Typologie von Seniorenimmobilien auf der Angebotsseite


Referat (Ausarbeitung), 2008

16 Seiten


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Gliederung

Betreutes Wohnen

Barrierefreie Wohnung

Seniorenstift

Selbstorganisierte Wohngemeinschaften

Pflegeheim

Eigene Wohnung

Literatur:

Betreutes Wohnen

Für den Begriff des ‚betreuten Wohnens’ existiert keine einheitliche Definition.[1] Nach Rückert bedeutet „betreutes Wohnen“ „Wohnung plus Betreuung“. Dabei ist die Betreuung entscheidend, nicht die Wohnung,...“[2] Andere Meinungen sehen das entscheidende Kriterium in der altersgerechten Wohnung.[3] Die Mehrheit erachtet jedoch die Verbindung von altersgerecht gestalteter Wohnung und frei wählbarem Betreuungsangebot als entscheidend.[4] Die unterschiedlichen Konzepte des Betreuten Wohnens unterscheiden sich grundlegend im Bezug auf die Größe der Anlage sowie deren Organisation und der inhaltlichen Ausgestaltung der Pflege und Betreuung.

Einheitliches Ziel dieser Wohnkonzeption ist es, das selbständige Wohnen mit bedarfsgerechter Hilfe, Betreuung und Pflege, die auf Wunsch in Anspruch genommen werden können, zu kombinieren.[5] Im Idealfall mietet der Bewohner eine zentral gelegene barrierefreie und altengerechte Wohnung, meist in einer speziellen Wohnanlage.

Im betreuten Wohnen wird nach zwei Serviceangeboten unterschieden: Zum einen existiert ein Grundservice und zum anderen ein Wahlservice. Der Grundservice wird in der Regel mit einer Pauschale abgegolten. Diese Grundbetreuung umfasst i. d. R. Beratungs- und Informationsleistungen sowie die Notrufsicherung.

Zusätzliche Leistungen bzw. Serviceleistungen können je nach Bedarf in Anspruch genommen werden und werden je nach individueller Inanspruchnahme abgerechnet. Diese Serviceleistungen reichen von hauswirtschaftlichen Diensten über gelegentliche Besorgungen bis hin zu psychosozialen Beratungen bei persönlichen Krisen sowie variierenden soziokulturellen Angeboten.[6]

Das Angebot an Dienstleistungen in betreuten Wohnangeboten zeichnet sich durch eine hohe Varianz aus: Bei altersgerechten Wohnungen fehlen häufig Angebote im gesundheits- bzw. pflegebezogenen Bereichen. Angebote, wie beispielsweise Krankengymnastik, Ergotherapie und Fußpflege werden häufig nicht angeboten. Im Gegensatz hierzu ist das Angebot an infrastrukturellen Möglichkeiten mit gut zu bewerten.[7]

Die Selbständigkeit und die Autonomie der Bewohner sollen gefördert und möglichst lange erhalten bleiben.[8] Es soll auf diese Art und Weise gewähr­leistet werden, dass ältere Menschen auch bei nachlassender Leistungsfähigkeit und zunehmender Hilfsbedürftigkeit ein weiterhin selbständiges und eigenverantwortliches Leben führen können.[9] Mit einer größtmöglichen Freiheit bei der Zusammenstellung der individuellen Leistungspakete kann zum einen eine Abstimmung auf individuelle Problemlagen und Bedürfnisse erreicht werden; zum anderen wird damit aber auch einer ‚Überversorgung’ durch pauschalierte Serviceleistungen entgegengewirkt.[10]

Die Bewohner schließen einen Miet- und Betreuungsvertrag. Für diese Wohnform, die i. d. R. nicht den heimrechtlichen Bestimmungen unterliegt, werden auch Begriffe wie Service-Wohnen oder unterstütztes Wohnen verwendet.

Betreutes Wohnen ist nicht an eine spezielle Wohnform, wie beispielsweise Wohngemeinschaften, altengerechte Einzelwohnungen oder institutionelle Wohnanlagen gebunden.[11] Die Grundvoraussetzung des Betreuten Wohnens besteht jedoch in der Barrierefreiheit, möglichst nach DIN 18025 Teil II, und in der Abgeschlossenheit der Wohnung.[12]

Eine Sonderform des ‚betreuten Wohnens’ ist das ‚betreute Wohnen von zu Hause’.

