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Heinrich Mann "Der Untertan"

Diederich Heßling - Charakteristik eines Untertanen

Title: Heinrich Mann "Der Untertan"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kerstin Krauss (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Rezension des Romans „Der Untertan“1 wirft die Frage auf, ob Heinrich Mann (1871-1950) diesen als Spiegelung oder vielmehr Kritik der damaligen Gesellschaft geschrieben hat oder als Reflexion eines einzelnen Charakters. In der Ex-DDR beispielsweise wurde der Autor als Antifaschist und Volksfrontaktivist und somit als Regimefeind eingestuft. Infolgedessen wurde Heinrich Mann der DDR, die mit großem Aufwand jegliche Literatur als Propaganda umdefinierte, recht unliebsam. So wurden in der Ex- DDR, wenn überhaupt, Heinrich Manns Romane wie zum Beispiel „Professor Unrat“ gerne als Charakterstudien eines einzelnen Menschen definiert. Ein Hinweis darauf, dass Mann den „Professor Unrat“ und den „Untertan“ als Spiegelung der damaligen Gesellschaft und nicht als Charakterstudie eines Individuums schrieb, geben die Titel der Bücher: „Die Titel lauten nicht „Professor Raat“, sondern „Professor Unrat“, nicht „Diederich Heßling“, sondern „Der Untertan“, das heißt, die Titelgestalten wurden nicht um ihrer selbst willen, sondern um dessentwillen geschaffen, was aus ihnen durch und infolge ihrer Einbettung in die Gesellschaft, ihrer Sozialisierung geworden ist; (...)“. Da sich jede Gesellschaft jedoch aus Einzelnen zusammenfügt, besteht Anlass zu einer individualpsychologischen Untersuchung Diederichs. Es steht außer Frage, dass auch die Gesellschaft einen Teil zu seiner Machtbesessenheit und blindem Gehorsam gegenüber der Macht beitrug, trotzdem muss erst auf den Charakter des Diederich eingegangen werden um dann die Rolle der Gesellschaft auf ihn zu untersuchen. Infolgedessen befasst sich die folgende Arbeit zunächst ungeachtet dessen mit dem Entwicklungsprozess Diederichs, beginnend im Vorschulalter. Des weiteren
wird seine Beziehung zu den anderen Charakteren des Romans analysiert, hierbei vor allem die Beziehung zu Agnes Göppel. Darauf folgend wird die Erlangung der Macht betrachtet, im Anschluss dazu Diederich als Anti Held. Der letzte Punkt der Analyse des Romans unter Betrachtung des Untertan Typus behandelt die Frage, ob der Roman die Einzelperson zur „gesamtgesellschaftlichen Erscheinung verallgemeinert“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychogramm eines Untertanen- Diederich Heßling

2.1. Erlangen der Macht

2.2. Diederichs Kindheit

2.2.1. Erziehung zur Härte

2.3. Das Gemüt Diederichs am Beispiel der Beziehung zu Agnes Göppel

2.4. „Des Kaisers Abbild kehrt nach Netzig zurück“

3. Diederich als Antiheld

4. Der Roman als „Parabel des Wilhelmismus“

5. Zusammenfassung:

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Manns Roman „Der Untertan“, um zu ergründen, ob die Hauptfigur Diederich Heßling als individuelle Charakterstudie oder als verallgemeinernde Kritik an der gesellschaftlichen Struktur des wilhelminischen Kaiserreichs zu verstehen ist.

  • Psychologische Genese des autoritären Charakters
  • Einfluss von Erziehung und Sozialisierung auf Machtstreben
  • Analyse der Beziehung zwischen Individuum und Machtinstrumenten
  • Der Roman als Spiegelbild des Wilhelmismus
  • Diederich Heßling als Repräsentant des Antihelden

Auszug aus dem Buch

2.1. Erlangen der Macht

„Der Untertan“, geschrieben in der Ära von Wilhelm dem Zweiten, wird im Allgemeinen von der Sekundärliteratur als Satire auf diesen Kaiser und auch als „die zunächst begierig aufgenommene Gesamtabrechnung mit dem Kaiserreich“3 interpretiert. Außer Wilhelm dem Zweiten werden im „Untertan“ noch zwei weitere historische Figuren erwähnt, zum einen

„Eugen Richter, das Haupt der Radikalen im Reichstag und Bismarcks Erzfeind, und der berüchtigte Hof- und Domprediger Adolf Stöcker, dem die Gründung der antisemitischen Christlich-Sozialen Arbeiterpartei zu danken ist.“4

