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Die Schlacht auf dem Lechfeld von 955 zwischen Erzählungsbildung und Geschichtspolitik. Der Wandel eines historischen Ereignisses im kulturellen Bewusstsein

Title: Die Schlacht auf dem Lechfeld von 955  zwischen Erzählungsbildung und Geschichtspolitik. Der Wandel eines historischen Ereignisses im kulturellen Bewusstsein

Term Paper (Advanced seminar) , 2018 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Schaller (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Im Folgenden sollen zunächst die historischen Rahmenbedingungen und Entwicklungslinien des frühen Mittelalters gerafft dargestellt werden, in die sich die Schlacht einbettet. Durch das Unterkapitel "Die Lechfeldschlacht als historisches Ereignis" soll die von der Geschichtswissenschaft zugesprochene Bedeutung für Augsburg und den gesamten mitteleuropäischen Raum hervorgehoben werden. Diese fungierte als Katalysator für die nachfolgenden
Erzählungsbildungen, Identitätskonstruktionen und der Geschichtspolitik. Das Unterkapitel "Die Lechfeldschlacht als Erinnerung" setzt sich daran anschließend mit den künstlerischen Darstellungen von Erzählungen im öffentlichen Raum der frühneuzeitlichen Reichsstadt Augsburg auseinander. Der letzte Abschnitt möchte den Bogen über die Entwicklungslinien des 19. und 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart schlagen und dabei zwei zentrale Orte der heutigen Erinnerungskultur in den Fokus rücken.

Die Heiltumskammer in St. Ulrich und Afra in Augsburg wird als Nukleus der historischen wie gegenwärtigen
Ulrichsverehrung beleuchtet und durch ein Interview mit Werner Vogele, einem Mitarbeiter der Kirchenverwaltung, ergänzt. Nachfolgend wird der Infopavillon "955" in Königsbrunn mit seiner Dauerausstellung über die Schlacht auf dem Lechfeld im Zusammenhang mit einem Interview mit Ursula Off-Melcher, der Leiterin des Kulturbüros Königsbrunn, vorgestellt. Die beiden qualitativen Experteninterviews orientieren sich an Fragen nach der Verortung des materiellen
und immateriellen Kulturerbes in der Vergangenheit wie auch im 21. Jahrhundert sowie den gegenwärtig vorliegenden Modi der Authentizität und Wertzuschreibung.

Ein Fazit versucht das historische Ereignis der Lechfeldschlacht zwischen Erzählungsbildung und Geschichtspolitik zu
verorten und den Wandel im kulturellen Bewusstsein aufzuzeigen. Der Fokus der Arbeit liegt damit auf der Kontextforschung als Methode der Erzählforschung und fragt interdisziplinär nach den Dynamiken und Wechselwirkungen zwischen den Erzählungen und den gesellschaftlichen Systemen sowie deren Sinn und "Sitz im Leben".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Schlacht auf dem Lechfeld und Ulrich von Augsburg

zwischen Erzählungsbildung, Identitätskonstruktion und Geschichtspolitik

2.1 Die Lechfeldschlacht als historisches Ereignis

- Rahmenbedingungen und Entwicklungslinien im frühen Mittelalter

2.2 Die Lechfeldschlacht als Erinnerung

- Rezeption und Konstruktion im frühneuzeitlichen Augsburg

3. Die Schlacht auf dem Lechfeld und Ulrich von Augsburg

im kulturellen Bewusstsein des 21. Jahrhunderts

3.1 Die Heiltumskammer von St. Ulrich und Afra in Augsburg

3.2 Der Infopavillon „955“ in Königsbrunn

4. Fazit: Erzählungsbildung und Geschichtspolitik?

Ein historisches Ereignis im kulturellen Bewusstsein des 21. Jahrhunderts

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Schlacht auf dem Lechfeld von 955 als ein Ereignis, das über die Jahrhunderte hinweg vielfältig instrumentalisiert, mythisch überformt und in unterschiedliche geschichtspolitische Narrative eingebettet wurde. Ziel ist es, den Wandel der Rezeption dieses Ereignisses – von der mittelalterlichen Ulrichsverehrung bis hin zur musealen Präsentation im 21. Jahrhundert – zu analysieren und die Wechselwirkungen zwischen Erinnerungskultur, Identitätskonstruktion und gesellschaftlichem Bewusstsein aufzuzeigen.

