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Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146. Ein theologischer und historischer Kommentar

Titel: Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146. Ein theologischer und historischer Kommentar

Essay , 2019 , 13 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thomas Wehrli (Autor:in)

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Dieser Essay befasst sich mit den folgenden Spannungsfeldern: Sünden-Sündenerlass, Krieg-Erlösung, Schandtat-Heilstat, Politik-Kirche sowie Heidenverfolgung-Judenschonung. Dieser Essay will versuchen, die Spannungsfelder in sieben Schritten aufzulösen oder sie zumindest einordnend zu beschreiben.

Die Sätze von Clairvaux stehen gleichzeitig für die Conversio, mit der Bernhard eine eigentliche Schandtat – die Tötung von Menschen – zur Heilstat, zum göttlichen Erfordernis, werden lässt. Die zwei Sätze, dicht gewoben, stehen drittens für die Genialität, mit der Bernhard für den Kreuzzug warb: Er bediente sich der merkantilen Logik und setzte einer Beteiligung des prinzipiell sündigen Menschen am Kreuzzug den grössten zu erhoffenden Lohn entgegen: den Sündenerlass.

"Jetzt tapferer Soldat, jetzt, streitbarer Mann, hast Du ein Feld, wo Du ohne Gefahr kämpfen kannst, wo der Sieg Rum, 'der Tod aber Gewinn ist.' (Phil 1,21) Wenn Du ein kluger Kaufmann bist, 'ein Mann des Erwerbs in dieser Welt' (1Kor 1,20) dann prophezeie ich Dir reiche Märkte."

Diese zwei Sätze aus Ep. 363 dynamisieren das Eins-Sein, oder besser: das Eins-Werden von Bernhard von Clairvaux nach anfänglichem Widerstand mit seiner Aufgabe als nimmermüder Promotor, als führende geistliche Instanz des Zweiten Kreuzzuges.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die dreifache Grundlegung in der Persönlichkeitsstruktur

3. Die Grundzüge seines Erfolges

4. Die Rolle Bernhards als Prozess des Werdens

5. Die Schreiben als Ausdruck einer professionellen Maschinerie

6. Die Kaufmann-Logik

7. Die Judenfrage

8. Vom Höhe- zum Tiefpunkt

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Bernhards von Clairvaux bei seinem Aufruf zum Zweiten Kreuzzug im Jahr 1146. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Bernhard durch rhetorische Strategien, eine merkantile Logik des Sündenerlasses und sein charismatisches Auftreten die Menschen zur Teilnahme bewegte, während er gleichzeitig eine ambivalente Haltung gegenüber dem Judenschutz einnahm.

  • Die psychologische und strukturelle Basis von Bernhards charismatischem Wirken
  • Die rhetorische Gestaltung und Verbreitung der Kreuzzugsbriefe
  • Die Anwendung einer merkantilen Logik (Sündenreinigung gegen Kreuzzugsbeteiligung)
  • Die theologischen und historischen Spannungsfelder im Umgang mit Heiden und Juden
  • Der Transformationsprozess vom Mönch zum mächtigen Kreuzzugsprediger

Auszug aus dem Buch

6. Die Kaufmann-Logik

Es ist tief im Wesen des Menschen verankert, dass er für eine erbrachte Leistung eine materielle oder immaterielle Gegenleistung erwartet. Dem (Bernhard noch unbekannten) dritten newtonschen Axiom gleich, dem Prinzip von Actio und Reactio also, muss Bernhard für die Aktion, die Beteiligung am Kreuzzug, eine Reaktion, einen Profit, generieren. Dieser kann, auf einer abstrakten Ebene, als Teilhabe "am religiösen Aufbruch der Zeit" beschrieben werden, manifestiert sich auf der konkreten Ebene als Sündenerlass, als einmalige Gelegenheit, sich von den begangenen Verfehlungen rein zu waschen, eine, so formuliert es Dinzelbacher, "bequem praktikable Möglichkeit der Sündenreinigung", garniert mit dem Versprechen, dass die Schulden bei den Juden erlassen und Familie und Eigentum während des Kreuzzuges unter dem Schutz der Kirche stehen.

Eine Beteiligung am Kreuzzug mutiert somit, in moderner Marketingsprache ausgedrückt, zum "2 für 1"-Angebot: zur Möglichkeit, sich weltlichen Rum und gleichzeitig himmlischen Lohn zu erwerben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Person Bernhards von Clairvaux ein und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen Krieg und Erlösung sowie Politik und Kirche.

