Millennium Village Projekt

Schnellstraße zur Erreichung der MDG?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

24 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Aufbau
1.3. Forschungsstand

2. Millennium Development Goals

3. Millennium Villages

4. Sauri, Kenia
4.1. Ausgangslage
4.2. Maßnahmen
4.3. Situation 2007

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

7. Anhang

1. Einleitung

1.1. Fragestellung

60 Jahren und 500 Milliarden Euro Entwicklungshilfe für Afrika später, ohne das sichtbare Erfolge erzielt wurden[1], setzte sich die Weltgemeinschaft erstmalig umfassend das Ziel der Armutsbekämpfung. Auf Basis der Millenniumserklärung [2] vom 8. November 2000 der Vereinten Nationen (VN) „wurde ein Katalog von acht übergeordneten Zielgrößen für soziale Entwicklung, ökologische Nachhaltigkeit und weltweite Solidarität definiert“[3]. Im Jahr „2002 haben die G8-Staaten auf ihrem Gipfel im kanadischen Kananaskis gemeinsam mit den afrikanischen Partnern den G8-Afrika-Aktionsplan vereinbart“[4] und es folgten viele weiter Beschlüsse und Aktionspläne, bis man auf dem Weltgipfel 2005 diese Millennium-Entwicklungsziele (MDG) bestärkte und weiterentwickelte.[5]

Umfangreiche Studien und Modelle wurden in Auftrag gegeben, um diese Ziele von wissenschaftlicher Seite mit Handlungsempfehlungen zu untermauern. Aus finanzieller Sicht hat sich bis heute nahezu nichts geändert. „Seit 37 Jahren [wird] versprochen, dass wir [die Regierungen der Industrieländer, Anm. d. Verf.] unsere Zahlungen auf 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung steigern.“[6] Der Durchschnitt der Geberländer leistete 2004 nur 0,33

Prozent der Wirtschaftsleistung als öffentliche Entwicklungshilfe (ODA).[7]

Diese Situation und die voranschreitende Zeit veranlasste den Generalsekretär der VN, ein Team unter Leitung von Jeffrey Sachs zu beauftragen ein Modell zur Erreichung der MDG zu entwickeln. Dieses Modell der Millennium Villages hat das Ziel zu zeigen das die MDG innerhalb kurzer Zeit mit dem geforderten Mittelaufwand von 0,7 % ODA erreicht werden können. Die Frage, ob die Millennium Villages Initiative der Vereinten Nationen, unter Mitarbeit verschiedener anderer Institutionen und privater Spenden, positiv zur Erreichung der Millennium Development Ziele beitragen kann oder nicht, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

1.2. Aufbau

Im zweiten Kapitel werden die MDG kurz aufgeführt und erläutert, ehe dann im dritten Kapitel die Beschreibung des MVP folgt. Dieses Projekt wird im Kapitel vier am ersten Millennium Village, Sauri, genauer unter die Lupe genommen. Es soll aufgezeigt werden, was unternommen wurde und wird und wie sich diese Maßnahmen auf die Lebenssituation der Bevölkerung auswirken. Die oben aufgeworfene Frage, ob die MVP der MDG Erreichung zuträglich sind, soll in der Schlussbetrachtung eine kurze zusammenfassende Beantwortung erhalten.

1.3. Forschungsstand

Die offiziellen Dokumente der VN, vor allem die Millenniumserklärung[8] und der Millennium +5-Bericht[9], bilden die Basis des Kapitels 2. Die Einmaligkeit der MDG und ihr umfangreiches Ansinnen veranlassten viele Autoren sich mit diesem Gebiet auseinander zu setzen, wie z.B. F. Nuscheler in dem Band Entwicklungspolitik.[10]

Für die Millennium Villages und das konkrete Beispiel, Sauri in Kenia, bilden die Dokumente des Earth Institute der Columbia University sowie die Berichte des Millennium Promise und des United Nations Development Programms (UNDP) die Basis. In der Literatur findet sich zu diesem Projekt bisher recht wenig. In einigen Zeitungen, wie z.B. der Zeit, New York Times und dem Abendblatt, erschienen Artikel und Interviews v.a. zu Sauri als erstes Dorf des Millennium Village Projekt (MVP) und dem Projekt selbst. Nächstes Jahr beginnt die zweite Phase für die ersten Dörfer, ab der sie unabhängig von externer Hilfe werden sollen. Dies wird sich sicherlich mit vermehrten Publikationen in der

Fachpresse und Zeitungen zu diesem Thema, den Erfolgen und Aussichten zeigen.

