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Funktionen der Visualisierung von Sichtbarkeit in der "Kudrun"

Title: Funktionen der Visualisierung von Sichtbarkeit in der "Kudrun"

Term Paper , 2018 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Es ist nicht abzustreiten, dass das Kudrunepos sich in vielerlei Hinsicht am Nibelungenlied orientiert, doch differenziert es sich in einigen entscheidenden Hinsichten gänzlich – der Heiratspolitik und somit dem Ende der Dichtung.

Doch wie genau wird der Weg bis hin zu diesem Ende bestritten und gerechtfertigt? Bei der Beantwortung dieser Frage gerät immer wieder ein Begriff ins Zentrum – die Sichtbarkeit. Die Ausdrucksmöglichkeiten und besonders die Funktionen der Sichtbarkeit sollen in dieser Hausarbeit eingehend untersucht werden, um diese letztlich auf die Bedeutung für die höfische Gesellschaft und die Legitimation von Kudruns Politik hin analysieren zu können. Durch meine Bearbeitung möchte ich systematisch erörtern, inwiefern die öffentliche Meinung vom Sehen-und-Gesehen-Werden abhängig ist und darauf aufbauend den Einfluss dieser Meinung auf das Sagengedächtnis darlegen.

Zu Beginn sollen dazu als theoretische Grundlage die Visualisierungsstrategie der Teichoskopie und der Manipulation von Erzähllogika anhand der Forschungsliteratur von Heike Sahm und Tobias Bulang erläutert werden. Im Anschluss daran wird der Zusammenhang von Sichtbarkeit, einerseits zur höfischen Repräsentation, andererseits zum Sagengedächtnis unter besonderer Beachtung von Horst Wenzels Literatur analysiert. Abschließend wird der Antagonist Hartmut eingehend analysiert und versucht an seinem Beispiel die Frage zu beantworten, ob die Rehabilitation einer Figur von einer „gîsel“ zurück zum „helden“ durch Sichtbarkeit möglich ist.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Visualisierungsstrategien in der Kudrun

2.1 Teichoskopien

2.2 Manipulation von Erzähllogika

3. Sehen und Sichtbarkeit in der Kudrun

3.1 Kopplung von Sichtbarkeit und höfischer Repräsentation

3.2 Kopplung von Sichtbarkeit und Sagengedächtnis

4. Rehabilitation Hartmuts

4.1 Positive Sympathiesteuerung bei Hartmut

4.2 Negative Sympathiesteuerung bei Hartmut

5. Fazit

Zielsetzung und zentrale Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Funktionen der Visualisierung von Sichtbarkeit im mittelhochdeutschen Epos Kudrun. Ziel ist es, systematisch zu erörtern, inwiefern die öffentliche Meinung vom Sehen-und-Gesehen-Werden abhängig ist und welchen Einfluss diese Meinung auf das Sagengedächtnis und die Legitimation von Handlungen ausübt. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob und wie eine Figur allein durch Sichtbarkeit in ihrem sozialen Status rehabilitiert werden kann.

  • Analyse von Visualisierungsstrategien wie der Teichoskopie und der Manipulation von Erzähllogika
  • Untersuchung der Kopplung von Sichtbarkeit und höfischer Repräsentation in der mittelalterlichen Hofgesellschaft
  • Erforschung des Zusammenhangs zwischen visueller Wahrnehmung und dem kulturellen Sagengedächtnis
  • Detaillierte Analyse der Rehabilitation der Figur Hartmut durch visuelle Strategien
  • Diskussion der positiven und negativen Sympathiesteuerung bei der Figurencharakterisierung
  • Interpretation der Bedeutung von Blick und Sichtbarkeit für die Legitimation von Kudruns Friedenspolitik