Bei dieser Wohnform verbleibt der Senior in seiner eigenen Wohnung und schließt mit einem Dienstleister – meist einem ambulanten Dienst, einer Sozialstation oder einem Betreuungsverein – einen Betreuungsvertrag ab. Dieser Vertrag umfasst neben allgemeinen Informations- und Beratungsleistungen vor allem regelmäßige Hausbesuche, um weitere Hilfebedarfe besser einschätzen und rechtzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Für dieses Wohnkonzept werden auch Begriffe wie ‚Wohnen plus’ oder ‚Betreutes Wohnen im Bestand’ verwendet.

Da Betreutes Wohnen eine Verbindung von eigenständiger Lebensführung mit Serviceleistungen verbindet, präferieren vor allem junge Ältere, die nur gelegentlich auf fremde Hilfe angewiesen sind und in ihrem Haushalt möglichst lange selbständig wohnen wollen, diese Wohnform.[13] Das Alter, der in Betreuten Wohnanlagen lebenden Senioren liegt mehrheitlich bei über 75 Jahren.[14] Betreutes Wohnen zielt nicht auf eine bestimmte Einkommensschicht ab, sondern auf alle Einkommensschichten von einkommensschwachen bis hin zu finanziell gut situierten Senioren.

Im Bereich des betreuten und altersgerechten Wohnens ist der Markt weniger reguliert, wie beispielsweise stationäre Einrichtungen, die dem Heimgesetzt unterliegen.[15] Es ist hierbei jedoch zwischen öffentlich geförderten und freifinanzierten Anlagen zu unterscheiden. Freifinanzierte Einrichtungen unterliegen weder in der Mietgestaltung gesetzlichen Vorschriften noch müssen sich diese Einrichtungen sich an die Mietpreisspiegel des Wohnungsmarktes orientieren. Dies bedeutet jedoch, dass sich der Träger der Sozialhilfe auch bei einkommensschwachen Bewohnern nicht an den Kosten der Unterkunft und Verpflegung beteiligt. Als Nachfrager dieser Einrichtungen kommen somit nur Selbstzahler in Betracht. Der Gesamtbetrag der zu entrichtenden Entgelte setzt sich aus Bruttokaltmiete, den Betriebs- bzw. Nebenkosten, sowie den Kosten für Service und möglichen Dienstleistungen zusammen.[16] Die Entgelte für ambulante pflegerische Dienstleistungen werden von den Pflegekassen im Rahmen der jeweiligen festgestellten Pflegestufe bis zu einem bestimmten Höchstbetrag übernommen. Im Gegensatz zur stationären Pflege werden diese Beträge nicht pauschal sondern nur gegen Vorlage einer Einzelabrechnung bezahlt.

Der Vorteil von Betreuten Wohnanlagen gegenüber herkömmlichen altersgerechten Wohnungen ist dabei zu sehen, dass auch bei gesundheitlichen Einschränkungen bzw. bei eintretender Pflegebedürftigkeit einen weitestgehende selbständige Lebensweise möglich ist. Es könne zwar auch in altersgerechten Wohnungen pflegerische Serviceleistungen vermittelt werden, ein integriertes Dienstleistungsangebot ist jedoch nur in betreuten Wohnanlagen zu finden. Altenwohnheime weisen zwar eine den betreuten Wohnanlagen ähnliche Dienstleistungsstruktur auf, jedoch ist eine selbstbestimmte Lebensführung in dieser stark institutionalisierten Wohnform kaum möglich.[17]

Barrierefreie Wohnung

Hier werden i. d. R. neu gebaute Wohnungen so gestaltet, dass diese auch gut von älteren Menschen genutzt werden können, das heißt keine Hindernisse oder Barrieren für ältere oder behinderte Menschen existieren.[18]

Die Standards des barrierefreien Bauens sind in der DIN-Norm 18025 Teil 1 und Teil 2 festgeschrieben und umfassen im wesentlichen Empfehlungen zu den notwendigen Bewegungsflächen, zur Vermeidung von Stufen und Schwellen beim Zugang zur und innerhalb der Wohnung sowie notwendige Türbreiten und Höhen von Bedienungselementen.

