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Können Epikureer (wahre) Freunde sein?

Klassische Freundschaftsideale und epikureischer Altruismus

Título: Können Epikureer (wahre) Freunde sein?

Trabajo , 2022 , 16 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Moritz Fork (Autor)

Filosofía - Filosofía de la Edad Antigua
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Wie ist es den Epikureern möglich, Freundschaft und Hedonismus zu vereinbaren? Aufgabe der Arbeit ist es zu zeigen, inwiefern dieser Konflikt aufgelöst werden kann, so dass Epikureer in der Theorie genauso wahre Freunde sein können, wie sie es in der Praxis doch so zahlreich und beispielhaft bewiesen haben.

Freundschaft ist seit Beginn der Philosophiegeschichte ein viel beachtetes und diskutiertes Thema. Während die Vorsokratiker Freundschaft als kosmologisches Prinzip verstanden, stellt Aristoteles wiederum das Verhältnis von Freundschaft, Gerechtigkeit und Autarkie als Baustein eines glücklichen Lebens ins Zentrum seiner Untersuchung. In der Verknüpfung von Freundschaft und Eudaimonia schließen sich daraufhin einerseits stoische Vorstellungen an, Freundschaft sei nur denen zuzubilligen, welche - ohne Blick auf den Nutzen - die Tugend als das höchste Gut halten, und anderseits epikureische Überlegungen, Freundschaft sei aufgrund des sich ergebenden Nutzens zu erstreben, um dann möglicherweise um seiner selbst willen zu bestehen.

Obwohl sich also die antiken Philosophenschulen darin unterschieden, dass sie den Ursprung der Freundschaft und die Motivation dazu unterschiedlich definieren, so herrscht doch weitgehend darüber Übereinstimmung, dass wahre Freundschaft nur um ihrer selbst willen bzw. aus altruistischen Gründen als eine solche auch bezeichnet werden darf. Wenn Epikureer aber versuchen, eine altruistische Freundschaft mit ihrer hedonistischen Lehre und dem nutzenorientierten Denken zusammenzuspannen, so tritt hier zwangsläufig ein scheinbar unüberwindbarer Konflikt auf.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Klassische Freundschaftsideale

2.1 Die drei Arten von Freundschaft bei Aristoteles

2.2 Die Tugendfreundschaft bei Cicero

2.3 Epikur: Theorie und Praxis

3 Epikureischer Altruismus

3.1 Gnomologium Vaticanum

3.2 Cicero – De finibus bonorum et malorum

4 Hilfe und Vertrauen

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den scheinbaren Widerspruch zwischen der hedonistischen, nutzenorientierten Lehre Epikurs und dem Anspruch auf wahre, altruistische Freundschaft. Es wird analysiert, wie Epikureer diesen Konflikt theoretisch auflösen und in der Praxis Freundschaften leben, die über reine Nützlichkeitserwägungen hinausgehen.

  • Vergleich antiker Freundschaftsideale bei Aristoteles und Cicero
  • Analyse der epikureischen Lehre von Lust und Seelenruhe (Ataraxie)
  • Kritische Untersuchung zentraler Textstellen zum epikureischen Altruismus
  • Die Bedeutung von gegenseitigem Vertrauen als Basis für Beständigkeit
  • Synthese von Theorie und gelebter Praxis in der epikureischen Schule

Auszug aus dem Buch

3.1 Gnomologium Vaticanum

In der Vatikanischen Spruchsammlung befindet sich der folgende, den Epikureern zugeschriebene Satz:

πᾶσα φιλία δι᾿ ἑαυτὴν α⟨ἱ⟩ρετή, ἀρχὴν δὲ εἴληφεν ἀπὸ τῆς ὠφελείας.

„Jede Freundschaft ist um ihrer selbst willen zu wählen, ihren Anfang aber hat sie vom Nutzen genommen.“ 24

Der Ursprung einer Freundschaft ist also der Nützlichkeitsgedanke, so wie er in der epikureischen Lehre fest verankert ist. Dieser Nutzen rückt jedoch in der weiteren Ausübung der Freundschaft in den Hintergrund, so dass Freundschaft dann zum Selbstzweck wird. Oftmals wurde dieser Satz als Beleg herangezogen, dass die epikureische Freundschaft durchaus altruistisch sein kann.25 Dennoch ergeben sich hier sowohl textkritische als auch inhaltliche Schwierigkeiten.26

In der einzigen Handschrift aus dem vatikanischen Codex steht nicht αἱρετή (zu wählen) sondern ἀρετή (Tugend). Dementsprechend würde der Spruch lauten: „Jede Freundschaft ist um ihrer selbst willen eine Tugend, ihren Anfang aber hat sie vom Nutzen genommen“. Die Konjektur in αἱρετή (zu wählen) wurde begründet, weil erstens in der Verbindung mit ἀρετή eher der Ausdruck καθ᾿ ἑαυτήν anstatt δι᾿ ἑαυτὴν gebraucht würde und zweitens, weil bei Epikur ἀρετή (Tugend) gerade nicht als Selbstzweck angesehen wird, sondern immer als Mittel zu einem glücklichen Leben dient.27

