Seit Beginn des 20. Jahrhunderts spielt das Finanzmarktsystem für Wirtschaft und Politik in der Welt in zunehmendem Maße eine Rolle, was spätestens seit der vom heutigen Bundesminister
für Arbeit und Soziales Franz Müntefering ausgelösten „Heuschreckendebatte“ klar wird. Dabei sprechen einige Autoren sogar davon, dass das weltweite Finanzkapital heute noch vor der
Weltmacht USA die Führung der „Global Governance“1 übernommen hat. Bei der Untersuchung des Zusammenhangs der Entwicklung des Finanzmarktsystems und der Beschäftigung geht es unmittelbar auch um den Entwicklungszusammenhang von monetärer und realer Wirtschaft. In einem auf wirtschaftlichen Wachstum basierenden kapitalistischen Wirtschaftssystem hat ein effizientes und „gut“ funktionierendes Finanzmarktsystem, das allgemein als öffentliches
Gut betrachtet wird, egal aus welcher politischen Richtung argumentiert wird, unisono einen positiven Effekt auf die makroökonomische Entwicklung einer Volkswirtschaft. Dabei erscheint allerdings der sog. Nexus zwischen Finanzmarktsystem und Realwirtschaft noch unklar2. In dieser Arbeit sollen daher zunächst Funktionen und die Struktur des Finanzmarktsystems
beschrieben werden. Anschließend soll anhand der Herausarbeitung der Finananzmarktentwicklung die Veränderung des Nexus von einem „Finance for Growth“ zu einem „Finance or Growth“ und deren ökonomische, politische und soziale Bedeutung dargestellt werden.
Beim letzten Punkt interessieren dabei insbesondere die Auswirkungen der Entwicklung der Finanzmärkte auf die Beschäftigung, was ich auch kurz anhand einiger Finanzkrisen verdeutlichender möchte. Zu bemerken ist noch, dass die Untersuchung weniger wirtschaftstheoretisch,als eher wirtschaftspolitisch erfolgt, da der Mainstream der theoretischen Ansätze, wie noch zu zeigen sein wird, die heutigen Finanzmarktentwicklungen und die damit verbundenen Auswirkungen
auf Beschäftigung und Wirtschaftswachstum kaum erklären zu vermag3. Aufgrund der Bedeutung der Entwicklung der Finanzmärkte in den letzten 100 Jahren kann es dabei nicht verwundern, dass der Fokus dieser Arbeit auf der Finanzmarktsystementwicklung liegt. Schlussendlich folgen im dritten Kapitel ein kurzes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Finanzmarktsystem
2.1. Aufgaben und Funktionen
2.2. Struktur
2.3.Allgemeine Entwicklung
2.4.Dynamik, neue Akteure und Finanzinnovationen des Finanzsektors
2.5.Behandlung des Finanzmarktsystems in der Wirtschftstheorie
3. Das Finanzmarktsystem und die Beschäftigung
3.1.Politische, ökonomische und soziale Auswirkungen der Finanzmarktentwicklung
3.2. Die Asienkrise und ihre sozialen Folgen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Entwicklung des globalen Finanzmarktsystems und der Beschäftigungssituation unter Berücksichtigung der Interdependenz von monetärer und realer Wirtschaft.
- Analyse der Funktionen und Strukturen des modernen Finanzmarktsystems
- Untersuchung des Wandels von "Finance for Growth" zu "Finance or Growth"
- Bewertung der Auswirkungen auf Beschäftigung und Standortwettbewerb
- Diskussion der Folgen von Finanzkrisen für die soziale Stabilität
Auszug aus dem Buch
2.1. Aufgaben und Funktionen
Zum Verständnis des zu behandelnden Themas soll zunächst untersucht werden, welche volkswirtschaftlichen Funktionen ein Finanzsystem überhaupt übernimmt. „Das Finanzsystem ist [dabei] das Geflecht von Institutionen, Märkten und Verträgen, das den intertemporalen Tausch ermöglicht.“ Im Mittelpunkt dessen steht die Finanzierungsfunktion, mit deren Hilfe die vier Sektoren private Haushalte, Unternehmen, Staat und das Ausland ihre konsumtiven oder investiven Ausgaben finanzieren. Neben dieser für Wachstum und Beschäftigung wichtigen Transformation der Ersparnisse in Investitionen sind als weitere Funktionen die Allokation der Investitionsmittel in ihre effizienteste Verwendung gemäß der höchsten Rendite und die Risikoallokation über Diversifikation der Anlagemöglichkeiten zu nennen.
