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Systemtheoretische Betrachtung des Erziehungssystems und des sozialen Hilfssystems der Gesellschaft unter Berücksichtigung auftretender Konfliktfelder

Title: Systemtheoretische Betrachtung des Erziehungssystems und des sozialen Hilfssystems der Gesellschaft unter Berücksichtigung auftretender Konfliktfelder

Research Paper (undergraduate) , 2008 , 35 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Norman Böttcher (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Summary Excerpt Details

Unter Berücksichtigung des systemtheoretischen Kontextes nach Niklas Luhmann soll in dieser Studienarbeit Bezug auf zwei Funktionssysteme der Gesellschaft genommen werden. Aufgrund persönlichen Interesses werden in der Folge auf die gesamtgesellschaftliche Pädagogik des Erziehungssystems und ihre Verflechtungen und Konfliktpunkte mit dem sozialen Hilfesystem der Gesellschaft eingegangen. Da das Erziehungssystem weit mehr umfasst, als die organisational-verwaltete Erziehung in der Schule, soll an dieser Stelle angemerkt werden, dass sich der Schwerpunkt der Arbeit auf die pädagogische Bildung in diesem Rahmen bezieht. Es wurde bereits längst erkannt, dass die Schule nicht ausschließlich als Bildungseinrichtung dienen kann, sondern dass ihr ebenso ein Erziehungsauftrag zukommt. Aus dieser Erkenntnis heraus, sind im Laufe der schulgeschichtlichen Entwicklungen bereits einige Erneuerungen im Bildungssystem von statten gegangen: die Entwicklung weg von Frontalunterricht und hin zu gruppenpädagogischen und selbstbestimmten Übungen, die Entstehung von Schulsozialarbeit, der erhöhte Pädagogikanteil im Studium der jüngsten Lehrergenerationen, individuelle und bedürfnisangepasste Schulformen (z.B. Waldorfschulen, Montessori-Konzepte usw.). Allerdings zeigt sich auch, dass die gesellschaftliche Entwicklung in einem scheinbar viel schnelleren Maße fortschreitet. Dieses hat gemäß der Individualisierungsthese nach Beck nicht ausschließlich positive Folgen. Zwar entstehen immer mehr Möglichkeiten für den Einzelnen, seinen Horizont zu erweitern, sich aus der „Optionsflut die Rosinen herauszupicken“ und somit ein selbstbestimmtes, liberalistisches und flexibles Leben zu führen. Jedoch muss auch hier die zweite Seite der Medaille gesehen werden. Ein großer Teil der Bevölkerung fühlt sich mit dieser Informations- und Optionsflut überfordert und kann der Individualisierung folglich nur Sach- und Entscheidungszwänge als Last entnehmen. Beck spricht hier von „Riskanten Freiheiten“, wenn er die größere Autonomie und die erweiterten Handlungsoptionen mit den strukturellen Zwängen in Relation setzt. (Vgl. Berger 1996: 51ff.; Peuckert 2008: 326ff.)
Vermehrt zeigt sich daher, dass das stark tradierte, staatliche Schulsystem, trotz ansatzweiser Versuche, nicht mehr in vollem Umfang der ganzen Bandbreite an sozialen Problemlagen und erzieherischen Defiziten gegenüberstehen kann, ohne deren Auswirkungen in der Bildung zu spüren. Schlagworte, wie „PISA-Studie“, „Schulaversion“, „Gewalt in der Schule“, „ADHS-Welle“ und „Zeitmangel der Lehrkräfte“, sind in nahezu jeder pädagogischen Diskussion zum Thema Schule anzufinden. Fokus dieser Arbeit soll es somit sein, die Grundlagen dieser Problemfelder aus systemtheoretischer Perspektive zu durchleuchten und mögliche Zugänge und Ansätze aufzuzeigen. Dabei werden die nachfolgenden Fragestellungen zur Bearbeitung hilfreich sein:
„Wie sind die Systeme, Erziehungssystem und soziales Hilfesystem, inhaltlich und charakteristisch aufgebaut?“, „Welchen speziellen Codes und Programmen folgen sie?“, „Wo liegen die Schnittpunkte dieser zwei Funktionssysteme?“, „Welche Probleme können hierbei auftreten?“, „Wie kommt es aus systemtheoretischer Sicht zu diesen Konfliktfeldern?“, „Welche Bemühungen, Ansätze und Ideen bestehen bereits, die diese Probleme grundlegend zu bearbeiten versuchen?“ und „Was lässt sich aus der Analyse dieser Arbeit schließen?“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeiner systemtheoretischer Teil

