Die Erklärung politischer Phänomene stellt den Politikwissenschaftler vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen, die im Rahmen solch einer Erklärung enstehen können. Um Begriffsschwierigkeiten zu vermeiden, stellt die Definition des Begriffs “Erklärung” nach Hempel und Oppenheim den Ausgangspunkt der Arbeit dar. Im Rahmen dieses Kapitels werden weiterhin die wichtigsten Elemente einer Erklärung vorgestellt, um anschließend aufzeigen zu können, das besonders die Notwendigkeit von wahren Gesetzen problematisch ist. Das Verfahren der Induktion, das entwickelt wurde, um solche Gesetze zu finden, wird im darauffolgenden Kapitel vorgestellt. Anschließend wird gezeigt, dass das Ziel des Verfahrens nicht erreicht werden kann, was zur Entwicklung eines weiteren Verfahrens führte, das unwahre Gesetze ausschließt. Ob dies möglich ist, wird in Kapitel drei diskutiert, um im anschließenden Kapitel eine Wissenschaftsauffassung vorzustellen, die den Anspruch auf Wahrheit aufgibt.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITION “ERKLÄRUNG”
3. VERFAHREN ZUM FINDEN WAHRER GESETZE
4. VERFAHREN ZUM AUSSCHLUSS UNWAHRER GESETZE
5. AUFGABE DES ANSPRUCHS AUF WAHRHEIT
6. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit setzt sich mit den erkenntnistheoretischen Problemen auseinander, denen Politikwissenschaftler bei der Erklärung politischer Phänomene begegnen, insbesondere im Hinblick auf den Anspruch der Wahrheit von Gesetzen.
- Definition des Begriffs „Erklärung“ nach Hempel und Oppenheim
- Kritische Analyse des Induktionsverfahrens zur Gewinnung wissenschaftlicher Gesetze
- Diskussion des deduktiven Verfahrens zum Ausschluss unwahrer Gesetze
- Messprobleme und Interpretationsabhängigkeit in der empirischen Forschung
- Milton Friedmans instrumentelle Perspektive als Alternative zum Wahrheitsanspruch
Auszug aus dem Buch
3. Verfahren zum Finden wahrer Gesetze
Um das notwendig im Explanans enthaltene wahre Gesetz zu finden, wurde die Induktion entwickelt, bei der aus einer endlichen Menge empirischer Einzelaussagen mit Raum-Zeit-Bezug auf ein Gesetz geschlossen wird (vgl. Chalmers 1999: S. 45). Bei diesem Verfahren wird eine großen Anzahl von Phänomenen einer bestimmten Sorte unter einer Vielzahl von verschiedenen Bedingungen beobachtet. Wenn alle diese beobachteten Phänomene ohne Ausnahme eine bestimmte Eigenschaft besitzen, wird daraus geschlussfolgert, dass alle Phänome der beobachteten Sorte diese bestimmte Eigenschaft besitzen (vgl. Chalmers 1999: S. 46f.).
Jedoch entstehen bereits bei der Durchführung dieses Verfahrens Probleme, da die Anzahl der beobachteten Phänomene und die Auswahl der Bedingungen, unter denen die Beobachtungen wiederholt werden, theoriegeleitet sind. Dies widerspricht dem Anspruch auf unvoreingenommene Beobachtung (vgl. Popper 1988: S. 107). Diese Entscheidungen werden aufgrund von Vorwissen getroffen, was dazu führen kann, dass die zugrundeliegende Theorie falsch ist und somit auch der Schluss auf das Gesetz falsch istf (vgl. Chalmers 1999: S. 48f). Zusätzlich ist die Induktion als beobachtungsbasierte Methode für nicht-beobachtbare Phänomene ungeeignet (vgl. Chalmers 1999: S. 49f.).
Das größte Problem dieses Verfahrens ist jedoch die Rechtfertigung der induktiven Schlüsse. Es existiert keine deduktiv logische Notwendigkeit, dass aus den Prämissen die Konklusion folgt (vgl. Chalmers 1999: S. 45). Um einen deduktiv logischen Schluss zu ziehen, wäre es notwendig, alle aktuellen und zukünftigen Phänome unter allen relevanten Bedingungen zu beobachten (vgl. Behnke/Behnke 2006: S. 84). Auch der Versuch, ein durch das Verfahren der Induktion gewonnenes Gesetz induktiv zu rechtfertigen schlägt aus den oben genannten Gründen fehl.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Herausforderungen der Erklärung politischer Phänomene ein und umreißt die kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Methoden.
2. DEFINITION “ERKLÄRUNG”: Dieses Kapitel erläutert das Hempel-Oppenheim-Modell der Erklärung, bestehend aus Explanans und Explanandum.
3. VERFAHREN ZUM FINDEN WAHRER GESETZE: Es wird das induktive Verfahren analysiert und dessen logische Probleme sowie die Theoriegeleitetheit der Beobachtung aufgezeigt.
4. VERFAHREN ZUM AUSSCHLUSS UNWAHRER GESETZE: Das Kapitel behandelt den Falsifikationismus nach Popper sowie die Grenzen der Deduktion durch Messprobleme.
5. AUFGABE DES ANSPRUCHS AUF WAHRHEIT: Es wird Milton Friedmans instrumentalistischer Ansatz vorgestellt, der die Zweckmäßigkeit von Theorien über deren wahren Gehalt stellt.
6. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass ein endgültiger Wahrheitsanspruch in der Politikwissenschaft problematisch bleibt und Verfahren zur Fehlerminimierung optimiert werden müssen.
Schlüsselwörter
Politikwissenschaft, Erklärung, Explanans, Explanandum, Induktion, Deduktion, Wahrheit, Gesetze, Falsifikation, Popper, Hempel, Oppenheim, Milton Friedman, Wissenschaftstheorie, Forschungsmethodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die erkenntnistheoretischen Schwierigkeiten, mit denen Politikwissenschaftler konfrontiert sind, wenn sie versuchen, politische Phänomene durch Gesetze zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition wissenschaftlicher Erklärungen, die Grenzen der Induktion, die Probleme der Falsifikation durch Deduktion und die Abkehr vom reinen Wahrheitsanspruch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Suche nach absolut wahren Gesetzen in der Politikwissenschaft problematisch ist und welche wissenschaftstheoretischen Alternativen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftstheoretische Analyse bestehender logischer Modelle und Ansätze aus der Wissenschaftslehre, wie sie von Hempel, Oppenheim, Popper und Friedman geprägt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise und Schwachstellen der Induktion und Deduktion sowie die methodologische Neuausrichtung nach Milton Friedman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Explanans, Explanandum, Induktion, Deduktion, Falsifikation, Wahrheit, Gesetzmäßigkeit und instrumentelle Theoriebildung.
Warum lehnt Friedman den Wahrheitsanspruch ab?
Friedman argumentiert, dass die Validität einer Theorie nicht an der Wahrheit ihrer Prämissen gemessen werden sollte, sondern an der Nützlichkeit und Genauigkeit ihrer Vorhersagen.
Was ist das Messproblem bei der Deduktion?
Das Messproblem beschreibt die Schwierigkeit, dass eine fehlerhafte Anwendung von Methoden dazu führen kann, dass eine eigentlich wahre Theorie aufgrund falscher Beobachtungsergebnisse fälschlicherweise verworfen wird.
- Citation du texte
- Fabian Koba (Auteur), 2008, Mit welchen Problemen muss sich ein Politikwissenschaftler auseinandersetzen, der politische Phänomene erklären will?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121933