Herbert Blumer als Schüler und Nachfolger von George Herbert Mead

Die Formulierung des Symbolischen Interaktionismus


Hausarbeit, 2007
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Herbert Blumer als Student von Mead
2.1. Meads Grundlage der symbolischen Interaktion
2.2. Die Essenz für Blumer

3. Der Symbolische Interaktionismus nach Herbert Blumer
3.1. Die drei Kernprämissen
3.2. Die Kernvorstellungen des Symbolischen Interaktionismus
3.2.1. Beschaffenheit der Menschlichen Gesellschaft
3.2.2. Beschaffenheit der sozialen Interaktion
3.2.3. Beschaffenheit von Objekten
3.2.4. Der Mensch als handelnder Organismus
3.2.5. Beschaffenheit des menschlichen Handelns
3.2.6. Verkettung von Handlungen

4. Die Bedeutung von Meads und Blumers Thesen für die Kommunikationswissenschaften – Ein Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die symbolische Welt (wird) durch permanente Revisionen und Neudefinitionen und wechselseitige Aushandlungen (negotiations) kommunikativ geschaffen …“[1]. In diesem Punkt ragt die Arbeit des symbolischen Interaktionismus über den Pragmatismus von George Herbert Mead heraus. Sein Schüler und Nachfolger Herbert Blumer befasste sich ausführlich mit dem Phänomen der symbolischen Interaktion, wie sie einst Mead erklärte und definierte. Er entwickelte die Theorie weiter und gab ihr einen neuen Namen – der symbolische Interaktionismus. Dennoch kann man die Verbindung zu diesem Werk auch immer zu Mead ziehen, ja meistens ist es sogar sein Ansatz, der in diesem Zusammenhang genannt wird. Doch wo liegen nun die Grenzen, die Einflüsse und Besonderheiten zwischen George Herbert Meads und Herbert Blumers Arbeiten?

Hat Blumer sich nur bei Mead bedient und dann seinen Stempel drunter gesetzt oder ist sein Werk eine Weiterführung der Gedanken und Arbeit Meads?

Diese Arbeit soll einen kleinen Einblick geben, welche Grundüberlegungen beide Wissenschaftler verfolgen und sie soll zeigen, dass Meads Werk durch Blumer fortgesetzt wurde.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen und universitären Zusammenhang zwischen Mead und Blumer. Außerdem gibt er einen kurzen und groben Abriss der Arbeit Meads und welche Essenz Blumer aus Meads Arbeit gezogen hat.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird ein genaues Licht auf die Entwicklung und Formulierung des Symbolischen Interaktionismus selbst geworfen. Es werden die Zusammenhänge zu Meads Arbeit beleuchtet und kurz zu den einzelnen Bedeutungen etwas gesagt. So werden die drei Prämissen erklärt und die Kernvorstellungen erläutert, die die Prämissen untermauern.

Der letzte Teil der Arbeit bringt die beiden Theorien in den Zusammenhang mit der Kommunikationswissenschaft und zeigt kurz, wie bedeutungsvoll die Theorien für das Verständnis von Kommunikation sind.

2. Herbert Blumer als Student von Mead

Herbert Mead klingt in allen Ohren als Urvater des symbolischen Interaktionismus. Man bringt ihn im Zusammenhang mit „symbolischer Interaktion“. Doch wo genau liegt sein Anteil an dem Ganzen? Mead selbst hat während seines ganzen Lebens nie selbst ein Werk verfasst oder eine zusammenhängende Arbeit über seine Forschung und Vorlesungen geschrieben. Das einzige was der Nachwelt erhalten blieb, sind die Aufzeichnungen und Skripte seiner Studenten. Auch ihn in direkten Zusammenhang mit dem Begriff des symbolischen Interaktionismus zu bringen, ja ihn als „Erfinder“ des selbigen darzustellen, wäre nicht richtig. Grundsätzlich kann man sagen, dass George Herbert Mead der Begründer der symbolischen Interaktion ist. Der symbolische Interaktionismus hingegen ist eine „Fortsetzung jenes lockeren interdisziplinären Geflechts von Theoretikern, Sozialforschern und Sozialreformern an der University of Chicago, welches in der eigentlichen Institutionalisierungsphase der amerikanischen Soziologie zwischen 1890 und 1940 bestimmend für das Fach war“. [2]

Doch woher kommt der Begriff des symbolischen Interaktionsmus? Hier nun kommt ein Student und späterer Nachfolger Meads zum Zuge. „Namentlich ist dieser Ansatz auf Herbert Blumer zurückzuführen, der als Schüler und Lehrstuhlnachfolger Meads in Chicago gewirkt hat.“ [3] So ist es also kein Wunder, dass dieser Begriff immer wieder mit Mead in Verbindung gebracht wird. Blumer ist somit Schöpfer des Wortes aber Mead ist anscheinend immer noch grundlegend der Vater des Gedankens.

2.1. Meads Grundlage der symbolischen Interaktion

Im Gegensatz zu gängigen Sozial- und Kommunikationstheorien bringt Mead die Anfänge der Kommunikation und somit auch den symbolischen Interaktion in Verbindung mit naturgeschichtlichen Grundlagen. Er macht keinen Unterschied zwischen „…subhumanen und humanen Gemeinschaftsformen…“.[4]

Für den Beginn einer Gesellschaft oder eines sozialen Geflechts und der Probleme, mit denen sich eine solche Gemeinschaft auseinandersetzen muss, führt Herbert Mead den Begriff der „Geste“ ein. Die auftretenden Störungen und Probleme müssen mit Hilfe der Anderen bewältigt werden. Um die Kooperation für die Bewältigung zu schaffen, müssen die Anderen „informiert“ werden. „Der Begriff ‚Geste‘ kann mit jenen Anfängen gesellschaftlicher Handlungen gleichgesetzt werden, die als Reize für die Reaktionen anderen Wesen dienen." [5] Doch genau hier findet dann die Aufteilung der Überlegungen Meads in humane und subhumane Gemeinschaften statt. Mead sieht diesen Teil der Kommunikation nämlich als nicht-signifikant an, was nichts anderes bedeutet als unbewusste Kommunikation und somit wie bereits erwähnt nur der subhumanen Gemeinschaftsform zuzuschreiben. Doch was unterscheidet nun den Menschen vom Tier?

