Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Habitation and Urban Sociology

Raum und soziale Ungleichheit

Die Nutzung von (Stadt-)raum unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechterverhältnisses

Title: Raum und soziale Ungleichheit

Term Paper , 2008 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ronny Steinbrück (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Von Interesse ist der Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und dem Geschlechterverhältnis in Bezug auf die Herstellung und Verfügbarkeit von Raum. Dazu soll im ersten Teil der Arbeit zunächst mit dem Begriff des Raumes eine Grundlage geschaffen werden. Dies geschieht mittels zweier Konzepte, die herausarbeiten, dass Raum sozial hergestellt ist. Im Mittelpunkt der Vertiefung stehen dabei Prozesse der Wahrnehmung, Bewertung und Synthese. Es wird sich zeigen, dass Raum relational ist, also von den Akteuren hergestellt wird, aber auch, dass er gleichzeitig die Akteure in ihrem Handeln beeinflusst. Darüber hinaus zeigen die Ausführungen eine weitere Besonderheit, nämlich die geschlechtsspezifische Konstitution und Konstruktion von Raum. Die Geschlechter erzeugen über jeweils eigene, entsprechend relevante Aspekte Raum und haben damit auch (tendenziell) verschiedene Beziehungen zu Raum. Aus dieser verschiedenen Aneignung von Raum resultieren unterschiedliche Konsequenzen für die sozialen Handlungen innerhalb der Räume. Am Beispiel des Angstraumes soll ein Fall der Aneignung öffentlicher Räume durch Frauen aufgezeigt werden. Hierzu wird es nötig sein einen kurzen Abriss der Sozialgeschichte des öffentlichen (Angst)Raumes zu geben. Anschließend folgt noch ein kurzer Abschnitt der sich dem Paradox der zu erwartenden Sicherheit widmet.
Es schließt sich der zweite Teil mit dem Kapitel über die Auseinandersetzung von Raum und sozialer Ungleichheit an, welches in diesem Zusammenhang den Begriff der Macht im Fokus haben wird. Hier werden wiederrum zwei Analysekonzepte vorgestellt um zum einen die Dimensionen sozialer Ungleichheit zu fassen und um zum anderen zu erfassen, wie Macht das Zusammenspiel von Raum und Geschlecht durchdringt. Ergänzt werden diese Ausführungen durch empirische Belege aus den Bereichen der Nutzung des öffentlichen Raumes sowie dem Berufsfeld der Architektinnen und Planerinnen, welche sich in einer exponierten Stellung befinden.
Im dritten Teil beschäftigt sich Kapitel 5 schließlich mit zwei Auswirkungen geschlechtsspezifischer Chancen der Nutzung von (Stadt)Raum anhand der Phänomene der historisch entstandenen Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit und deren geschlechtsspezifischer Zuordnung, sowie letztens des ambivalenten Prozesses der Gentrifizierung.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Erarbeitung eines Konzepts von Raum

2.1 Einleitende Gedanken zum Begriff des ‚Raumes’

2.2 Zwei Handlungstheoretische Raumbegriffe

2.2.1 Spacing und Syntheseleistung

2.2.2 Konstitution und Konstruktion

2.3 Geschlechtsspezifische Herstellung von Raum

3. Konsequenzen der verschiedentlichen Wahrnehmung von (Stadt-)Raum für die Nutzung und Aneignung von (Stadt-)Raum

3.1 Sozialgeschichte des öffentlichen ‚(Angst)Raumes’

3.2 Das Paradox der erwarteten und tatsächlichen (Un)Sicherheit

4. Raum und soziale Ungleichheit

4.1 Analyse der (Macht-)Asymmetrie

4.2 Vier Dimensionen sozialer Ungleichheit

4.3 Vier Dimensionen der Analyse des Wirkungsgefüges Raum-Macht-Geschlecht

4.4 Empirische Belege für die Nutzung von Raum unter ausschließlicher Berücksichtigung der Genusgruppe Frau

4.4.1 Nutzung des öffentlichen Raumes

4.4.2 Die besondere Stellung von Architektinnen und Planerinnen

5. Auswirkungen geschlechtsspezifischer Chancen der Nutzung von (Stadt-)Raum

5.1 Die Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit als geschlechtsspezifisch zugeordnete Sphären

5.2 Die sozialräumliche Aufwertung der innenstadtnahen Wohnviertel als Prozess mit ambivalentem Charakter

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und dem Geschlechterverhältnis in Bezug auf die Herstellung, Nutzung und Verfügbarkeit von städtischem Raum. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern die Aneignung von (Stadt-)Raum strukturieren und welche Konsequenzen sich daraus für Frauen in verschiedenen Lebensbereichen ergeben.

