Spätestens nach dem großen öffentlichen Aufsehen, für welches der Film „Valkyrie“ gesorgt hat, in welchem Tom Cruise Claus Schenk Graf von Stauffenberg verkörpert, wird das Thema deutscher Widerstand während des Nationalsozialismus erneut öffentlich diskutiert. Ohnehin lässt sich beobachten, dass Filme mit dieser Themenstellung in den letzten Jahren einen Aufschwung erleben und dieses Kapitel der deutschen Geschichte somit einem breiten (Kino- und Fernseh-) Publikum präsentiert wird. Auch dass es während der zweiten deutschen Diktatur, der DDR, Widerstand aus der Bevölkerung gegeben hat, ist jüngst als Stoff für Filmdramen entdeckt worden.
Wie also lässt sich der deutsche Widerstand während der beiden Diktaturen einordnen? Wollen diese Filme eine möglichst große Anzahl an Zuschauern ansprechen, soll sich diese Semesterarbeit wissenschaftlich mit dem deutschen Widerstand während des Nationalsozialismus und in der DDR beschäftigen. Es wird zu untersuchen sein, ob und in wie weit sich der Widerstand in beiden deutschen Diktaturen vergleichen lässt.
Zu diesem Zweck wird zuallererst der Widerstandsbegriff definiert werden, um ihn auf beide Systeme gleichermaßen anwenden zu können.
Ob sich das Terrorregime Hitlers, welches Millionen von Todesopfern forderte, überhaupt mit dem System der DDR vergleichen lässt, wird in diesem Zusammenhang ebenfalls diskutiert werden müssen, bevor die konkreten Formen des Widerstandes dargestellt werden.
Wer waren die widerständigen Gruppen während der doppelten Diktaturerfahrung? Was waren die Mittel, mit denen sie gegen das jeweilige Regime vorgingen und wie versuchten die Führungen der NSDAP, beziehungsweise des Zentralkomitees der SED dagegen vorzugehen und den Widerstand einzudämmen? Lassen sich letztlich Phasen der Aktivitäten gegen den Staat ausmachen?
Nach dem Hauptteil wird in einer Schlussbetrachtung zu prüfen sein, inwieweit die Formen des Widerstandes und die repressiven Maßnahmen seitens des Staates in Nationalsozialismus und der DDR Parallelen aufweisen und wo Unterschiede bestanden.
Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Erinnerung an Ereignisse, Personen und Werte des Widerstandes gegen eine Diktatur in einer postdiktatorischen, parlamentarischen Demokratie. Gerade in Bezug auf die ehemalige DDR, die heute Gefahr läuft als „Kuscheldiktatur“ verharmlost zu werden, scheint diese Fragestellung unabdingbar zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Widerstandsbegriffes
3. Ein Vergleich der deutschen Diktaturen
4. Der Widerstand im Nationalsozialismus
4.1 Widerstand der Arbeiter
4.2 Widerstand der Kirchen
4.3 Widerstand aus dem Exil
4.4 Jugendwiderstand
4.5 Militärischer und konservativer Widerstand
4.6 Bewertung
5. Widerstand in der DDR
5.1 Widerstand von bürgerlichen Parteien und SPD
5.2 Der Volksaufstand des 17. Juni 1953
5.3 Jugendwiderstand
5.4 Flucht und Ausreise als Widerstand
5.5 Widerstand der Kirche
5.6 Die Bürgerrechtsbewegungen und politischen Gruppen
5.7 Bewertung
6. Vergleichende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht wissenschaftlich den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die DDR, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in beiden deutschen Diktaturen herauszuarbeiten. Dabei liegt der Fokus auf der Definition des Widerstandsbegriffs sowie der Analyse der Akteure, Methoden und staatlichen Repressionsmaßnahmen.
- Vergleichende Analyse totalitärer Herrschaftssysteme in Deutschland.
- Untersuchung verschiedener Formen des Widerstands (politisch, kirchlich, jugendlich, militärisch).
- Bewertung der Rolle von Widerstandsbewegungen für den gesellschaftlichen Umbruch.
- Erörterung der Gefahr der historischen Verharmlosung der DDR-Diktatur.
- Reflektion über die Erinnerungskultur in der postdiktatorischen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4.1 Widerstand der Arbeiter
Die erste zu betrachtende Gruppe ist die deutsche Arbeiterschaft, vertreten durch Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschaften. Sie sahen sich gleich zu Beginn von Hitlers Diktatur einem ungleich mächtigen Gegner gegenübergestellt – der SA. Zwar hatte sich Hitlers Schlägertruppe schon in den Jahren vor 1933 einen zweifelhaften Ruhm erworben, nun aber sann Hitler über die für den 5. März 1933 angesetzten Neuwahlen nach der absoluten Mehrheit im Parlament und ließ seinen „Wahlkampf“ mit entsprechender Härte auf der Straße führen.