  • Historische Einordnung der Schlacht auf dem Lechfeld und ihrer Bedeutung für das Mittelalter.
  • Die Rolle von Bischof Ulrich als identitätsstiftender Akteur und Schutzpatron.
  • Untersuchung frühneuzeitlicher Repräsentationsformen wie Fassadenmalereien an städtischen Bauwerken.
  • Analyse zeitgenössischer Erinnerungsorte wie der Heiltumskammer und des Infopavillons „955“.
  • Interdisziplinäre Betrachtung des Wandels von Geschichtspolitik und Authentizitätsansprüchen.

Auszug aus dem Buch

Die Lechfeldschlacht als historisches Ereignis

Das Lechfeld und die Stadt Augsburg besaßen im 10. Jahrhundert einen besonderen, geografischen Stellenwert für Mitteleuropa und das Ostfrankenreich. Das Lechfeld war seit der Antike ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Voralpenlandes. Die Bedeutung des Gebietes lag zudem in seiner kaum besiedelten und trockenen Ebene, welche Heeresansammlungen begünstigte. Darüber hinaus befand sich der sogenannte Hügel Gunzenlé, ein berühmter, frühmittelalterlicher Dinghügel, in der Nähe des Lechfeldes. Die etwa zehn Kilometer weiter nördlich gelegene Bischofsstadt Augsburg war im 10. Jahrhundert ein doppelter Grenzort – nicht nur zwischen den Kulturregionen Baierns und Alamanniens, sondern auch im Randgebiet zwischen der ‘christlichen Welt‘ Mitteleuropas und der ‘heidnischen Welt‘ im Osten. Die ab 899 einsetzenden ‘Ungarnstürme‘ führten zu jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Ostfrankenreich und den magyarischen Reitern.

Diese Einfälle des zehnten Jahrhunderts sind nicht nur schriftlich überliefert, sondern auch archäologisch einwandfrei belegbar. Dennoch bildet deren Höhe- und Endpunkt, die Schlacht auf dem Lechfeld von 955, einen Sonderfall: Der Begriff Lechfeldschlacht bezieht sich genau genommen auf mehrtägige, kleinere Geplänkel sowie eine nachträgliche Verfolgung der fliehenden Magyaren – also eine Verteilung der Kampfhandlungen auf zahlreiche kleinere Schlachtfelder. Während die genauen Orte bis heute nicht wissenschaftlich belegbar sind, ist der Ablauf der Kampfhandlungen umso detaillierter überliefert. Als wichtige Voraussetzung für den Sieg gilt die Initiative Uodalrîhs oder eingedeutscht Ulrichs, des damaligen Bischofs von Augsburg, die Stadtbefestigung aufgrund der konstanten Bedrohung massiv auszubauen. Die Magyaren sammelten sich 955 vermutlich am Gunzenlé und belagerten Augsburg, das sich unter Bischof Ulrich erfolgreich behaupten konnte, bis die ostfränkischen Truppen unter König Otto von Westen herangerückt waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die kulturelle Bedeutung der Lechfeldschlacht für Augsburg und formuliert die Fragestellung nach ihrer Sichtbarkeit und Rezeption im historischen und gegenwärtigen Bewusstsein.

2. Die Schlacht auf dem Lechfeld und Ulrich von Augsburg: Dieses Kapitel analysiert die Schlacht als historisches Ereignis im frühen Mittelalter sowie ihre sagenhafte und künstlerische Überformung in der Frühen Neuzeit, insbesondere durch Fassadenmalereien.

