In dieser Arbeit werden Bildungs- und Beratungsfelder in der frühkindlichen Entwicklung, in der Kinderbetreuung und in Familien aufgezeigt. Dabei wird der Schwerpunkt auf diese Bildungs- und Beratungsfelder in der Corona Pandemie in Deutschland gesetzt.
Die Familie stellt eine Beziehung verschiedener Einzelsysteme dar wie zwischen Vater und Kind, die ständig im Wandel ist. Die Einzelsysteme wiederum können in Subsysteme unterschieden werden, die Teile der Kernfamilie darstellen. Zu den Teilsystemen gehört die Partnerschaft, in der gegenseitige Bedürfnisse befriedigt und der Partner unterstützt wird. Das Teilsystem der Eltern übernimmt die Aufgabe die Kinder zu ernähren und zu sozialisieren. Geschwister bilden Beziehungen im sogenannten Geschwisterteilsystem aus. Das Teilsystem zwischen den Geschlechtern z.B. Vater zum Sohn, hilft bei der Ausbildung der geschlechtlichen Identität. Die Teilsysteme ordnen ihre Beziehungen und Interaktionen untereinander, wobei die unterschiedlichen Beziehungen durch eine Grenze festgelegt werden, die das System von seiner Umgebung trennt. Die Teilsysteme bilden untereinander eine Hierarchie, wobei das elterliche Teilsystem über dem kindlichen Teilsystem steht.
Die familiären Interaktionen entwickeln eine Dynamik, bei der gemeinsame Sinndeutungen und eine gemeinsame Geschichte den Zeitverlauf über mehrere Generationen hinweg umfasst. Die Verhaltensweisen eines Mitglieds der Familie sind systemrelevant. Einzelne Veränderungen können sehr schnell wahrgenommen werden und Irritationen auslösen. Die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern befinden sich üblicherweise in einem Zustand des Gleichgewichts, wobei in jeder Familie unterschiedliche Entwicklungsstadien durchlaufen werden, in denen sich die Beziehungen verändern, so dass ein neuer Gleichgewichtszustand eintritt.
Durch die am 11. März 2020 ausgerufene Corona Pandemie (Schlack, 2020) hat sich das Familiensystem und die damit einhergehenden Einschränkungen des Sozialraums verändert, da alle Beteiligten enger miteinander verbunden und aufeinander angewiesen sind. Für die Kinder brach mit der Schließung der Kindertagesstätten der gewohnte Alltag mit den sozialen Kontakten zusammen. Solch ein gewaltiger Umbruch erfordert professionelle Unterstützung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Bedeutung des Themas
1.2. Forschungsfrage
1.3. Ziel der Arbeit
1.4. Aufbau und Methode der Arbeit
2. Hauptteil
2.1. Wahrnehmung des Kindes
2.2. Bildungs- und Beratungsfelder
2.2.1. Handlungsfeld Beobachtung und Nähe zum Kind
2.2.2. Handlungsfeld Kommunikation
2.2.3. Handlungsfeld Umgang zwischen Kind und Erwachsenen
2.2.4. Handlungsfeld zwischen verschiedenen Sozial- und Zeiträumen
3. Beratung der Bezugspersonen und Handlungsempfehlungen
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Bildungs- und Beratungsfelder für die frühkindliche Entwicklung in der Kinderbetreuung und in Familien während der Corona-Pandemie zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche Angebote geeignet sind, um Familien bei der Bewältigung der durch die Pandemie bedingten Herausforderungen, wie etwa dem Wegfall sozialer Kontakte und erhöhter Belastungen, professionell zu unterstützen.
- Familiensysteme und deren Dynamik im Kontext der Pandemie
- Die Rolle der Frühpädagogik und pädagogischer Fachkräfte
- Handlungsfelder: Beobachtung, Kommunikation und räumliche Gestaltung
- Empowerment und das Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe
- Bedeutung der Bindung und individueller Bedürfnisse
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Handlungsfeld zwischen verschiedenen Sozial- und Zeiträumen
Das Kind ist neugierig und eignet sich in seinem Sozialraum sein Wissen eigenständig an. Dabei erlebt es den Zusammenhalt mit anderen Kindern, aus dem Freundschaften entstehen. Es will seine Umgebung erkunden und kreative Lösungen für seine Fragen entwickeln. So stellt die Infrastruktur zwischen dem Kind und seiner Umwelt einen entscheidenden Ausgangspunkt in der frühkindlichen Bildung dar. Ihre Forschungsinhalte und -themen finden die Kinder in ihrem Alltag, zu dem beispielsweise der eigene Körper, aber auch individuelle Räume, verschiedene Materialien und Gegenstände sowie Naturerscheinungen und Beziehungen zu anderen Kindern und ihre Annäherungen und Beziehungen zu anderen Kindern und ihre Annäherungen sowie Auseinandersetzung und Verständigung gehören. Das Kind wird in seinen Fähigkeiten im Sozialraum gefördert, die seine Beweglichkeit und Ausdauer sowie seine Kraft stärken. Die Konzentration und Merkfähigkeit werden gesteigert und das Kind bekommt ein steigendes Körpergefühl. Seine Sinneswahrnehmungen werden bewusster. Die Gruppendynamik steigt. Das Kind entwickelt seine Lernfähigkeit und Geschicklichkeit. Das Kind soll sich mit Gleichaltrigen seinen Sozialraum selbst erschließen, wobei die Erwachsenen aus dem Hintergrund heraus, schützend beobachten und notfalls eingreifen können (Gulden, E., 2016).
