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Was ist Freundschaft?

Der Begriff der 'Philia' in Platons Dialog Lysis

Title: Was ist Freundschaft?

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 19 Pages , Grade: 1.2

Autor:in: Lydia Kanngießer (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Die Vorstellung eines Lebens ohne Liebe und Freundschaft ist nicht gerades das, was man gemeinhin mit einem glücklichen Leben assoziiert. Das Gefühl, manchen Menschen in besonderer Weise verbunden zu sein, scheint existentiell zum menschlichen Sein dazu zu gehören. Allein wenn man sich die unzähligen Liebeslieder oder -gedichte ansieht, die seit je her verfasst worden sind, wird die Bedeutung der Liebe im menschlichen Leben mehr als deutlich. Aber nicht nur der Partnerschaft zwischen zwei Erwachsenen, auch der familiären Beziehungen zwischen Eltern und Kindern kommt eine existentielle Bedeutung zu und sie wird ebenfalls Liebe genannt. Bei anderen engen Verbindungen zwischen zwei Menschen, die weder familiär noch sexuell bestimmt sind, sprechen wir von Freundschaft. Auch diese wurde immer wieder literarisch verarbeitet, schon bei Homer finden sich Geschichten über Freunde, so z.B. Diomedes und Glaukos oder Achilleus und Patroklos in der Ilias. Freundschaft gehört also schon immer für den Menschen als 'zoon politikon' ebenso wie die Liebe existentiell und untrennbar zu einem glücklichen Leben dazu.
Versucht man heute die Frage zu stellen, was Freundschaft ist, bekommt man sehr unterschiedliche Antworten, denn es gibt natürlich große individuelle Unterschiede im Verständnis von Freundschaft. Als ich bei einem Grillabend in die Runde fragte, was Freundschaft sei, kam es nach anfänglicher Zurückhaltung zu einer lebhaften Diskussion. So zählen für den einen alle aus seinem großen Bekanntenkreis schon als Freunde, andere haben lediglich einen besten Freund, die meisten sagten jedoch von sich, wenige wirklich gute Freunde zu haben und alle anderen nur als Bekannte zu bezeichnen.
Auf meine Frage, was denn Kennzeichen von Freundschaft seien und was einem an einem Freund wichtig sei, kamen aber doch recht ähnliche Antworten. Als absolut unverzichtbar wurde die gegenseitige Sympathie bezeichnet, denn mit jemanden, den man nicht mag, wird man niemals befreundet sein können. Ein sehr großer Stellenwert kam dem Vertrauen zu und der Gewissheit, sich auf den anderen absolut verlassen zu können. Dazu gehörte auch, dass man vom Freund erwartet, dass er einen auch auf Fehler hinweist und absolut ehrlich zu einem ist. Auch in Notsituationen ist es wichtig, einen Freund an der Seite zu haben, der einem hilft und auf den absolut Verlass ist. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Freundschaft in der Antike

3. Platons Lysis

3.1 Die verschiedenen Beziehungsarten

3.1.1 Hippothales und Lysis

3.1.2 Lysis und Menexenos

3.1.3 Lysis und seine Eltern

3.1.4 Fazit aus den drei Beispielen

3.2 Der theoretischer Diskurs über Freundschaft

3.2.1 Gleichheit und Ungleichheit

3.2.2 Der Gebrauch von philoi

3.3 Das Modell der Freundschaft

3.3.1 Das erste Geliebte und das Gute

3.3.2 Die Bedeutung des Begehrens

4. Schlussbetrachtung

5. Literatur

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der 'philia' in Platons Dialog Lysis, um das antike Verständnis von Freundschaft zu ergründen und mit modernen Auffassungen zu vergleichen. Dabei steht die Frage im Zentrum, was eine Freundschaft begründet und welche Rolle dabei das Streben nach dem Guten sowie die rationale Motivation spielen.

