Im Rahmen seiner Romantrilogie I nostri antenati verfasst Italo Calvino den Barone Rampante, welcher 1957 publiziert wird. Bei dem Werk handelt es sich um die Geschichte eines jungen Adligen, welcher der antiquierten Aristokratie des späten Achtzehnten Jahrhunderts entsagt, seine Familie verlässt und seine Herkunft versteckt. Der Romanheld Cosimo flüchtet sich in seine eigene Welt auf den Bäumen und begründet sein eigenes Reich. Er strebt dabei nach den Idealen der Französischen Revolution und versucht sich in der Begründung eines Idealstaates auf den Bäumen. Auf dem Weg dahingehend lässt Calvino seinen Protagonisten ein anthropologisches Programm durchlaufen, welches gleichsam den Zivilisationsprozess der Menschen widerspiegelt. Des weiteren werden damit verbundene Thematiken aufgeworfen und verarbeitet. Besonderes Augenmerk gilt in diesem Zusammenhang der Politik, der Utopie, die Liebe und natürlich der gegebene historische Hintergrund. Hinsichtlich des geschichtlichen Hintergrunds muss angemerkt werden, dass der Roman zwar im späten Achtzehnten Jahrhundert situiert ist, aber das eigentliche Szenario die Gegenwart des Autors beschreibt. Die Verknüpfung aller Elemente verleiht dem Roman eine beträchtliche strukturelle Komplexität. Es ist überaus schwierig, den Roman zu kategorisieren. Denn es gibt eine Vielzahl gattungsspezifischer Elemente und Parallelen, die auf unterschiedliche Typen hinweisen wie den Abendteuerroman (Defoes „Robinson Crusoe“, Jules Vernes „Le tour du monde en 80 jours) den historischen Roman, das Märchen/Fantasy (Die Abendteuer des Baron Münchhausen, Alice im Wunderland, Peter Pan, Don Chisciotte oder Gulliver) usw. Welchen Anspruch verfolgt also der Roman? Diese Arbeit soll die Form und den Inhalt des Barone Rampante untersuchen. Dabei stehen die Fragen nach politischem Moment, Utopie, Liebe, Histoire und Figurenrepertoire im Vordergrund. Welche Botschaft bleibt am Ende bestehen?
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Romanbeschreibung
2.1. Situierung des Barone Rampante
2.2. Anthropologisches Programm im Barone Rampante
2.3. Figurenrepertoires
2.4. Die Liebe
2.5. Utopie und Politik im Barone Rampante
3. Zusammenfassung
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Italo Calvinos Roman "Il Barone Rampante" unter besonderer Berücksichtigung der komplexen Wechselwirkung zwischen Form und Inhalt. Im Zentrum steht die Analyse des Romans als eine Allegorie, die Calvinos eigene historische Erfahrung der fünfziger Jahre mit dem historischen Kontext des späten 18. Jahrhunderts verknüpft, wobei die Figur des Cosimo als utopischer Protagonist und Träger eines anthropologischen Programms im Vordergrund steht.
- Die Darstellung des anthropologischen Entwicklungsprozesses des Helden.
- Die Analyse der thematischen Trias aus Distanz, Engagement und Utopie.
- Die Untersuchung der Liebessemantik in ihren verschiedenen Stufen.
- Die Allegorie der Geschichte und die Rolle politischer Ideale.
- Die Verknüpfung von fiktionaler Erzählung und zeithistorischer Reflexion.
Auszug aus dem Buch
2.1. Situierung des Barone Rampante
Der Roman spielt in dem kleinen Ort Ombrosa. Der Schauplatz ist zwar fiktiv, doch das Ambiente des Barone Rampante lässt sich gut präzisieren. Hierzu offeriert der Autor dem Leser eine Vielzahl von verschiedenen Angaben von historischer und auch geographischer Art. So ergibt sich schließlich eine recht genaue Wahrnehmung beziehungsweise Vermutung über den Schauplatz des Romans. Ombrosa befindet sich demnach in unmittelbarer Küstennähe in der Region Ligurien. Der Ort muss sich unweit von Genua befinden, da Calvino immer wieder auf den Einfluss der See- und Handelsmacht auf die Ombrosaner Gesellschaft und ihren Handel verweist.
