Mit welchen Problemen muss sich ein Politikwissenschaftler auseinandersetzen, der politische Phänomene erklären will?


Essay, 2008

7 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition “Erklärung”

3. Verfahren zum Finden wahrer Gesetze

4. Verfahren zum Ausschluss unwahrer Gesetze

5. Aufgabe des Anspruchs auf Wahrheit

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erklärung politischer Phänomene stellt den Politikwissenschaftler vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen, die im Rahmen solch einer Erklärung enstehen können. Um Begriffsschwierigkeiten zu vermeiden, stellt die Definition des Begriffs “Erklärung” nach Hempel und Oppenheim den Ausgangspunkt der Arbeit dar. Im Rahmen dieses Kapitels werden weiterhin die wichtigsten Elemente einer Erklärung vorgestellt, um anschließend aufzeigen zu können, das besonders die Notwendigkeit von wahren Gesetzen problematisch ist. Das Verfahren der Induktion, das entwickelt wurde, um solche Gesetze zu finden, wird im darauffolgenden Kapitel vorgestellt. Anschließend wird gezeigt, dass das Ziel des Verfahrens nicht erreicht werden kann, was zur Entwicklung eines weiteren Verfahrens führte, das unwahre Gesetze ausschließt. Ob dies möglich ist, wird in Kapitel drei diskutiert, um im anschließenden Kapitel eine Wissenschaftsauffassung vorzustellen, die den Anspruch auf Wahrheit aufgibt.

2. Definition “Erklärung”

In der Politikwissenschaft existieren unterschiedliche Meinungen, was unter einer Erklärung zu vertstehen ist (vgl. Hempel/Oppenheim 1970: S. 8). Diese Arbeit orientiert sich an der Definition von Hempel und Oppenheim, die im Folgenden kurz skizziert wir. Nach Hempel und Oppenheim besteht eine Erklärung aus dem Explanans und dem Explanandum (vgl. Hempel/Oppenheim 1970: S. 10). Unter Explanandum verstehen die Autoren, den Satz, der das zu erklärende Phänomen durch eine singuläre Aussage mit Raum-Zeit-Bezug beschreibt. Das Explanans besteht aus der Menge von Sätzen, die notwendig sind, um das Phänomen zu erklären und setzt sich aus singuläre Aussagen mit Raum-Zeit-Bezug, die auch als Randbedingungen bezeichnet werden und Gesetze in Form von allgemeinen Aussagen ohne Raum-Zeit-Bezug zusammen (Winkler/Falter 1995: S. 102). Bei einer guten Erklärung folgt das Explanandum logisch aus dem Explanans, das Explanans hat empirschen Gehalt und die Aussagen im Explanans sind wahr (vgl. Hempel/Oppenheim 1970: S. 10f.).

3. Verfahren zum Finden wahrer Gesetze

Um das notwendig im Explanans enthaltene wahre Gesetz zu finden, wurde die Induktion entwickelt, bei der aus einer endlichen Menge empirischer Einzelaussagen mit Raum-Zeit-Bezug auf ein Gesetz geschlossen wird (vgl. Chalmers 1999: S. 45). Bei diesem Verfahren wird eine großen Anzahl von Phänomenen einer bestimmten Sorte unter einer Vielzahl von verschiedenen Bedingungen beobachtet. Wenn alle diese beobachteten Phänomene ohne Ausnahme eine bestimmte Eigenschaft besitzen, wird daraus geschlussfolgert, dass alle Phänome der beobachteten Sorte diese bestimmte Eigenschaft besitzen (vgl. Chalmers 1999: S. 46f.).

Jedoch entstehen bereits bei der Durchführung dieses Verfahrens Probleme, da die Anzahl der beobachteten Phänomene und die Auswahl der Bedingungen, unter denen die Beobachtungen wiederholt werden, theoriegeleitet sind. Dies widerspricht dem Anspruch auf unvoreingenommene Beobachtung (vgl. Popper 1988: S. 107). Diese Entscheidungen werden aufgrund von Vorwissen getroffen, was dazu führen kann, dass die zugrundeliegende Theorie falsch ist und somit auch der Schluss auf das Gesetz falsch istf (vgl. Chalmers 1999: S. 48f). Zusätzlich ist die Induktion als beobachtungsbasierte Methode für nicht-beobachtbare Phänomene ungeeignet (vgl. Chalmers 1999: S. 49f.).

