Das relationale Freiheitsmodell von Georg Northoff als ein neues Paradigma


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1.6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freiheitskonzepte von Michael Pauen und Georg Northoff
2.1. Kompatibilistische Argumente und Schwachpunkte
2.2. Michael Pauens Freiheitskonzept
2.2.1. Freiheit als eine Selbstbestimmung
2.2.2. Gründe und Ursache
2.3. Georg Northoff: ein relationales Modell der Willensfreiheit
2.3.1. Fünf Voraussetzungen eines relationales Freiheitsmodells
2.3.2 Zwei Bausteine eines relationalen Freiheitsmodells

3. Die Erweiterung des Begriffs ´Umwelt´
3.1. Probleme des Begriffs ´Umwelt´ bei Northoff
3.2. Eine Lösung: zwei Ebenen von ´Umwelt´

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit und besonders in Deutschland wird die Frage, ob der Mensch nach seinem freien Willen handeln kann, heftig diskutiert. In der gegenwärtigen Diskussion um die Willenfreiheit nimmt das Gehirn als Untersuchungsgegenstand die zentrale Stelle ein. Man kann sich nicht vorstellen, dass das Nachdenken über das Handeln des Menschen nach seinem freien Willen ohne die Hilfe der Gehirn- und Neurowissenschaft weiter vorankommt. Aber man sollte sich fragen, ob es überhaupt möglich ist, dass die Fähigkeit des Menschen, z.B. ´nach seinem freien Willen handeln zu können, mit der sich der Mensch von den Tieren unterscheiden lässt, nur durch die empirische Untersuchung des Gehirns erklärt werden könnte. Müsste das Gehirn nicht isoliert werden von der Umwelt, wenn das Gehirn zum Untersuchungsgegenstand gemacht wird? Aber wird dann die Bedeutung der Relation zwischen dem Gehirn und der Umwelt nicht vernachlässigt? Tatsächlich wird ein Gegensatz von Innen und Außen bzw. zwischen Organismus und Umwelt in der gegenwärtigen Konzepten der Freiheit implizit vorausgesetzt.[1]

Um diesem Problem weiter nachzugehen, sollte man sich mit dem Freiheitskonzept Northoffs beschäftigen. Northoffs Grundidee ist folgende: das Freiheitskonzept kann nicht mehr als isoliert und losgelöst von der Umwelt gedacht werden.[2] Aufgrund der Tatsache, dass der Organismus mit der Umwelt wesentlich verbunden ist, behauptet Northoff, dass die Beziehung zwischen dem Organismus und der Umwelt eine notwendige Bedingung der Freiheit ist. Bei Northoff wird die Freiheit nicht als eine „isolierte Freiheit“, sondern eine als „eingebettete Freiheit“ betrachtet. Für Northoffs Freiheitskonzept ist nicht nur die Causa efficiens, sondern auch die Causa finalis, mit denen die Zielrichtung und die Sinnhaftigkeit des Handelns des Organismus in der Umwelt beschrieben werden können, von Bedeutung. Aber wenn man bedenkt, dass es nicht nur um das deskriptive Problem, sondern auch um das normative für das Verständnis des Handelns des Menschen geht, wie kann man dann die gesamte Zielrichtung und Sinnhaftigkeit des Handels durch die biologische Perspektive Northoffs erklären? Obwohl diese Schwierigkeit Northoff bewusst ist, ist darauf keine Antwort in seinem Aufsatz zu finden.

Die vorliegende Studie zielt darauf ab, zu versuchen, die Vor- und Nachteile von Northoffs relationalem Freiheitskonzept aufzuzeigen und eine Möglichkeit der Problemlösung vorzuschlagen. Im zweiten Kapitel wird das Konzept der Willensfreiheit von Georg Northoff und der Kompatibilisten, besonders von Michael Pauen, vorgestellt. Danach werde ich versuchen, zu zeigen, worin die Schwachpunkte der beiden Konzepte liegen. Ich behaupte dabei, dass sich der Handelnde in bestimmten Fällen täuschen kann, wenn die Willenfreiheit nach Michael Pauen als Selbstbestimmung definiert werden soll. Im Vergleich dazu sind die normativen Probleme im Rahmen des relationalen Freiheitskonzepts Northoffs, das sich an den biologischen Vorgängen orientiert, schwer zu erklären. Ich glaube, man könnte diese theoretische Schwierigkeit für Northoff beseitigen, indem der Begriff „Umwelt“, der bei Northoff eine zentrale Rolle spielt, anhand der Anwendung der Metapherntheorie von Mark Johnson und George Lakoff erweitert wird.[3]

2. Freiheitskonzepte von Michael Pauen und Georg Northoff

2.1. Kompatibilistische Argumente und Schwachpunkte

Ebenso wie die meisten gegenwärtigen Neurophilosophen so halte auch ich den sogenannten „starken“ Begriff von Willensfreiheit für unhaltbar. Ich zitiere die Erklärung dieses Begriffs von Gerhard Roth.

