Mit Hilfe von Einschätzskalen kann eine Gefährdungseinschätzung bei vermuteten Kindeswohlgefährdungen vorgenommen werden. Die Hausarbeit setzt sich mit folgender Frage auseinander: Auf welche Art und Weise kann die Einschätzskala für Kinder im Schulalter (KVJS Baden-Württemberg) zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung herangezogen werden? Hierbei wird in dieser Hausarbeit auch eine Überprüfung der Tauglichkeit der Einschätzskala in der Praxis behandelt.
Zunächst wird in der Hausarbeit der grundlegende Rechtsbegriff Kindeswohlgefährdung definiert und die Verfahrensnorm § 8a SGB VIII vorgestellt. Anschließend werden die wichtigsten Gliederungspunkte der Einschätzskala und des dazugehörigen Manuals dargestellt. Daran anknüpfend zeigt sie anhand eines Fallbeispiels einen konkreten Handlungsleitfaden auf. Der Schwerpunkt liegt auf einem konkreten Handlungsbeispiel aufgrund einer mittleren Gefährdungsvermutung.
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. Diese Rechtsvorschrift aus dem §1631 Abs. 2 BGB stellt in Deutschland leider nicht für alle Kinder die Realität dar: Zahlen aus dem Jahre 2010 legen nahe, dass 24,2 % der Kinder in den letzten vier Wochen elterliche körperliche Gewalt nach Zeitpunkt der Befragung erlebt haben. Im Jahr 2018 haben die Jugendämter in Deutschland bei rund 50400 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, was rund 10% oder rund 4700 Fälle mehr als im Vorjahr waren.
Nicht zuletzt der Fall Kevin, der im Jahr 2006 großes öffentliches Entsetzen hervorrief, dominieren neben diesem immer wieder eine Vielzahl an Medienberichten über Kindeswohlgefährdungen die tödlich endeten die Berichterstattung. Auch aufgrund eben jener Berichterstattung ist eine erhöhte Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Sachen Kinderschutz zu beobachten. Doch an welcher Stelle beginnt eine Kindeswohlgefährdung, und welche Gegebenheiten sind noch mit dem Kindeswohl vereinbar? Bei welchen gewichtigen Anhaltspunkten muss wie schnell eingegriffen werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Kindeswohlgefährdung
2.1 Rechtsbegriff Kindeswohlgefährdung
2.2 § 8a SGB VIII - Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
3. Kurze Vorstellung der KiWo Einschätzskala Schulkind des Kommunalverband Jugend und Soziales in Baden-Württemberg
3.1 Notwendigkeit dieser Einschätzskala
3.2 Zielgruppe dieser Einschätzskala
3.3 Wichtiges zur Vorgehensweise bei der Anwendung Einschätzskala
3.4 Gliederung und nähere Vorstellung des Manuals und der Einschätzskala
4. Konkrete Anwendung der Einschätzskala
4.1 Fallbeispiel „Alex“
4.2 Konkretes Vorgehen mit anhand Ablaufschemas
4.3 Kurze Beschreibung des Vorgehens bei geringem und hohem Kindeswohlgefährdungsverdacht
5. Kritik an der KiWo Skala Schulkind
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die praktische Anwendbarkeit der „Einschätz-Skala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter (KVJS Baden-Württemberg)“ als Hilfsmittel für Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung zu untersuchen und deren Tauglichkeit im Alltag unter Einbeziehung des gesetzlichen Schutzauftrags gemäß § 8a SGB VIII zu bewerten.
- Rechtliche Grundlagen der Kindeswohlgefährdung und der Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII.
- Struktur und Funktionsweise der KiWo Einschätzskala Schulkind.
- Praktische Anwendung anhand eines Fallbeispiels unter Verwendung des Ablaufschemas.
- Kritische Reflexion und Evaluierung der Handhabung der Skala im Berufsalltag.
Auszug aus dem Buch
4.2 Konkretes Vorgehen anhand des Ablaufschemas
Entsprechend dem „Ablaufschema zum empfohlenen Vorgehen bei der Erfüllung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII“ (ebd.: 56) soll an dieser Stelle beispielhaft erläutert werden wie der/die Anwender/In der Skala vorgehen kann, sodass dem Leser ein konkretes Beispiel für die Anwendung der Skala gegeben wird. Das Ablaufschema ist als Schaubild bestehend aus Stichworten und Fragen übersichtlich dargestellt: Pfeile nach den entsprechenden Einordnungsmöglichkeiten (z.B. „ist erfolgt, „wurde abgelehnt“; „ja“, „nein“) erfüllen eine leitende Funktion für den/die Anwender/In bei entsprechender Erfüllung oder Nicht-Erfüllung bzw. bei Bejahung oder Verneinung (ebd.: 56). Zu Beginn des Ablaufschemas wird auf die Berücksichtigung der meist bereits erfassten Informationen, die beim Aufnahmegespräch meist erhoben werden (Besonderheiten des Kindes, familiäre Situation und Wohnumfeld), hingewiesen (vgl. ebd.: 56-57).