2.1 Systemtheoretischer Rahmen

2.2 Differenzierung sozialer Systeme

2.2.1 Funktionssysteme

2.3 Autopoiesis als grundlegender Richtungswechsel

3 Das Erziehungssystem der Gesellschaft

3.1 Sozialisation als Differenzierungsmerkmal zur Erziehung

3.2 Grundverständnis der Erziehung

3.3 Erziehung als soziales System

3.4 Konstitutive Merkmale des Erziehungssystems

4 Das soziale Hilfesystem der Gesellschaft

4.1 Grundverständnis und Code

4.2 Verbindungen zu anderen Systemen

4.3 Zur Funktion des Systems

4.4 Programm des sozialen Hilfesystems

5. Praktische Probleme im Erziehungssystem

5.1 Zwischen ökonomischen Nutzen und persönlicher Entwicklung

5.1.1 Der zunehmende Zeitrahmen schulischer Erziehung

5.2 Probleme im Interaktionssystem Unterricht

5.3 Sozialpädagogischer Eingriff

5.4 Konflikte in der Zielstellung schulischer Bildung

5.5 Einfluss sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse in der Pädagogik

5.6 Der pädagogische Takt

5.7 Zwischen Zwang und Autorität

6 Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Studienarbeit untersucht aus systemtheoretischer Perspektive nach Niklas Luhmann die Funktionssysteme des Erziehungssystems und des sozialen Hilfesystems. Ziel ist es, die strukturellen Grundlagen, Codierungen und Programme beider Systeme darzustellen sowie die Schnittstellen, Konfliktfelder und Defizite in deren Zusammenspiel, insbesondere im schulischen Kontext, zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.

  • Systemtheoretische Grundlagen nach Niklas Luhmann
  • Differenzierung und Autopoiesis sozialer Systeme
  • Analyse von Erziehung und sozialer Hilfe als Funktionssysteme
  • Konfliktpotenziale an der Schnittstelle von Erziehung und Hilfe
  • Die Rolle der Schule bei der individuellen Förderung vs. ökonomischer Qualifikation

Auszug aus dem Buch

3.3 Erziehung als soziales System

Wie das Wirtschafts-, das Rechts-, das Wissenschaftssystem u.a., ist auch das Erziehungssystem ein Funktionssystem der Gesellschaft. Die funktionale Differenzierung des Systems besteht im Lernen, um so eine Bildung zu erreichen, die „die Individuen auf ein Leben außerhalb des Erziehungssystems vorbereitet.“ (Luhmann 2005a: 188). Neben der Bildung und Ausbildung besteht zudem noch die Funktion der Selektion, die eine spezifische Kommunikation innerhalb eines anderen Funktionssystems erwartbar werden lässt. Erziehung vollzieht sich jedoch nicht nur in der ersten Phase des Lebensabschnittes, auch wenn diese dort am intensivsten geschieht. Vor allem in jungen Jahren ist die Identitätsentwicklung zwar am stärksten und der Lerneffekt am größten, jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund spricht Luhmann auch von einem geschlossenen Erziehungssystem und nicht von einem gesonderten System für die „organisational verwaltete Erziehung (Schule)“ (Runkel & Burkart 2005: 172).

Trotz diesem Bewusstsein geht er überwiegend auf die schulförmige Erziehung ein, wahrscheinlich weil dort genau der Schwerpunkt pädagogischen Handelns und der sozialisierten Entwicklung der Person liegt. Auch die Familie, der Kindergarten, die Ausbildungsstätte, Jugendhilfeeinrichtungen und Weiterbildungsmaßnahmen sind Institutionen, die bilden bzw. ausbilden und selektieren und so Erziehung praktizieren. Wichtig bei der Institution Familie ist, dass sie ein soziales System der Gesellschaft darstellt, „das als ein System von Personen operiert, nicht aber als ein gesellschaftliches Funktionssystem.“ (Krause, 2005: 148). In dem System Familie handelt es sich sowohl um körperliche und psychische Systeme, als auch um „die außerfamilialen kommunikativen Inklusionen (…) der Mitglieder Umwelt.“ Zudem sind für die Familie alle Kommunikationen relevant, die für ihre Mitglieder relevant sind (Vgl. ebd.: 148). Alle Kommunikationen, welche interfamilial ablaufen, jedoch dem Sinn und Zweck der Bildung und Ausbildung dienen, sind dem Erziehungssystem zuzurechnen. Darin besteht die erste Beziehung zu anderen Systemen. Genau an dieser Stelle konstituiert sich aber zugleich ein Konflikt: „Das Erziehungssystem versucht Ungleiche gleich zu behandeln.“ (Runkel & Burkart 2005: 172) Es wird versucht, Ungleichheiten, die sich aufgrund familialer Entwicklung bilden, mit Gleichheit via Standards (Einschulalter, Notengebung, Dreigliedrigkeit des Schulsystems) als Chancengleichheit entgegenzuwirken.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung des systemtheoretischen Kontextes sowie der Fragestellung bezüglich der Verflechtungen und Konfliktpunkte zwischen Erziehungssystem und sozialem Hilfesystem.