Nach und nach lösen Barrierefreie Wohnungen die speziell für ältere Menschen gestalteten Altenwohnungen ab. Für barrierefreie Wohnungen wird auch der Begriff altersgerechtes Wohnen verwandt.

Aber auch bestehende Wohnungen können nach den Vorgaben der Barrierefreiheit angepasst werden: Hierbei geht es um die Wohnraumanpassung der bestehenden Wohnungen an die Bedürfnisse älterer oder behinderter Menschen, wobei die Standards der Barrierefreiheit als Orientierung dienen. Die bestehende Wohnung des Seniors oder behinderten Menschen soll so umgebaut oder umgestaltet werden, dass möglichst keine Barrieren oder sonstige Gefahrenquellen deren Nutzung einschränken. Durch diese Wohnraumanpassung kann häufig eine selbstständige Lebensführung im Alter erhalten bleiben. Um eine solche individuelle Wohnungsanpassung vorzunehmen, ist eine Wohnberatung erforderlich, die Lösungsvorschläge und auch Durchführungsmaßnahmen aufzeigt.

Im Unterschied dazu werden bei einer so genannten strukturellen Anpassung die Wohnungen einer oder mehrerer Wohngebäude im Zusammenhang angepasst.

Erst Ende der 80er Jahre ist die Wohnungsanpassung in den Blickwinkel der Altenhilfe gerückt. 1987 wurde das erste Wohnraumanpassungsprojekt durch die Stadt München durchgeführt, was sowohl die Finanzierungsmaßnahmen als auch die Beratung beinhaltete.[19] Erst 1992 wurde die Wohnungsanpassung in den Katalog der Altenhilfe mit aufgenommen.[20]

[...]


[1] Vgl. Loesch>

[2] Rückert: Betreutes Wohnen, S. 13.

[3] Vgl. Schweikert: Qualitätsmerkmale des betreuten Wohnens, S. 85.

[4] Vgl. Schott: Funktion und Formen, S. 4 und Göbel: Wie wohnen, S. 12.

[5] Vgl. Kuratorium Deutsche Altenhilfe: Rund ums Alter, S. 103 f. und Kleiber, Verkehrswertermittlung von Grundstücken, S. 2472.

[6] Vgl. Schott: Funktion und Formen, S. 6.

[7] Vgl. Eichner. Der Markt für Seniorenimmobilien, S. 37.

[8] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend : Richtlinie für den Bundesaltenplan, S. 16.

[9] Vgl. Loesch>

[10] Vgl. Wüstenrot Stiftung: Selbständigkeit durch betreutes Wohnen, S. 17.

[11] Vgl. Leyendecker: Betreutes Wohnen, S. 75.

[12] Vgl.: Münchner Institut Bulwien: Der Markt für Seniorenwohnen, S. 32.

[13] Vgl. Heinze: Neue Wohnung auch im Alter, S. 70 f.

[14] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Zweiter Altenbericht, S. 94 f und Krause, M.: Analyse zur Erhebung des Bedarfs, S.88.

[15] Vgl. Eichner: Der Markt für Seniorenimmobilien, S. 44.

[16] Vgl. ebenda, S. 44.

[17] Vgl. ebenda, S. 72.

[18] Vgl. Bertelsmann Stiftung und Kuratorium Deutsche Altershilfe: Neue Wohnkonzepte, S. 37.

[19] Vgl. ebenda, S. 41.

[20] Vgl. ebenda, S. 41.

15 von 16 Seiten

Details

Titel
Typologie von Seniorenimmobilien auf der Angebotsseite
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V121740
ISBN (Buch)
9783640271832
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Typologie, Seniorenimmobilien, Angebotsseite, Betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen, Wohnen wie bisher, Altersheime, Pflegeheime
Arbeit zitieren
David Martin (Autor), 2008, Typologie von Seniorenimmobilien auf der Angebotsseite , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121740

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