Rating und Basel II - ein Überblick


Studienarbeit, 2003
40 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rating
2.1 Definition und Formen des Ratings
2.2 Die verschiedenen Ratingmethoden in Abhängigkeit von dem Beurteilungszweck
2.2.1 Ratinginstitute
2.2.2 Die Mittelstandsagenturen
2.2.3 Die Bankinstitute
2.3 Internes Rating vs. Externes Rating
2.4 Rating-Kriterien
2.5 Der Rating-Analyst

3 Die Baseler Akkorde
3.1 Zeitplan zur Umsetzung von Basel II
3.2 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und Allfinanzaufsicht in Deutschland
3.3 Basel I
3.4 Basel II
3.4.1 Die erste Säule: Mindestkapitalausstattung
3.4.1.1 Kreditrisiko
3.4.1.2 Das Marktrisiko und das operationale Risiko
3.4.2 Die zweite Säule: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren
(Supervisory Review Process, SRP)
3.4.3 Die dritte Säule: Marktdisziplin
3.5 Auswirkungen von Basel II auf Unternehmen

4 Ausblick und kritische Würdigung

5 Literaturverzeichnis

Vorwort

In der vorliegenden Arbeit soll dem Leser ein Überblick darüber verschafft werden, was ein Rating im Unternehmensbereich ist, wobei ausschließlich auf Kredit-Ratings eingegangen wird. Im Weiterem wird die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) beschrieben.

Ganz herzlich bedanke mich bei Frau Dr. Sarcher vom Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer an der Universität Augsburg. Sie lud mich ein, an einem Seminar zur Qualifizierung zum Rating-Analysten teilzunehmen. So hatte ich in Augsburg die Möglichkeit, direkt mit Experten zu sprechen.

Auch gilt mein Dank Herrn Dr. Schöneberger von der Fesselt & Partner Wirtschaftsprüfungskanzlei in Duisburg. Er unterstützte mich durch umfangreiches Literaturmaterial.

Auf Grund der Fülle von Informationen und um den Rahmen einer Studienarbeit nicht zu sprengen, habe ich mich in dieser Arbeit auf einen Überblick über die eng miteinander verbundenen Themen Rating und Basel II konzentriert. Dies hat zur Folge, dass nicht alle Bereiche der Themen bis ins letzte Detail beschrieben werden können. So wird beispielsweise auf die Konsequenzen aus Basel II für mittelständische Unternehmen nur am Rande eingegangen.

1 Einleitung

Eine zunehmende Internationalisierung der Finanzmärkte und die Globalisierung der Geschäftstätigkeit der Unternehmen machen die Schaffung von regulierenden Standards und Marktmechanismen erforderlich. Allgemein gültige Grundsätze von Publizität, Wettbewerbsverhalten und Unternehmenskontrolle sind nur einige Beispiele für diesen Vereinheitlichungsprozess.

Auch der sogenannte Basel II-Akkord stellt im Kern einen solchen Regulierungsakt dar, und zwar für das internationale Bankensystem. Die BIZ – die Bank für internationalen Zahlungsausgleich – strebt darin die Harmonisierung der Bankaufsicht auf internationaler Ebene und die Verankerung einheitlicher Mindeststandards für die Risikobeurteilungsmethodik der Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen an. Für die Risikobeurteilung steht der Bank das Instrument des Ratings zur Verfügung. Durch ein Rating wird ein Anleihe-Emittent, je nach Güte seiner Bonität, in verschiedene Bonitätsklassen eingeteilt. Diese Einteilung kann entweder durch das Kreditinstitut selbst (à internes Rating) oder durch ein Ratinginstitut (à externes Rating) erfolgen.

Auch soll Basel II dafür sorgen, dass es innerhalb der Portfolios der Banken keine Quersubventionierung mehr zwischen einzelnen Kreditrisiken gibt und dass das Produkt Kredit wie jedes andere Bankprodukt anhand transparenter Qualitätskriterien beurteilt und gepreist werden kann.

Das Konzept von Basel II sieht vor, die Unterlegung von Krediten durch Eigenkapital der Banken – bisher 8% des Kreditbetrags – zukünftig an die individuelle Bonität des Kreditnehmers anzupassen. Die Bonität des Unternehmens kann dabei entweder durch die Bank selbst, durch ein sog. internes Rating, oder durch eine Rating-Agentur, durch ein externes Rating, bestimmt werden. Künftig sollen Kredite an Schuldner mit hoher Bonität mit weniger Eigenkapital unterlegt werden als bisher, während dagegen bei Darlehen an Schuldner mit geringerer Bonität mehr Eigenkapital unterlegt werden muss. Dies wird zur Folge haben, dass die Banken Kredite zu unterschiedlichen Konditionen, abhängig von der Bonität des Kreditnehmers, vergeben werden.

