Das Unterrichtsfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der historisch und fachliche Kontext des Faches LER

3. Inhalt und Struktur des Faches

4. Reflexion

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Das Fach „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde“ wird im Bundesland Brandenburg an 330[1] Schulen unterrichtet. Es ist vergleichbar mit dem „Ethikunterricht“ in Sachsen-Anhalt bzw. „Werte und Normen“ in Niedersachsen oder Lebenskunde in Berlin. Der LER- Fachunterricht ist einzigartig in ganz Deutschland und ist es deshalb wert, einen Blick auf das Fach selbst, seine Inhalte und Methoden zu werfen. Dieses Fach entstand unter großer Kritik und wird bis heute mit zwiespältiger Meinung betrachtet. Die differenzierten Meinungen zu LER kommen aus unterschiedlichen Lagern. Zum Einen tritt die christliche Kirche als Hauptkritiker in den Vordergrund, auch CDU/CSU, FDP und einzelne Vertreter der SPD üben Kritik, aber auch einige Eltern und Schüler sind mit dem Konzept dieses Unterrichtsfaches nicht einverstanden. Die Kritik dieser Lager richtet sich in Anlehnung an die „Bremer Klausel“[2] dagegen, dass sie LER nicht als „ordentliches“ Lehrfach ansehen in Bezug auf den zu kurz kommenden Teil des Religionsunterrichtes. Im Jahre 1992 wurde LER in einem Modellversuch für 4 Jahre an 41 Schulen in Brandenburg getestet und wurde ab dem Jahre 1996 als festes Unterrichtsfach in vielen Schulen des Landes etabliert.

Eine bedeutsame Frage, in Bezugnahme auf die vielen kritischen Aspekte, ist es, ob es sinnvoll oder nötig ist, ein neues Fach einzuführen oder ob LER nicht bereits in den vorhandenen Konzepten des Ethikunterrichtes vorhanden ist. Also die klare Fragestellung dieser Arbeit lautet, ob das Fach LER wirklich etwas Neues ist oder die Ansätze des Ethikunterrichtes widerspiegelt? Diese Fragestellung wird vorrangig in der abschließenden Reflexion betrachtet. Zuvor sollen einige sachliche Grundlagen zur Beantwortung dieser Frage dargelegt werden. Der historische und fachliche Kontext, sowie Inhalt und Struktur bilden die Basis für eine fundierte Auseinandersetzung mit der Problematik.