Hierfür führt Mead das signifikante Symbol ein. „Von einem signifikantem Symbol kann man sprechen, wenn ein Zeichen oder eine symbolische Geste beim anderen Individuum die gleiche Vorstellung über die dahinterliegende Bedeutung hervorruft wie im Erzeuger und somit die gleiche Reaktion auslöst.“[6] Der Unterschied zur nicht- signifikanten Geste ist eindeutig. Die signifikante Geste oder besser das signifikante Symbol unterliegen der Interpretation. Es findet eine Generalisierung einer Situation auf einen bestimmt Sinn statt. Mead stellt in seinen Überlegungen weiterhin fest, dass die Kommunikation der Faktor ist, welcher zur Entwicklung des Menschen zum sozialen Wesen geführt hat, weil die typische menschliche Kommunikation und Interaktion über signifikante Symbole stattfindet.

2.2. Die Essenz für Blumer

Als Schüler von Mead war Blumer bestens vertraut mit seinen Vorlesungen und Forschungen. Doch grundlegend muss man sagen, dass Blumer nicht wirklich das Werk von Mead weitergeführt hat, nein er hat sich einen Teil aus der Arbeit Meads herausgenommen und diesen genauer betrachtet und weiter bearbeitet.

Den Ansatz, dem sich Blumer verschrieben hat, nannte er ganz einfach symbolischer Interaktionismus.

So kann man also auch sagen, dass der symbolische Interaktionismus eine der sechs Hauptrichtungen der Arbeit von Mead darstellt aber grundlegend eine „… klare Verkürzung seines Gesamtwerkes…“[7] ist.

Doch was genau hat Blumer in seine Arbeit bzw. in seinen Ansatz einfließen lassen? Es ist der Ansatz für die Bedingungen des Handelns, welchen er mit Mead teilt und den er weiter ausgearbeitet hat. „Menschen handeln nicht, weil sie sich funktional zur Strukturbedingungen verhalten, sondern weil sie den Bedingungen eine Bedeutung geben und damit die Bedingungen selbst schaffen.“[8] Dieser Prozess wird ins Zentrum der Theorie von Blumer gestellt. Weiterhin sehen beide Arbeiten, sowohl die von Mead als auch die von Blumer, Bedeutungen als Produkt von sozialen Prozessen an. Außerdem behandelt Blumer in seiner Arbeit die gleiche oder zumindest eine ähnliche Fragestellung, wie sie Mead vor ihm formulierte, „… wie es Menschen gelingt, ihre Handlungen aufeinander anzupassen.“[9] Mead erklärte damals, dass sich die Handelnden den Sinn durch Handlungen gegenseitig anzeigen. Hier geht Blumer nun einen Schritt weiter und sagt, dass die Individuen in der Interaktion gemeinsame Symbole erschaffen, an denen sie sich orientieren, woran sich ihre Handlungen bestätigen, die revidiert werden können und auch wieder neue Bedeutungen zugewiesen bekommen können. Grundlegend nimmt Herbert Blumer also den Zweig von Meads Forschung, welcher sich mit der symbolvermittelten Interaktion beschäftigte.

3. Der Symbolische Interaktionismus nach Herbert Blumer

Die vorrangegangenen Beschreibungen haben gezeigt, dass die Grundlage des symbolischen Interaktionismus eindeutig bei Mead liegt.

[...]


[1] Schützeichel, Rainer: Soziologische Kommunikationstheorien. 1. Auflage Konstanz 2004. S. 106

[2] Joas, Hans: Symbolischer Interaktionismus- Von der Philosophie des Pragmatismus zu einer soziologischen Forschungstradition. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (1988), S.419

[3] Krallmann, Dieter; Ziemann, Andreas: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. München 2001. S. 209

[4] Krallmann, Dieter; Ziemann, Andreas: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. München 2001. S. 211

[5] Krallmann, Dieter; Ziemann, Andreas: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. München 2001. S. 212

[6] Ables, Hans: Interaktion, Identität, Präsentation. In: Studientexte zur Soziologie. Band 1. Opladen/ Wiesbaden 1998. S. 19

[7] Krallmann, Dieter; Ziemann, Andreas: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. München 2001. S. 209

[8] Ables, Hans: Interaktion, Identität, Präsentation. In: Studientexte zur Soziologie. Band 1. Opladen/ Wiesbaden 1998. S. 46

[9] Ables, Hans: Interaktion, Identität, Präsentation. In: Studientexte zur Soziologie. Band 1. Opladen/ Wiesbaden 1998. S. 44

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Details

Titel
Herbert Blumer als Schüler und Nachfolger von George Herbert Mead
Untertitel
Die Formulierung des Symbolischen Interaktionismus
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V121551
ISBN (eBook)
9783640263431
ISBN (Buch)
9783640858125
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blumer, Mead, symbolischer Interaktionismus, Kommunikation
Arbeit zitieren
Sebastian Thielke (Autor), 2007, Herbert Blumer als Schüler und Nachfolger von George Herbert Mead, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121551

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