„Basel II wird zu einer noch sinnvolleren Allokation von Ressourcen (v. a. Kapital) beitragen. Die konsequente Umsetzung der neuen Richtlinie wird entscheidend die zukünftige Attraktivität des Finanz- und Wirtschaftsstandorts Deutschland beeinflussen.“[1]

2 Rating

2.1 Definition und Formen des Ratings

Standard & Poor’s definiert: "Ein Rating ist die Wertung der Bonität!"

Ratinginstitute haben die Aufgabe, für Investoren objektive und fundierte Beurteilungen über die Bonität von Anleihe-Emittenten zu erstellen. Rating (in der vorliegenden Arbeit wird ausschließlich auf das Thema Credit-Rating eingegangen) ist gewissermaßen die Benotung eines Emittenten, genauer, seiner Kreditqualität (Bonität) im Sinne der ordnungsgemäßen Bedienung der Schulden, also der fristgerechten und vollständigen Zahlung von Zins- und Tilgungsverpflichtungen einer Anleihe.

Die bekanntesten Rating Agenturen sind Moody’s, Standard & Poor’s, Fitch IBCA und Euro-Ratings.

Unternehmen werden von diesen Rating-Agenturen entsprechend ihrer Bonität bzw. Kreditwürdigkeit in Skalen eingeteilt, während Moody's diese in 17 Abstufungen von Aaa bis zu C einteilt, verwendet Standard and Poor's lediglich acht Skalenstufen von AAA bis D (vgl. Tabelle). Auf Anfrage lassen sich bei Rating-Agenturen auch Staaten bzw. staatliche Anleihen auf deren Rückzahlungssicherheit hin beurteilen. Alle veröffentlichten Ratings werden fortlaufend überwacht und gegebenenfalls geändert.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[3]

Der Nutzen des Rating wird im Folgendem gesehen:

- Betrachtung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens,
- Rating schafft ein höheres Vertrauen für externe Investoren und Kapitalgeber,
- Imagegewinn bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit und
- Rating wird möglicherweise eine zwingende Voraussetzung für Zulieferbeziehungen (DIN ISO 9000 ff).

Der Verband deutscher Treasurer e.V. (VDT) hat sich in einem Arbeitskreis mit dem Rating befasst und einen Leitfaden für das Rating aus Unternehmenssicht erarbeitet. Der Leitfaden Rating soll insbesondere mittelständischen Unternehmen helfen, das Thema und die damit verbundenen Prozesse zu verstehen. Eingeflossen sind die Erfahrungen aus Unternehmen, die bereits geratet sind.[4]

Waren Ratings bisher nur bei großen Kapitalgesellschaften von Bedeutung, so sehen sich durch die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), auf die in dieser Arbeit noch eingegangen wird, nun auch klein- und mittelständische Unternehmen von dem Thema Rating betroffen.

2.2 Die verschiedenen Ratingmethoden in Abhängigkeit von dem Beurteilungszweck

Basis für das Rating sind Kennzahlenübersichten und Kriterienkataloge, aus denen die Einschätzung des Unternehmens abgeleitet wird. Auch wenn die Methodik des Rating im Wesentlichen gleich ist, unterscheiden sich die Verfahren je nach der angestrebte Zielsetzung der jeweiligen Institution doch voneinander. Wird ein Unternehmen durch ein Ratinginstitut geratet, so spricht man von einem externen Rating, erfolgt das Rating dagegen von einer Bank, so wird dies als internes Rating bezeichnet.

Man unterscheidet auch zwischen quantitativen und qualitativen Ratingsystemen, aus deren Ergebnissen sich die Ratingnote zusammensetzt. Bei den quantitativen handelt es sich um eine modellhafte Verbindung der Ratingdeterminanten in formalisierten Klassifikationsverfahren. Dabei handelt es sich um ein computergestütztes, mathematisch-statistisches Beurteilungssystem, dessen Informationsbasis der Jahresabschluss und andere veröffentlichte Finanzinformationen des Unternehmens sind. Das qualitative Ratingsystem berücksichtigt nur die bedingt objektivierbaren und quantifizierbaren Rating-Kriterien (vgl. Kapitel 2.4). Eine Unterstützung durch formalisierte Verfahren gibt es in diesem Fall nicht und eine qualifizierte Beurteilung der Kriterien ist vom Können und der Erfahrung des Rating-Analysten abhängig. Seine Informationsbasis bilden dabei die qualitativen Kriterien, veröffentlichte Finanzinformationen und Managementgespräche.

2.2.1 Ratinginstitute

Ratinginstitute sind unabhängige Dienstleistungsunternehmen, die sich zur Aufgabe gestellt haben, für Investoren objektive und fundierte Beurteilungen über die Bonität von Anleihe-Emittenten zu erstellen.