  • Theoretische Konzeptionen von Raum als sozial konstruiertem Phänomen.
  • Die Analyse der Machtasymmetrien zwischen den Geschlechtern im öffentlichen Raum.
  • Sozialgeschichtliche Aspekte der (Un)Sicherheit und der Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit.
  • Empirische Fallbeispiele zur Nutzung öffentlicher Sportfreiräume und zur Rolle von Architektinnen.
  • Der ambivalente Prozess der Gentrifizierung aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive.

Auszug aus dem Buch

3.1 Sozialgeschichte des öffentlichen ‚(Angst)Raumes’

Um zu verstehen wie es überhaupt zu einem gegenwärtigen Phänomen wie dem eines Angstraumes kommen konnte, soll ein knapper Abriss der Sozialgeschichte der Nutzung des öffentlichen Raumes nachgezeichnet werden. Der Ursprung für die Sozialgeschichte der (Un)Sicherheit im öffentlichen Raum liegt nach Ruhne im extensiven Wachstum der Städte, der damit verbundenen aufkommenden Nachtbeleuchtung, Prostitution und den damit insgesamt erweiterten Handlungsoptionen für die Individuen seit dem 18. Jahrhundert. Eine Folge der Prostitution in Städten und dem damit verbundenen nachts auf der Straße allein umherlaufenden Frauen, führte zu der Unterscheidung von anständigen und verrufenen Frauen. Um soziale Ordnung herzustellen und aufrecht zu erhalten, wurden nun für die gesamte Genusgruppe Frau Ausgehverbote verhängt.

In Folge dessen konnte leicht ausgemacht werden, welche Frauen als anständig und welche als Prostituierte zu gelten hatten. Erstere befanden sich nämlich bei Dunkelheit in ihren Wohnungen und Häusern und brauchten sich nicht vor „sittenpolizeilichen Maßnahmen“ zu fürchten. Im Laufe des 19. bis hin zum beginnenden 20. Jahrhundert jedoch veränderten sich jene Ausgehverbote in der Form, dass sie nach und nach zu Anstandsgeboten wurden. Die Begründung verschob sich hin zur Schutzbedürftigkeit von Mädchen und Frauen. Denn: „Lange wurde es so als eine vorrangige Aufgabe insbesondere ‚anständiger’ Frauen angesehen, mögliche Gefahren und ‚unsichere’ Situationen durch ein Meiden öffentlicher Räume gar nicht erst entstehen zu lassen oder sie durch das Treffen besonderer Schutzmaßnahmen zu begrenzen.“

Diese Verknüpfung von Standes- bzw. schichtspezifischen Wahrnehmungen und Verhaltensweisen, wurden zu der Zeit einerseits durch die das Geschlecht konstruierenden und konstituierenden Normierungsprozesse unterstützt, als auch andererseits durch den Prozess der Dichotomisierung von Privatheit und Öffentlichkeit während der Zeit des Biedermeier. Rekurrierend auf Elias hält Ruhne nun fest, dass die durch äußere Sanktionen vermittelten ‚Fremdzwänge’ mehr und mehr durch internalisierte ‚Selbstzwänge’ ersetzt wurden. Die vormals erschaffenen Ausgehverbote wurden also von den Frauen zu akzeptierten Anstandsgeboten, auch u.a. deswegen, weil sie sich somit gegenüber unteren sozialen Schichten absetzen konnten. Diese Normverinnerlichung führt bis hinein in die Zeit der 1990er Jahre und hat die Wahrnehmung vom öffentlichen Raum unterstützt bzw. verstärkt. Als Folge dieser Unsicherheiten und Ängste sieht Ruhne die „Selbstausgrenzung“ von Frauen aus dem öffentlichen (Nacht-)Raum.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der Stadtsoziologie und skizziert den Aufbau der Arbeit, die sich mit dem Zusammenhang von Raum, Macht und Geschlecht befasst.