Die Konjektur des Textes löst zwar das sprachliche Problem, viel schwerwiegender ist aber das inhaltliche. Wenn die Freundschaft um ihrer selbst willen zu wählen ist, dann ist sie selbst bereits Lust und somit Selbstzweck. Daraus könnte man wiederum einen altruistischen Ansatz der epikureischen Freundschaft erschließen, aber der Satz spricht ganz eindeutig von Freundschaft und nicht von Freunden.28 Es ist nämlich nicht gleichzusetzen, „ob Freundschaft (als sozialer und geistiger Zustand) oder der konkrete Freund (als Person und Objekt der Freundesliebe) zum Selbstzweck werden soll.“29 Nichtsdestotrotz bleibt nach wie vor der Einwand bestehen, dass eine altruistische Freundschaft nicht in die auf Lust und Nutzen orientierte Lehre Epikurs widerspruchsfrei einzuordnen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen antiken Freundschaftsbegriffen und der epikureischen Philosophie ein und definiert die Forschungsfrage.

2 Klassische Freundschaftsideale: Dieses Kapitel arbeitet die Definitionen von Aristoteles und Cicero heraus, um den Maßstab für "wahre" altruistische Freundschaft zu setzen.

2.1 Die drei Arten von Freundschaft bei Aristoteles: Aristoteles' Unterscheidung zwischen Nutzen-, Lust- und Tugendfreundschaft dient als normativer Vergleichspunkt.

2.2 Die Tugendfreundschaft bei Cicero: Cicero festigt das Ideal der Tugendfreundschaft und grenzt dieses explizit gegen hedonistische Ansätze ab.

2.3 Epikur: Theorie und Praxis: Hier wird Epikurs Kernlehre der Lust und die Rolle des Freundes als Mittel zur Erlangung von Seelenruhe untersucht.

3 Epikureischer Altruismus: Dieses Kapitel prüft anhand ausgewählter Quellen, ob epikureische Freundschaft altruistische Züge aufweist.

3.1 Gnomologium Vaticanum: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem zentralen Spruch 23 und der Frage, ob Freundschaft bei Epikur zum Selbstzweck wird.

3.2 Cicero – De finibus bonorum et malorum: Analyse der von Torquatus vorgestellten Theorien und deren philosophischer Einordnung im epikureischen Kontext.

4 Hilfe und Vertrauen: Der Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung von Freundschaft, insbesondere dem Stellenwert von gegenseitigem Vertrauen als geistigem Vergnügen.

5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass epikureische Freundschaft zwar keine klassisch-altruistische Ausrichtung besitzt, durch Vertrauen aber eine eigene Beständigkeit erreicht.

Schlüsselwörter

Epikur, Aristoteles, Cicero, Freundschaft, Hedonismus, Altruismus, Tugend, Nutzen, Ataraxie, Seelenruhe, Vertrauen, Nikomachische Ethik, Laelius de amicitia, Gnomologium Vaticanum, Hilfeleistung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das philosophische Verhältnis zwischen der auf Lust und Nutzen ausgerichteten Lehre des Epikur und dem Anspruch, wahre Freundschaft zu praktizieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind antike Freundschaftsideale, der Gegensatz zwischen Egoismus und Altruismus sowie die Rolle von Vertrauen im epikureischen Kontext.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Konflikt zwischen hedonistischer Theorie und der gelebten, oft selbstlosen Praxis epikureischer Freundschaften theoretisch aufgelöst werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit verwendet eine philologische und philosophische Analyse antiker Primärquellen (Epikur, Aristoteles, Cicero) unter Berücksichtigung moderner Sekundärliteratur.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen philosophischen Auffassungen von Freundschaft und hinterfragt kritisch die überlieferten Textbelege zur epikureischen Freundschaftsethik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Epikureismus, Freundschaftsethik, Tugendfreundschaft, Ataraxie, Nutzenorientierung und gegenseitiges Vertrauen.

Inwiefern spielt der Begriff "Ataraxie" eine Rolle für das Verständnis epikureischer Freundschaft?

Die Seelenruhe (Ataraxie) ist das höchste Ziel des epikureischen Lebens; Freundschaft wird als Mittel betrachtet, um Ängste zu mindern und dieses Ziel durch gegenseitigen Rückhalt zu erreichen.

Warum wird im Fazit argumentiert, dass eine "nutzenorientierte Freundschaft" dennoch beständig sein kann?

Die Arbeit schlussfolgert, dass durch den Rahmen des unbedingten, gegenseitigen Vertrauens auch eine auf Nutzen basierende Freundschaft eine Stabilität gewinnt, die der von Aristoteles postulierten Tugendfreundschaft in der Praxis kaum nachsteht.

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Detalles

Título
Können Epikureer (wahre) Freunde sein?
Subtítulo
Klassische Freundschaftsideale und epikureischer Altruismus
Universidad
Johannes Gutenberg University Mainz
Calificación
1,0
Autor
Moritz Fork (Autor)
Año de publicación
2022
Páginas
16
No. de catálogo
V1217620
ISBN (PDF)
9783346647801
ISBN (Libro)
9783346647818
Idioma
Alemán
Etiqueta
können epikureer freunde klassische freundschaftsideale altruismus
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Moritz Fork (Autor), 2022, Können Epikureer (wahre) Freunde sein?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217620
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