  • Analyse des antiken Begriffs der 'philia' und deren Abgrenzung zu 'eros'.
  • Untersuchung der päderastischen Beziehung als soziales Phänomen in der Antike.
  • Diskussion über die Bedeutung von Gleichheit und Ungleichheit in freundschaftlichen Beziehungen.
  • Hinterfragung der philosophischen Voraussetzungen für das Entstehen von Freundschaft (Proton Philon).
  • Vergleich zwischen antiken Freundschaftsidealen und heutigen Vorstellungen von Verbundenheit und Vertrauen.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Hippothales und Lysis

Für unser heutiges Verständnis schwer begreifbar, gehörte die Beziehung zwischen einem Jungen und einem Mann, die auch eine sexuelle Beziehung mit einschloss, zur antiken griechischen Gesellschaft dazu. Versprach der Junge sich eine Art Erziehung im Form von Bildung und sittlicher Reife durch diese Art der Beziehung, bestand der Anreiz des Älteren unter anderem im sexuelles Vergnügen. Dies galt aber nur einseitig, denn von der Seite des Jungen wurde keinerlei erotisches Verlangen gewünscht.

Lysis ist zum Zeitpunkt des Geschehens noch jung, Bordt schätzt ihn und seinen Freund Menexenos auf elf oder zwölf Jahre. Hippothales hingegen ist ein junger Mann. Diese Asymmetrie ist kennzeichnend für eine päderastische Beziehung, die immer zwischen einem erwachsenen Mann, dem Erastes und einem Jungen zwischen sieben und vierzehn Jahren, dem Eromenos, besteht. Sokrates fordert Hippothales auf, ihm von seinem Liebling zu erzählen. Die Art von Sokrates Erkundigung lässt deutlich werden, dass eine Derartige Verliebtheit als völlig normal galt. In der heutigen Zeit ist es undenkbar, dass ein Mann es wagen könnte, auch nur irgendein Interesse sexueller Art an einem Jungen offen zu zeigen, da es gesellschaftlich ein Tabubruch und zudem ein Straftatbestand wäre. Auch wenn diese Änderung des moralisch Erlaubten zu Gunsten des Schutzes von Kindern natürlich enorm wichtig ist, wird die auf die Problematik einer päderastischen Beziehung im Folgenden nicht weiter eingegangen. Für die Untersuchung über die philia reicht es zu wissen, dass eine derartige Beziehung in der griechischen Gesellschaft akzeptiert war und insofern bei einer Untersuchung über die philia nicht ausgelassen werden kann. Platon benutzt das Beispiel des verliebten Hippothales allerdings, um zu zeigen, was an seiner Vorstellung von Liebe, bzw. Freundschaft falsch ist. Man kann sagen, dass Hippothales erfolgloses Werben um Lysis exemplarisch für den missglückten Versuch steht, die Liebe des anderen zu gewinnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die existentielle Bedeutung von Freundschaft und Liebe für ein glückliches Leben und führt in die Fragestellung ein, wie Platon das Thema im Lysis behandelt.

2. Die Bedeutung der Freundschaft in der Antike: Dieses Kapitel erläutert die antike Differenzierung zwischen 'philia' und 'eros' und betont, dass 'philia' eher auf Loyalität und Treue basiert als auf reiner Emotionalität.

3. Platons Lysis: Hier wird der Dialog als Untersuchung verschiedener Freundschaftsmodelle analysiert, wobei Sokrates die Bedingungen für das Entstehen von Freundschaft hinterfragt.

3.1 Die verschiedenen Beziehungsarten: Dieser Abschnitt untersucht konkrete zwischenmenschliche Bindungen wie die päderastische Beziehung oder Eltern-Kind-Verhältnisse als Basis für die philosophische Diskussion.

3.1.1 Hippothales und Lysis: Es wird analysiert, warum das päderastische Werben des Hippothales aus der Sicht des Sokrates scheitert und was dies über Freundschaft aussagt.

3.1.2 Lysis und Menexenos: Hier wird die Rolle der Kameradschaft zwischen Gleichaltrigen und die Relevanz rationaler Reife für eine tiefe 'philia' erörtert.

3.1.3 Lysis und seine Eltern: Dieser Teil beleuchtet die elterliche Liebe und die Interpretation von Zuwendung als Bedingung für das Streben nach Nützlichkeit.

3.1.4 Fazit aus den drei Beispielen: Eine zusammenfassende Widerlegung der romantischen und utilitaristischen Erklärungsversuche für Freundschaft.

3.2 Der theoretischer Diskurs über Freundschaft: Dieses Kapitel vertieft den Diskurs um die Grundlagen der 'philia', insbesondere die Identität des ersten Geliebten (Proton Philon).