Eugen Richter findet unter den Netziger Einwohnern den Anhänger Heuteufel, Adolf Stöcker findet Anhänger in der zur Zeit Wilhelms des Zweiten nationalistisch und eher antisemitisch geprägten Burschenschaft der Neuteutonen:

„Die Neuteutonen stimmten nach seinem [des Assessors von Barnim] Besuch alle darin überein, dass der jüdische Liberalismus die Vorfrucht der Sozialdemokratie sei und dass die christlichen Deutschen sich um den Hofprediger Stöcker zu scharen hätten.“ (Der Untertan, Seite 56)

Der alte Buck verehrt hingegen die bürgerlich- demokratische Revolution 1848/1849: „Ach ja, Sie sind ein Achtundvierziger!“ (Der Untertan, Seite 118) und „In der Verehrung des alten Buck sind wir aufgezogen worden. Der große Mann von Netzig! Im Jahre achtundvierzig zum Tode verurteilt!“ (Der Untertan, Seite 109)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literaturkritische Kontroverse um Heinrich Manns Roman und leitet die individualpsychologische Fragestellung zur Charakterentwicklung Diederich Heßlings ein.

2. Psychogramm eines Untertanen- Diederich Heßling: Dieses Kapitel analysiert Diederichs Machtstreben, seine durch strenge Erziehung geprägte Kindheit, seine emotionalen Regungen in der Beziehung zu Agnes Göppel sowie seine Rückkehr in das öffentliche Leben von Netzig.

3. Diederich als Antiheld: Der Autor untersucht hier, warum Diederich nicht als klassischer Held, sondern als bewusster Kontrast zu den Idealen eines menschenliebenden Charakters als Antiheld konzipiert ist.

4. Der Roman als „Parabel des Wilhelmismus“: Das Kapitel ordnet die Romanfiguren historisch ein und wertet den Roman als eindringliche Analyse des wilhelminischen Zeitgeistes.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Diederich Heßling sowohl als Individuum als auch als gesamtgesellschaftliches Phänomen zu betrachten ist.

Schlüsselwörter

Der Untertan, Heinrich Mann, Diederich Heßling, Wilhelmismus, Kaiserreich, Autorität, Untertanenmentalität, Psychogramm, Gesellschaftskritik, Antiheld, Sozialisierung, Machtbesessenheit, Satire, Erziehung, Kindheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer psychologischen und gesellschaftlichen Untersuchung von Diederich Heßling, dem Protagonisten von Heinrich Manns Roman „Der Untertan“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Entstehung autoritärer Charakterzüge, das Verhältnis des Individuums zur Macht sowie die Spiegelung gesellschaftlicher Zustände im wilhelminischen Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, ob Diederich Heßling primär als isolierter Charakter oder als verallgemeinernde Erscheinung der damaligen Gesellschaft zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse des Romans unter Einbeziehung sozialpsychologischer Fachliteratur und zeitgenössischer Rezensionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kindheit des Protagonisten, seine Machtentfaltung, seine zwischenmenschlichen Beziehungen sowie seine ideologische Verblendung gegenüber dem Kaiser.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben „Der Untertan“ sind zentrale Begriffe Autorität, Untertanenmentalität, Psychogramm und Wilhelmismus.

Warum spielt die Beziehung zu Agnes Göppel eine so wichtige Rolle?

Diese Beziehung zeigt die einzige sentimentale Facette Diederichs, die er jedoch zugunsten von gesellschaftlichen Zwängen und Machtinteressen opfert.

Inwiefern ist Diederichs Kindheit für seine spätere Entwicklung ausschlaggebend?

Die harte, autoritäre Erziehung durch den Vater legte den Grundstein für Diederichs masochistische Unterordnung unter Autoritäten und seine spätere eigene Machtausübung.

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Details

Title
Heinrich Mann "Der Untertan"
Subtitle
Diederich Heßling - Charakteristik eines Untertanen
College
University of Tubingen  ("Eberhard Karls-Universität Tübingen")
Course
Heinrich Mann
Grade
1,0
Author
Kerstin Krauss (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V121968
ISBN (eBook)
9783640271269
Language
German
Tags
Heinrich Mann Untertan Heinrich Mann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kerstin Krauss (Author), 2007, Heinrich Mann "Der Untertan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121968
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