2. Millennium Development Goals

Am 8. November 2000 verabschiedeten 189 Mitgliedsstaaten der VN die Millenniums Erklärung.[11] „Dabei verpflichteten sie sich, alles daran zu setzten, das Recht auf Entwicklung zu verwirklichen, die extreme Armut zu beseitigen, den Umgang mit der Natur nachhaltig zu gestalten, die Demokratie zu fördern, die Rechtsstaatlichkeit und international anerkannte Menschenrechte zu stärken […].“[12] Mitarbeiter von Weltbank, OECD, VN und verschiedenen internationalen Organisationen erarbeiteten im darauf folgenden Jahr die MDG.[13] Am 06. September 2001 nahm die Generalversammlung in ihrer 56. Sitzung diese MDG zur Kenntnis[14] und bekräftigte sie in ihrer Abschlusserklärung des Millennium +5 Gipfels 2005 in New York.[15]

Die acht MDGs setzten sich aus 18 Teilziele und insgesamt 48 Indikatoren (vgl. Tabelle 1) zur Überprüfung ihrer Umsetzung zusammen.[16] Diese Ziele sind im Einzelnen die Beseitigung der extremen Armut, die Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung, Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frauen. Die Ziele vier bis sechs betreffen die Senkung der Kindersterblichkeit, Verbesserung der Gesundheit der Mütter, die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Infektionskrankheiten. Des Weiteren hat man sich die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und den Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft zum Ziel gesetzt.[17] Erstmals wurden nicht nur ökonomische Nachteile als Entwicklungshemmnis gesehen, „sondern umfassender der Mangel an Chancen und Möglichkeiten.“ [18] Bis 2015, so das Ziel, sollen alle acht MDGs, gemessen an ihren Indikatoren erreicht und so die

„Zahl der in absoluter Armut lebender Menschen […] halbiert werden“.[19] Dieses unter

MDG eins formulierte Ziel stellt eine ebenso große Herausforderung dar, wie die anderen sieben. In Zahlen heißt das konkret, dass „die Zahl der extrem Armen von 1,3 Mrd. im Jahr 1990 bis auf 650 Mio im Jahr 2015“ [20] zu senken ist. Die Festlegung, wer als extrem Arm gilt oder nicht, wird mittels der simplen und leicht zu handhabenden Definition der Weltbank bzgl. des Pro-Kopf-Einkommens gemessen in Kaufkraftparität (PPP) vorgenommen. Wer von weniger als $1/Tag PPP leben muss, gilt als extrem arm, wer von weniger als $2/ Tag PPP leben muss, als arm. Andere Ziele und Teilziele der MDG sind dagegen weniger leicht zu messen, wie die Tabelle 1 im Anhang zeigt. Es wird im Gegenteil erkennbar, dass einige Ziele, wie z.B. das Ziel acht, der Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft, aus mehreren Gründen schwer messbar sind. Zum einen sind die Indikatoren weniger präzise definiert und zum anderen verlangen diese Indikatoren bzw. Teilziele, dass die Industrieländer eigene Vorteile zugunsten der Entwicklungsländer aufgeben und nicht ausschließlich mit finanzieller und technischer Unterstützung Entwicklungszusammenarbeit leisten.

„Die Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele wird eine globale Partnerschaft erfordern, die den Anforderungen einer eng miteinander verflochtenen Welt gerecht wird“[21], stellte 2005 Jeffrey Sachs im Bericht des Millennium-Projekts der VN fest. In diesem am 17. Januar 2005 dem VN-Generalsekretär Kofi Annan vorgelegtem Bericht bemängelt J. Sachs des Weiteren, dass „Im Allgemeinen […] die VN-Fachorganisationen vor Ort nicht darauf eingestellt [sind], den Ländern bei der großflächigen Umsetzung nationaler Programme behilflich zu sein.“[22] Schlussfolgernd aus diesen Erkenntnissen riefen das Earth Institute der Columbia Universität, die Millennium Promise Alliance und das UNDP in Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Entwicklungspartnern unter Führung von J. Sachs das Millennium Villages Project (MVP) ins Leben mit dem Ziel binnen 10 Jahre die MDG im lokalen Bereich zu erfüllen.

3. Millennium Villages

Das Konzept des MVP sieht vor, dass binnen fünf Jahre die extreme Armut beseitigt und binnen zehn Jahre die selbstständige Überlebensfähigkeit für die Dörfer erreicht wird.[23]

Möglich werden soll dies durch die Zusammenarbeit von Regierung, Einwohnern und Fachleuten von UNDP, Earth Institute[24] u.a. an diesem, alle Bereiche umfassenden und integrierenden Projekt.[25] Mit Hilfe neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse erarbeitet das Projektpersonal mit den Dorfbewohnern einen auf die Bedürfnisse des Dorfes zugeschnitten Plan, wie die MGD erreicht werden können. In fünf Jahren soll durch einfache Mittel, wie den Einsatz von Hochertragssaatgut, Düngemittel, gegen Malaria imprägnierte Moskitonetze, Medikamente, aber auch durch die Baumaterialbereitstellung für Schulen und Arztstationen, die Situation für die Bevölkerung drastisch verbessert werden.[26]

Kalkuliert wird für die Finanzierung des MVP mit $110/Person und Jahr über diesen fünfjahres Zeitraum.[27] Tabelle 2 im Anhang zeigt die Mittelherkunft und -verwendung aufgeschlüsselt für eine Person und für das Dorf. Es wird deutlich, dass sowohl die Regierung als auch die geförderte Bevölkerung einen Teil der Finanzierung tragen sollen, es sich also nicht um ein vollkommen extern gesponsertes Projekt handelt. Die Erbringung des jeweiligen finanziellen Beitrags ist in Geldwert sowie in Form von Sachmitteln, möglich.[28] Dieser Ownership-Ansatz verbunden mit dem Einbinden der Bevölkerung in die Projektarbeit, erhöht die Eigeninitiative der Bevölkerung und sichert die Nachhaltigkeit der Investitionen.[29] Investiert wird nicht nur in Landwirtschaft und Umwelt, Ernährung und Gesundheit, sondern auch in die lokale Infrastruktur und Energieerzeugung, sowie

Bildung auf lokaler Ebene.[30]

[...]


