Richard von Weizsäckers Rede "Zum Gedenktag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa"


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kernaussagen der Rede

3. Analyse der sprachlichen Auffälligkeiten und deren Wirkung

4. Analyse der Redeweise und der Körpersprache des Redners

5. Erinnerungskultur

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Ungefähr einen Monat ist es her, dass 76 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz hinter uns liegen. Am 27.01.1945 wurde das Konzentrationslager in Ausschwitz von der Roten Armee befreit. Schon damals in der Schule habe ich mich aufgrund des 70. Jahrestages mit dem Thema Befreiung Ausschwitz befasst. Im Rahmen diesen Inputs wurde immer wieder über die Erinnerungskultur in Deutschland gesprochen. Ein Aspekt fiel dabei oft: Richard von Weizsäcker und seine Rede: „Zum Gedenktag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa.“1. Demnach habe ich mir die Aufgabe gesetzt, mich aufgrund der Hausarbeit, mit dieser Rede Richard von Weizsäckers zu befassen. Folglich habe ich das Thema gewählt: „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Zwei­ten Weltkrieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ - Rede Richard von Weizsäcker zum Gedenktag des 08.05.1985 mit dem Fokus auf die stilistische Analyse und die Wirkung der verwendeten sprachlichen Mittel. Am 08.05.1985 hielt Richard von Weizsäcker als Bundespräsident der BRD im Plenarsaal die Rede vor dem Deutschen Bundes­tag in Bonn. Im Rahmen der Rhetorikseminars führe ich eine Analyse der Redekunst Weizsäckers durch. Aufgrund des Einflusses des Seminars lege ich meinen Fokus auf die sti­listische Analyse und die Untersuchung der Redeweise Weizsäckers. Eine Zusammentragung der Kernaussagen folgt im Vorhinein. Mit meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit Richard von Weizsäcker seine Intentionen durch sprachliche Mittel untermauert hat. Auch möchte ich beleuchten, inwiefern es von Weizsäcker möglich ist, die eigenen Aussagen durch die Art und Weise seiner Redekunst zu unterstützen. Demnach stelle ich die Hypothese auf, dass Richard von Weizsäcker durch das Einsetzen rhetorischer Fähigkeiten, den Aussagen der Rede mehr Nachdruck verleihen würde. Ich habe mich dazu entschlossen, den Hauptteil meiner Hausarbeit in vier Unterpunkte zu gliedern, da ich denke, dass es wichtig ist, erst einmal die Kernaussagen der Rede zu verstehen, um im Nachhinein auch die sprachliche Analyse nach­vollziehen zu können. Mit der Analyse der Redeweise wollte ich zudem schauen, ob es von Weizsäcker schafft diese sinnvoll und präsent einzusetzen. Am Ende meines Hauptteils gehe ich kurz auf die Erinnerungskultur und die vorherigen Geschehnisse ein, weshalb von Weizsäcker schlussendlich die Rede vor dem Deutschen Bundestag gehalten hat. Dazu habe ich mich entschlossen, um den Hintergrund der Rede ebenfalls zu erfahren. Im Rahmen des Fazits trage ich meine Erkenntnisse zusammen und beantworte die Forschungsfragen, sowie die Hypothese.

2. Kernaussagen der Rede:

Richard von Weizsäcker spricht in seiner Rede vom 08.05.1985 in Bonn rückblickend über die Zeit von 1933 bis 1945. Er spricht sich dafür aus, den Tag des 08.05.1945 und auch die Zeit während des Nationalsozialismus, beginnend ab dem 31.01.1933, nicht als Tag des Vergessens und der Vergangenheit zu betrachten, sondern sich damit auseinanderzusetzen, welches Leid in dieser Zeit Menschen zugefügt wurde2. Zudem sagt er, dass der 08.05.1945 kein Tag sein sollte, an dem die Deutschen feiern, dass der Krieg ein Ende hat, denn das stehe ihnen nicht zu3. Von Weizsäcker gibt zu verstehen, dass es wichtig ist, das Geschehene zu reflektieren und sich eben realistisch damit auseinanderzusetzen, welche Auswirkungen die nationalsozialistische Ge­waltherrschaft gehabt hat4. Zudem sagt er, dass „[...] Der 8. Mai [...] ein Tag der Befreiung [war].“5. Diese Bedeutung gibt er dem 08.05.1945, indem er sagt, dass er eine Befreiung von dem nationalsozialistischen und gewaltreichen NS-Regime war6. Von Weizsäcker gibt zu ver­stehen, dass der 08.05.1945 und der 31.01.1933 nicht voneinander zu trennen seien und man demnach nicht ausschließlich dem 08.05.1945 die Schuld geben darf, für das Leid, welches Menschen nach dem Krieg widerfahren ist. Ebenfalls erkennt er, dass man sich nicht hinter Ahnungslosigkeit oder vermeintlicher Unwissenheit verstecken solle und sich somit seiner Schuld an den Folgen des NS-Regimes entzieht. Die Frage nach der Schuld beantwortet von Weizsäcker mit der Aufforderung zur Selbstreflexion, indem er von einer individuellen Schuld spricht. Er spricht sich dafür aus, den Dingen realistisch ins Auge zu sehen und sich nicht vor­rangig mit der Schuldfrage zu beschäftigen, sondern seine Zeit nutzen, zu reflektieren, damit solche Geschehnisse nie wieder passieren. Zudem erkennt von Weizsäcker, dass eine Aussöh­nung nur möglich sei, indem man sich der Vergangenheit bekennt, sich erinnert und sich davor nicht verschließt, erst dann ist es auch möglich, dass man radikale Tendenzen früh genug er­kennen kann.7 Hierdurch wird erkenntlich, warum er den Tag des 08.05.1945 auch als „[.] Tag der Erinnerung.“8 ansieht. Er gibt zu verstehen, dass man sich nur mit den Menschen ver­söhnen kann, die unter der Vergangenheit gelitten haben und dies immer noch tun, wenn man sich daran erinnert, was passiert war und ihnen so die Anerkennung gibt, die sie verdient haben.9 Auch gibt von Weizsäcker zu verstehen, dass es keine „[...] AStunde NullA [.]“10 gab. Hiermit wird klar, dass eine vollkommene Zerschlagung mit dem AAltenA nicht möglich sei. Von Weizsäcker erkennt, dass trotz der Teilung Deutschlands, die Deutschen dieselbe Vergangen­heit haben und demnach auch beide Staaten daran beteiligt sind, dass Frieden gewahrt wird11. Dies erläutert er mit dem Zitat: „Nicht ein Europa der Mauern kann sich über Grenzen hinweg versöhnen, sondern ein Kontinent, der seinen Grenzen das Trennende nimmt.“12. Er erkennt, dass vor allem die jungen Menschen für die Gegenwart und Zukunft verantwortlich seien. Dem­nach lastet auf ihren Schultern die Verantwortung für den Umgang der NS-Vergangenheit im Sinne der Erinnerungskultur.13 Der Frieden kann immer gefährdet sein, wenn man sich von friedensgefährdenden Radikalen nicht distanziert. Abschließend appelliert von Weizsäcker an die junge Generation, indem er ihnen zu verstehen gibt, dass sie sich nicht von Fremdenfeind­lichkeiten beeinflussen lassen sollen.14

3. Analyse der sprachlichen Auffälligkeiten und deren Wirkung:

Im Rahmen der Analyse gehe ich auch auf die signifikantesten Stilmittel ein. Direkt im ersten Kapitel wir deutlich, dass von Weizsäcker sehr häufig Personalpronomen wie etwa „Wir [...].“15, dieses wird insgesamt im ersten Kapitel elfmal verwendet und „[...] uns [...].“16 sie­benmal. Hierbei zeigt er, dass er die Rede nicht nur an die deutschen Bürger richtet, sondern sich folglich auch mit einbezieht und dadurch ein Wir-Gefühl vermittelt. Dieses Wir-Gefühl bewirkt generell, dass sich jeder miteinbezogen fühlen sollte und keiner außen vor bleibt. Von Weizsäcker gibt mit diesem sprachlichen Mittel zu verstehen, dass er sich selbst Anicht eine Stufe höher siehtA und sich somit abgrenzt von den Bürgern. Er bleibt bürgernah und ver­schmäht sich selbst nicht vor Kritik. Dies wird auch deutlich durch die Aussage „Wir Deutsche [.].“17, auch hier stellt er sich auf dieselbe Stufe wie alle anderen Deutschen auch. Die Auf­merksamkeit der Adressaten erweckt von Weizsäcker ebenfalls durch die Aussage „Wir Deut­schen [.].“18. Auch hierdurch wird eine Fokussierung der Adressaten auf den Redner erweckt. Geprägt ist Kapitel eins auch durch einige Antithesen, wie etwa „Sieg oder Niederlage [.].“19. Aber auch im Zusammenhang mit der Feststellung: „Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos.“20.

[...]


1 von Weizsäcker: Rede zum 40. Jahrestages der Beendigung des Krieges in Europa, Titel

2 Vgl. von Weizsäcker: Rede zum 40. Jahrestages der Beendigung des Krieges in Europa, Z:13-14

3 Vgl. ebd., Z:18

4 Vgl. ebd., Z:57-60

5 Ebd., Z:42-43

6 Vgl. ebd., Z:42-45

7 Vgl. ebd., Z:129-173

8 Ebd., Z:57

9 Vgl. ebd., Z:174-193

10 Ebd., Z:376-377

11 Vgl. ebd., Z:451-466

12 Ebd., Z:467-469

13 Vgl. ebd., Z:499-502

14 Vgl. ebd., Z:525-533

15 Ebd., Z:8

16 Ebd., Z:8

17 Ebd., Z:8

18 Ebd., Z:8

19 Ebd., Z:3

20 Ebd., Z:20-21

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Richard von Weizsäckers Rede "Zum Gedenktag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa"
Note
1.7
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1215479
ISBN (eBook)
9783346644725
ISBN (Buch)
9783346644732
Sprache
Deutsch
Schlagworte
richard, weizsäckers, rede, gedenktag, plenarsaal, deutschen, bundestages, jahrestages, endes, zweiten, weltkrieges, europa
Arbeit zitieren
Elisabeth Leddin (Autor:in), 2021, Richard von Weizsäckers Rede "Zum Gedenktag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215479

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