2. Der historisch und fachliche Kontext des Faches LER

Das Fach LER steht noch nicht in einer sehr langen Tradition, da es erst seit Anfang der 90er Jahre in Brandenburg unterrichtet wird. Gesellschaftshistorische Umdeutungen in den 1950er Jahren in der DDR führten zur Säkularisierung der Bevölkerung, die wiederum dazu führten, dass sich viele Bürger sich von der Kirche abwandten. Auch viele Schüler entschlossen sich gegen den Religionsunterricht. Als Ersatz wurde diesen Schülern das Fach Ethik angeboten, welches aber weder Orientierungen für das eigene Leben noch ein Weltverständnis anderer Kulturen vermittelte und demnach von vielen als sehr unbefriedigend empfunden wurde. Auf Grund dieser Umdeutungen der Bevölkerung musste auch die Schule und ihr Konzept neu durchdacht werden. Dieses Neudurchdenken spiegelte sich dann in dem neuen Fach „Lebensgestaltung-Ethik-Religion“ wieder, da es passend für die neuen Bedürfnisse der Schüler und der Bevölkerung war. Also bildete diese Zeit die Anfänge des Faches, da in ihr die ersten Ansätze eines zukünftig neuen Faches formuliert wurden. In den nachfolgenden Jahren drifteten Kirche und Staat immer weiter auseinander durch die zunehmenden Globalisierungstendenzen und gesellschaftlichen Krisen. Der eigentliche Ursprung von LER liegt aber Ende der 1980er Jahre in Folge tief greifender Überlegungen zur Schulreform in der DDR. „Basisdemokratische Initiativgruppen wie der ´Unabhängige Interessenverband für eine demokratische Bildung und Erziehung´ oder die ´Volksinitiative Bildung´ entwickelten Vorstellungen für eine innere Schulreform. Hinzu kamen bildungspolitische Aktivitäten aus Kreisen der Bürgerbewegung, der evangelischen Kirche sowie des Freidenkerverbandes. Im November 1989 wurden auf einem von der ´Volksinitiative Bildung´ eingeladenen Forum ´Bildungsnotstand´ Reformen der Bildung und Erziehung in der DDR erörtert.“[3] In der ersten brandenburgischen Landesregierung wurde versucht die entstandene Kluft zwischen Kirche und Staat im Bereich der Schule wieder zusammen zu führen. Wie bereits erwähnt tritt im Land Brandenburg die „Bremer Klausel“ in Kraft und der Artikel 7 des Grundgesetzes findet hier keine Anwendung. „Auf diesem Hintergrund wurde seit Anfang 1991 im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport unter Beteiligung von Basisinitiativen das Konzept eines Lehrbereichs ´Lebensgestaltung-Ethik-Religion´ entwickelt, das in einem landesweiten Modellversuch erprobt werden sollte.“[4] Es sollte eine Zusammenführung von Sinn- und Wertfragen, sowie die Belange der Kirche in einem Unterrichtsfach realisiert werden. Angestrebt wurde damit eine innere Schulreform, die sich gegen die Auffassungen der sozialistischen Schulen der DDR und rein kognitive Vermittlung von Wissen richtete. Von großer Wichtigkeit waren dabei im Unterricht Lebensnähe und persönliche Erfahrungsfelder. Im Laufe der Entwicklung, genauer im Jahre 1991, wurde der Gesellschaft ein Grundsatzpapier von dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vorgestellt, um das neue Unterrichtsfach in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Im Folgenden ein Auszug daraus: „Wir wollen auf die Chancen und Herausforderungen reagieren, die mit den gesellschaftlichen Veränderungen verbunden sind, auf die dringenden sozialen Problem der Gegenwart, auf das Nebeneinander verschiedenster Kulturen, Lebensauffassungen und Lebensweisen, Weltanschauungen und Religionen in einer sich verändernden Welt. Das können wir nur, wenn unsere Schulen einen Raum bieten, indem das persönliche Leben, die Erfahrungen und Bedürfnisse, die Befindlichkeiten und Gefühle der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt stehen, wo Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Werten und Kulturen Gegenstand der Auseinandersetzung und des Gespräches sind. “[5] Im selben Jahr fand ein klärendes Gespräch zwischen Kirche und Landesregierung statt, indem der Kompromiss geschlossen wurde, dass der Unterricht in zwei Phasen, zum Einen in die Differenzierungsphase und zum Anderen in die Integrationsphase, aufgeteilt wurde. In der Integrationsphase musste das Fach LER besucht werden und in der darauf folgenden Differenzierungsphase konnte zwischen den Fächern Religion und LER gewählt werden.

[...]


[1] Wert aus dem Schuljahr 1999/2000

[2] Die „Bremer Klausel“ besagt laut GG für die BRD Art.141: „Artikel 7 Absatz 3 Satz 1 findet keine Anwendung in einem Lande, in dem am 01.Januar 1949 eine andere landesrechtliche Regelung bestand.“

[3] Edelstein, Wolfgang(Hg.) „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Zur Grundlegung eines neuen Schulfachs/ Analysen und Empfehlungen“, Beltz Verlag, Weinheim/ Basel, 2001, S. 25

[4] Edelstein, Wolfgang(Hg.) „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Zur Grundlegung eines neuen Schulfachs/ Analysen und Empfehlungen“, Beltz Verlag, Weinheim/ Basel, 2001, S.26

[5] ebd. S.26

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Unterrichtsfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER)
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Konzeptionen des Philosophie- und Ethikunterricht im Laufe der Geschichte
Note
3,0
Autoren
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V121871
ISBN (eBook)
9783640263950
ISBN (Buch)
9783656873709
Dateigröße
889 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsfach, Konzeptionen, Philosophie-, Ethikunterricht, Laufe, Geschichte
Arbeit zitieren
Patricia Detto (Autor)Doreen Krzmarik (Autor), 2008, Das Unterrichtsfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121871

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