2 Allgemeiner systemtheoretischer Teil: Erläuterung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann, inklusive der funktionalen Differenzierung, Autopoiesis und der Unterscheidung zwischen System und Umwelt.

3 Das Erziehungssystem der Gesellschaft: Analyse des Erziehungssystems als Funktionssystem, dessen Besonderheiten, Funktionen wie Selektion und Bildung sowie dessen konstitutiven Merkmalen.

4 Das soziale Hilfesystem der Gesellschaft: Untersuchung der sozialen Hilfe als Funktionssystem, deren Code, Funktion der Defizitkompensation und die Art der Programmierung.

5. Praktische Probleme im Erziehungssystem: Systematische Analyse auftretender Konflikte in der pädagogischen Praxis, wie der Druck zur ökonomischen Verwertbarkeit, Probleme im Unterricht und die Rolle sozialpädagogischer Eingriffe.

6 Resümee: Kritische Zusammenfassung der Arbeit und Fazit zur Notwendigkeit einer stärkeren Verzahnung von Erziehung und sozialer Hilfe sowie notwendiger Reformen im Schulwesen.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Erziehungssystem, Soziales Hilfesystem, Funktionssystem, Sozialisation, Autopoiesis, Selektion, Pädagogik, Defizitkompensation, Bildungskonzeption, Interaktion, Intervention, Individualisierungsthese, Schulpädagogik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Erziehungssystem und das soziale Hilfesystem der Gesellschaft aus der systemtheoretischen Perspektive von Niklas Luhmann, um deren Struktur, Funktionen und Konfliktpunkte zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Systemtheorie, die autopoietische Funktionsweise sozialer Systeme, die Rolle von Erziehung als Vorbereitung auf die Gesellschaft sowie die kompensatorische Funktion des sozialen Hilfesystems bei Bildungsproblemen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Probleme an den Schnittstellen von Erziehung und Hilfe zu erlangen und aufzuzeigen, wie systemtheoretische Konzepte helfen, diese Herausforderungen zu durchleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturbasierte Analyse unter Anwendung systemtheoretischer Beobachtungsschemata nach Niklas Luhmann vorgenommen, um die Funktionssysteme theoretisch einzuordnen und praktisch zu reflektieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systemtheoretische Grundlegung, eine detaillierte Analyse des Erziehungssystems, des Hilfesystems sowie eine Untersuchung praktischer Konfliktfelder, wie etwa Leistungsdruck, Schulaversion und das Rollenverständnis von Lehrkräften.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Systemtheorie, Funktionssystem, Autopoiesis, Selektion, Leitdifferenz, Sozialisation, Defizitkompensation und pädagogischer Takt.

Wie unterscheidet Luhmann zwischen Erziehung und Sozialisation?

Sozialisation findet laut Luhmann individualintern statt und ist kein direkt steuerbarer Prozess, während Erziehung eine absichtsvolle, resultatbezogene Kommunikation sozialer Systeme darstellt.

Warum spielt die Leitdifferenz eine zentrale Rolle bei der Selektion?

Die Leitdifferenz ermöglicht dem System eine binäre Codierung (z.B. geeignet/ungeeignet), anhand derer das Erziehungssystem Individuen für Bildungswege selektiert und somit den ökonomischen Status in der Gesellschaft vorbestimmt.

Welche Rolle spielt der "pädagogische Takt" bei der Bewältigung von Paradoxien?

Der Takt dient als notwendige Kompetenz der Lehrkräfte, um in einer durch Prüfungszwang belasteten Unterrichtssituation die Selbstachtung der Schüler zu schonen und trotz asymmetrischer Machtverhältnisse ein vertrauensvolles Lernklima zu ermöglichen.

Warum wird das soziale Hilfesystem als notwendig für das Erziehungssystem beschrieben?

Da das Erziehungssystem selbst nicht alle auftretenden sozialen Probleme oder Defizite der Schüler (z.B. bei Gewalt oder Überforderung) lösen kann, ist die Unterstützung durch spezialisierte Instanzen des sozialen Hilfesystems notwendig, um die Funktionsfähigkeit von Schule aufrechtzuerhalten.

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Details

Title
Systemtheoretische Betrachtung des Erziehungssystems und des sozialen Hilfssystems der Gesellschaft unter Berücksichtigung auftretender Konfliktfelder
College
Heidenheim University of Cooperative Education
Course
Soziologie Sozialer Arbeit
Grade
2,3
Author
Norman Böttcher (Author)
Publication Year
2008
Pages
35
Catalog Number
V121854
ISBN (eBook)
9783640431571
ISBN (Book)
9783640431755
Language
German
Tags
Systemtheorie Niklas Luhmann Soziologie Sozialer Arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Norman Böttcher (Author), 2008, Systemtheoretische Betrachtung des Erziehungssystems und des sozialen Hilfssystems der Gesellschaft unter Berücksichtigung auftretender Konfliktfelder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121854
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