In der Literatur werden insbesondere der Verbesserung dieser drei Funktionen wohlfahrtssteigernde Effekte durch die Globalisierung des internationalen Finanzsystems zugesprochen. Zum Aufbau- und Ausbau des Kapitalstocks bzw. der Produktionsanlagen und auch zum Konsum brauchen Unternehmen, der Staat, das Ausland und teilweise auch die privaten Haushalte in der Regel mehr Finanzmittel, als ihnen zum Zeitpunkt ihrer Investitions- oder Konsumentscheidung bereit stehen. Diese zusätzlichen Mittel, werden in Form von Bankkrediten oder die Ausgabe von Aktien und Anleihen in unterschiedlichem Maße je nach Größe und Effizienz der Finanzmärkte bereitgestellt. Deshalb sind die Losgrößen- und Fristentransformationsfunktion, ohne die viele Investitions- und Konsumprojekte aufgrund ihrer finanziellen Erfordernisse gar nicht möglich wären, ebenfalls wichtige Funktionen des Finanzmarktsystems.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des sich entkoppelnden Finanzsystems und Darlegung der Zielsetzung, den Zusammenhang zwischen Finanzmärkten und Beschäftigung zu untersuchen.
2. Das Finanzmarktsystem: Detaillierte Darstellung der operativen Funktionen, der Marktstruktur und der historischen Entwicklung des globalen Finanzsektors bis hin zur aktuellen theoretischen Einordnung.
3. Das Finanzmarktsystem und die Beschäftigung: Analyse der konkreten Auswirkungen der Finanzmarktentwicklung auf die Beschäftigungssituation, den Standortwettbewerb und die sozialen Konsequenzen vergangener Finanzkrisen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, insbesondere der Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung zur Wiedereinbettung der Finanzmärkte in die Realwirtschaft.
Schlüsselwörter
Finanzmarktsystem, Beschäftigung, Globalisierung, Kapitalmarktentwicklung, Realwirtschaft, Finanzkrisen, Investitionen, Shareholder-Value, Standortwettbewerb, Finanzinnovationen, Lohnquote, Sozialsysteme, Banken, institutionelle Anleger, Regulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zunehmende Entkopplung des globalen Finanzmarktsystems von der realen Wirtschaft und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Struktur des Finanzsektors, der Wandel von Finanzierungsmodellen, der Standortwettbewerb sowie die sozialen Folgen von Finanzkrisen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob die aktuelle Finanzarchitektur wachstums- und beschäftigungsfördernd wirkt oder ob sie durch ihre Entkopplung negative Auswirkungen entfaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wirtschaftspolitische Untersuchung, die theoretische Ansätze mit empirischen Entwicklungen und historischen Finanzkrisen vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt die Funktionen des Finanzmarktes, den Wandel hin zum angelsächsischen Kapitalismus sowie die Auswirkungen auf Arbeit und Sozialsysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Finanzmarktsystem, Beschäftigung, Realwirtschaft, Shareholder-Value und Finanzkrisen.
Wie beeinflusst die Shareholder-Value-Politik die Beschäftigung in Deutschland?
Die renditeorientierte Unternehmenspolitik führt laut Autor zu Standortschließungen und Kostendruck bei mittleren Unternehmen, was das Beschäftigungswachstum belastet.
Welche Rolle spielen Finanzkrisen wie die Asienkrise in der Argumentation?
Diese Krisen dienen als Fallbeispiele, um zu verdeutlichen, wie Kapitalmobilität und spekulative Ströme massiv negative soziale Folgen, wie Armut und Arbeitslosigkeit, auslösen können.
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- M.A. Peter Schmidt (Author), 2007, Der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Finanzmarktsystems und der Beschäftigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121799