Die Brücke von Remagen. Der Vormarsch der Allierten in Deutschland im März 1945

Was geschah wirklich?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

1. Die Ludendorff-Brücke.
1.1 Der alliierte Vormarsch auf das deutsche Reich.
1.2 Remagen und die Ludendorff Brücke.

2. Kampf um die Brücke.
2.1 Die Amerikaner erobern Remagen und seine Brücke.
2.2 Deutsche Gegenangriffe.
2.3 Einsturz der Brücke.

3. Konsequenzen aus der Eroberung.

Quellenverzeichnis.

Vorwort

Am 7. März 1945 konnten amerikanische Streitkräfte die Brücke von Remagen ohne größere Schwierigkeiten einnehmen und erleichterten somit den Vormarsch der Westalliierten Truppen über den Rhein in das deutsche Reich hinein ungemein. Diese Brücke, benannt nach dem deutschen General des 1. Weltkrieges Erich von Ludendorff, war neben der Eisenbahnbrücke in Wesel die letzte intakte Brücke über den großen Wassergraben der Deutschlands Herz beschützte. Ursprünglich sollte sie dazu dienen, schnelle Truppenverlegungen per Eisenbahn zu ermöglichen.

Mehr oder weniger durch Zufall und durch glückliche Fügungen gelang es einem relativ kleinen US-Stoßtrupp unter der Führung des deutschstämmigen Karl H. Timmermann die Ludendorffbrücke zu erobern. Dies ersparte den alliierten Generälen eine Menge Kopfschmerzen; die Überquerung des Rheins war schon Monate im Voraus geplant und vorbereitet wurden. Auf amerikanischer Seite spricht man auch vom „Wunder von Remagen“. Die schnelle Einnahme hat vermutlich tausenden Soldaten das Leben gerettet und zu einem schnelleren Kriegsende geführt. Monate im Voraus geplant und organisiert, rechnete man mit einem schweren, verlustreichen Kampf.

In den deutschen Stäben war man fassungslos über diese Niederlage. Es war in der Vereidigungskonzept nicht vorgesehen, dass der Rheinübergang auf diese Weise gelingen könnte und verpasste dem militärischen Selbstverständnis deutscher Generalität einen schweren Dämpfer. Auch in der amerikanischen Kriegsliteratur wird der deutsche Soldat als Perfektionist beschrieben:The German soldier is a precide individual.He glories in his ability to engineer all things well in war, to build and plan beyond possible intervention by chance, and to look good even in defeat. Remagen dispelled the legend even for those who are readiest to proclaim it.[1]

Die Begebenheiten um diese Brücke wurden auch literarisch und filmisch verarbeitet, wie in John Gulliermins Film „Die Brücke von Remagen“ mit Robert Vaughn und George Segal, der sich an den realen geschichtlichen Hintergrund hält, den tatsächlichen Ereignissen jedoch Handlungsfreiraum einräumte.

Im vorliegenden Text werden wir uns damit beschäftigen, wie die westalliierten Truppen den Vormarsch nach Deutschland planten und bewältigten und inwieweit der Rhein eine Schlüsselrolle für das Kriegsende in Europa sein sollte. Ein schnelles Kriegsende schien nur mit einer raschen Überquerung dieses Stromes möglich zu sein.

Der kurze Kampf um die Brücke und ebenso die verzweifelten deutschen Gegenangriffe, bei denen auch so genannte „Wunderwaffen“ eingesetzt wurden, wird behandelt werden. Abschließend eine Betrachtung der Konsequenzen, die sich aus diesem Abschnitt des Zweiten Weltkrieges ergaben.

