Diese Arbeit enthält unter anderem einen kurzen Überblick zu den Theorien der Phantastik; spricht aber auch die Thematik des Unheimlichen, des Körpers (mechanischen wie leiblichen) und der Industrialisierung an. Gezeigt wird anhand der "Eve Future" von Villiers d'Isele-Adam die verrückte Liebe eines jungen Adeligen zu einer konstruierten Frau; die Genderproblematik des 19.Jh. und die futuristischen Ansätze der phantastischen Literatur an der Schwelle zu einer neuen Ära.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Phantastik
1.1. Definition und Abgrenzung
1.2. Geschichtliche Entwicklung des Genres
2. Villiers L’Ève future
2.1. Der Autor, seine Zeit und die Entstehungsgeschichte des Werkes
2.2. Das Werk
2.2.1 Inhalt
2.2.2. Erzählzeit, Erzählmodus, Erzählstimme
3. L’Ève future im Kontext des 19. Jahrhunderts und der Phantastik
3.1. Phantastische Elemente in L’Ève future
3.1.1. Grenzüberschreitungen
3.1.2. Zweifel und Schauplätze
3.2 Das Unheimliche
3.2.1 Die Technik als übernatürliches Phänomen
3.2.2 Edisons Haus
3.2.3 Geisterwelt
3.3. Das 19.Jahrhundert: eine Welt im Wandel
3.3.1. Technik
3.3.2. Adel
3.3.3. Frauenbilder
3.4. Der künstliche Mensch
3.4.1 Der Schöpfungsakt
3.4.2. Der Automat
3.4.3 Ambivalenz der Maschine
Reflektion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Roman "L’Ève future" von Villiers de l’Isle-Adam auf seine phantastischen Elemente, die Einbettung in den gesellschaftshistorischen Kontext des 19. Jahrhunderts sowie die zentrale Darstellung des künstlichen Menschen als Ausdruck von Technikambivalenz und Geschlechterrollen.
- Definition und historische Entwicklung des Genres Phantastik
- Biografischer und entstehungsgeschichtlicher Kontext von Villiers de l’Isle-Adam
- Analyse der phantastischen Elemente und der Inszenierung des Unheimlichen
- Kultur- und gesellschaftskritische Betrachtung des 19. Jahrhunderts
- Technikskepsis und das Motiv des künstlichen Menschen (Hadaly)
Auszug aus dem Buch
Die Technik als übernatürliches Phänomen
C’était un bras humain posé sur un coussin de soie violâtre. Le sang paraissait figé autour de la section humérale: à peine si quelques taches pourpres, sur un chiffon […] attestaient une récente opération.
Es stellt sich im Laufe der Erzählung heraus, dass es sich hierbei um einen künstlichen Arm handelt; die Betrachtung dieses technischen Objekts ist nicht nur unheimlich, sondern auch grotesk. Dies scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, da ja gerade die Technik als rationell und nachvollziehbares Moment eigentlich keine Irritation in der Rezeption hervorrufen sollte oder dürfte. Doch Edisons Technik funktioniert nicht immer nach den uns geläufigen Gesetzten der Physik, vielmehr hat sie ein (unerklärliches) Eigenleben entwickelt.
So weist der Vorgang des Telefonierens in Villiers Fiktion einige bedeutende Abweichungen vom damaligen tatsächlichen Gebrauch auf: um telefonieren zu können, musste man sich erst von einer zentralen Stelle verbinden lassen, das „anwählen“ von spezifischen Nummern war nicht möglich; sondern man wurde von dieser zentralen Stelle aus immer weitergeleitet; und das auch nur, wenn die Person am gegenüberliegenden Apparat bereit war, den Anruf anzunehmen. Ein einfaches Gespräch von einer Person zu nächsten war also nicht ohne vermittelnde Stelle realisierbar. Und schon gar nicht ohne den Hörer abzunehmen.
Wenn Villiers in der Erzählung also solche technischen Details verschweigt, andere aber umso genauer zu beschreibt, erzeugt er eine unheimliche Atmosphäre in der das Erklärte genauso irrationell bleibt, wie das Unerklärliche. Villiers Umgang mit Technikbeschreibungen verfolgt also nicht den Zweck einer wissenschaftliche Erklärung; sondern [...] funktioniert nur, wenn man auf den Versuch verzichtet, die vorgebrachten Zusammenhänge mit ihrer schwindelerregenden Detailfülle auch nur ansatzweise nachzuvollziehen, und die Tiraden Edisons statt dessen wie ein symbolisches Gedicht wirken lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage, ob Villiers de l’Isle-Adams Werk als phantastisch einzustufen ist, und erläutert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
1.Phantastik: Dieses Kapitel definiert das Genre der Phantastik anhand theoretischer Ansätze und beschreibt dessen geschichtliche Entwicklung von der Romantik bis hin zum 20. Jahrhundert.
2. Villiers L’Ève future: Hier werden der Autor, die Entstehungsgeschichte des Romans sowie formale Aspekte wie Inhalt, Erzählzeit und Erzählperspektive behandelt.
3. L’Ève future im Kontext des 19. Jahrhunderts und der Phantastik: Dieser zentrale Teil untersucht die phantastischen Motive, das Unheimliche durch Technik und Schauplätze, gesellschaftliche Umbrüche sowie die ambivalente Darstellung des künstlichen Menschen.
Reflektion und Ausblick: Das Fazit bestätigt den phantastischen Charakter des Romans und reflektiert die im Arbeitsprozess gesetzten Schwerpunkte und Kompromisse.
Schlüsselwörter
Phantastik, L’Ève future, Villiers de l’Isle-Adam, Technik, Künstlicher Mensch, Hadaly, Unheimliches, 19. Jahrhundert, Wissenschaft, Geschlechterrollen, Hysterie, Edison, Literaturwissenschaft, Moderne, Ambivalenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Roman "L’Ève future" im Hinblick auf seine Zugehörigkeit zum Genre der Phantastik und die darin enthaltenen gesellschaftlichen und technischen Diskurse des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition des Phantastischen, die Rolle von Technik, die Darstellung des künstlichen Menschen sowie die Auseinandersetzung mit damaligen Frauenbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass es sich bei Villiers de l’Isle-Adams Werk um einen phantastischen Roman handelt und wie dieser das Unheimliche durch Technik und Wissenschaft inszeniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die theoretische Definitionen des Phantastischen (u.a. nach Todorov) auf den Roman anwendet und durch kulturwissenschaftliche Aspekte ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit phantastischen Elementen, der Rolle Edisons als Erfinder, der Bedeutung des Schauplatzes, dem Adel sowie der kritischen Untersuchung des künstlichen Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Phantastik, Technik, Künstlicher Mensch, Hadaly, Unheimliches und die gesellschaftliche Rolle der Frau im 19. Jahrhundert.
Wie unterscheidet sich die im Buch beschriebene Technik von der Realität des 19. Jahrhunderts?
Die Technik im Buch besitzt oft irrationale oder "magische" Züge, die bewusst als unheimliches Stilmittel eingesetzt werden und nicht der naturwissenschaftlichen Realität entsprechen.
Warum wird die Figur Hadaly als "künstliche Frau" mit dem Garten Eden in Verbindung gebracht?
Die Bezeichnung "L’Eden sous terre" für Hadalys Aufenthaltsort unterstreicht Edisons Bestreben, sich als Schöpfer einer künstlichen Welt zu inszenieren, die mit Gottes Schöpfung konkurriert.
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- Sara Claire Kerschbaumer (Author), Stefanie Huber (Author), 2006, L'Eve future und das Genre der Phantastik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122079