Das größte Problem dieses Verfahrens ist jedoch die Rechtfertigung der induktiven Schlüsse. Es existiert keine deduktiv logische Notwendigkeit, dass aus den Prämissen die Konklusion folgt (vgl. Chalmers 1999: S. 45). Um einen deduktiv logischen Schluss zu ziehen, wäre es notwendig, alle aktuellen und zukünftigen Phänome unter allen relevanten Bedingungen zu beobachten (vgl. Behnke/Behnke 2006: S. 84). Auch der Versuch, ein durch das Verfahren der Induktion gewonnenes Gesetz induktiv zu rechtfertigen schlägt aus den oben genannten Gründen fehl.

4. Verfahren zum Ausschluss unwahrer Gesetze

Da es nicht möglich ist, mittels der Induktion wahre Gesetze zu erhalten, muss es nach Popper Ziel der Wissenschaft sein, sich der Wahrheit anzunähern (vgl. Behnke/Behnke 2006: S. 89). Dies kann durch das Verfahren der Deduktion geschehen. Die Deduktion gliedert sich in zwei Phasen. In der ersten Phase wird ein Problem erkannt und ein Lösungsvorschlag dafür in Form des Explanans erstellt. Im Anschluss daran beginnt der wissenschaftliche Prozess, in dem sich der Lösungsvorschlag der öffentlichen Kritik mit dem Ziel der Falsifikation des Vorschlags aussetzen muss (vgl. Popper 1988: S. 105f). Im Rahmen dieser Kritik wird das im Explanans enthaltene Gesetz sowie die Randbedingung mittels eines Überprüfungsfalls deduktiv logisch überprüft. Falls die Überprüfung das Gesetz bestätigen sollte, gilt es als empirisch wahr und vorläufig bewährt und wird weiteren Überprüfungen unterzogen. Wenn das Ergebnis dem Gesetz widerspricht, wird es verworfen. Durch eine kontinuierlich Überprüfung des Explanans wird versucht, sich der Wahrheit anzunähern, indem unwahre Gesetze ausgeschlossen werden (vgl. Behnke/Behnke 2006: S. 90f.).

Doch auch die Deduktion ist nicht problemfrei. Bei diesem Verfahren wird zugrunde gelegt, dass die logisch aus den Prämissen folgende Konklusion wahr ist, wenn die Prämissen wahr sind (vgl. Chalmers 1999: S. 42). Um dies in Erfahrung zu bringen, muss überprüft werden, ob die Konklusion mit den Tatsachen übereinstimmt. Bei dieser Überprüfung können Fehler gemacht werden, indem die Methoden falsch angewendet werden oder aber selbst fehlerhaft sind (vgl. Prim/Tilmann 1989: S. 60). So können wahre Aussagen als falsch identifiziert werden und somit vorläufig wahre Theorien verworfen werden. Dieses Problem wird als Messproblem bezeichnet. Ein weiteres Problem resultiert aus der Abhängigkeit einer Beobachtung von einem spezifischen Interpretationswissen. Dieses Wissen kann jedoch falsch sein, so dass nicht festgestellt werden kann, ob die Beobachtung tatsächlich mit den Tatsachen übereinstimmt (vgl. Winkler/Falter 1995: S. 110f.). Diese zwei Probleme führen dazu, dass eine endgültige Falsifikation von Theorien im Sinn der Deduktion nicht möglich ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Mit welchen Problemen muss sich ein Politikwissenschaftler auseinandersetzen, der politische Phänomene erklären will?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Moderne Politische Theorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V121933
ISBN (eBook)
9783640265183
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Induktion, Wahrheit, Politische Theorie, Theorie, Wissenschaftstheorie, Deduktion, Tarski, Friedman, Hempel, Oppenheim, Popper, Basissatzproblem, Instrumentalismus
Arbeit zitieren
Fabian Koba (Autor), 2008, Mit welchen Problemen muss sich ein Politikwissenschaftler auseinandersetzen, der politische Phänomene erklären will?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121933

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mit welchen Problemen muss sich ein Politikwissenschaftler auseinandersetzen, der politische Phänomene erklären will?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden