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Popularphilosophische Kritik an Immanuel Kants praktischer Philosophie

Immanuel Kant, Christian Garve, Ludwig H. Jakob

Titel: Popularphilosophische Kritik an Immanuel Kants praktischer Philosophie

Examensarbeit , 1994 , 96 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jörg Modeß (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Denn in der Tat muss jede philosophische Schrift der Popularität fähig sein, sonst verbirgt sie in einem Dunst von scheinbarem Scharfsinn vermutlich Unsinn.“ (Immanuel Kant) „Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig.“ (Ludwig Wittgenstein)

„Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit“. Mit diesen Worten hat Friedrich Nietzsche 1889 am Ende seines geistigen Schaffens und kurz vor seinem Zusammenbruch in Turin sich und seine Rolle in der Philosophie versucht zu charakterisieren. Auf Kant scheint mir dieser Satz in zweierlei Weise zuzutreffen.

Zum einen hat er gezeigt, dass die Denker, die vorgaben, uns Gold von ihren Reisen in eine Welt jenseits der Erfahrung mitzubringen, in Wirklichkeit Katzengold in ihren Händen hielten. Die Theologica rationalis ist mit Kant zu ihrem Ende gekommen; das vermeintliche Wissen über Gott wurde wieder zu einem Glauben an Gott.

Zum anderen jedoch fiel seinem Denken auch eine Form des Philosophierens zum Opfer, die Kant selbst nicht nur außerordentlich schätzte, sondern für notwendig hielt, wenn die Philosophie nicht zu einem Glasperlenspiel verkommen soll. Jeder Gedanke müsse der Popularität fähig sein, ist er es nicht, so könnte sich hinter einem schönen Wortgeklingel Unsinn verbergen. Kant war der Ansicht, dass es eine Arbeitsteilung zwischen einer universitären Philosophie geben könne und einer Publizistik, die dieses Denken in eine Sprache kleidet, die von interessierten Laien verstanden werden kann. Es könnte sein, dass es gerade diese Arbeitsteilung war, die das Ende der Popularphilosophie des 18. Jahrhunderts besiegelte. Denn beide Seiten müssen die Verständlichkeit – und nichts anderes verbirgt sich hinter dem Terminus „populär“ – als wichtiges Ziel vor Augen haben.

Ist dies nicht der Fall, wird hingegen der Popularität nur Geringschätzung entgegengebracht, dann führt diese Haltung genauso zur Unmöglichkeit einer sinnvollen Popularphilosophie wie die Unfähigkeit, das Denken Kants - oder allgemeiner - das der universitären Philosophie zu verstehen. Ideal wäre daher ein Denken, das sich bei all seiner Komplexität die Verständlichkeit stets zur Verpflichtung macht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ethik Christian Garves

2.1 Der Begriff der Tugend

2.2 Der Begriff der Pflicht

3 Garves Kritik an Kants praktischer Philosophie

3.1 Kants Urteil über Garve

3.2 Ein unglücklicher Beginn in Göttingen

3.3 Die Übersicht der vornehmsten Prinzipien der Sittenlehre

3.4 Die Autonomie des Willens

3.5 Der Kategorische Imperativ in Konfrontation mit der Goldenen Regel

3.6 Garves Kritik an dem Begriff der reinen praktischen Vernunft

4 Staatsphilosophie

4.1 Nie wieder Krieg – Utopie oder politisches Programm

4.2 Die Diskussion um ein Recht auf Widerstand gegen staatlichen Zwang

4.3 Kants Stellungnahme zum Widerstandsrecht

4.4 Garves Kritik an Kants Widerstandsverbot

4.5 Ludwig Reinhold von Jakob als Kantianer gegen Kant

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Auseinandersetzung der Popularphilosophie des 18. Jahrhunderts – insbesondere ihres Vertreters Christian Garve – mit der praktischen Philosophie Immanuel Kants. Das zentrale Ziel ist es, die Kritik der Popularphilosophen an Kants Ethik und Staatsphilosophie zu analysieren, ihre Stichhaltigkeit zu prüfen und zu verstehen, warum dieser Ansatz nach dem Aufkommen des Kantischen Kritizismus an Bedeutung verlor und schließlich endete.

  • Die Philosophie der Popularphilosophie im 18. Jahrhundert und ihre Beziehung zu Kant
  • Christian Garves Ethik: Tugend, Pflicht und die Rolle der Glückseligkeit
  • Kants Kategorischer Imperativ im Vergleich zur Goldenen Regel aus Sicht Garves
  • Staatsphilosophische Differenzen: Das Verhältnis von Moral und Politik bei Kant und Garve
  • Die Debatte um ein Recht auf Widerstand gegen staatliche Gewalt

