Die Begriffe Vernunft und Wahrheit in der Argumentation des Buches „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2.„Der Papst: „Ärgernis“ und „Mysterium“

3. „Jesus-Gott: Ein übertriebener Anspruch?“
3.1. „Hat nur Rom Recht?“
3.2. „Auf der Suche nach der verlorenen Einheit“
3.3. „Warum getrennt?“

4. „Wozu Glauben?“

5. „Jedes Leben muss verteidigt werden“

6. Fazit
6.1. Wahrheit
6.2. Vernunft

1.Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit ist eine Untersuchung des Buches „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ von Johannes Paul II. unter Verwendung der Kapitel „Der Papst ‚Ärgernis und Mysterium’“, „Jesus-Gott: ein übertriebener Anspruch?“, „Hat nur Rom Recht?“, „Auf der Suche nach der verlorenen Einheit“, „Warum getrennt?“, „Wozu Glauben?“, „Jedes Leben muss verteidigt werden“[1]

Dabei muss man auf die Themen Vernunft als Begriff und den Begriff der Wahrheit zu sprechen kommen, da Johannes Paul II. anscheinend andere Dinge darunter versteht als ein Atheist oder Andersgläubiger. Des Weiteren drängen sich die Themen Glauben und Abtreibung auf.

Zuerst wird in allen Fällen die Argumentation des Papstes wiedergegeben, anschließend werde ich meine eigenen Betrachtungen anstellen. Dieses Buch scheint noch immer aktuell zu sein, da Johannes Paul II. lange Zeit Papst war und erst seit einigen Jahren sein Nachfolger im Amt ist. Die Ansichten Johannes Pauls II. und Benedikt XVI. dürften also in den Kernfragen wenig von einander abweichen, zumal sie vor dem Tode des alten Papstes sehr eng zusammenarbeiteten.

Das verwendete Buch ist kein Buch, das Johannes Paul II. geschrieben hat, sondern es ist das Ergebnis eines Interviews von Vittorio Messori, der Johannes Paul II. Fragen stellte, die dann aber wohl aus terminlichen Gründen vom Papst schriftlich beantwortet und dann publiziert wurden.[2] Johannes Paul II. musste also nicht spontan antworten, sondern konnte genau überlegen, die Fragen aussuchen und recherchieren, wodurch dieses Buch durchaus nicht nur ein Buch Karel Wojtyłas ist, das man im Notfall irgendwie abschwächen könnte, sondern ein bewusst produziertes Statement der katholischen Kirche.

2.„Der Papst: „Ärgernis“ und „Mysterium“

‚Haben sie noch nie während ihres Pontifikats an ihrer direkten Verbindung mit Jesus gezweifelt?’[4] Dies ist die Kernfrage, auf die Johannes Paul II. in diesem Absatz antwortet. Der Interviewer zielt damit auf die Kluft zwischen Selbstverständnis eines jeden Papstes, nämlich Stellvertreter Jesus auf Erden zu sein und der Rezeption in der säkularen Welt, die diesen Anspruch nicht anerkennen will oder kann.[3]

Johannes Paul II. beginnt damit die Bibel zu zitieren:„Fürchtet dich nicht“[5]. Johannes Paul II. erklärt, dass ein Mensch sich immer als Sünder sehen muss. Besonders er habe diese Erkenntnis für sich selbst gemacht.[6] Er selbst benutze das Bibelzitat für sich in der Weise, dass er sich nicht vor den Menschen fürchten solle, auch nicht, wenn sie ihn ‚heiliger Vater’ oder Ähnliches nennen, obwohl diese Bezeichnungen wohl gegen das Evangelium verstoßen würden, in dem es heißt:„Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen…“[7] Diese Ausdrücke seien nur durch Tradition entstanden und im Sprachgebrauch bereits verwurzelt, deshalb bräuchte sich kein Inhaber des Stuhles Petrus vor ihnen zu fürchten.[8] Johannes Paul II. erklärt die Geschichte Johannes, der zu Jesus findet, ihn aber verleugnet. Das sei seine Sünde. Trotzdem überträgt Jesus ihm das Amt seines Stellvertreters mit den Worten:„Weide meine Lämmer…“[9] Johannes Paul II. erklärt, dass in diesem Zusammenhang Begriffe wie die oben genannten zur Bezeichnung des Papstes in den Hintergrund treten und die Botschaft, die durch sie übertragen werden soll weit wichtiger sei.[10] Die Kirche bekenne „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“[11], durch das Bibelwort „…niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“[12] Diese ‚Offenbarung’ sei endgültig und indiskutabel, man könne sie nur teilen oder ablehnen. Selbst für die anderen Religionen, die auf der Tradition Abrahams aufbauen, sei dies schwer zu verstehen und nicht nachzuvollziehen. So erklärt Johannes Paul II. die starke Trennung der monotheistischen Religionen.[13] In der Kirche, die auf Christus aufgebaut ist, seien die Apostel und ihre Nachfolger Zeugen für Gott und somit Zeugen für den Sieg des Lebens über den Tod, da die Apostel das Geschehen mitverfolgten und durch Sinneswahrnehmungen dieses Bekenntnis sprechen konnten.[14]

Jedoch:„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“[15]

Der Papst ist also ein Geheimnis und man könne sich für oder gegen den Anspruch des Papstes entscheiden, ob man ihn anerkenne oder nicht. Johannes Paul II. meint nun, dass man diese zugegeben schwere Entscheidung treffen müsse. Allerdings sei sie nicht nur eine Handlung des Menschen, sondern auch eine Handlung Gottes, der sich offenbare.[16]

