Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Wachstumstheorie
1.1. Neoklassische Wachstumstheorie
1.2. Endogene Wachstumstheorie

2. Empirie
2.1. Regression und Humankapital in einer Cobb- Douglas Produktionsfunktion
2.2. Regression und Humankapital ohne spezifische Produktionsfunktion
2.3. Umgekehrte Kausalität und Probleme der Empirie

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Aus der allgemeinen Erfahrung eines jeden Einzelnen, dass höher gebildete Menschen mehr verdienen, könnte man meinen, dass es der Bildung gesamtwirtschaftlich geradezu immanent ist, dass sie zu mehr Wachstum, also mehr Wohlstand führt. Nicht umsonst wurden und werden sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrieländern große Anstrengungen im Bildungsbereich unternommen (Vgl. Pritchett 1996: 35). Man bedenke dabei auch die öffentliche Bedeutung des Themas Bildung, die anhand der Diskussion um Bildung zur Sicherung des Wohlstandes in Deutschland und dessen internationaler Wettbewerbsfähigkeit unter dem Motto von H. W. Sinn: „Das was wir teurer sind, müssen wir besser sein!“ in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist.

Der Begriff Humankapital, der zum Unwort des Jahres 2004 gekürt wurde und den Menschen nach Ansicht der Sprachwissenschaftler nur noch auf kalte ökonomische Größen degradiert, spielt hier eine zentrale Rolle, da über Investitionen in Selbiges das Wirtschaftswachstum gefördert werden soll. Humankapital ist aber ein weitgefasster und facettenreicher Begriff, der eine Menge verschiedener Formen von Investitionen in Menschen, z.B. bezüglich Gesundheit, Lebensweise und Ernährung, umfasst. Im Zusammenhang mit dem Thema Wirtschaftswachstum geht es beim Humankapital jedoch meist „...um die den Menschen durch formale Bildung, Ausbildung und Erfahrung vermittelten und in ihnen akkumulierten Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die Produktion von Gütern, Dienstleistungen und neuem Wissen nützlich sind.“(De la Fuente/ Ciccone 2002: 10).

Nicht erst seit der Mincerschen Rentabilität gibt es dabei klare mikroökonomische Beweise dafür, dass Bildung einen wesentlichen Einfluss auf die individuelle Einkommenshöhe und den Status am Arbeitsmarkt hat. Da es sich beim Thema dieser Arbeit jedoch um eine makroökonomische Fragestellung handelt, soll hier untersucht werden, ob es auch einen ebensolchen eindeutigen Makrozusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum gibt. Dazu wird im 1. Kapitel zunächst versucht, einen groben Überblick über die Entwicklungen bezüglich des Themas in der Wirtschaftstheorie zu geben. Im 2. Kapitel soll auf Grundlage empirischer Untersuchungen der bildungsökonomische Gehalt der Theorien eingeschätzt werden, wobei auch geprüft werden soll, ob nicht vielmehr eine umgekehrte Kausalität zwischen Bildung und Wachstum besteht, d.h. durch Wachstum erst Bildung möglich ist. Schlussendlich folgt im 3. Kapitel eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

1. Wachstumstheorie

Eine zentrale Frage dieser Arbeit ist es, wie Bildung eigentlich in den wirtschaftstheoretischen Kontext integriert wird bzw. wurde. Wie oben bereits angesprochen, wird Bildung in der Wirtschaftstheorie i. d. R. über den Faktor Humankapital in die Modellwelt eingeführt. In der Literatur wird dazu in die neoklassische und die neue bzw. endogene Wachstumstheorie unterschieden. Die seit den späten 50er Jahren in den Mittelpunkt der Diskussion gerückte neoklassische Wachstumstheorie lieferte dabei einen geeigneten Rahmen für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum und war mit verantwortlich für die Wiederbelebung bildungsökonomischer Fragestellungen Ende der 60er Jahre (Vgl. Bodenhöfer/Riedel 1998). Mit dem Entstehen der neuen Wachstumstheorie, als eine Art Kritik an der neoklassischen Theorie Ende der 80er Jahre, rückte der Zusammenhang zwischen Bildung bzw. Humankapital und Wachstum stärker in den Vordergrund der Theorie. Abbildung 1 verdeutlicht die theoretischen Zusammenhänge zwischen Bildung und Wachstum. Allgemein kann man sagen, dass Bildung, je nach theoretischer Ansicht direkt oder indirekt über Humankapital, Auswirkungen auf den technischen Fortschritt, aber auch auf andere Faktoren ausübt, die zusammen wiederum das Wirtschaftswachstum beeinflussen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: wirtschaftstheoretische Zusammenhänge zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum

(Quelle: Hofmann 2004/2005)