Die Urteile der internationalen Rating-Agenturen haben sich in der Vergangenheit als ziemlich zuverlässig herausgestellt. "So liegt das Ausfallrisiko bei Moody’s gemessen an den Fällen von 1920 bis 1998 für Aaa- benotete Gesellschaften bei Null Prozent. Und von den Unternehmen, die das Rating Aa bekamen, sind seit 1920 nur 0,05 Prozent im auf das Rating folgenden Jahr zahlungsunfähig geworden. Dieser Wert steigt für Baa-geratete Gesellschaften auf 0,17 Prozent und liegt bei B-gerateten Probanden bei 2,32 Prozent. Dennoch ist Aaa (Moody’s) oder AAA (Standard & Poor's) heute nicht mehr in jedem Fall die Traumnote. Das Rating dient dem Gläubigerschutz, honoriert also konservative Rechnungslegungsgrundsätze. Dem steht heute oft der Shareholder-Value gegenüber, das Anlegerinteresse, eine hohe Kapitalverzinsung zu erreichen. In solchen Fällen gilt heute vielerorts die Benotung Baa3 oder BBB als die optimale Ratingnote für ein Unternehmen, das die Interessen der Anleger wie die der Gläubiger optimal verbindet."[5]

2.2.2 Die Mittelstandsagenturen

Die Mittelstandsagenturen (z.B. URA Unternehmens Rating-Agentur AG, Euro-Ratings AG, RS Rating Services AG München) "sind mit dem Ziel angetreten, Rating-Dienstleistungen für den Mittelstand zu erbringen, der sich durch den Rückzug vieler Banken aus dem Firmenkreditgeschäft mit Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung konfrontiert sieht. Ratings sollen helfen, die zwischen Geldgebern und -nehmern bestehenden Informationsasymmetrien abzubauen und die Vorselektion sowie Beurteilung von Engagements zu erleichtern."[6]

2.2.3 Die Bankinstitute

Die Bankinstitute sind auf Grund von Vorschriften der Bankenaufsicht dazu verpflichtet, nach der Kreditwürdigkeit ihrer Schuldner eine angemessene Eigenkapitalreserve zu halten. Bei großen börsennotierten Unternehmen können sie hierbei auf das Rating der Ratinginstitute zurückgreifen. Für den Großteil aller Unternehmen liegen jedoch keine Einschätzungen vor.

Hier haben die Banken in der Vergangenheit schon immer Kreditwürdigkeitsprüfungen an Hand der Jahresabschlüsse durch Kennzahlenanalysen durchgeführt. Im Rahmen der Kreditgespräche wurden auch nicht quantifizierbare Kriterien erfasst und bei der Krediterteilung mit berücksichtigt.

Die Großbanken sowie die Verbände der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken[7] bemühen sich um durchgängige Ratingmuster, die dann sowohl von der Bankenaufsicht als Nachweis für die Eigenkapitalhinterlegung wie auch extern von Dritten akzeptiert werden. Die Banken befürchten sogar, dass sie wegen der Aufsicht strengeren Regeln unterliegen als externe "Rater". „Insofern muss gefordert werden, dass auch an die externen Ratings gewisse Mindeststandards – vergleichbar denen für bankinterne Ratings – gestellt werden. Während die Banken gegenüber der Aufsicht zu einer vollständigen Offenlegung ihrer Ratingvergabepraxis gezwungen sein werden, ist derzeit unklar, ob an die Agenturen die gleichen Anspräche hinsichtlich der Methodentransparenz gestellt werden", schreibt Klaus Adam, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Rheinland-Pfalz.[8]

2.3 Internes Rating vs. Externes Rating

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Th. Duhnkrack, Bereichsvorstand Firmenkunden und Investmentbank Deutschland, Deutsche Bank, Deutsche Bank – Unternehmer spezial

[2] Dresdner Bank FinanzSprektrum Nr. 28, August 2000, S. 10

[3] Ratingurteile von Standard & Poor's und Moody's

[4] Verband deutscher Treasurer: "Leitfaden Rating aus Unternehmenssicht", FINANZ BETRIEB 2/2001, Seite 106 ff.

[5] FAZ, "Das Rating wird zum Dreh- und Angelpunkt der Kreditvergabe", 29.11.2000

[6] Ch. R. Kley / O. Everlling: „Allgemeine Pflichten von Rating Agenturen (I), Vorstellung und Kommentierung der Rating Grundsätze des Rating Cert e.V.“, FINANZ BETRIEB 3/2001 Seite 172 .

[7] H. Ehlers, " Das zukünftige in Kreditrating - Beratungspflichten für Steuerberater“, in NWB Nr. 23, 05. 06. 2001, S. 1943 f.

[8] H.-G. Sultze, “Zukunftsperspektiven des Ratingmarkts”, in: O. Everling (Hrsg.), Rating – Chance für den Mittelstand nach Basel II, Gabler Verlag, 1. Auflage 2001, S. 34f

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Details

Titel
Rating und Basel II - ein Überblick
Hochschule
Hochschule Offenburg  (Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen)
Veranstaltung
Controlling
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
40
Katalognummer
V12183
ISBN (eBook)
9783638181297
Dateigröße
1644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rating, Ratingagentur, Basel II, Finanzwesen, Bankenaufsicht
Arbeit zitieren
Tobias Kempf (Autor), 2003, Rating und Basel II - ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12183

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