1. Die Ludendorff-Brücke

1.1 Der alliierte Vormarsch auf das deutsche Reich

Nach der geglückten Landung der Alliierten in der Normandie und der Befreiung von Paris schien der Optimismus keine Grenzen zu kennen, zumal der weitere Durchmarsch durch Frankreich auf verhältnismäßig schwachen deutschen Widerstand stieß. Doch allmählich zeigten sich die Probleme dieses schnellen Vormarsches. Es kam zu einem Mangel an Treibstoff für das alliierte Kriegsgerät, da alles von Großbritannien aus über See herangeschafft werden musste und brauchbare Häfen nun weit hinter der Front lagen. Tankwagen vom Hafen von Cherbourg brauchten mehrere Tage, um die Panzer zu erreichen und sie zu betanken. Daher und aus anderen Gründen legte der britische Field Marshal Montgomery, Befehlshaber der 21. alliierten Armeegruppe, den Plan auf den Tisch, mit der Masse der Streitkräfte durch Holland vorzudringen und dann durch die norddeutsche Tiefebene direkt auf Berlin vorzustoßen. Dabei würde der Hafen von Antwerpen befreit und zur Nachschubgewinung genützt und das Ruhrgebiet erobert werden, welches den Schwerpunkt der deutschen Rüstungsindustrie darstellte. General Omar Bradley, Befehlshaber der 12. Armeegruppe, sprach sich beim alliierten Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower hingegen dafür aus, das Saargebiet anzugreifen, um den Deutschen ein wertvolles Kohlegebiet zu entreißen und in die Mitte des deutschen Reiches vorzustoßen. Eisenhower gab Montgomerys Plan den Vorzug und so sollte der Vormarsch hauptsächlich an der Kanalküste entlang führen, und der Rhein nördlich des Ruhrgebietes überquert werden. Gleichzeitig jedoch sollte sich Bradley mit seinen Truppen von Süden her dem Rhein nähern, von einem Übersetzen über den Strom bzw. von dem Städtchen Remagen und seiner Brücke war allerdings noch nicht die Rede.

Um den Vormarsch seiner Truppen zu beschleunigen startete Montgomery im September 1944 die Operation „Market Garden“. Tausende amerikanische, britische und polnische Fallschirmjäger landeten hinter den deutschen Linien in Holland und sollten die strategisch wichtigen Rheinbrücken bei Arnheim und Nimwegen besetzen. Landstreitkräfte sollten zur gleichen Zeit die deutsche Front durchbrechen und dann die abgesetzten Luftlandetruppen entsetzen. Heftige deutsche Gegenangriffe hielten diesen Vormarsch jedoch lange genug auf, damit die im Raum Arnheim stehenden deutschen Kräfte, darunter die 9. und 10. SS-Panzerdivision, die alliierten Fallschirmjäger vernichtend schlagen konnten und das Unternehmen damit zum Scheitern brachten.[2]

Der Vorstoß zum Rhein war damit vorerst in Weite Ferne gerückt. Die Planungen für die Überquerung liefen – schon seit der Normandie - unterdessen unbeirrt weiter. Auf dem Landweg quer durch Belgien verschickte die US-Navy sogar schon Landungsschiffe.

Nachdem Mitte Oktober Aachen gefallen war und die Schlacht im Hürtgenwald beendet war, kam erneut die Debatte zwischen Montgomery und Bradley auf, wie der weitere Vormarsch zum Rhein bzw. ins Zentrum Deutschlands vonstatten gehen sollte. Bradley schlug eine Zangenbewegung vor, die das Ruhrgebiet einkesseln sollte, während Montgomery dafür eintrat, mit allen verfügbaren Kräften nur nördlich des Ruhrgebietes zuzuschlagen und die deutsche Front aufzureißen. Nun war Eisenhower mehr Bradleys Vorhaben zugetan, dass er bereits im August vorgeschlagen hatte, und gab ihm die Order nördlich und südlich der Ardennen Richtung Rhein vorzurücken und ihn zu überqueren falls sich die Möglichkeit dazu ergeben sollte. Für diese Operation wurden Kräfte im Bereich der Ardennen abgezogen, ein fataler Fehler wie sich im Dezember herausstellen sollte, als die deutsche Ardennenoffensive begann, in der englischsprachigen Literatur auch als „Battle of the Bulge“ bezeichnet. Nach einigen Anfangserfolgen der Wehrmacht gelang es den Alliierten den Angriff abzuwehren und nun sollten die Gebiete westlich des Rheins erobert werden. Montgomerys Truppen marschierten von Nimwegen aus Richtung Süden und die Armeegruppe Bradleys bewegte sich Richtung Koblenz. Es wurde somit eine Zangenbewegung vollzogen, welche die deutschen Truppen westlich des Rheins einschließen sollte. Nördlich der Ruhr sollte Montgomery dann über den Rhein gehen. Die amerikanischen Truppen bei Remagen waren zunächst gar nicht für eine Überquerung vorgesehen.

