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Wallfahrt zur Wies

Über Ritual und Gemeinschaft

Title: Wallfahrt zur Wies

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Philipp Einhäuser (Author)

Sociology - Religion
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„Die Nähe Gottes spüren: Das ist das Ziel vieler Gläubiger, die sich weltweit zu religiösen Stätten aufmachen. Jährlich machen sich etwa 40 Millionen Christinnen und Christen auf eine Pilgerreise“ – so lautet der Aufmacher der Rubrik „Wallfahrt“ im offiziellen Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland. Die großen deutschen Wallfahrtsorte wie Altötting oder Kevelaer verzeichnen ebenso wie Rom, Lourdes oder Fatima seit Jahren kontinuierlich steigende Pilgerzahlen, und der Jakobsweg nach Santiago de Compostela gilt vielen als populäre Reiseroute.
Worin besteht die Faszination einer Wallfahrt? Welche religiöse Bedeutung hat sie für die Teilnehmer? Wie sind die Phänomene „Wallfahren“ und „Pilgern“ innerhalb einer Religion oder religiösen Gemeinschaft zu verorten? Wofür stehen sie?

Ich beschränke meine Ausführungen in einem ersten empirischen Teil auf meine eigene Teilnahme an einer Wallfahrt am 14. August 2008 zur Wieskirche im Allgäu, einem seit Mitte des 18. Jahrhunderts bedeutenden katholischen Wallfahrtsort in Süddeutschland, die hier exemplarisch besprochen werden kann.
Zunächst soll hierbei eine Klärung des Begriffs „Wallfahrt“ unternommen werden, um das behandelte Phänomen näher einzugrenzen. Anschließend folgt eine Beschreibung der Wallfahrt. Ein weiteres, kurzes Kapitel zur Methodik und Methodologie bildet den Abschluss dieses Teils.
Basierend auf meinen Aufzeichnungen versuche ich in einem zweiten Teil wesentliche Aspekte der Wallfahrt theoretisch einzubetten. Ausgehend von einem ritualtheoretischen Standpunkt entwickle ich zunächst entlang der Theorien Grimes´, Tambiahs, Schieffelins und insbesondere Humphreys bzw. Laidlaws meine Hypothese, welche Religion im weitesten und Wallfahrt im engeren Sinne als ein haptisch erlebbares Phänomen zu beleuchten versucht. Hierbei soll besonders die performative Komponente der Wallfahrt im Vordergrund stehen.
Mit Turner konzentriere ich mich schließlich auf den in der Wallfahrtsforschung zentralen Aspekt der Bewegung.
Eine Schlussbetrachtung, in der ich Thomas Tweeds translokativ und transtemporal ausgerichtete Religionstheorie zu Hilfe nehme, soll schließlich aus beiden Thesen einen Kerngedanken zu formulieren versuchen. Dabei soll gezeigt werden, dass gerade über das Erlebnis – und hier bietet sich eine Wallfahrt besonders an - Gemeinschaft entstehen kann. Gleichfalls will ich an dieser Stelle eigenen theoretischen und methodologischen Überlegungen Platz einräumen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Wieswallfahrt – eine empirische Annäherung

1. „Wallfahrt“ – Begriffsklärung

2. Die Wieswallfahrt

3. Methodik und Verfahren

II. Theoretische Überlegungen zur Wallfahrt

1. Wieswallfahrt – Ritual und Performance?

2. Die rituelle Einstellung – oder was ein Ritual zum Ritual macht

3. Bewegungsdynamiken im Kontext der Wallfahrt

III. Schlussbetrachtung: Wieswallfahrt als dynamische Religion, sozialer Prozess, transgressive Religion – und einige Konsequenzen für die Theoriebildung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wieswallfahrt als rituelles Phänomen, um zu analysieren, wie durch körperliche Bewegung, liturgische Vollzüge und gemeinschaftliche Erlebnisse religiöse Bedeutung konstruiert wird. Dabei wird erforscht, wie die Wallfahrt als „sozialer Prozess“ fungiert und wie sich individuelle Erfahrungen in eine gemeinschaftliche Praxis integrieren lassen.

  • Empirische Untersuchung der Wieswallfahrt als ritueller Vollzug
  • Analyse der Interaktion zwischen ritueller Form und individuellem Inhalt
  • Theoretische Einbettung von Ritual, Performance und „ritueller Einstellung“
  • Untersuchung der bewegungsdynamischen Aspekte der Gemeinschaftsbildung
  • Religionswissenschaftliche Reflexion des methodischen Zugangs und der Forscherrolle

Auszug aus dem Buch

Die rituelle Einstellung – oder was ein Ritual zum Ritual macht

Bei allen performativen und rituell assoziierten Aspekten die bisher behandelt wurden, ist eine zentrale Frage zu kurz gekommen. Es ist gewissermaßen die Frage nach dem Kriterium des Rituals. Zwar sind einige richtungsweisende Gedanken schon mit Schieffelin und seiner Performanztheorie sowie mit Tambiah und dem stereotypen, konventionalisierten Handeln angeklungen, ich möchte diesen Themenkomplex aber noch vertiefend von einer anderen Seite betrachten.