1. Schritt: Werden Auffälligkeiten beobachtet?
Wenn wie im oben erwähnten Fallbeispiel Auffälligkeiten beobachtet wurden beginnt der/die Anwender/In mit der Frage „Werden Auffälligkeiten beobachtet?“ (ebd.: 56). Dies ist der Fall, da im Fallbeispiel geschildert wird, dass Alex „sehr schnell auf fremde Personen zugeht“ und „ständig übermüdet wirkt.“ Kann die Frage verneint werden, sind – wie zu erwarten- „keine Maßnahmen notwendig“ (ebd.: 56).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die gesetzliche Verpflichtung zum Kinderschutz sowie die steigende Relevanz von Gefährdungseinschätzungen in der pädagogischen Praxis.
2. Definition Kindeswohlgefährdung: Dieses Kapitel erläutert den unbestimmten Rechtsbegriff der Kindeswohlgefährdung und den staatlichen Schutzauftrag gemäß § 8a SGB VIII.
3. Kurze Vorstellung der KiWo Einschätzskala Schulkind des Kommunalverband Jugend und Soziales in Baden-Württemberg: Das Kapitel führt in die Notwendigkeit, Zielgruppe und den strukturellen Aufbau der Einschätzskala als praktisches Arbeitsinstrument ein.
4. Konkrete Anwendung der Einschätzskala: Anhand eines Fallbeispiels wird illustriert, wie die Skala und das zugehörige Ablaufschema bei konkreten Gefährdungsvermutungen in der Praxis angewendet werden.
5. Kritik an der KiWo Skala Schulkind: Dieses Kapitel beleuchtet Ergebnisse aus einem Pilotversuch und reflektiert punktuelle kritische Rückmeldungen von Anwendern.
6. Fazit: Das Fazit fasst den Nutzen der Skala als leicht handhabbares Orientierungsmittel zusammen und betont den Gewinn an Handlungssicherheit für Fachkräfte.
Schlüsselwörter
Kindeswohlgefährdung, § 8a SGB VIII, KiWo Einschätzskala, Kinderschutz, Pädagogische Fachkräfte, Gefährdungseinschätzung, Schutzauftrag, Schulkindbetreuung, Frühpädagogik, Fallbeispiel, Handlungssicherheit, Jugendamt, Kindesvernachlässigung, Beobachtungsfähigkeit, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der praktischen Anwendung der „Einschätz-Skala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter“ des KVJS Baden-Württemberg als Orientierungshilfe für pädagogische Fachkräfte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die rechtliche Definition von Kindeswohlgefährdung, der staatliche Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII sowie die methodische Umsetzung von Gefährdungseinschätzungen im Hortalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die konkrete Anwendbarkeit der Einschätzskala zu prüfen und zu bewerten, inwieweit sie pädagogischen Fachkräften Handlungssicherheit bei der Einschätzung von Kindeswohlgefährdungen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die praxisorientierte Anwendung der Skala an einem konkreten Fallbeispiel, um das standardisierte Ablaufschema zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einbettung in das SGB VIII, die detaillierte Vorstellung der Einschätzskala und eine fallbezogene Anwendung, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit Evaluationsergebnissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kindeswohlgefährdung, § 8a SGB VIII, KiWo Einschätzskala, Handlungssicherheit und Gefährdungseinschätzung.
Welche Rolle spielt das „Ablaufschema“ in der Einschätzung?
Das Ablaufschema fungiert als zentraler, leitender Prozessbaustein, der den Anwender Schritt für Schritt durch die Beobachtung und Bewertung möglicher Gefährdungsmerkmale führt.
Warum wird im Fallbeispiel „Alex“ eine mittlere Gefährdung angenommen?
Die mittlere Gefährdung wird aufgrund der Summe der erreichten Punktzahlen (dreimal die Wertung 2) bei Merkmalen wie Müdigkeit, Distanzlosigkeit sowie Angst und Misstrauen abgeleitet.
- Quote paper
- Sven Kiemle (Author), 2020, Die Einschätz-Skala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter (KVJS Baden-Württemberg). Auf welche Art und Weise kann sie in der Praxis herangezogen werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215874