Auszug aus dem Buch

Teichoskopien und ihre Funktion in der Kudrun

Die Teichoskopie, auch Mauerschau genannt, ist ein Mittel, welches ursprünglich aus der Dramaturgie kommt. Szenen, die auf der Bühne schwer zu veranschaulichen sind, wie zum Beispiel Schlachtszenen, können verwirklicht werden, indem von einem erhöhten Standpunkt eine beobachtende Figur die Geschehnisse schildert, die sich parallel abspielen. Kennzeichnend für dieses Mittel ist die meist monologische Form, die durch Fragen oder Zwischenrufe unterbrochen werden kann. Teichoskopien können jedoch nicht nur auf der Bühne selbst, sondern auch in literarischen Texten Anwendung finden. Charakteristisch ist auch hier meist der Monolog oder Dialog. Dienen sollen sie im Text grundsätzlich einer erhöhten Affekt-Intensität, aber vorrangig der Visualisierung niedergeschriebener optischer Eindrücke für den Rezipienten.

Das Ziel dieses Erzählverfahrens beziehungsweise dieser Visualisierungsstrategie ist eine direkte, unmittelbare Beschreibung der Szene. Ohne große erzählerische Umschweife wird über das Geschehen berichtet und es wird Spannung erzeugt, sodass der Rezipient das Gefühl vermittelt bekommt, das zu sehen, was die Figur sieht. Der Leser kann somit in die Handlung eintauchen und sie besser miterleben, wenn Hartmut die Dinge aus seiner eigenen Perspektive schildert, als wenn er diese durch die Augen des Erzählers erfährt. Zusammenfassend wird die Visualisierungsstrategie der Teichoskopie in der hier gezeigten Textpassage also verwendet, um die Unmittelbarkeit der Szene für den Rezipienten zu gewährleisten, um die Affekt-Intensität zu steigern und um Spannung zu erzeugen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Hausarbeit führt in die zentrale Bedeutung der Visualisierung von Sichtbarkeit als Indiz für eine Welt der Blicke in der Kudrun ein und skizziert die Forschungsfrage danach, wie der Weg zum Ende der Dichtung durch Sichtbarkeit gerechtfertigt wird.

Visualisierungsstrategien in der Kudrun: Dieses Kapitel analysiert die Teichoskopie als dramaturgisches Mittel zur Visualisierung von Schlachtszenen und die Manipulation von Erzähllogika durch visuelle Effekte, um die Rehabilitation Hartmuts zu legitimieren.

Sehen und Sichtbarkeit in der Kudrun: Der Abschnitt untersucht die Kopplung von Sichtbarkeit mit höfischer Repräsentation und dem Sagengedächtnis, wobei dargelegt wird, wie das Gesehene in die kollektive Erinnerung und das kulturelle Gedächtnis einfließt.

Rehabilitation Hartmuts: Dieses Kapitel analysiert die umfangreiche positive und negative Sympathiesteuerung, durch die der Verfasser versucht, Hartmuts Entführung Kudruns und seine späteren Begnadigung und Hochzeit mit Hildeburg zu rechtfertigen.

Fazit: Die Schlussfolgerung bestätigt, dass Visualisierung als Strategie der literarischen Problembehandlung fungiert und dass höfische Repräsentation von Sichtbarkeit abhängt, wobei optische Aufwertung die Grundlage von Kudruns Friedenspolitik bildet.

Schlüsselwörter

Visualisierung, Kudrun, Sichtbarkeit, höfische Repräsentation, Teichoskopie, Erzähllogika, Sagengedächtnis, Hartmut, Sympathiesteuerung, Mittelhochdeutsch, Heldenepos, visueller Eindruck, Rehabilitation, Mauerschau, Friedenspolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Hausarbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Visualisierung und Sichtbarkeit in der mittelhochdeutschen Dichtung Kudrun als literarische Strategien zur Legitimation von Handlungen und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung eingesetzt werden. Im Fokus stehen dabei die Funktionen des Sehens und Gesehen-Werdens für die höfische Gesellschaft und das kulturelle Gedächtnis.

Was sind die zentralen Visualisierungsstrategien, die in der Kudrun analysiert werden?