2. Erarbeitung eines Konzepts von Raum: Dieses Kapitel fundiert den Raumbegriff theoretisch durch handlungstheoretische und konstruktivistische Konzepte, insbesondere mit Fokus auf relationale Prozesse.

3. Konsequenzen der verschiedentlichen Wahrnehmung von (Stadt-)Raum für die Nutzung und Aneignung von (Stadt-)Raum: Das Kapitel beleuchtet anhand des Angstraum-Phänomens die sozialhistorischen Ursprünge geschlechtsspezifischer Raumnutzung und Unsicherheitsgefühle.

4. Raum und soziale Ungleichheit: Es wird die Machtasymmetrie zwischen den Geschlechtern thematisiert und durch Dimensionen sozialer Ungleichheit sowie empirische Beispiele aus der Stadtplanung vertieft.

5. Auswirkungen geschlechtsspezifischer Chancen der Nutzung von (Stadt-)Raum: Hier werden die Trennung von öffentlicher und privater Sphäre sowie die ambivalente Rolle der Gentrifizierung für verschiedene Frauengruppen analysiert.

6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Erkenntnisse über die relationale und geschlechtsspezifische Herstellung von Raum sowie einer Einordnung aktueller Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Raumsoziologie, Soziale Ungleichheit, Geschlechterverhältnis, Stadtplanung, Angstraum, Machtasymmetrie, Gentrifizierung, Konstruktivismus, Öffentlich-Privat-Dichotomie, Stadtgesellschaft, Raumkonstitution, Habitus, Reproduktionsarbeit, Stadt, Gender

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung, wie der städtische Raum unter Berücksichtigung von Machtverhältnissen und Geschlechterrollen hergestellt und genutzt wird.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Raumkonstitution, die Analyse sozialer Ungleichheit, die historische Entwicklung geschlechtsspezifischer Raumnutzung sowie aktuelle städtebauliche Prozesse wie die Gentrifizierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie (Stadt-)Raum relational durch soziale Handlungen konstituiert wird und wie dieses Konstrukt ungleiche Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern widerspiegelt und zementiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf handlungstheoretischen und sozialkonstruktivistischen Ansätzen basiert und empirische Belege aus soziologischen Studien integriert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Raumbegriffs, die Analyse von (Macht-)Asymmetrien im Raum sowie die Untersuchung spezifischer Phänomene wie Angsträume und die Rolle von Planerinnen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Raumsoziologie, Geschlechterverhältnis, Macht, soziale Ungleichheit, Gentrifizierung und die Unterscheidung von Privatheit und Öffentlichkeit.

Inwiefern beeinflussen soziale Normen das heutige Verhalten von Frauen im öffentlichen Raum?

Die Arbeit zeigt auf, dass historisch internalisierte Anstandsgebote und Sicherheitsbedürfnisse das Nutzungsverhalten von Frauen auch heute noch prägen, wenngleich sich die Möglichkeiten in urbanen Räumen für junge Frauen deutlich erweitert haben.

Welche Bedeutung kommt dem Berufsstand der Architektinnen in diesem Kontext zu?

Architektinnen und Planerinnen nehmen eine exponierte Stellung ein, da sie durch ihr berufliches Handeln soziale Bedürfnisse von Frauen gezielter in die Gestaltung des Wohnumfelds einbeziehen können.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Raum und soziale Ungleichheit
Subtitle
Die Nutzung von (Stadt-)raum unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechterverhältnisses
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Soziologie)
Course
Metropolitane Stadtgesellschaften
Grade
1,0
Author
Ronny Steinbrück (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V121889
ISBN (eBook)
9783640267149
ISBN (Book)
9783640267361
Language
German
Tags
Raum Ungleichheit Metropolitane Stadtgesellschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ronny Steinbrück (Author), 2008, Raum und soziale Ungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121889
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint