Dem postmodernen Film fehle jegliches Potenzial an gesellschaftlicher Kritik und Aufklärung, sie vermittle eine gleichgültige Passivität. Die aktuellen sozialen und politischen Themen würden außer Acht gelassen werden und die Inhalte seien belanglos. Mit ähnlichen Worten beschreibt Eder die Vorwürfe mehrerer Kritiker der filmischen Postmoderne. Aber was ist der sogenannte Postmoderne Film überhaupt? Viele Autoren nutzen diesen Begriff und genauso viele versuchen ihn zu erklären und doch scheint es keine ganz klare Definition oder Einigkeit zu geben. Der Begriff hat sich trotz dessen etabliert und wird mit zentralen Merkmalen, wie Intertextualität, Spektakularität und Ästhetisierung, Selbstreferentialität, Anti-Konventionalität und dekonstruktiven Erzählverfahren, beschrieben. Viele Filme der Postmoderne zeigen diese Merkmale und entsprechen trotzdem nicht der Kritik, soziale und politische Themen gingen verloren.
Im Folgenden soll es um den Film "Skyfall" von Sam Mendes aus der James Bond-Reihe gehen, der zu den postmodernen Filmen gezählt wird und sich bei genauer Betrachtung keines Falls dieser Kritik zuordnen lässt.
Dieser James Bond-Film ist zwar nicht der Erste aus der 007-Reihe, der sich mit Themen der jeweiligen Zeit beschäftigt – denn das haben sie fast alle – "Skyfall"“ ist der erste Bond-Film, der in mehrerer Hinsicht nicht der typischen 007-Film-Stuktur folgt. Sowohl auf der Ebene der histoire als auch auf der des discours lassen sich Veränderungen und Neuerungen in der Raumorganisation und Konfliktstruktur gegenüber dem klassischen James Bond-Schema erkennen. Diese Arbeit soll durch die Analyse einzelner Szenen und Effekte die gewandelte Krisenstruktur des James Bond-Films der Postmillennium-Zeit aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Krise
3. Der Gegenspieler
4. James Bond
5. Die Lösung
6. Fazit
7. Verzeichnisse
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht den Film „Skyfall“ als ein Werk, das die klassische Struktur der James-Bond-Reihe bricht und ihn somit in die Tradition des postmodernen Films einordnet. Ziel der Analyse ist es, anhand der Untersuchung von Szenen, Kameraführung und Effekten aufzuzeigen, wie sich die gewandelte Krisenstruktur und die Darstellung von James Bond als alternde, verletzliche Figur in der Post-Millenniumszeit manifestieren.
- Analyse der post-postmodernen Krisenstruktur in „Skyfall“
- Untersuchung der psychologischen Tiefe und Verletzlichkeit der Figur James Bond
- Kontrastierung von traditionellen Bond-Methoden mit moderner Technologie
- Die Bedeutung von Globalisierung und Technisierung im Film
- Die Rolle von „M“ als zentralem Ankerpunkt und Ziel des Gegenspielers
Auszug aus dem Buch
3. Der Gegenspieler
Der normale Gegenspieler im James Bond-Film – ein Systemfeind von außen, der aus wahnhaften Weltbeherrschungsplänen heraus, wie ein Diktator agiert (vgl. PPP Nies 2019: 2). Davon hebt sich Mr. Raoul Silva, ein ehemaliger Agent unter „M’s“ Führung in Hong-Kong, erheblich ab. Er strebt nicht nach Macht und individuellem Geltungsdrang, vielmehr geht es ihm um die Rache an der Person, die sein Vertrauen missbraucht, ihn verraten und geopfert hat. Schon ziemlich zu Beginn des Films, als „M“ hinter den Särgen der bei dem Anschlag verstorbenen MI-6-Kollegen steht und sagt: „Wer es auch war, ich finde ihn!“ (00:23:48), bekommt man das Gefühl, sie weiß, dass der Feind ein Bekannter ist, der ihr sehr nahesteht.
Sie weiß, dass es um sie geht und nimmt dies als ihre Aufgabe – unabhängig von ihrem Job als Boss de MI-6 – an, den Feind zu finden und zu stoppen. In dieser Sequenz wird wieder mit den Farben gespielt. Die Flaggen über den Särgen erstrahlen in den englischen Farben und alles andere rundherum ist grau. Der Regisseur macht dadurch besonders auf den menschlichen Verlust aufmerksam, den „M“ in gewisser Weise zu verschulden hat. Genau dies spürt sie förmlich, wenn sie den genannten Satz sagt.
Im Verlauf des Films wird dies immer deutlicher. „M“ bekommt, allein in ihrer Wohnung sitzend, zum zweiten Mal eine Nachricht auf ihren Laptop. Auf ihrem Bildschirm erscheint wie von Geisterhand ein Spielautomat, dann die Nachricht, dass die ersten fünf Namen der Liste veröffentlicht wurden und jede Woche fünf weitere flogen werden (vgl. 00:49:25). Mit dem erneuten Schriftzug „Denk an deine Sünden“ wird der Drohung noch einmal Nachdruck verliehen, dass sie den Fehler gemacht hat und dafür leiden muss. Silva nutzt modernste Technik, um Schaden anzurichten, der nicht im ersten Schritt, wie für Bond-Filme typisch, sondern durch Veröffentlichung von geheimen Daten, für Schäden sorgt. Dies ist erst möglich durch die voranschreitende Globalisierung und Technisierung, welche eine so schnelle und weite Verbreitung möglich machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die postmoderne Filmtheorie ein und verortet den Film „Skyfall“ als ein Werk, das entgegen gängiger Kritik sehr wohl soziale und politische Themen verarbeitet.
2. Die Krise: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie der Film mit dem klassischen Schema bricht, bei dem Schurken England angreifen, und stattdessen eine persönliche Rache gegen „M“ in den Mittelpunkt stellt.
3. Der Gegenspieler: Es wird analysiert, wie sich Mr. Raoul Silva als Gegenspieler durch seine persönliche Motivation und die Nutzung moderner Technologie zur Rache von klassischen Diktatur-Schurken abhebt.
4. James Bond: Dieses Kapitel behandelt die Darstellung von James Bond als sichtlich gealterte, verletzliche und psychisch belastete Figur, die mit dem Wandel der Zeit konfrontiert wird.
5. Die Lösung: Hier wird erläutert, wie sich die Konfliktlösung von der klassischen Konfrontation in einem Extremraum unterscheidet und Bond gezwungen wird, sich auf seine Vergangenheit zu besinnen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Skyfall“ traditionelle Charaktere in das postmoderne Zeitalter überführt und Bond als veraltetes Figurenmodell innerhalb einer undurchsichtigeren, global vernetzten Welt darstellt.
7. Verzeichnisse: Dieser Abschnitt enthält das Literatur- sowie das Filmverzeichnis.
Schlüsselwörter
James Bond, Skyfall, Postmoderne, Filmanalyse, Mr. Raoul Silva, M, Globalisierung, Technisierung, Identität, Kindheitstrauma, Schatten, Krisenstruktur, Filmwissenschaft, Geheimdienst, Rache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Film „Skyfall“ im Kontext der postmodernen Filmanalyse und untersucht, wie der Film mit klassischen Konventionen der James-Bond-Reihe bricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Wandel der Krisenstruktur, die Figur des Gegenspielers Mr. Silva, die psychologische Darstellung von James Bond sowie der Einfluss von Globalisierung und Technisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die gewandelte Krisenstruktur des James-Bond-Films in der Post-Millenniumszeit aufzuzeigen und zu belegen, dass Bond hier als gebrochene, alternde Figur inszeniert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Filmanalyse, wobei sie sich auf die Untersuchung einzelner Szenen, die Kameraführung, Farbgestaltung und narrative Effekte stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Krise, die Charakterisierung des Gegenspielers, die Wandlung von James Bond vom Helden zum verletzlichen Menschen und die besondere Auflösung der Konflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie James Bond, Postmoderne, Identität, Kindheitstrauma, Globalisierung und Rache charakterisiert.
Wie verändert der Film „Skyfall“ die Rolle des klassischen Bond-Bösewichts?
Im Gegensatz zu klassischen Schurken, die nach Weltherrschaft streben, verfolgt Silva ein persönliches Rachemotiv gegen „M“, was den Film emotionaler und psychologisch komplexer macht.
Warum ist die Darstellung von James Bonds Vergangenheit für den Film so bedeutend?
Die Beschäftigung mit Bonds Kindheit und seinem Kindheitstrauma dient dazu, seine Identität zu vertiefen und ihn für den Zuschauer nahbarer sowie als alterndes, verletzliches Subjekt darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Johanna Marxsen (Autor:in), 2019, Filmanalyse zu "James Bond: Skyfall". Die gewandelten Krisen des James Bond Films in der Post-Millenniumszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215506