Jesus sei in jedem Christen, also auch und natürlich im Papst aufgrund der Taufe und der Sakramente. ‚Stellvertreter Christus’ bedeute also zu allererst ‚Diener’ der Kirche. Christus sei der Bräutigam dieser und der Papst habe die Aufgabe „…, diese Wahrheit zu bekennen und sie… zu vergegenwärtigen.“[17]

3. „Jesus-Gott: Ein übertriebener Anspruch?“

„Wie kann man nur mit solch unerhörter Gewißheit behaupten, daß dieser in einer abgelegenen Provinz zum Tode verurteilte Jude der Sohn Gottes sei, wesensgleich mit dem Vater?“[19] [18]

Johannes Paul II. Antwort auf diese Frage fällt so aus: Wenn Jesus nur Prophet oder Weiser oder Erleuchteter gewesen wäre, „…dann wäre er mit Sicherheit nicht das, was er ist. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er ist Mittler, weil er Gottmensch ist.“[20]

Er relativiert diese Aussage aber, indem er eine Abgrenzung von Jesus zu Sokrates, Mohammed und Buddha gibt. Damit will er die Einzigartigkeit die Jesus zugeschrieben wird, in den Vordergrund stellen, aber nur in Abgrenzung zu den Genannten. Eine Figur wie Jesus gäbe es nur in der christlichen Religion. Johannes Paul II. beruft sich auf das Konzil von Nizäa, bei dem das Glaubensbekenntnis verbindlich eingeführt wurde[21], in dem der heilige Geist nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgehe.

Diese Glaubensbekenntnis erklärt Johannes Paul II. als „…Reflex der Lehre des Paulus.“[22] Er zeigt die Verbindung zwischen Paulus und Johannes in einer Textstelle bei Lukas, die den oben angeführten Satz, dass die Erkenntnis nicht von Fleisch und Blut, sondern vom Vater komme wiederholt.[23] Er bezeichnet diesen Punkt als „…Wahrheit des Evangeliums,…“[24].

3.1. „Hat nur Rom Recht?“

Die Hauptfrage um die es in diesem Abschnitt geht ist:„Warum sollte unter all den christlichen Kirchen nur die katholische Kirche die Fülle des Evangeliums besitzen und lehren?“[26] [25]

Johannes Paul II. argumentiert, dass „…das Heil einzig und allein in Christus zu finden ist.“[27], diese Erkenntnis gewinnen er und die Kirche aus dem ersten Brief an Timotheus 2, 5 und der Apostelgeschichte 4, 12. Wiederum ist dies für ihn ‚offenbarte Wahrheit’ und die Kirche ist nur ein „…Werkzeug des Heils“.[28] Er führt den heiligen Cyprian an, nachdem die Weltkirche „…ein von der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes versammeltes Volk …“[29], darstellt. Für ihn rettet sich der Mensch in der Kirche selbst, wenn er die Dreieinigkeit Gottes erkennt.[30] Das Konzil vertrete also nicht den Anspruch, dass die Kirche im Mittelpunkt der Betrachtung stehe, sondern Christus und sein Opfer.[31] In Christus sei die Kirche katholisch, also universal. „[I]n allen Völkern der Erde wohnt also dieses Gottesvolk…“[32], und da Jesus die Wichtigkeit der Taufe und des Glaubens betont, hebt er gleichsam die Notwendigkeit der Kirche hervor um gerettet zu werden, quasi als Türöffner der Erlösung. Wobei reines Dazugehören auch nicht die Erlösung bringe, wenn man nicht auch mit dem ‚Herz’ der Kirche angehöre. Ferner müsse man der Kirche „…im Denken, Reden und Handeln…“, gleich sein um die Erlösung zu erfahren.[33]

[...]


[1] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994.

[2] Ebd., S.7-16.

[3] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994.., S. 31

[4] Vgl. Ebd., S. 32.

[5] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Lk 1, 30, S.1142.

[6] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S. 33.

[7] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Mt. 23, 9-10, S. 1105.

[8] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S. 33.

[9] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Joh. 21,15-16, S.1211-1212.

[10] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.36.

[11] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Mt. 16,16, S.1096.

[12] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Mt. 11,26, S. 1089.

[13] Vgl. Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.37f.

[14] Vgl. Ebd. , S.38.

[15] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Joh. 20,29, S.1211.

[16] Vgl. Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.38f.

[17] Ebd., S.40f.

[18] Ebd., S.68.

[19] Ebd. S.68.

[20] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.68f.

[21] Ebd., S.72.

[22] Ebd., S.72.

[23] Vgl. Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, Katholisches Bibelwerk GmbH, Lk. 10,21-22, S.1158f.

[24] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.73.

[25] Ebd. S.156.

[26] Ebd., S.156.

[27] Ebd., S.157.

[28] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.157.

[29] De oratione Dominica, 23, zit nach: Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.157.

[30] Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.157.

[31] Vgl. Ebd., S.158.

[32] Lumen gentium 13, zit nach: Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.158.

[33] Vgl. LG 14 zit. nach: Johannes Paul II.: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, Bastei Lübbe Taschenbuch Bd. 60413, Bergisch Gladbach 1994, S.157.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Begriffe Vernunft und Wahrheit in der Argumentation des Buches „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Glaube und Vernunft in den monotheistischen Weltreligionen
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V121588
ISBN (eBook)
9783640262144
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begriffe, Vernunft, Wahrheit, Argumentation, Buches, Schwelle, Hoffnung, Glaube, Weltreligionen
Arbeit zitieren
Martin Böse (Autor), 2007, Die Begriffe Vernunft und Wahrheit in der Argumentation des Buches „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121588

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