1.1. Neoklassische Wachstumstheorie

Die neoklassische Wachstumstheorie basiert im Wesentlichen auf dem Modell von Solow (1956). Bildung, die Produktion neuen Wissens und somit letztlich auch Humankapital spielen im neoklassischen Modell jedoch keine wesentliche Rolle, sie werden vielmehr in den technischen Fortschritt integriert, so dass Bildung hier direkt im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt steht (siehe Abb. 1). Allerdings kann eine um Humankapital erweiterte substitutionale Produktionsfunktion mit konstanten Skalenerträgen der Form bei Geltung der Inada Bedingungen und der üblichen neoklassichen Annahmen unterstellt werden, um das Thema Bildung als Investition in Humankapital auch in die neoklassische Welt zu integrieren. Y(t) steht dabei für das Bruttoinlandsprodukt, K(t) für den physischen Kapitalstock, L(t) für die die arbeitsfähige Bevölkerung, H(t) für das Humankapital und t steht für die Zeit. Diese Funktion steht nach Ansicht von Mankiw et al. (1992) sogar eher im Einklang mit den von ihnen gemachten empirischen Erkenntnissen bezüglich der neoklassichen Funktion, als die ursprünglich von Solow (1956) entwickelte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wirtschaftswachstum entsteht im neoklassischen Modell dann über (Human-)Kapitalakkumulation. Problem dabei ist, dass bei Abwesenheit von technischem Fortschritt, durch abnehmende Grenzerträge des (Human-)Kapitals und damit sinkender Renditen nicht mehr gespart und investiert wird und somit langfristig kein Wachstum mehr stattfindet. Diesen Umstand erkannte auch Solow und erweiterte sein Modell um den technischen Fortschritt, der für das Wirtschaftswachstum eine entscheidende Rolle spielt, da er die Rentabilität neuer Investition in Sach- und Humankapital aufrechterhält. Die Produktionsfunktion mit Harrod neutralem technischen Fortschritt hat dann die Form , wobei A(t) das vorherrschende Technologieniveau angibt. Somit ist gewährleistet, dass das Modell auch mit empirisch beobachtetem positivem Wachstum über lange Zeiträume, im Einklang steht (Vgl. Barro/ Sala-i-Martin 1995: 11). Da die Rate des technischen Fortschritts allerdings exogen gegeben ist, kann man nicht von einer Erklärung langfristigen Wirtschaftswachstums sprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Des Weiteren gibt es Ansätze, bei denen der technische Fortschritt „...partiell endogenisiert...“ (Bodenhöfer/ Riedel 1998: 19) wird und Bildung indirekt über das Humankapital Einfluss auf den technischen Fortschritt nimmt (Abb.1). Arrow' s Ansatz (1962) des „Learning by doing“ geht davon aus, dass „Learning a product of experience.“ (Arrow 1962: 155) ist. Fähigkeiten und Wissen entstehen direkt in der Produktion. Durch neue Investitionen und den damit verbundenen Qualitätsänderungen des Sachkapitals, wirkt ein ‚externer Effekt’ auf die Arbeiter, der deren Produktivität steigert. Bildung erfolgt quasi als Nebenprodukt bei der Investition in neues Kapital. Somit kann der technische Fortschritt als eine Funktion der Investition und des Humankapitals gesehen werden, der das Abnehmen der Grenzerträge des Sach- und Humankapitals verhindert. Der entscheidende Punkt der Qualitätsänderung des Sachkapitals aber bleibt weiterhin exogen bestimmt, weshalb Arrow' s Ansatz keine Lösung des Problems einer exogenen Rate des technischen Fortschritts ist.

In einem zweiten Versuch der Partialendogenisierung gehen Nelson und Phelps (1966) davon aus, dass ein steigender Grad gebildeten Humankapitals zu einer schnelleren Einführung, Nutzung und Verbreitung von neuem Wissens und neuer Technologie führt. Die zugrundeliegende Produnktionsfunktion entspricht der von Solow (1956) mit Harrod neutralem technischen Fortschritt. Nur der Technologieparameter A(t) als Differenz von praktisch angewandter und theoretisch verfügbarer Technologie, ist anders. Er ist umso größer je besser die Bildung/Ausbildung der Arbeiter ist, da dadurch das Humankapital zunehmend besser in der Lage ist die theoretisch verfügbare Technologie auch anzuwenden.[1] Der technische Fortschritt wird also über A(t) zur Funktion der verfügbaren Technologie und des Humankapitals. Allerdings wird bei Nelson und Phelps, noch eher als bei Arrow deutlich, dass das Problem der Exogenität des technologischen Fortschritts noch nicht gelöst wurde, da die Wachstumsrate der theoretisch verfügbaren Technologie immer noch exogen gegeben ist. Allerdings ist zu bemerken, dass andere Autoren das Modell von Nelson und Phelps (1966) doch zu den Modellen der endogenen Wachstumstheorie zählen (Vgl. Krueger/ Lindahl 2001: 1108).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Die Gleichung für den Technologieparameter lautet A(t)=T (t – w(h)) , w'(h)<0 wobei T(t) die theoretisch verfügbare Technologie und w(h) das Timelag zwischen Verfügbarkeit und praktischer Anwendung der Technologie ist. Da sich mit steigendem h, als Ausbildungsgrad des Humankapitals, A(t) und T(t) immer weiter annähern, ist der technische Fortschritt eine in h steigende Funktion.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Bildungsökonomik
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V121796
ISBN (eBook)
9783640264711
ISBN (Buch)
9783640264988
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Wirtschaftswachstum, Humankapital
Arbeit zitieren
M.A. Peter Schmidt (Autor), 2006, Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121796

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