[1] vgl. Der Tagesspiegel: „In zehn Jahren müsste Afrika nicht mehr arm sein“. Interview mit Jeffrey Sachs; in http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag-Afrika;art2566,1896655 vom 08.02.2008.

[2] vgl. United Nations/ General Assembly: United Nations Millennium Declaration, vom 08.09.2000, New York (A/RES/

55/2); in: http://www.un.org/millennium/declaration/ares552e.pdf vom 08.02.2008.

[3] Debiel, Tobias/ Messner, Dirk/ Nuscheler, Franz(Hrsg.): Globale Trends 2007. Frieden Entwicklung Umwelt, Bonn

2006. S. 162.

[4] Die Bundesregierung: Die Umsetzung des G8-Afrika-Aktionsplans. Bericht zum G8-Gipfel in Gleneagles vom 6.-8. Juli 2005; Rostock 2005. S. 7.

[5] vgl. United Nations: The 2005 World Summit: An Overview; in http://www.un.org/ga/documents/overview2005summit.pdf vom 06.02.2008.

[6] vgl. Der Tagesspiegel: „In zehn Jahren müsste Afrika nicht mehr arm sein“. Interview mit Jeffrey Sachs; in http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag-Afrika;art2566,1896655 vom 08.02.2008.

[7] vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Medienhandbuch Entwicklungspolitik

2006/2007, Berlin 2006. S. 425.

[8] vgl. United Nations/ General Assembly: United Nations Millennium Declaration, vom 08.09.2000, New York (A/RES/

55/2); in: http://www.un.org/millennium/declaration/ares552e.pdf vom 08.02.2008.

[9] vgl. United Nations/ General Assembly: Revised draft outcome document of the High-level Plenary Meeting of the

General Assembly of September 2005; in http://www.un.org/ga/59/hlpm_rev.2.pdf vom 06.02.2008

[10] Nuscheler, Franz: Entwicklungspolitik, 5. Auflage, Bonn 2006.

[11] vgl. United Nations/ General Assembly: United Nations Millennium Declaration, vom 08.09.2000, New York (A/RES/ 55/2); in: http://www.un.org/millennium/declaration/ares552e.pdf vom 08.02.2008.

[12] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Medienhandbuch Entwicklungspolitik 2006/2007, Berlin 2006. S. 172.

[13] Loewe, Markus: Die Millennium Development Goals: Hintergrund, Bedeutung und Bewertung aus Sicht der deut- schen Entwicklungszusammenarbeit, Bonn 2005. S. 1.

[14] vgl. United Nations/ General Assembly: Road Map towards the implementation of the United Nations Millennium Declaration: Report of the Secretary-General, vom 06. 09.2001, New York (A/56/326); in: http://www.un.org/millenniumgoals/sgreport2001.pdf?OpenElement vom: 06.02.2008.

[15] vgl. United Nations: The 2005 World Summit: An Overview; in http://www.un.org/ga/documents/overview2005summit.pdf vom 06.02.2008. S.3.

[16] vgl. Nuscheler, Franz: Entwicklungspolitik, 5. Auflage, Bonn 2006. S. 575.

[17] vgl. Nuscheler, Franz: Entwicklungspolitik, 5. Auflage, Bonn 2006. S. 576.

[18] Nuscheler, Franz: Entwicklungspolitik, 5. Auflage, Bonn 2006. S. 577.

[19] Ferdowsi, Mir A.: Weltprobleme, 6. Vollständig überarbeitete Auflage, Bonn 2007. S. 223.

[20] Ferdowsi, Mir A.: Weltprobleme, 6. Vollständig überarbeitete Auflage, Bonn 2007. S. 227.

[21] Sachs, Jeffrey D.: In Entwicklung investieren. Ein praktischer Plan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungszie- le, New York 2005; inhttp://www.unmillenniumproject.org/documents/germanoverview.pdf vom 06.02.2008. S. 1.

[22] Sachs, Jeffrey D.: In Entwicklung investieren. Ein praktischer Plan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungszie- le, New York 2005; inhttp://www.unmillenniumproject.org/documents/germanoverview.pdf vom 06.02.2008. S. 48.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Millennium Village Projekt
Untertitel
Schnellstraße zur Erreichung der MDG?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Internationale Politik)
Veranstaltung
Entwicklungspolitik
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V121532
ISBN (eBook)
9783640263073
ISBN (Buch)
9783640267590
Dateigröße
1586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Millennium, Village, Projekt, Entwicklungspolitik
Arbeit zitieren
Hendryk Zihang (Autor), 2008, Millennium Village Projekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121532

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