3. Die Schlacht auf dem Lechfeld und Ulrich von Augsburg: Der Hauptteil untersucht die heutige Erinnerungskultur anhand der Heiltumskammer in St. Ulrich und Afra sowie des Infopavillons „955“ in Königsbrunn.

4. Fazit: Erzählungsbildung und Geschichtspolitik?: Das Fazit fasst den Wandel der Instrumentalisierung des Ereignisses zusammen und konstatiert dessen anhaltende Bedeutung im kulturellen Bewusstsein trotz der Verschiebung hin zu einer multiperspektivischen Sichtweise.

5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen, Interviews und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Lechfeldschlacht, 955, Bischof Ulrich, Augsburg, Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Identitätskonstruktion, Mittelalter, Heiltumskammer, Infopavillon 955, Erzählforschung, Reliquienverehrung, Reichsidee, Gedächtnis, Kulturerbe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 und der Frage, wie dieses historische Ereignis über die Jahrhunderte in unterschiedlichen Kontexten als Erzählung, identitätsstiftendes Element oder politisches Instrument wahrgenommen und dargestellt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Schlacht, die Bedeutung der Person des Bischofs Ulrich, die frühneuzeitliche künstlerische Repräsentation der Ereignisse im Augsburger Stadtbild sowie die moderne museale Vermittlung der Schlacht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt nach der „Sichtbarkeit“ der Lechfeldschlacht und untersucht die Dynamiken und Wechselwirkungen zwischen den sich wandelnden Erzählungen über die Schlacht und den gesellschaftlichen Systemen der jeweiligen Epochen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt die Kontextforschung als Methode der Erzählforschung, um interdisziplinär nach den Funktionen und Bedeutungen der Erzählungen und Erinnerungen in verschiedenen geschichtlichen Systemen zu fragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die historischen Rahmenbedingungen beleuchtet, anschließend wird die frühneuzeitliche künstlerische Instrumentalisierung (z.B. am Weberhaus) analysiert und schließlich die heutige Vermittlung an zentralen Erinnerungsorten wie der Heiltumskammer und dem Infopavillon „955“ diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Lechfeldschlacht, Bischof Ulrich, Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Identitätskonstruktion, Heiltumskammer und museale Vermittlung.

Welche Rolle spielt der Bischof Ulrich in der Untersuchung?

Bischof Ulrich wird als zentraler Akteur und Heiliger betrachtet, dessen Verehrung im Laufe der Zeit von einer persönlichen Heiligenverehrung zu einem Instrument für identitätsstiftende Narrative und die Reichsidee instrumentalisiert wurde.

Wie wird das Konzept des "kulturellen Gedächtnisses" in Bezug auf die Lechfeldschlacht angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf das Konzept von Astrid Erll und zeigt auf, wie die Lechfeldschlacht durch eine Trias aus materiellem, sozialem und mentalem Gedächtnis im kollektiven Bewusstsein verankert bleibt und durch verschiedene Medien transformiert wurde.

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Details

Title
Die Schlacht auf dem Lechfeld von 955 zwischen Erzählungsbildung und Geschichtspolitik. Der Wandel eines historischen Ereignisses im kulturellen Bewusstsein
College
University of Augsburg  (Philologisch-Historische Fakultät)
Course
Einführung in die Erzählforschung
Grade
1,0
Author
Christian Schaller (Author)
Publication Year
2018
Pages
33
Catalog Number
V1215595
ISBN (PDF)
9783346643421
ISBN (Book)
9783346643438
Language
German
Tags
Lechfeld Schlacht auf dem Lechfeld Mittelalter Augsburg Ulrich Heiliger Ulrich kulturelles Bewusstsein Geschichtspolitik Erzählungsbildung Erzählforschung Märchen Sage Legende Kunst Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Schaller (Author), 2018, Die Schlacht auf dem Lechfeld von 955 zwischen Erzählungsbildung und Geschichtspolitik. Der Wandel eines historischen Ereignisses im kulturellen Bewusstsein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215595
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