Anstellungsart standen. Letztgenannte wurden zumeist mit einfachen Tätigkeiten, vor allem mit Lager- und Reinigungsarbeiten, betraut. Die strikte Aufgabenverteilung führte im Spektrum innerbetrieblicher wie gesellschaftlicher Anerkennung zu erheblichen Statusunterschieden, die sich explizit in der sozialstrukturellen Stellung der unselbstständigen Erwerbstätigen äußerte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Bedeutung der Angestelltenschaft in der deutschen Sozialgeschichte und legt die methodologische Vorgehensweise sowie den zeitlichen Rahmen der Studie fest.

2. Der wirtschaftliche und sozialstrukturelle Wandel seit der Reichsgründung als Einflussfaktor der Entwicklung der Angestelltenschaft: Das Kapitel beleuchtet den ökonomischen Aufschwung nach der Reichsgründung und analysiert, wie dieser den sozioökonomischen Wandel und die Verschiebung der Sozialstruktur vorantrieb.

3. Die Charakteristika der kaufmännischen Angestelltenschaft: Es wird der Wandel der Tätigkeitsbereiche vom "Privatbeamten" zum unselbstständigen Erwerbstätigen sowie das sich entwickelnde Berufsethos unter dem Einfluss der Industrialisierung beschrieben.

4. Die frühe Organisation der Angestelltenschaft: Hier stehen die Entstehung der ersten Verbände und die Ratifizierung des Versicherungsgesetzes für Angestellte (AVG) als Ausdruck eines sozialpolitischen Kompromisses im Fokus.

5. Schlussteil – Ergebnisse der Betrachtungen und Ausblicke auf die künftige Forschungsarbeit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass eine homogene Klassifizierung der Angestelltenschaft aufgrund ihrer vielfältigen Interessen nicht möglich war.

Schlüsselwörter

Angestelltenschaft, Deutsches Kaiserreich, Industrialisierung, Sozialstruktur, Versicherungsgesetz für Angestellte, AVG, Gewerkschaften, Berufsethos, Mittelschicht, Sozialpolitik, Wirtschaftsgeschichte, Interessenvertretung, Privatangestellte, Sozialgeschichte, Arbeiterschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich zwischen 1871 und 1911, wobei besonders der Wandel der sozialen und betrieblichen Stellung beleuchtet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen sind der ökonomische Strukturwandel, die Entstehung einer neuen Mittelschicht, das spezifische Berufsethos der kaufmännischen Angestellten sowie deren organisatorische Entwicklung in Verbänden und Gewerkschaften.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, warum und wie die Angestelltenschaft trotz ihrer internen Heterogenität zu einem bedeutenden politischen Faktor wurde und welche Rolle dabei die staatliche Sozialpolitik und die Abgrenzung gegenüber der Arbeiterschaft spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-soziologische Analyse, die wirtschaftsgeschichtliche Daten, sozialpolitische Gesetzgebungsprozesse und zeitgenössische Studien sowie betriebliche Organisationsformen auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der wirtschaftliche Wandel seit der Reichsgründung, die soziologische Charakterisierung der kaufmännischen Angestellten sowie die Entwicklung der frühen Organisationen bis zum Versicherungsgesetz von 1911 detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Angestelltenschaft, Deutsches Kaiserreich, Industrialisierung, Sozialstruktur, Versicherungsgesetz (AVG), Gewerkschaften und Berufsethos.

Welche Bedeutung kommt dem Versicherungsgesetz für Angestellte (AVG) von 1911 zu?

Das AVG legitimierte die Sonderrolle der Angestellten gegenüber den Arbeitern, konnte jedoch den Wunsch nach einer einheitlichen Klärung des Angestelltenstatus nicht vollständig erfüllen und führte zu weiteren Spannungen innerhalb der Organisationen.

Warum war die Angestelltenschaft keine homogene Gruppe?

Aufgrund von Unterschieden in Qualifikation, Einkommen, regionaler Herkunft sowie der divergenten Interessen zwischen kaufmännischen und technischen Angestellten entwickelte sich die Schicht als heterogenes Subjekt mit verschiedenen politischen Ausrichtungen.

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Details

Titel
Die Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich bis zum Versicherungsgesetz für Angestellte 1911
Untertitel
Probleme, Tendenzen und Orientierungen des Ethos der kaufmännischen Angestellten im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spektrum unter besonderer Berücksichtigung der Entfaltung der Gewerkschaften
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fakultaet fuer Geistes- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland 1870 bis 1914
Note
1,0
Autor
Holger Skorupa (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
32
Katalognummer
V121530
ISBN (eBook)
9783640263004
ISBN (Buch)
9783640263028
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung Angestelltenschaft Deutschen Kaiserreich Versicherungsgesetz Angestellte Wirtschaft Gesellschaft Deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Holger Skorupa (Autor:in), 2008, Die Entwicklung der Angestelltenschaft im Deutschen Kaiserreich bis zum Versicherungsgesetz für Angestellte 1911, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121530
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Leseprobe aus  32  Seiten
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