Die Anhänger der KPD waren als Reaktion auf den vom holländischen Anarchisten van der Lubbe gelegten Reichstagsbrand seit dem 27. Februar 1933 bereits einer beispiellosen Verfolgungswelle ausgesetzt und daher nahezu kaltgestellt. Dennoch errang Hitler statt der erhofften Mehrheit nur 43,9% der Stimmen und musste sein Kabinett mit Unterstützung der DNVP bilden. Die Opposition der Wähler von SPD (18,3%), KPD (trotz Verfolgung 12,3%) und Zentrum (18%) hatten ihn um die absolute Mehrheit gebracht.
Auch als Hitler dem Reichstag das sogenannte „Ermächtigungsgesetz“ am 23.3.1933 vorlegte, stimmte eine mutige Minderheit von 94 Stimmen der SPD gegen selbiges. Ein letzter oppositioneller, aber sinnloser Akt. Das Gesetz wurde dank der Stimmen von DNVP und Zentrum angenommen, Hitler hatte nun jene umfangreichen Befugnisse, die er benötigte, um absolut in Deutschland zu herrschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, den Widerstand in der NS-Zeit und der DDR wissenschaftlich zu vergleichen, um auf die Gefahr der Verharmlosung der DDR als "Kuscheldiktatur" hinzuweisen.
2. Definition des Widerstandsbegriffes: Dieses Kapitel etabliert das theoretische Fundament, indem es Widerstand von Opposition, Protest und Resistenz abgrenzt, um eine konsistente Vergleichsbasis zu schaffen.
3. Ein Vergleich der deutschen Diktaturen: Es werden die systemimmanenten Gemeinsamkeiten und eklatanten Unterschiede beider Diktaturen analysiert, wobei besonders die unterschiedliche Lebensdauer und historische Einbettung hervorgehoben werden.
4. Der Widerstand im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Gruppen und Formen des Widerstands gegen das NS-Regime, von der Arbeiterschaft und den Kirchen bis hin zu Exilgruppen, Jugendwiderstand und konservativen Militärs.
5. Widerstand in der DDR: Die Untersuchung chronologisiert den Widerstand in der DDR, beginnend bei den Parteien nach 1945, über den Volksaufstand 1953 und den Jugendwiderstand bis hin zur Bürgerrechtsbewegung im Umfeld der Wende.
6. Vergleichende Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Gemeinsamkeiten und Differenzen des Widerstands, hinterfragt die Wirksamkeit der Proteste und mahnt einen kritischen Umgang mit der DDR-Vergangenheit in der heutigen Erinnerungskultur an.
Schlüsselwörter
Widerstand, Nationalsozialismus, DDR, Diktaturvergleich, Opposition, Resistenz, Unterdrückung, SED, NS-Regime, Widerstandskämpfer, Freiheit, Demokratie, Erinnerungskultur, Aufstand, Repression
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das widerständige Verhalten gegen die beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts – das NS-Regime und die DDR – um deren Strukturen und den Anteil des Widerstands an politischen Veränderungen zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Widerstandsformen, darunter den Widerstand durch Parteien, Kirchen, Jugendliche, exilierte Intellektuelle sowie militärisch-konservative Kreise.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Widerstand in beiden Systemen wissenschaftlich gegenüberzustellen, um historische Parallelen und Unterschiede aufzuzeigen und dabei die Verharmlosung der DDR zu kontern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-vergleichende Methode angewandt, die auf einer präzisen Definition von Begriffen wie Widerstand, Opposition und Resistenz basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke, die separat den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den Widerstand in der DDR nach chronologischen und inhaltlichen Kategorien untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Schlagworten gehören Widerstand, Diktaturvergleich, Opposition, Repression, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Umbruch.
Wie bewertet der Autor den Erfolg des Widerstands?
Der Autor argumentiert, dass der Widerstand trotz des Ausbleibens unmittelbarer politischer Erfolge (wie dem Sturz der Regime) eine hohe moralische und geschichtliche Bedeutung für die Zukunft nach der Diktatur hatte.
Welche Rolle spielte die Kirche im Widerstand beider Systeme?
Die Kirche agierte in beiden Systemen als ein Bereich, der versuchte, autonome Räume zu bewahren, wurde jedoch in beiden Fällen durch staatliche Maßnahmen (Gleichschaltung im NS, Unterdrückung/Instrumentalisierung in der DDR) unter Druck gesetzt.
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- Tobias Wehrmeister (Author), 2007, Widerstand in Nationalsozialismus und DDR - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121990