„Dieser traditionelle oder „starke“ Begriff von Willensfreiheit ist durch drei Kernaussagen charakterisiert: (1) Indeterminismus des Willes: Meine Handlungen werden durch meinen Willen verursacht, der nur durch sich selbst bestimmt und damit extern in-determiniert ist. (2) Alternativismus des Wollens und Handels: Ich kann unter identischen physikalisch-physiologischen Bedigungen anders handeln bzw. hätte anders handeln können, wenn ich nur (anders) will bzw. (anders) gewollt hätte. (3) Intelligibilität menschlichen Handelns: wir Menschen handeln aus Gründen, nicht aus Ursachen. Gründe unterliegen nicht der physischen Kausalität. “[4]

Hier handelt es sich um die drei Kriterien der Willensfreiheit: (1) das Autonomieprinzip. (2) das Prinzip der alternativen Möglichkeiten. (3) das Prinzip der Urheberschaft. Aber dieser „starke“ Begriff von Willensfreiheit mit seinen Kriterien widerspricht dem kausal-physikalistischen Determinismus. Wenn die Welt kausal geschlossen ist und wenn wir keine neuen Kausalketten verursachen können, wie können wir dann die Urheber unserer Entscheidungen sein? Der Determinismus lautet: Wir können keine neue Kausalkette verursachen, sondern wir können nur eine bereits begonnene Kette fortsetzen.[5] Dann drohen aber die oben genannten Kriterien verlorenzugehen. Aus Sicht der Gehirnwissenschaft bzw. der Neurowissenschaft sind diese Kriterien in Bezug auf den „starken“ Begriff der Willensfreiheit falsch, wie Gerhard Roth argumentiert.[6]

Ist es trotzdem noch sinnvoll, von Willensfreiheit zu sprechen? Oder sie ist nur eine Illusion, wie einige Wissenschaftler behaupten? Im Vergleich mit der deterministischen Position besagt Kompatibilismus, dass die Freiheit einer Handlung nicht davon abhängt, ob die Handlung determiniert ist, sondern davon, wie sie determiniert ist. Gerhard Roth hat die wichtigsten kompatibilistischen Argumente gut zusammengefasst.

„ (1) Ich bin frei, wenn ich bei Abwesenheit äußerer und innerer Zwänge tun kann, was ich will; der Bedingtheit meines Willens bin ich mir dabei nicht bewusst (Hobbes, Locke, Hume, Schopenhauer). (2) Ich bin frei, wenn mein Wille zweiter Ordnung meinem Willen erster Ordnung zustimmt (Frankfurt). (3) Ich bin frei, wenn ich selbstbestimmt, d.h. auf der Basis meiner persönlichen Antriebe und Überzeugungen handle (Pauen). (4) Ich bin frei, wenn ich über meine Handlungsabsichten reflektieren kann (Bieri). “[7]

Ich denke, dass es mindestens einen gemeinsamen Schwachpunkt für die kompatibilistische Position gibt. Bei dieser Position liegt die Urteilsinstanz im Handelnden selbst. Daraus ergibt sich die Frage, ob und wie der Handelnde selber überprüfen kann, ob seine Entscheidung eine selbstbestimmte oder selber reflektierte Entscheidung ist. Hier sollte die Meinung von Michael Pauen vorgestellt werden, um die kompatibilistische Position konkret zu erörtern.

2.2. Michael Pauens Freiheitskonzept

2.2.1. Freiheit als eine Selbstbestimmung

Michael Pauen als ein Kompatibilist zweifelt nicht daran, dass die Freiheit mit dem Determinismus vereinbar ist. Bei Pauen lautet die wichtigste Frage: Wodurch wird die Entscheidung determiniert?

„Wird sie durch äußere Umstände bestimmt, dann ist sie fremdbestimmt und damit unfrei; wird sie dagegen durch mich selbst bestimmt, dann ist sie trivialerweise selbstbestimmt und damit frei in dem obigen Sinne. “[8]

[...]


[1]. Vgl. Georg Northoff, 2007, S.318.

[2]. Vgl. Ebd., S. 319.

[3]. Ich zeige eine Problemlösungsmöglichkeit nur für Northoff, weil ich Pauens Auffassung für unrealistisch halte.

[4]. Gerhard Roth, 2007, S. 149.

[5]. Vgl. Georg Northoff, 2007, S. 308.

[6]. Vgl. Gerhard Roth, 2007, S. 150.

[7]. Ebd., S. 150-151.

[8]. Michael Pauen, München, 2007, S. 167.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das relationale Freiheitsmodell von Georg Northoff als ein neues Paradigma
Hochschule
Hochschule Bremen  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Philosophie im Dialog mit Einzelwissenschaften
Note
1.6
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V121830
ISBN (eBook)
9783640265626
ISBN (Buch)
9783640265589
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiheitsmodell, Georg, Northoff, Paradigma, Philosophie, Dialog, Einzelwissenschaften
Arbeit zitieren
Nam-Ho Kim (Autor), 2008, Das relationale Freiheitsmodell von Georg Northoff als ein neues Paradigma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121830

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