Die Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf zwei zentrale Strategien: die Teichoskopie (Mauerschau), ein dramaturgisches Verfahren zur Visualisierung von Schlachtszenen, und die Manipulation von Erzähllogika durch visuelle Effekte, die dazu dient, Figurenhandlungen zu legitimieren und Sympathien zu steuern.

Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung?

Die Hauptfrage lautet, ob und wie eine Figur allein durch Sichtbarkeit und visuelle Aufwertung in ihrem sozialen Status rehabilitiert werden kann, insbesondere am Beispiel Hartmuts, dessen Entführung Kudruns trotz positiver visueller Manipulation begnadigt und sogar mit einer Hochzeit belohnt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, die die Forschungsliteratur von Wissenschaftlern wie Heike Sahm, Tobias Bulang und Horst Wenzel herangezogen wird. Es werden ausgewählte Szenen des Epos detailliert analysiert, um die Funktionen von Visualisierungsstrategien aufzuzeigen und deren Auswirkungen auf Figurencharakterisierung und Handlungslegitimation zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil zur Kopplung von Sichtbarkeit und höfischer Repräsentation ausgeführt?

Der Hauptteil demonstriert, dass höfische Repräsentation nahezu vollständig von visuellen Elementen abhängt und dass der soziale Status einer Figur durch äußere Darstellung, Kleidung und Verhalten kommuniziert wird. Dabei wird argumentiert, dass das, was gesehen wird, unmittelbar die öffentliche Meinung und damit das kulturelle Gedächtnis beeinflusst.

Welche Rolle spielt das Sagengedächtnis im Zusammenhang mit Sichtbarkeit?

Das Sagengedächtnis ist das kulturelle Gedächtnis, in das Handlungen und Ruhm einer Figur eingehen. Dieses Gedächtnis wird durch das geprägt, was öffentlich gesehen und anschließend erzählt wird. Je mehr Augenzeugen eine Handlung sehen, desto mehr wird sie weitererzählt und desto stärker prägt sie das kollektive Gedächtnis.

Wie wird Hartmuts Rehabilitation durch positive Sympathiesteuerung vorbereitet?

Die Arbeit zeigt, dass der Dichter durch mehrere Verfahren Sympathien für Hartmut zu schaffen versucht: die Darstellung seines emotionalen Schmerzes nach Ablehnung, die Abgrenzung von seinen tyrannischen Eltern Ludwig und Gerlint, die Beteiligung seiner wohlgesinnten Schwester Ortrun und die wiederholte Betonung seiner außerordentlichen Schönheit sowie seiner geheimen Zuneigung zu Kudrun.

Inwiefern wird Hartmuts Entführung Kudruns durch visuelle Manipulation legitimiert?

Kudrun nutzt eine „Politik der Blicke", indem sie Hartmut nach seiner Gefangennahme heimlich baden und in prächtige Kleider einkleiden lässt. Diese visuelle Transformation von einem unwürdigen Gefangenen zu einem vornehmen Ritter soll den Figuren und dem Rezipienten signalisieren, dass Hartmut der Vergebung und sogar einer Hochzeit würdig ist.

Welche kritischen Einwände können gegen die Rehabilitation Hartmuts vorgebracht werden?

Die Arbeit betont, dass negative Aspekte von Hartmuts Handlung unterrepräsentiert werden: Er entführt Kudrun aus persönlicher Rache, handelt feige, indem er Hegelingen überrascht anstatt eine reguläre Kriegserklärung auszusprechen, und seine positiven Worte gegenüber seiner Mutter bleiben ohne Konsequenzen. Für einen rezipierenden Leser mit Gerechtigkeitssinn erscheint die bloße visuelle Aufwertung daher nicht ausreichend zur Vergebung seiner Taten.

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Details

Title
Funktionen der Visualisierung von Sichtbarkeit in der "Kudrun"
College
University of Göttingen
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2018
Pages
18
Catalog Number
V1217869
ISBN (PDF)
9783346644411
ISBN (Book)
9783346644428
Language
German
Tags
funktionen visualisierung sichtbarkeit kudrun
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2018, Funktionen der Visualisierung von Sichtbarkeit in der "Kudrun", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217869
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