Auszug aus dem Buch

Die Autonomie des Willens

Garve lobt als erstes die "Neuheit und Wahrheit, Originalität und praktische Brauchbarkeit" einiger Begriffe und Sätze des Kantischen Systems. So bemerkt Garve, dass die Autonomie des Willens, die Ansicht, dass jeder Mensch sein eigener Gesetzgeber sei, von allen Menschen ohne Vorurteil für eine richtige Ansicht gehalten worden sei. Es sei von jeher selbstverständlich gewesen, dass nur derjenige zu Tadeln sei, der der Urheber seiner Handlungen sei und nicht unter Zwang gehandelt habe. Nur eine allzu große Frömmigkeit und ein zu stark ausgeprägter Autoritätsglaube habe dazu geführt, dass man es für frevelhaft gehalten habe, über Beschlüsse Gottes oder des Staates selbst zu urteilen. Beides ist ein Vorurteil gewesen. Denn will ich wissen, ob Gott sich in einem Gebot offenbart hat, so muss ich zuvor wissen, ob das Gebot vernünftig ist oder nicht. Zur Beantwortung dieser Frage steht dem Menschen aber keine andere Autorität zu Verfügung als die eigene Vernunft. Ebenso verhält es sich mit der Macht des Gesetzgebers. Wenn diese Macht sich nicht auf Tyrannei und gewaltsame Unterdrückung stützen soll, so kann sie ihre Legitimation nur durch eine freiwillige Unterwerfung der Staatsbürger gewinnen. Freiwillig ist diese Unterwerfung aber nur dann, wenn der Grund für sie in der je eigenen Beurteilung der Staatsverfassung liegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Strömung der Popularphilosophie ein, skizziert deren kritische Haltung gegenüber Kant und stellt die Forschungsfrage zur Berechtigung dieser Kritik.

2 Die Ethik Christian Garves: Dieses Kapitel erläutert Garves ethische Grundannahmen, die stark von der Tradition, dem Antiken Denken und englischen Moralphilosophen beeinflusst sind und den Fokus auf das glückselige Leben legen.

3 Garves Kritik an Kants praktischer Philosophie: Dieser Hauptteil analysiert die konkreten Kritikpunkte Garves an Kant, von der Rezension der Kritik der reinen Vernunft bis zur Kritik am Kategorischen Imperativ und dem Begriff der reinen praktischen Vernunft.

4 Staatsphilosophie: Dieses Kapitel behandelt die politischen Diskurse, insbesondere die Frage nach dem ewigen Frieden, dem Verhältnis von Moral und Politik sowie dem umstrittenen Widerstandsrecht gegen staatliche Gewalt.

5 Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Scheitern der Popularphilosophie angesichts des neuen Paradigmas des Kantischen Kritizismus.

Schlüsselwörter

Popularphilosophie, Immanuel Kant, Christian Garve, praktische Philosophie, Ethik, Glückseligkeit, Kategorischer Imperativ, Staatsphilosophie, Widerstandsrecht, Autonomie, Tugend, Moral, Aufklärung, Pflicht, Vernunft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung zwischen Immanuel Kant und den Vertretern der Aufklärungs-Popularphilosophie, repräsentiert vor allem durch Christian Garve.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die ethischen Grundlagen der Moral (Tugend, Pflicht, Glückseligkeit), die Interpretation des Kategorischen Imperativs und die staatsphilosophische Debatte um Widerstandsrecht und politisches Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob die Kritik der Popularphilosophen an Kant gerechtfertigt war und warum diese Strömung trotz ihrer Bedeutung für ihre Zeit literarisch nicht überlebte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wendet eine komparative Methode an, bei der Kants Schriften und die der Popularphilosophen (insbesondere Garve und Jakob) unter Zuhilfenahme zeitgenössischer und moderner Sekundärliteratur auf ihre Argumentationslogik hin untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Garves Ethik, seine spezifische Kritik an zentralen Kantischen Begriffen sowie eine Untersuchung der divergierenden staatsphilosophischen Positionen zu Krieg, Frieden und Widerstand.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Popularphilosophie, Christian Garve, Immanuel Kant, Ethik, Glückseligkeit, Kategorischer Imperativ und Staatsphilosophie.

Wie bewertet der Autor Garves Sicht auf den Kategorischen Imperativ?

Der Autor zeigt auf, dass Garves Kritik auf einem Missverständnis basiert, da er den Kategorischen Imperativ fälschlicherweise als eine Regel zur Folgenabschätzung innerhalb einer sozialen Praxis interpretiert, anstatt als formale Bestimmung des Willens.

Welche Rolle spielt die "Goldene Regel" in der Argumentation?

Garve versucht, den Kategorischen Imperativ auf die Goldene Regel zurückzuführen, da er glaubt, dass ethische Gesetze die menschliche Glückseligkeit als Grundlage benötigen müssen, was Kant entschieden ablehnt.

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Details

Titel
Popularphilosophische Kritik an Immanuel Kants praktischer Philosophie
Untertitel
Immanuel Kant, Christian Garve, Ludwig H. Jakob
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Philosophisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jörg Modeß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1994
Seiten
96
Katalognummer
V1217793
ISBN (eBook)
9783346668745
ISBN (Buch)
9783346668752
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant Garve Popularphilosophie Jakob Antimachiavel Widerstandsrecht populär
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jörg Modeß (Autor:in), 1994, Popularphilosophische Kritik an Immanuel Kants praktischer Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217793
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Leseprobe aus  96  Seiten
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