Neben den geographischen Hinweisen, baut der Autor auch eine Vielzahl von historisch temporären Indikatoren in die Handlung ein. Schon gleich zu Beginn des Romans gibt es den Verweis auf ein explizites Datum, den 15. Juni 1767. An diesem Tag beginnt der Roman um den jungen Adligen Cosimo. Auch im weiteren Verlauf des Textes erscheinen immer wieder bestimmte Jahreszahlen und Zäsuren, die dem Kontext des Buches einen zeitlichen Rahmen geben. Solche Zeitpunkte betreffen wichtige Ereignisse des 18. Jahrhunderts, wie das Erdbeben von Lissabon, die Französische Revolution, die Napoleonische Ära, die Krönung Napoleons zum italienischen König usw. Durch die zeitlichen Angaben ergibt sich für den Leser ein recht präzises Bild von der dargestellten Zeit, in welcher sich der Roman bewegt. So bewegen wir uns eindeutig im 18. Jahrhundert – in den letzten Jahrzehnten des Selbigen, wobei besonderes Augenmerk auf die Zeit von der Französischen Revolution bis zum Ende der Napoleonischen Ära gerichtet wird – die einsetzende Restauration/“Wiener Kongress“ (1815). Dieser Rahmen spiegelt sich auch explizit in der Vita des Protagonisten wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Romantrilogie und das Werk ein, definiert die Fragestellung und ordnet den Roman in seinen historischen sowie literarischen Kontext ein.
2. Romanbeschreibung: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Zusammenfassung der Handlung, vom Entschluss des jungen Cosimo, sein Leben auf den Bäumen zu verbringen, bis hin zu seinem Alter und Tod.
2.1. Situierung des Barone Rampante: Hier wird der Handlungsort Ombrosa sowie der zeitliche Rahmen des 18. Jahrhunderts als zentrales Szenario für den Roman historisch und geographisch verortet.
2.2. Anthropologisches Programm im Barone Rampante: Dieses Kapitel analysiert Cosimos Lebensweise auf den Bäumen als eine stufenweise anthropologische Entwicklung, die von der Jagd bis zur komplexen Mensch-Mensch-Beziehung reicht.
2.3. Figurenrepertoires: Hier werden die verschiedenen Romanfiguren als soziale und existenzielle Gegenbilder zu Cosimo und seiner spezifischen Form der Distanz betrachtet.
2.4. Die Liebe: Dieser Abschnitt untersucht die verschiedenen Stadien der Liebe im Roman, insbesondere die Diskrepanz zwischen Cosimo und Viola sowie die zugrunde liegenden Liebessemantiken.
2.5. Utopie und Politik im Barone Rampante: Dieses Kapitel interpretiert den Roman als Allegorie der fünfziger Jahre und beleuchtet das Scheitern von Idealen und den Konflikt zwischen individuellem Anspruch und historischer Realität.
3. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die strukturelle Vielschichtigkeit des Werkes zusammen und betont die Vergeblichkeit von Widerstand und politischem Handeln im Angesicht der Zeit.
4. Literatur: Dieses Verzeichnis listet die für die wissenschaftliche Arbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Italo Calvino, Il Barone Rampante, Anthropologie, Utopie, Aufklärung, Distanz, Engagement, Historischer Roman, Allegorie, Cosimo, Literaturanalyse, Politik, Individuum, Gesellschaft, Restauration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die formale und inhaltliche Struktur des Romans "Il Barone Rampante" von Italo Calvino, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von Literatur, Geschichte und Philosophie liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen das anthropologische Programm der Hauptfigur, die verschiedenen Semantiken der Liebe, die Bedeutung von politischem Engagement sowie das Motiv der Distanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Roman als Allegorie auf die politische Situation der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu lesen und den Prozess des Scheiterns von Utopien im historischen Kontext aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman textnah untersucht und durch eine Einbettung in den historischen sowie intellektuellen Kontext (wie die Aufklärung oder die Nachkriegszeit) ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Inhaltsbeschreibung, die Analyse der anthropologischen Entwicklung Cosimos, die Charakterisierung des Figurenrepertoires sowie die Untersuchung der politischen und utopischen Dimensionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Analyse wird besonders durch Begriffe wie Distanz, Engagement, Utopie, anthropologisches Programm und den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts geprägt.
Warum wählt Cosimo das Leben auf den Bäumen als Form des Protests?
Die Bäume dienen als Symbol für eine notwendige Distanz zur Gesellschaft, um diese überhaupt erst kritisch und sinnvoll wahrnehmen und durch eigenes Engagement verbessern zu können.
Inwiefern spielt der Faktor "Zeit" eine entscheidende Rolle für das Ende des Romans?
Die Zeit fungiert als unerbittlicher Faktor, der die aufklärerischen Ideale und den Optimismus der Jugend (Cosimo) einholt und in die Resignation des Alters sowie die restaurative Realität des 19. Jahrhunderts führt.
- Arbeit zitieren
- Tobias Zander (Autor:in), 2009, Form und Inhalt in Italo Calvinos "Il Barone Rampante", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121654