Corporate Governance wird zunehmend auch in Deutschland zum Thema. Unternehmerische Zwecke sind heute auf unterschiedliche Weise in die Kritik geraten und bringen die Unternehmen zunehmend unter Legitimationsdruck. Nicht nur Skandale wie bei der Deutschen Bank, VW und Siemens, sondern auch das undurchsichtige Engagement ausländischer Finanzinvestoren veranlasst dazu, die Praxis der Unternehmensführung hierzulande auf den Prüfstand zu stellen. Die Tradition des ‘Ehrbaren Kaufmanns’ gerät etwa dann insbesondere ins Schwanken, wenn exorbitant hohe Managergehälter gezahlt werden und sie mit faktischer Folgenlosigkeit für getroffene Fehlentscheidungen verbunden sind. Zweifellos haben in jüngerer Zeit Fälle von Maßlosigkeit und Ungeschicklichkeiten
den Boden für diese Debatte bereitet. Ethisches Verhalten wird oft als unvereinbar mit einer erfolgreichen Tätigkeit auf wettbewerbsstarken Märkten angesehen, die Einhaltung moralischer Standards als Kostenfaktor entwertet. Corporate Governance betrifft alle Unternehmen! Denn es geht in ihrem Sinne um eine gute Unternehmensführung.
Die fehlende, umfassende Betrachtung von Corporate Governance zeigte sich so auch immer wieder in der Praxis der Unternehmenskommunikation. Ein besonders auffälliges Beispiel: Joe Ackermann, Schweizer und Chef der Deutschen Bank, steht für die Vertrauenskrise gegenüber seinen Stakeholdern. Ackermann wurde zur öffentlichen Unperson im Skandal um das schlechte Kommunikationsmanagement der Deutschen Bank. Das Wortspiel „Mach dich vom Acker, Mann!“ und die Frankfurter Stadtmusikanten reflektieren die Kür der Kommunikation, die die Deutsche Bank allen Beobachtern schuldig blieb: „Was nicht öffentlich wird – findet nicht statt“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorwort
3 Corporate Governance
4 Das Grundgesetz der Weichen Faktoren
5 Gute Unternehmensführung
6 Unternehmenskommunikation als Kommunikationsaufgabe mit Ausrichtung an allen Stakeholdern
7 Bedeutung Corporate Governance für die Unternehmenskommunikation
8 Ein Blick in die Praxis
8.1 „Hohe Kosten“ durch Corporate Governance?
8.2 Desinteresse der Anleger?
8.3 Begründung von Abweichungen
8.4 Sorgfalt in der Corporate Governance Kommunikation
8.5 Corporate Governance Bericht
8.6 Vergütungsbericht
8.7 Corporate Governance Information im Internet
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Corporate Governance für die Unternehmenskommunikation. Ziel ist es, Corporate Governance als essenzielle Führungsaufgabe zu etablieren, die über rein finanzielle Aspekte hinausgeht und eine werteorientierte Kommunikation gegenüber allen Stakeholdern erfordert.
- Verständnis von Corporate Governance als Grundlage guter Unternehmensführung
- Integration weicher Faktoren in die Unternehmenskommunikation
- Stakeholder-orientierte Kommunikationsstrategien
- Analyse der Umsetzung in der Praxis anhand von Berichten und Studien
Auszug aus dem Buch
4 Das Grundgesetz der weichen Faktoren
In der Öffentlichkeit hat sich die Diskussion um den DCGK bisher stark auf Finanzmarktaspekte und Unternehmensorganisation konzentriert. Unter aktuellen Wettbewerbsbedingungen müssen unternehmerische Projekte dauerhaft die Wirtschaftskraft erhalten und steigern. Im Mittelpunkt stehen daher Qualifizierung und Leistungsorientierung. Dies gilt bei der Verfolgung aller Unternehmenswerte.
Interesse an der Steigerung der Unternehmenswerte haben Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen. Unternehmen haben in der modernen Gesellschaft in steigendem Maße eine eigengesellschaftliche Verantwortung. Sie ergibt sich aus ihrem Einfluss, aber auch aus besonderer Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Die Gesellschaft muss diese Ressourcen von Unternehmen nutzen können, um Werte zu schöpfen und die ethische Qualität des Wirtschaftens zu verbessern.