3.2.1 Gleichheit und Ungleichheit: Untersuchung der These, ob Freunde gleich oder verschieden sein müssen, und deren Verhältnis zum gemeinsamen Ziel des Guten.

3.2.2 Der Gebrauch von philoi: Analyse der Definition von Liebenden und Geliebten und die sich ergebende aporetische Sackgasse im Dialog.

3.3 Das Modell der Freundschaft: Entwicklung eines Modells, das die 'philia' als Streben nach einem transzendenten Ziel versteht.

3.3.1 Das erste Geliebte und das Gute: Erörterung der 'Eudaimonia' als letztes Ziel menschlichen Handelns und als Fundament der Freundschaft.

3.3.2 Die Bedeutung des Begehrens: Erklärung des menschlichen Strebens aus einem Mangel heraus und der Freund als Helfer beim Wiedererlangen des Angehörigen.

4. Schlussbetrachtung: Ein Resümee der philosophischen Ergebnisse und ein Vergleich des antiken Freundschaftsideals mit heutigen Auffassungen.

Schlüsselwörter

Platon, Lysis, Philia, Eros, Freundschaft, Antike, Eudaimonia, Proton Philon, Sokrates, Ethik, Liebe, Begehren, Tugend, Wissensdrang, Philosophischer Dialog.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das antike griechische Verständnis von Freundschaft ('philia') anhand von Platons Dialog 'Lysis' und setzt dieses in Bezug zu philosophischen Fragen der Ethik und des guten Lebens.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Abgrenzung von Freundschaft und Liebe, die Rolle von Emotionen versus Rationalität, die Bedeutung des Guten als Lebensziel sowie die soziale Struktur von Freundschaften in der Antike.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Platons philosophische Klärung dessen, was Freundschaft ist, zu untersuchen und herauszuarbeiten, warum Menschen sich befreunden und welches Ziel sie dabei gemeinsam verfolgen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textnahe philosophische Analyse des Lysis-Dialogs in Kombination mit einer kritisch-konstruktiven Interpretation der Sekundärliteratur, insbesondere des Kommentars von Michael Bordt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden konkrete Beziehungen (Päderastie, Kameradschaft, Elternliebe) analysiert, die theoretischen Aporien des Dialogs diskutiert und das Modell des 'Proton Philon' als Grund der Freundschaft herausgearbeitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Philia, Eudaimonia, Proton Philon, Platon, Sokrates, Begehren, Tugend und das Streben nach dem Guten.

Warum scheitern die Freundschaftsdefinitionen im Dialog Lysis?

Platon lässt die Definitionsversuche in einer Aporie enden, um zu verdeutlichen, dass Freundschaft nicht allein durch einfache Konzepte wie Nützlichkeit oder bloße gegenseitige Zuneigung zu erklären ist, sondern eine tiefere teleologische Grundlage benötigt.

Welche Rolle spielt die 'philia' im Vergleich zu modernen Freundschaftsbegriffen?

Während in der Antike die rationale Ausrichtung auf Tugend und das 'Gute' zentral für die 'philia' war, liegt das Hauptaugenmerk moderner Freundschaften stärker auf gegenseitiger Sympathie und persönlicher Identität.

Was ist das 'Proton Philon' in Platons Konzept?

Das 'Proton Philon' bezeichnet das 'erste Geliebte' – ein transzendentes Ziel oder eine Idee, die als der eigentliche Grund fungiert, warum sich Menschen in einer Freundschaft miteinander verbinden.

Kann man von einem Freund profitieren?

Ja, laut Arbeit kann man von einem Freund profitieren, indem dieser durch seine Art, das Gute zu verwirklichen, einem selbst hilft, eigene Ziele besser zu verstehen und in der eigenen ethischen Entwicklung zu wachsen.

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Details

Title
Was ist Freundschaft?
Subtitle
Der Begriff der 'Philia' in Platons Dialog Lysis
College
University of Freiburg  (Philosophisches Seminar)
Course
Der Begriff der Philia und die griechische Ethik
Grade
1.2
Author
Lydia Kanngießer (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V121945
ISBN (eBook)
9783640267224
ISBN (Book)
9783640267422
Language
German
Tags
Freundschaft Begriff Philia Ethik Platon Lysis das Gute
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lydia Kanngießer (Author), 2008, Was ist Freundschaft? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121945
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