2. Die dreifache Grundlegung in der Persönlichkeitsstruktur: Das Kapitel analysiert Bernhards komplexe Persönlichkeit als Zusammenspiel von beobachtendem Scharfsinn, dienender Grundhaltung und charismatischer Ausstrahlung.

3. Die Grundzüge seines Erfolges: Hier wird untersucht, wie Bernhards Wundertätigkeit und seine rhetorische Brillanz eine breite Breiten- und Tiefenwirkung erzeugten.

4. Die Rolle Bernhards als Prozess des Werdens: Das Kapitel beschreibt den Schock über den Fall der Grafschaft Edessa und wie dieser Bernhard dazu brachte, seine monastische Zurückhaltung aufzugeben.

5. Die Schreiben als Ausdruck einer professionellen Maschinerie: Es wird die organisationale und rhetorische Gestaltung der Kreuzzugsbriefe thematisiert, die durch Sekretäre wie Gaufried von Auxerre unterstützt wurde.

6. Die Kaufmann-Logik: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Metaphorik, mit der Bernhard den Kreuzzug als profitables "Geschäft des Lebens" für die Teilnehmer attraktiv machte.

7. Die Judenfrage: Die Untersuchung befasst sich mit der ambivalenten Haltung Bernhards, der gegen Heiden zur Vernichtung aufrief, aber gleichzeitig Pogrome gegen Juden verurteilte.

8. Vom Höhe- zum Tiefpunkt: Das letzte Kapitel schildert den Erfolg der Mobilisierung und den nachfolgenden tragischen Zusammenbruch des Zweiten Kreuzzuges sowie Bernhards Rolle als Sündenbock.

Schlüsselwörter

Bernhard von Clairvaux, Zweiter Kreuzzug, Sündenerlass, Kaufmann-Logik, Charisma, Vita prima, Judenfrage, Rhetorik, Heilsplan, monastisches Ideal, Kreuzzugspredigt, Konversion, Religion, Mittelalter, Politik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische und theologische Rolle Bernhards von Clairvaux bei der Organisation und dem Aufruf zum Zweiten Kreuzzug im Jahr 1146.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die rhetorischen Strategien Bernhards, die Verknüpfung von spiritueller Erlösung mit merkantiler Logik sowie der Umgang mit widersprüchlichen ethischen Positionen in der Kreuzzugsfrage.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Bernhards monastischem Selbstverständnis und seiner realpolitischen Rolle als "Kreuzzugsmacher" zu beschreiben und einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer Quellen, wie der Kreuzzugsbriefe und der Vita prima, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Bernhards Persönlichkeitsstruktur, seiner rhetorischen Mittel, der "Kaufmann-Logik" als Anreizsystem und seiner spezifischen Interventionen in der Judenfrage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Bernhard von Clairvaux, Zweiter Kreuzzug, Sündenerlass, Charisma, Kaufmann-Logik und die historische Ambivalenz zwischen religiösem Eifer und politischem Handeln.

Warum wird Bernhard im Text als "Kaufmann" bezeichnet?

Bernhard nutzte gezielt eine merkantile Metaphorik, um den Kreuzzug als ein vorteilhaftes Geschäft darzustellen, bei dem der Teilnehmer durch die "Aktion" (Kreuzzug) einen "Profit" (Sündenerlass/Heil) erzielt.

Wie erklärt die Arbeit Bernhards Haltung zur Judenfrage?

Die Arbeit zeigt auf, dass Bernhards Schutz der Juden einerseits theologisch aus der Schrift abgeleitet war, während er andererseits dennoch den zeitgenössischen antijüdischen Vorurteilen verhaftet blieb.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146. Ein theologischer und historischer Kommentar
Hochschule
Universität Luzern  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptvorlesung Kirchengeschichte: Mittelalter
Note
1,0
Autor
Thomas Wehrli (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V1217449
ISBN (PDF)
9783346645944
ISBN (Buch)
9783346645951
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernhard von Clairvaux; Kreuzug; Aufruf; Kreuzzugaufruf
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Wehrli (Autor:in), 2019, Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146. Ein theologischer und historischer Kommentar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217449
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Leseprobe aus  13  Seiten
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