Die Corporate Governance-Thematik bringt die Diskussion um eine wert(e)orientierte Unternehmensführung neu ins Feld. Eine Vertrauen wiederherstellende, gesellschaftlichen Ansprüchen genügende und an langfristiger Wohlstandsmaximierung orientierte Corporate Governance muss daher über ’harte’ betriebswirtschaftliche Faktoren hinaus auch ’weiche’ Faktoren in angemessener Art und Weise berücksichtigen.
Die Corporate Governance Aktivitäten halten Unternehmen dazu an, Transparenz, Vertrauen und Integrität der Unternehmensführung zu verbessern. Ausgangspunkt für die Betrachtungsweise ist eine möglichst verantwortungsvolle Unternehmensführung, welche auch die Bedeutung der so genannten ’weichen’ Faktoren berücksichtigt. Ein Unternehmen soll nicht nur nach materiellen, sondern vielmehr auch nach immateriellen Werttreibern beurteilt werden können, dem sogenannten ‚Fair Value’ eines Unternehmens.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert die bisher vernachlässigte Rolle von Corporate Governance innerhalb der Unternehmenskommunikation.
2 Vorwort: Es wird der zunehmende Legitimationsdruck auf Unternehmen in Deutschland durch Skandale und undurchsichtiges Management thematisiert.
3 Corporate Governance: Definition von Corporate Governance als verantwortungsbewusste Unternehmensführung, eingebettet in den deutschen Corporate Governance Kodex.
4 Das Grundgesetz der Weichen Faktoren: Forderung, neben harten Kennzahlen auch weiche Faktoren wie Vertrauen und ethische Qualität in die Unternehmensführung zu integrieren.
5 Gute Unternehmensführung: Erörterung der freiwilligen Selbstverpflichtung von Unternehmen zur Einhaltung von Standards als Basis für Flexibilität und Transparenz.
6 Unternehmenskommunikation als Kommunikationsaufgabe mit Ausrichtung an allen Stakeholdern: Der Fokus der Kommunikation muss sich vom reinen Shareholder-Ansatz hin zu allen Stakeholdern erweitern.
7 Bedeutung Corporate Governance für die Unternehmenskommunikation: Corporate Governance dient als Leitlinie für eine ganzheitliche, werteorientierte Kommunikation.
8 Ein Blick in die Praxis: Analyse der tatsächlichen Umsetzung, Kostenwahrnehmung und Qualität der Berichterstattung in deutschen Unternehmen.
9 Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass eine gute Unternehmenskommunikation die Lücke zwischen Anspruch des Kodex und der Realität schließt.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmenskommunikation, DCGK, Stakeholder, Werteorientierung, Transparenz, gute Unternehmensführung, weiche Faktoren, Vertrauen, Pflichtpublizität, Vergütungsbericht, Compliance, Legitimationsdruck, Kapitalmarktkommunikation, Integrität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum Corporate Governance ein integraler Bestandteil einer effektiven Unternehmenskommunikation sein muss, um Vertrauen zu schaffen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören Corporate Governance, werteorientierte Unternehmensführung, Stakeholder-Kommunikation sowie die praktische Umsetzung des DCGK.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedeutung von Corporate Governance als Führungsaufgabe herauszuarbeiten, die über reine Pflichtpublizität hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse aktueller Fachliteratur und der Auswertung von Praxisstudien, wie dem Corporate Governance Survey der Agentur ergo Kommunikation.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Corporate Governance und Unternehmenskommunikation sowie eine umfassende Analyse der praktischen Anwendung in deutschen Unternehmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Corporate Governance, Stakeholder, Transparenz, werteorientierte Unternehmensführung und Kommunikationsmanagement.
Warum wird die Einbeziehung „weicher Faktoren“ gefordert?
Da rein materielle Kennzahlen zur Bewertung eines Unternehmens heute nicht mehr ausreichen, müssen für eine nachhaltige Vertrauensbildung auch immaterielle Werte berücksichtigt werden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Comply or Explain“-Prinzips?
Das Prinzip wird als wichtiges Instrument der Freiwilligkeit diskutiert, wobei die Qualität der Umsetzung und die Bereitschaft zur ehrlichen Offenlegung kritisch hinterfragt werden.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Kommunikation?
Corporate Governance muss offensiv kommuniziert werden, um als Teil einer gelebten Unternehmenskultur den Anspruch an Transparenz und Legitimität zu erfüllen.
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- Sarah Schiesser (Author), 2008, Corporate Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121567