Eine unkonventionelle und spannende Sichtweise dazu haben Humphrey und Laidlaw vorgelegt. Sie gehen nicht von bestimmten Handlungen aus, die per se als rituell oder ritualisiert bezeichnet werden können, sondern vor allem von einer bestimmten Haltung oder Einstellung des Akteurs zur Handlung, die sie als die „rituelle Einstellung“ oder das „rituelle Engagement“ bezeichnen. Diese Perspektive schließt verschiedentlich an die bisher angesprochenen theoretischen Positionen an.

Humphrey und Laidlaw betrachten einige, weiter oben schon ähnlich bezeichneten Aspekte des Rituals – seine vorgeschriebenen Abläufe, seine Wiedererkennbarkeit, d.h. Repetitivität und seine elementaren bzw. archetypischen Inhalte - legen aber in erster Linie ihre These von der Nicht – Intentionalität rituellen Handelns zugrunde. Mit dieser Annahme versuchen sie, offensichtlich paradoxe Elemente des Rituals näher bestimmen zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Wallfahrten als religiöse Praxis dar und führt in das spezifische Forschungsbeispiel der Wieswallfahrt ein, welches mit verschiedenen ritualtheoretischen Ansätzen beleuchtet wird.

I. Die Wieswallfahrt – eine empirische Annäherung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Wallfahrt, beschreibt den konkreten Ablauf der Wieswallfahrt am 14. August 2008 und erläutert die methodische Herangehensweise der Teilnehmenden Beobachtung.

II. Theoretische Überlegungen zur Wallfahrt: Hier erfolgt die theoretische Analyse der Wallfahrt durch die Konzepte der rituellen Performance, der „rituellen Einstellung“ nach Humphrey und Laidlaw sowie eine Untersuchung der Bewegungsdynamiken nach Victor Turner.

III. Schlussbetrachtung: Wieswallfahrt als dynamische Religion, sozialer Prozess, transgressive Religion – und einige Konsequenzen für die Theoriebildung: Die Schlussbetrachtung synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert unter Einbeziehung von Thomas Tweeds Religionstheorie das Verständnis von Religion als dynamischer, „fließender“ Prozess.

Schlüsselwörter

Wallfahrt, Wieskirche, Ritualtheorie, Performance, Liturgie, rituelle Einstellung, Gemeinschaftsbildung, soziale Dynamik, Religionswissenschaft, Communitas, Nicht-Intentionalität, performative Theorie, empirische Forschung, religiöse Erfahrung, Thomas Tweed.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wieswallfahrt als ein religiöses Ritual und analysiert, welche soziale und performative Bedeutung diese für die Teilnehmer hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des rituellen Handelns, die Rolle der Performanz, die Bedeutung von Bewegung für die Gemeinschaftsbildung sowie die Reflexion der Forscherrolle in den Kulturwissenschaften.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die spezifische Verbindung von ritueller Form und inhaltlichem Erleben bei der Wallfahrt zu verstehen und theoretisch in den religionswissenschaftlichen Diskurs einzubetten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die Methode der Teilnehmenden Beobachtung sowie semistrukturierte Interviews mit dem leitenden Priester, um empirische Daten über den Wallfahrtsverlauf zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine empirische Beschreibung der Wallfahrt und eine theoretische Reflexion anhand der Theorien von Grimes, Tambiah, Humphrey, Laidlaw und Turner.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wallfahrt, Ritualtheorie, Performanz, rituelle Einstellung, Gemeinschaftsbildung, Communitas und die dynamische Religionstheorie nach Thomas Tweed.

Was besagt das Konzept der „rituellen Einstellung“?

Es postuliert, dass rituelles Handeln nicht primär durch die Intention des Akteurs, sondern durch eine spezifische Haltung zur Handlung und die Unterordnung unter vorgegebene Regeln bestimmt wird.

Wie beeinflusst die Wallfahrt die Gemeinschaft der Teilnehmer?

Die Wallfahrt fungiert als „Anti-Struktur“ oder Communitas, in der gesellschaftliche Hierarchien nivelliert werden und ein generisches Gemeinschaftsgefühl entsteht, das über die Dauer des Rituals hinauswirkt.

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Details

Title
Wallfahrt zur Wies
Subtitle
Über Ritual und Gemeinschaft
College
LMU Munich  (Institut für Religions-und Missionswissenschaft)
Course
Pilgern und Wallfahrt
Grade
1,0
Author
Philipp Einhäuser (Author)
Publication Year
2008
Pages
32
Catalog Number
V121886
ISBN (eBook)
9783640267125
ISBN (Book)
9783640267347
Language
German
Tags
Wallfahrt Wies Pilgern Wallfahrt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Einhäuser (Author), 2008, Wallfahrt zur Wies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121886
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