Im Sozialraum sollten mehr autofreie Spielstraßen und Grünflächen geschaffen werden, damit sich die Kinder angstfrei und risikolos bewegen können (Keller, H., 2011, S. 7). Die Stadtbibliothek kann ein Sozialraum werden und entsprechende Buchangebote bereitstellen. Der Sozialraum und seine Infrastruktur sollten grundsätzlich kinder- und familienfreundlich gestaltet werden (Piper, I., 2008, S. 165ff.).
Kinder verständigen sich untereinander stärker mit Berührungen als über Worte. Die Wahrnehmung kann spielerisch umgesetzt werden, wie bei Blindbok und der Wettermassage. Bei dem Spiel Blindbok werden einem Kind die Augen verbunden. Indem das Kind behutsam bei einem anderen Kind die Haare, das Gesicht und die Kleider betastet und errät so durch, wer vor ihm steht (Neupert, M., 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung familiärer Systeme, stellt die zentrale Forschungsfrage zur Unterstützung von Familien während der Pandemie und definiert das Ziel sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die kindliche Wahrnehmung in Krisenzeiten und detailliert verschiedene pädagogische Handlungsfelder wie Beobachtung, Kommunikation und die Bedeutung von Sozial- und Zeiträumen.
3. Beratung der Bezugspersonen und Handlungsempfehlungen: Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Bezugspersonen durch pädagogische Ansätze und Empowerment-Konzepte in die Lage versetzt werden können, Kinder in schwierigen Lebensphasen gezielt zu unterstützen.
4. Fazit: Das Resümee fasst die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes zusammen und betont, dass auch nach der Akutphase der Pandemie stetige Entwicklungen in den Bildungs- und Beratungsangeboten erforderlich bleiben.
Schlüsselwörter
Frühpädagogik, Corona-Pandemie, Familiensystem, Bildungsfelder, Beratungsangebote, Kindesentwicklung, Kommunikation, Sozialraum, Beobachtung, Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe, Bezugspersonen, Bindung, Krisenintervention, Kinderbetreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Familien und die frühkindliche Entwicklung sowie mit den daraus resultierenden Anforderungen an pädagogische Bildungs- und Beratungsangebote.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Dynamik von Familiensystemen, die Bedeutung von Nähe und Distanz, nonverbale Kommunikation, kindliche Lernprozesse und die Gestaltung von Sozialräumen für Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, geeignete Bildungs- und Beratungsansätze aufzuzeigen, die Familien dabei unterstützen, die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen und die kindliche Entwicklung trotz Einschränkungen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung theoretischer und praxisorientierter Fachliteratur aus den Bereichen der Frühpädagogik und Familienpsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der kindlichen Wahrnehmung, die Darstellung spezifischer pädagogischer Handlungsfelder wie Beobachtung und Kommunikation sowie die Gestaltung von Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Empowerment, frühkindliche Bildung, Pandemie-Folgen, Bindung und professionelle Beratungs- und Unterstützungsstrategien.
Wie wirkt sich die Pandemie laut der Autorin konkret auf Kleinkinder aus?
Die Arbeit stellt fest, dass Kinder unter zwei Jahren besonders sensibel auf Stress und Veränderungen der Bezugspersonen reagieren, was sich in Anklammerung, Schlafstörungen oder regressivem Verhalten äußern kann.
Welche Rolle spielt der Sozialraum für die kindliche Entwicklung?
Der Sozialraum wird als grundlegender Ausgangspunkt für die frühkindliche Bildung identifiziert, in dem Kinder durch Interaktion, Spiel und das Erforschen ihrer Umgebung eigenständig Wissen und Kompetenzen erwerben.
Was versteht die Autorin unter dem Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Kontext dieser Arbeit?
Es handelt sich um das Empowerment-Prinzip, bei dem Kinder als aktive „Experten in eigener Sache“ wahrgenommen werden, wobei pädagogische Fachkräfte eine unterstützende, aber begleitende Rolle einnehmen.
- Arbeit zitieren
- Christina Glaser (Autor:in), 2022, Bildungs- und Beratungsfelder in der frühkindlichen Entwicklung, in der Kinderbetreuung und in Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217194