Bis dato war die Ludendorff Brücke noch ein Ziel für die alliierten Bomberverbände gewesen und man rechnete seit der Operation Market Garden nicht mehr ernsthaft damit, eine Rheinbrücke unzerstört in die Hände zu bekommen.[3]

1.2 Remagen und die Ludendorff Brücke

Die Ludendorff Brücke war eine Eisenbahnbrücke, die während des ersten Weltkrieges gebaut wurde und einen schnellen Truppentransport zur Westfront in Frankreich ermöglichen sollte. Zu diesem Zweck gab es gleich zwei Bahnstränge und auf jeder Seite jeweils einen Steg für Fußgänger.

Am Anfang des Krieges waren zwei Schützenkompanien und ein Pionierzug an der Brücke zur Bewachung eingesetzt. Der ausufernde Krieg und die daraus resultierenden Verluste machten es jedoch notwendig, einige der Truppen an die Fronten abzuziehen. Das Resultat im März 1945 war dann, dass zur Verteidigung der Brücke von Remagen noch ganze 36[4]Mann an Kampftruppen zur Verfügung standen. Zusätzlich gab es noch die Pioniere, die die Sprengung vorbereiten sollten, Männer vom Volkssturm, einige Hitlerjungen sowie einige „Ostfreiwillige“. Die für die Vorbereitung der Brückensprengung vorgesehene Pionierkompanie stand unter dem Kommando von Hauptmann Friesenhahn. Er war ein Veteran des ersten Weltkrieges und Parteimitglied der NSDAP. Eine Flakabteilung der Luftwaffe hatte mit ihren Acht-acht auf dem rechtsrheinischen Erpeler Ley Stellung bezogen und stand bereit, Artillerieunterstützung zu geben. So kamen die Verteidiger auf knapp 1.000[5]Mann von unterschiedlicher Kampfstärke. Die Verständigung und Kooperation zwischen den Einheiten des Volkssturms, des regulären Heeres und den Luftwaffeeinheiten war schwierig. Die Offiziere der Luftwaffe waren zu stolz, Befehle eines Infanterieoffiziers anzunehmen bzw. umzusetzen und die Männer des Volkssturms standen unter dem Befehl des Ersatzheeres über das Heinrich Himmler eifersüchtig verfügte. Nichtsdestotrotz plante und organisierte der Kampfkommandant von Remagen, Reservehauptmann Bratge die Verteidigung auf beiden Seiten des Rheins. Sowohl an der Brücke selbst, als auch in Remagen wurden Verteidigungsstellungen ausgehoben.

[...]


[1]Hechler, Ken: The Bridge at Remagen.

[2]Hechler (1957) S.8

[3]Gückelhorn (2005) S. 22

[4]Hechler (1957) S. 55. Ebenso Buchner (1970) S. 37 und Lüdeke (2005) S. 34. Die meisten Quellen stimmen in dieser Zahl überein.

[5]Die Zahlen über die Stärke von Hitlerjugend und Volkssturm schwanken naturgemäß von Quelle zu Quelle, da sich diese Zahl durch Fahnenflucht und Verstärkungen ständig änderte, bzw. nicht alle erfasst werden konnten.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Brücke von Remagen. Der Vormarsch der Allierten in Deutschland im März 1945
Untertitel
Was geschah wirklich?
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Der Rhein als europäischer Strom
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V121924
ISBN (eBook)
9783668050617
ISBN (Buch)
9783668050624
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Remagen, Rhein, Ar234, Eisenhower, Ludendorff-Brücke, 1945, Zweiter Weltkrieg, Alliierte, Überquerung Rhein, Rhein Schlüsselrolle, Vormarsch Allierte
Arbeit zitieren
Master of Arts in Comparative Social Science Markus Glatzel (Autor), 2007, Die Brücke von Remagen. Der Vormarsch der Allierten in Deutschland im März 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121924

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